Broadway meets Pop 2025
Bekannte Songs in neuem Gewand

Wenn Solisten wie Jan Ammann, Patrick Stanke, Sophia Riedl, Karolin Konert oder Ivy Quainoo für ein neuartiges Konzertformat bekannt gegeben werden, sind wir natürlich neugierig und möchten uns einen eigenen Eindruck von der Show verschaffen. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass zahlreiche Broadway-Stücke auf populären Songs basieren oder bekannte Musicalsongs von der Popbranche neu arrangiert werden – und das seit vielen Jahren. Vor diesem Hintergrund war es umso erfreulicher, ein Konzept zu erleben, das beide Welten zusammenführt und den Zuschauenden die Parallelen aufzeigt.
Eröffnet wurde der Abend mit dem bekannten Song „Empire State of Mind“ aus HELL´S KITCHEN – dem erfolgreichen R&B-Song von Alicia Keys und Jay-Z aus dem Jahr 2009. Vom ersten Ton an konnte die Interpretation der Solisten uns überzeugen, sodass unsere Erwartungshaltung für den Abend stieg.
Bereits im ersten Akt konnte das Publikum einige Highlights erleben. Dazu zählt beispielsweise die grandiose Neuinterpretation des berühmten WICKED-Songs „Popular” von Sophia Riedl. Ein bekannter Song, der in einer neuartigen Version daherkam und es verdient hätte, aufgenommen und veröffentlicht zu werden. Insgesamt bot der Abend viele Wicked-Vibes, was uns erfreute. Schließlich stand mit Sophia Riedl, der deutschsprachigen Gesangsstimme der Glinda aus dem erfolgreichen Kinofilm, eine echte Wicked-Expertin auf der Bühne. Aber auch das Medley aus LES MISERABLES mit „On My Own” und „I Dreamed a Dream” zählte zu einem der Höhepunkte des Abends.
Natürlich durfte bei diesem Konzert auch das Musical HAMILTON nicht fehlen – nicht zuletzt, weil mit Ivy Quainoo auch eine der Hauptdarstellerinnen aus der Originalbesetzung in Hamburg auf der Bühne stand. Solche Songs, die nicht bei allen Konzertformaten Teil der Setlist sind, aber die Musicalwelt begeistern, zählten zu den Besonderheiten des Abends.

Karolin Konert verzauberte mit ihrer energiegeladenen Interpretation von „Sparkling Diamond“ aus MOULIN ROUGE. Unterstützt wurde sie dabei durch das Tanzensemble, dessen Mitglieder den ganzen Abend über vereinzelte Songs begleiteten. Doch auch sie versprühte zum Ende des Abends beim gemeinsamen Mash-up mit Ivy Quainoo von „Defying Gravity” und „Gravity” Wicked-Vibes. Die Vampire durften auch hier nicht fehlen, oder? Ihr gemeinsames Duett mit Jan Ammann von „Totale Finsternis“ überzeugte das Publikum.
Und doch war es ein anderer Song aus dem Musical, der bei vielen Konzertformaten gezeigt wird – aber wenn Jan Ammann die „Unstillbare Gier“ zum Besten gibt, können wir nie genug davon bekommen. So auch an diesem Abend. Jan Ammann erntete verdientermaßen tosenden Applaus und Standing Ovations. Doch er wusste nicht allein durch seine Stimme, sondern gleichermaßen durch sein Schauspiel in einem DER Songs aus dem Musical ELISABETH („Der letzte Tanz“), zu überzeugen. Restlos begeistert, können wir nicht oft genug betonen, welch ein Ausnahmekünstler Jan Ammann ist.
Patrick Stanke führte gewohnt locker und souverän durch den Abend, heizte mehrfach die Stimmung an und hatte das Publikum von Anfang an auf seiner Seite. Mit Songs wie „Bring Him Home” oder „Unchained Melody” bewies er seine Vielseitigkeit.

