ABBA Alaaf meets ABBA – Waterloo im Bällebad – Köln 2026

Musikalische Komödie um große Hits und schöne Möbel 

Besuchte Vorstellung: Offene Probe 16.07.2026

© Corinna Strick

Das Stück ist erst ein paar Minuten alt, schon erklingt der erste kölsche Mitsingsong „Hey Kölle, do bes e Jeföhl“. Das Publikum übernimmt fast unaufgefordert die Intonation und zeigt sich textsicher und mitmach-bereit, angesichts des noch ein klein wenig unsicheren Darstellers am neuen Spielort mit den nun aktuellen lokalen Reminiszenzen. Immerhin befinden wir uns in der einzigen Durchlaufprobe am neuen Spielort vor der eigentlichen Premiere am Tag darauf (Freitag, 17.07.26). 

Etwas später geht eine solche wunderbare Erinnerung noch an den Gründer der Volksbühne Willi Millowitsch – auch hier steigt das Publikum sofort mit Elan in „Ich bin ‘ne Kölsche Jung“ ein. Diese Schätze im Kölner Kulturgut bleiben nicht der einzige Publikumskontakt, wohl aber die einzigen Nicht-Abba-Songs des Abends und unterstreichen durch kölsche Anspielungen auf Fußball, die Höhner, den Flughafen u.v.m. immer wieder das sehr charmante Lokalkolorit. Diese Bezüge auf den Spielort waren zuvor selbstverständlich entsprechend passend auf Berlin bzw. Karlsruhe gemünzt, wurden aber laut Autor und Regisseur William Danne für die traditionsreiche Spielstätte in Köln noch einmal „aufgepimpt“.

Die Bühne und das Kreativteam 

Wir sehen ein typisches IKEA Ambiente mit sofortigem Wiedererkennungseffekt anhand der Kuscheltiere, Kleinmöbel, Pflanzen und Preisschilder etc. rund um einen Infopoint im Möbelcenter. Klug wurden Moving-Head-Scheinwerfer in die obersten BILLY Regale verräumt, sodass immer wieder konzert-anmutende Lichtszenerien, kreiert von Fabian Lustmann und Benedikt Lehmann, entstehen können. Offiziell wird die musikalische Komödie zwar nicht von der schwedischen Großfirma gesponsert, es sind aber über das Bühnenbild von Florian Angerer hinaus einige tatsächlich gute IKEA Witze, Kalauer und Wortspielereien in die flotten Dialoge eingebunden, die hervorragend zünden und das Stück sehr kurzweilig und wirklich sehr lustig machen.

© Nora Zimmer

Nebenbei sei erwähnt, dass die Volksbühne ihren Saal mit neuen Sitzpolstern aufgewertet hat. Leider sind die Stühle weiterhin gewohnt lose. Wenn sich dann, wie hier, enthusiastische Gäste laut lachend, mit klatschend und singend bewegen – was großartig ist, denn die Kölschen sowie die Zugereisten wissen hier ja wirklich zu feiern – bewegt sich eben mindestens die halbe Sitzreihe mit. Also hilft es nichts, man „drinkt eben ene met“ (Getränke dürfen mit in den Saal genommen werden) und genießt mit genügend Beinfreiheit die klimatisierte Party.

Letzteres gelingt unter anderem durch den hervorragenden Ton (auch Benedikt Lehman) und das musikalische Arrangement der großen ABBA-Hits durch Jörg Andreas Hilger. Die Playbacks und wenige Backings kommen zwar vom Band, aber, so viel sei vorweg genommen, die Stimmen der vier Darstellerinnen und Darsteller klingen in den Harmonien hervorragend und stellen sich auch immer wieder solistisch so exzellent heraus, dass es viel Applaus und teilweise Standing Ovations bereits während des Stückes gibt – zur Erinnerung: bei der Bühnen-Generalprobe vor der eigentlichen Kölner Premiere!

Überhaupt regen die erstmal simpel wirkenden, teilweise den Originalen entlehnten und von Patrick Stauf in die Show eingebundenen Tanzbewegungen und Choreos sofort zum Mitmachen an. Die Kostüme von Mihaela Schönfelder sowie die Maske durch Maria Sala unterstreichen die Charaktere treffend und beantworten zum fulminanten Show-Down die inzwischen brennende Frage, was man mit IKEA Tüten noch so alles tackern kann. 

Die Handlung

© Nora Zimmer

Klaus, der ausgebildete, aber aktuell erfolglose Musicaldarsteller ohne Engagement, beginnt seinen ersten Arbeitstag als Lageraushilfe unter der Anleitung der quirligen Mitarbeiterin Anke, die sich vor ihrem unbeliebten Einsatz im Smaland drücken will. Beide sind etwas in Angst vor der maximal gestressten Filialleiterin Inka, die unter Zeitdruck das 50jährige Firmenjubiläum, welches mit dem legendären Grand Prix Sieg der Kultband ABBA zusammenfällt, für eben jenen Tag organisieren muss. „Et kütt wie et kütt“, denn die vorbestellten „ABBAtare“, faktisch der millionenwerte Beamer für die lebensechten Hologramme, verunfallen mit dem Transport. Eine Lösung muss her, bevor die gefürchtete schwedische Firmenleitung unter dem Decknamen „Smörrebröd“ pünktlich zur Feier um 17 Uhr anreisen wird. 

Vor der Lösung taucht allerdings noch der verschroben-verschüchterte Bilanzbuchhalter Erwin auf, nachdem er von seiner ihn nicht-liebenden Noch-Ehefrau in der Fundgrube ausgesetzt worden war – ohne Chance, den Ausgang eigenständig wiederzufinden.

