Brüder Grimm Spiele Hanau: Schneewittchen 2026

Rezensierte Vorstellung: 24. Juli 2026
Dieses Jahr durften wir gleich zweimal zu Gast bei den 42. Brüder Grimm Festspielen im Amphitheater Hanau sein. Bei unserem ersten Besuch im Mai durften wir uns eine fantastische Weltpremiere von „Tischlein, deck dich!“ anschauen (wir berichteten). Am 24.07.2026 folgte für uns die Aufführung von „Schneewittchen“, welche ebenfalls als Weltpremiere bei den Festspielen zu sehen war und am 29.07.2026 bereits Dernière feierte.
Das beliebte Märchen der Brüder Wilhelm und Jakob Grimm ist im Jahr 1812 in Grimms Kinder- und Hausmärchen erschienen und dient als Vorlage für die fantasievolle Inszenierung, die in Hanau nach dem Buch und der Komposition von Jan Radermacher (ebenfalls Regie) und Timo Riegelsberger und der musikalischen Leitung von Malte Bechtold steht.
Beworben unter „Theater mit Musik“, gleicht „Schneewittchen“ doch sehr einem Musical für die ganze Familie statt einem Theaterstück. Am Abend unseres Besuchs war das Amphitheater sowohl mit Kindern als auch Erwachsenen vollbesetzt und begeisterte mit einer tollen und modernen Geschichte, gutem Schauspiel, viel Witz und toller Musik Jung und Alt.
Die Hanauer Neuinszenierung bricht direkt mal mit den alten Klischees und stellt klar: Zwerge müssen nicht immer „Hei-Ho“ singen. Sie müssen auch nicht zwanghaft rote Zipfelmützen tragen (auch wenn diese im Laufe des Stücks ins Spiel kommen) und es reichen auch (erstmal) nur 6 statt 7 Zwerge!

Die Geschichte an sich ist Jedem bekannt. Königin Sirenna von Veldorian (Johanna Haas) möchte die Schönste im ganzen Land sein. Als ihre 18-jährige Stieftochter Schneewittchen (Rosa Alice Abruscato) aber als Schönste auserkoren wird, gerät Sirenna in Panik und hat nur ein Ziel: Schneewittchen muss getötet werden. Doch diese flüchtet mit der Hilfe von Lord Ares (Benedikt Selzner), weit hinter die Berge in den dunklen Wald und landet schlussendlich in der Hütte der Zwerge. Diese sind zuerst sehr skeptisch und wollen die junge Frau schnellstmöglich wieder loswerden, doch die Meinung ändert sich schnell als Schneewittchen erkennt, dass man nicht durch Schönheit weiterkommt, sondern innere Werte viel mehr zählen. Kurzerhand tauscht sie ihr wunderschönes rotes Kleid gegen eine Hose und Stiefel und passt sich den Zwergen an. Dalwin (Marius Schneider), Sigurd (Hanna Kogler), Ranghilda (Barbara Seeliger), Grimbold (Jan Henning Kraus), Nurik (Jiri Dehmel) und Rurik (Valentin Mirow) geben sich alle Mühe, Schneewittchen in ihr Leben im Wald zu integrieren. Am Ende retten sie Schneewittchen vor dem Tod und das Publikum darf sich auf eine etwas andere Liebesgeschichte als im bekannten Märchen freuen…
Den Machern ist hier wieder einmal mehr eine ganz wunderbare, familiäre und kurzweilige Inszenierung gelungen. Mit nur zehn Darstellerinnen und Darstellern wurde hier etwas ganz Tolles geschaffen und die gut zwei Stunden vergingen wie im Flug.
Vor allem Johanna Haas, Rosa Alice Abruscato, Jiri Dehmel und Valentin Mirow stachen an diesem Abend besonders hervor. In ihrer Rolle als Königin Sirenna von Veldorian glänzte Johanna Haas und begeisterte das Publikum mit ihrem einzigartigen Schauspiel und Gesang. Rosa Alice Abruscato stand nicht nur in der Rolle des Schneewittchens auf der Bühne, sie lebte Schneewittchen. Ob alleine oder im Zusammenspiel mit Bühnenpartner Valentin Mirow (in der Rolle des Zwerges Rurik) waren beide voller Spielfreude und harmonierten in ihren Rollen ganz wunderbar. Völlig berechtigt belegten die beiden Protagonisten Platz 2 (Abruscato) und Platz 3 (Mirow) bei der Wahl des Hanauer Publikumspreises 2026 – Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Für viele Lacher sorgte zudem Jiri Dehmel in der Rolle des quirligen Zwerges Nurik.

Die diesjährigen 42. Brüder Grimm Festspiele endeten am 31.07.2026 mir der Dernière von „Amadeus“. Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit und freuen uns auf unseren nächsten Besuch im Jahr 2027.
Besetzung:
- Schneewittchen von Veldorian: Rosa Alice Abruscato
- Königin Sirenna von Veldorian: Johanna Haas
- Anneris: Barbara Bach
- Lord Ares: Benedikt Selzner
- Prinz Florin von Thandor / Dalwin: Marius Schneider
- Ranghilda, u.a.: Barbara Seeliger
- Grimbold, u.a.: Jan Henning Kraus
- Rurik, u.a.: Valentin Mirow
- Sigurd, u.a.: Hanna Kogler
- Nurik, u.a.: Jiri Dehmel
In eigener Sache: Die Brüder Grimm Festspiele wurden in der diesjährigen Spielzeit gleich zweimal Opfer von Vandalismus. Der Schaden liegt im fünfstelligen Bereich. Die Aussage der Brüder Grimm Festspiele „Kultur verdient Respekt!“ (Quelle: Instagram/Brüder Grimm Festspiele) unterstützen wir zu 100%. Kultur ist ein hohes Gut, welches man mit vollem Respekt und Anerkennung ansehen und unterstützen sollte! Wir sind dankbar für das kulturelle Leben in Deutschland und hoffen, dass es uns noch lange erhalten bleibt und Freude bereitet.
Wir bedanken uns bei den Brüder Grimm Spielen für die Einladung!
Artikel von Natascha
UPDATE – GRIMM ON TOUR 2027
Die Brüder Grimm Spiele in Hanau gehen auf Tour! Erstmals wird „Schneewittchen“ in 2027 auch außerhalb Hanaus zu erleben sein. Im Januar und Februar 2027 wird in München, Chemnitz und Bremen der Spiegel an der Wand nach der Wahrheit gefragt, wer die Schönste im Land ist. Weitere Informationen folgen!