Ivy Quainoo begeisterte uns in ausnahmslos jeder ihrer Darbietungen. Angefangen bei der tief bewegenden Interpretation aus „Hamilton“ und der Eröffnung des zweiten Akts mit dem Song „Circle of Life“ bis zu ihrem Mash-up aus „Defying Gravity“ und „Gravity“ mit Karolin Konert. Ivy Quainoo ist eine beeindruckende Sängerin, deren Stimme wir am liebsten noch viel häufiger auf den Theaterbühnen hören würden.
Sophia Riedl stach besonders positiv hervor. Bereits nach der Show kam mir der Gedanke: „Ich bin Sophialifiziert“. Sie ist eine kleine Frau mit großer Stimme und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz. Kein Wunder, dass sie die deutsche Stimme vieler Disneysongs ist und außerdem die deutschen Glinda-Songs im Erfolgsfilm „Wicked” singt. Neben ihrer wunderbaren Version von „Popular“ konnte sie auch in dem Disney-Song „Ich wünscht, es wäre wahr“ brillieren. In der Vergangenheit konnten wir Sophia Riedls Können an der Geige bereits im Musical „Once“ bewundern. Auch bei diesem Konzert übernahm sie den Geigenpart in einem Lied, was uns sehr freute. Mein persönliches Highlight des gesamten Abends kam auch von ihr: „Part of Your World“ aus dem bekannten Disneyfilm ARIELLE (auch hier lieh sie den deutschen Songs im Film ihre Stimme). Der Song erinnerte nicht mehr an einen klassischen Disneysong, sondern hörte sich vielmehr nach einem Lied im Stil von Whitney Houston an. Was sie an diesem Abend ablieferte, war der Wahnsinn.
Fazit
Es war ein Abend mit zahlreichen neuen und mutigen Arrangements bekannter Songs. Nicht jede Neuinterpretation konnte uns überzeugen, wobei das natürlich reine Geschmackssache ist. Manchmal hätten wir uns eine etwas kreativere Songauswahl gewünscht, statt der bei den meisten Konzertformaten üblichen Titel. Dafür waren alle Mash-Ups gelungen und die Solisten ausnahmslos grandios. Die Band sorgte für einen tollen Sound – und das über den ganzen Abend hinweg. Ein neues Format, bei dem jeder auf seine Kosten kommt. Während die beeindruckende Lichtershow aus den hinteren Reihen beeindruckend war, stellte sich diese für die Gäste in den vorderen Reihen als störend dar. Sie wurden stark geblendet, weshalb eine geringere Intensität vielleicht besser gewesen wäre.
Tourstopp in Bremen am 25. November 2025
BROADWAY MEETS POP – beworben als Live-Erlebnis für alle mit den größten Musicalhits im Pop-Sound. Ich war gespannt, was mich erwartet. Eigentlich konnte mit dieser hochwertigen Cast (Karolin Konert, Sophia Riedl, Ivy Quainoo, Jan Ammann, Patrick Stanke) nur etwas großes auf der Bühne gezeigt werden und das wurde es auf jeden Fall.
Im Metropol Theater in Bremen konnte die Aufführung dieser Show nur durch neue Aufteilung der Gesangsparts und kurzfristiger Proben umgesetzt werden. Patrick Stanke war erkrankt und es fehlte einer der zwei Herrenparts. Die Beteiligten wollten das Bremer Publikum nicht enttäuschen und übernahmen die Parts einfach mit, bzw. teilten sie anders auf. Außerdem konnte Hector Mitchell-Turner aus dem Tanzensemble einspringen und sang gefühlvoll den Tarzan-Song „You’ll be in my heart“. Danke für die Extra-Arbeit an alle! Wenn man als Zuschauer ein eingespieltes, energetisches, spielfreudiges Ensemble sieht, kann man kaum glauben, dass ein wichtiger Sänger fehlte. Hut ab vor diesen großartigen Voll-Profis!