Die Ereignisse überschlagen sich, Klaus wird zum Initiator der zündenden Idee der ungleichen, unter Druck verbündeten Akteure und übernimmt die Proben zur fulminanten Ersatz-Show der „IKEAtare“ mit Klobürste und viel Elan. Dabei werden ein Tanztalent und eine verflossene Jugendliebe wiederentdeckt. Erwin wird in der Bettenabteilung erweckt und will trotzdem zur Ex und vor allem zu Mamma zurückkehren. Mamma Mia! Das Grande Finale droht in letzter Sekunde doch noch zu platzen, denn immerhin hat nicht jedes Musical ein Happy End oder greift doch noch das Kölsche Grundgesetz §3 „Et hätt noch emmer joot jejange“?

Die Akteure in Köln

Sina Schulz: Inka, die minimal überforderte, maximal gestresste Filialleiterin mit übertriebenem pfälzischem (?) Akzent, einem Hang zu, sagen wir mal „erstaunlichen“, Frisuren und zu Eskapaden in der Bettenabteilung sowie zu fulminanten gesanglichen Show-Stoppern.

Marco Fahrland-Jadue: Klaus, der desorientierte, seiner Mamma und seiner rabiaten Noch-Ehefrau sowie den Zahlen der Bilanzbuchhaltung verfallene Sonderling, der wohl die größte Persönlichkeitsentwicklung in kürzester Zeit durchmacht und sich fast unbemerkt, quasi im Hintergrund, als Ballett -Tanztalent zeigt.

Johann Anzenberger: Erwin, der völlig unverständlicherweise erfolglose Musicaldarsteller mit neuer Karriere als Aushilfs-Hubwagenfahrer im IKEA-Lager viel Kreativität, einem super Draht zum Publikum sowie großem Talent zur Chorleitung mit Klobürste.

Carina Smerdon: Anke, die resolut-lösungsorientierte, allerdings von Selbstzweifeln bezüglich ihres angeblich nicht vorhandenen Tanztalentes geplagte Mitarbeiterin, die in stetiger Sorge vor Strafversetzung ins Smaland lebt, aber mit Charme und Witz in jeglicher Hinsicht den Laden rockt.

© Nora Zimmer

Fazit

Ich war ehrlicherweise vor dem Besuch der offenen Probe nicht sicher, ob ich tatsächlich eine weitere ABBA-Show „brauchen“ würde. Die Originale und das bekannte „große“ Musical stehen doch für sich. Die Verbindung zu kölscher (Karnevals-)Tradition und auch noch zum schwedischen Möbelriesen löste in mir die Sorge vor einem albernen Slapstick-Abend aus. Aber weit gefehlt (!) und man muss auch nicht unbedingt ein ultimativer ABBA-Fan sein, um eine tolle Show zu erleben!

„ABBA – Waterloo im Bällebad“ vereint eine erstmal absurd klingende, in sich aber sinnhaft bleibende, Handlung mit Wortwitz, schnellem Spiel, klugen Anspielungen und charmantem Lokalkolorit sowie liebevoller und detaillierter Gesamtgestaltung mit perfekt eingebundenem Soundtrack der wohl beliebtesten ABBA Songs. Singende IKEA Verkaufsklassiker und Plüschkissen inklusive. Dabei strahlen die Akteure eine enorme Spielfreude aus, die sofort auf das Publikum übergeht. Dieses wird clever geführt und es weiß stets genau, ob man sich in der eigentlichen Handlung, einer Vorausschau, einem Gedankengang oder in einer Konzert Umgebung befindet. So wird an den passenden Stellen gelacht, gejubelt, mitgesungen (oder eben auch mal nicht) und spätestens zum Schluss ausgelassen mitgetanzt und gefeiert.

© Corinna Strick

Ein perfektes „kleines“ Musical mit fantastisch gemeinsam spielenden und singenden Darstellerinnen und Darstellern mit durchweg großartigen Stimmen! Die vielschichtigen Entwicklungen der Charaktere sind wunderbar mitzuerleben, der Gesang in Solos und den Harmonien eine große Freude mit Gänsehaut und Partystimmung. Show Stopper mit einzelnen, zum Schluss dann vollständigen, lang anhaltenden Standing Ovations sind absolut verdient!

Es ist wunderbar, wie sich ein relativ neues Stück (die Uraufführung fand 2024 in Karlsruhe statt) in die vielseitige Musical-Landschaft einfügt, diese ergänzt und für einen geringen Eintrittspreis von 10,00 € – 39,00 € einen qualitativ hochwertigen, kurzweiligen, herrlich mitreißenden Gute-Laune-Abend bietet! 

O-Ton einer Besucherin der offenen Probe: „Für diese Qualität, diese Stimmen und diesen großen Spaß ist das viel zu wenig Eintritt!“. 

In Köln bleibt die Show bis zum 9. August 2026. Danach gibt es eine kurze Spielzeitpause bis es an ihrem „Heimatort“ Karlsruhe ab dem 04. November 2026 eine Wiederaufnahme des Bällebades im ABBAhus gibt. Zuvor gibt es dort wieder Teil 2 zu erleben mit der „Dancing Queen am Hotdog-Stand“.

Spieltermine für 2027

  • 29.01.-27. Februar (immer Fr-So): Leipzig, Kammertheater
  • 02.-13. Juni: Berlin, Schlossparktheater
  • 07.-31. Juli, Stuttgart

Vielen herzlichen Dank an William Danne für das überaus spontane, sehr nette kurze Gespräch „zwischen Tür und Angel“ bzw. zwischen den Sitzreihen sowie an die Volkbühne am Rudolfplatz in Köln, dass ich dabei sein durfte!


Artikel von Corinna