Bücherwelt: Anyone but you von Anna Carey

Als ich das Buch zum ersten Mal gesehen habe, hat das Cover mich direkt angesprochen. Für mich wirkt es, als würden diese beiden Menschen in tiefer Verbundenheit zusammensitzen und ruhig auf einen See blicken. Eine Verbundenheit, die man nur mit wenigen Menschen teilt. Beim Lesen des Klappentexts habe ich eine Geschichte voller Gefühl, Herzlichkeit, zweiten Chancen und ohne allzu schwere Themen erwartet. Ich muss sagen: ich wurde nicht enttäuscht 😉
Zum Inhalt
In dem Roman erzählt die Autorin eine abgewandelte Geschichte ihrer eigenen Vergangenheit. Im Nachwort verrät sie, dass sie ihren Mann vor dreißig Jahren am Trinity College kennen gelernt hat (ein Teil der Geschichte spielt dort) Sie haben gemeinsam Songs geschrieben, eine Band gegründet und sich vor 24 Jahren nach einem Gig zum ersten Mal geküsst.
Bei Laura und Tadhg läuft es hingegen etwas komplizierter. Beide lernen sich bereits während ihrer Schulzeit in einem Sommercamp kennen, wo sie die Liebe zur Musik verbindet. Beide merken sehr schnell, dass sie zusammen fantastisch musizieren können. Die Harmonie passt einfach von Anfang an. Durch einen dummen Zufall verlieren die beiden sich nach dem Camp aus den Augen und treffen erst im College wieder aufeinander, wo eine innige Freundschaft entsteht. Sie genießen die Gegenwart des anderen, spielen zusammen in einer Band und komponieren die besten Songs in Teamarbeit. Obwohl es für ihr Umfeld offensichtlich ist, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben, wollen sie nichts davon wissen. Zumindest will keiner der beiden die Freundschaft für „mehr“ aufs Spiel setzten. Es kommt, wie es kommen muss: Nach einem Missverständnis trennen die beiden Freunde sich im Streit und sprechen 16 Jahre nicht mehr miteinander. Es scheint kein Zurück mehr zu geben und sie verlieren sich aus den Augen.
Tadgh macht weiterhin Musik und mausert sich zum weltberühmten Star. Laura hängt ihre Gitarre an den Nagel und verdient ihren Lebensunterhalt stattdessen in der Werbebranche. Am Tiefpunkt in Lauras Leben; sie ist mittlerweile 36 Jahre alt; meldet sich völlig überraschend das Management von Tadgh bei ihr. Sie soll mit ihm einen Song fertigstellen, den die beiden vor sechszehn Jahren als Team begonnen haben, aber nie vollenden konnten …
Rezension

Das Buch ist wundervoll geschrieben: leicht und flüssig zu lesen und, obwohl es immer wieder heftig knistert – ganz ohne Spice. Anna Carey wechselt immer wieder zwischen den Jahren 1999 und 2019 hin und her. Zu Beginn des Buches steht überwiegend Lauras Leben im Vordergrund, bis sie die E-Mail von Tadghs Management erhält. Anschließend spielt die Autorin mit den unterschiedlichen Zeitebenen.
Wir erleben das Kennenlernen und im weiteren Verlauf immer wieder Einblicke in ihr gemeinsames Leben am College. Für mich bleibt es trotz der Zeitwechsel sehr stimmig. In den Kapitelüberschriften steht für eine bessere Orientierung das jeweilige Jahr.
Was mir auch sehr gut gefallen hat: die Charaktere sind etwas älter und reifer in der Entwicklung. Das ist eine gelungene Abwechslung, denn die Autorin schafft es wunderbar, die unterschiedlichen Gedanken, Lebensentscheidungen und Erwartungen an die eigene Zukunft, in den jeweiligen Lebensjahren darzustellen. Anfang 20- jährige haben eben doch andere Ansichten und Prioritäten als Menschen mit Ende 30.
Der überwiegend leichte Lesefluss wurde zwischendurch leider durch die komplizierten irischen Namen gestört. Obwohl die Autorin sie im Vorwort erklärt, bin ich häufig darüber gestolpert. Nichtdestotrotz passen die Namen sowohl zum Roman als auch dem kompletten Setting.
Die Liebe von Anna Carey, sowohl zur Musik als auch dem Komponieren und Schreiben von Songtexten, ist aus jedem Kapitel deutlich herauszulesen. Die Verbundenheit und Magie, die entstehen können, sobald Menschen gemeinsam mit viel Herzblut Musik machen, ist beim Lesen spürbar. Wie Musik sie einander näherbringt und die Leidenschaft ein unsichtbares Band knüpft.
Einen Song, den die Autorin im Buch beschreibt, hat sie sogar selbst mit ihrem Mann komponiert. Gleichwohl thematisiert sie innerhalb der Geschichte tiefe, innige Freundschaften. Jene, die viele Jahre oder gar Jahrzehnte Bestand haben. Freundschaften, die einen ohne Wenn und Aber in schlechten Phasen auffangen. Bei denen jeder so sein kann, wie er oder sie will.
Freundschaften, die sich auch nach einem Treffen, dass bereits längere Zeit zurück liegt, so anfühlen, als hätte man sich erst gestern das letzte Mal gesehen.
Das abrupte Ende finde ich ziemlich schade. Die Geschichte hat keinen Cliffhanger und ist in sich abgeschlossen, allerdings (ich will hier nicht spoilern) sind die letzten Seiten eng zusammengefasst und es geht schnell dem Ende zu. Die Lebensgeschichte der beiden, die im Laufe des Buches detailliert auf 450 Seiten erzählt wird, hätte meiner Meinung nach ein längeres und ausführlicheres Ende verdient.
Fazit
Eine leichte, schnell zu lesende, Liebevolle Lektüre über das Leben und die Liebe. Darüber was passieren kann, wenn Menschen nicht über ihre Gefühle sprechen. Darüber wie schnell die Leidenschaft und sogar Talent für die vermeintliche Sicherheit einer „vernünftigen“ Zukunft geopfert wird.
Und darüber, dass es niemals zu spät ist.
Weder für die Liebe noch für die eigenen Träume.
Klappentext
„Früher einmal hat Laura sich ihr Leben ganz anderes vorgestellt. Doch sie hat ihre verrückten, großen Träume aufgegeben, weil man das als Erwachsene „eben so“ macht. Und das ist okay. Außer wenn sie Tadhg, den Jungen von damals – mit dem unlesbaren irischen Namen -, im Radio hört oder auf Plakaten sieht. Tadhg ist heute ein Weltstar, gefeiert, begehrt, unfassbar attraktiv, und erinnert Laura daran, was alles hätte sein können. Und als sie an einem absoluten Tiefpunkt in ihrem Leben eine Nachricht von seinem Management erhält, muss sie sich fragen, ob alles, was hätte sein können, noch möglich ist? Tadhg will einen Song fertigstellen, den sie vor sechszehn Jahren gemeinsam geschrieben haben. Und vielleicht, auch wenn sie inzwischen in unterschiedlichen Welten leben, vielleicht verdient nicht nur der Song eine zweite Chance?“
Anyone but you ist am 17. Juni 2026 im Goldmann Verlag erschienen.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Vertrauen und die Zusendung des Rezensionsexemplars.
Gastbeitrag von Alexandra