Die Moderation wurde abwechselnd durch die Solo-Künstler übernommen. Es wurden interessante Details beschrieben, wie sich Musical und Popmusik beim jeweiligen anderen Genre bedienen und bereichern. Dazu wurden Ausschnitte der Songs eingespielt und die Unterschiede hörbar gemacht. Jeder Künstler erzählte auch noch ein paar Anekdoten aus seinem Job und so mancher Lacher war im Publikum zu hören.
Neue Arrangements von Musicalklassikern, Musicalsongs verwoben mit Popsongs-dieses Konzertformat hat einige Lieder der zahlreichen Musicalkonzerte entstaubt. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber jeder kann sich selbst ein Bild machen.
Die Songs wurden live gespielt von einer Band, die während der gesamten Show auf der Bühne vom Publikum beobachtet werden können. Sie sind Teil der Vorstellung und lassen schwungvoll und gekonnt die Töne ins Publikum ziehen. Schnell wurde im Takt mit geklatscht und mitgefeiert. Gut eingesetzt, trägt auch das Tanzensemble mit seiner Präsenz auf der Bühne diesen einzigartigen Showabend. Passend zur Musik wurden die Gefühle auch tänzerisch dargestellt und sichtbar gemacht.

Geballte Frauen-Power und ein Hahn im Korb, der in dieser Show viele verschiedene Facetten zeigen kann, so kann man die Solo-Künstler des Abends beschreiben. In vielen Konzertformaten eher für die klassischen Musicals bekannt, dufte Jan Ammann in Bremen alle Rollen bedienen. Fiyero, Danny, Tod, Phantom, Graf von Krolock ,alles wurde gekonnt und stark gesungen. Sein Auftritt mit dem „Letzten Tanz“ aus ELISABETH in einer rockigen Version lässt den Theatersaal zurecht mit langem Beifall jubeln. „Die Unstillbare Gier“ hat Ammann bereits tausende Male gesungen und doch ist diese Version am Ende mit Klängen von Meat Loaf verwoben etwas sehr besonderes. Der letzte Ton scheint gar nicht enden zu wollen und beweist einmal mehr, wie groß das Können von Jan Ammann ist. Im Duett mit den Sängerinnen harmoniert er stets und steht mit ihnen immer auf einer Stufe.
Karolin Konert glänzt nicht nur mit ihrem glitzernden Outfits, sondern den ganzen Abend mit starker Stimme. DIE EISKÖNIGIN hat doch eigentlich jeder im Ohr und dennoch macht Konert den Song zu ihrem eigenen. Auch bei „Totale Finsternis“ zeigt sie, wie viele Seiten eine Rolle doch haben kann und steigert die Töne im Laufe des Duetts immer weiter.
Sophia Riedl zeigt als Glinda aus WICKED, dass es nicht nur eine Version eines Songs zu singen gibt. Auch die Show-Variante steht ihr sehr gut und als Christine im PHANTOM DER OPER beweist sie, wie großartig ihre Stimme ist. Nicht nur diverse Disney-Prinzessinnen stehen ihr gut.
Ivy Quainoo, als Stargast beworben, fügt sich Wunder in die Künstlerriege und sorgt beim „Circle of life“ für Gänsehaut. Mit ihren Hamiltonsongs beweist sie, dass ihre Stimme die Genre Pop und Musical bedienen kann. Beeindruckend zeigt sie ihr Können mal laut und mal leiser.
Eine großartige Lichtshow komplettiert den einmaligen Konzertgenuss. Durch Farbwechsel erzielt die Show eine Änderung der Emotionen.
Cast & Kreative:
- Jan Ammann
- Patrick Stanke (in Bremen leider erkrankt)
- Sophia Riedl
- Karolin Konert
- Ivy Quainoo
- Tanzensemble: Marit Beentkes, Annika Schmidhuber, Nina Walker, Hector Mitchell-Turner, Kieran Alexander Price, Harvey Shulver
- Musikalische Leitung: Daniel Weiß
- Regie: Marco Krämer-Eis
- Choreografie: Selly Meier
- Kostümdesign: Mara Lena Schönborn
- Lighting Design: Jannis Wietschorke
„Broadway meets Pop“ ist noch bis zum 14. Dezember live auf Tour. Tickets sind bei allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Wir bedanken uns für die Einladungen in Duisburg & Bremen. Zwei schöne Abende liegen hinter uns!
Artikel von Sandra (Duisburg) & Silke (Bremen)