West Side Story – Dortmund

Premiere am 24. November 2018

 

(c) Andreas Lander
(c) Andreas Lander

Die tragische und unsterbliche Liebesgeschichte des bekanntesten Paares der Weltliteratur aus der Feder von William Shakespeare, ist sicher jedem ein Begriff – es geht ganz klar um das Drama „Romeo und Julia“. Kein Stück wurde so oft als Grundlage für Neues herangezogen wie dieses. Verbotene Liebe zieht und zog schon immer Menschen in ihren Bann, denn das Gefühl ist so alt wie die Menschheit selbst. Auch viele hundert Jahre nach dem Erscheinen von „Romeo und Julia“ bietet der Stoff immer wieder Anreiz für ähnlich gestrickte Thematiken. Neu inszeniert, entstaubt und in andere Hüllen adaptiert entstehen Musicals wie „Bat out of Hell“, eine apokalyptische Geschichte aus der Stadt Obsidian im Jahre 2030, oder aber der 1957 im National Theatre in Washington uraufgeführten „West Side Story“. Ihr deutschsprachiges Debut erlebte die „Mutter des Musicals“ 1968, als das Stück erstmals in Wien aufgeführt wurde. Mit seinem enormen Wiedererkennungswert, gilt als Kult und hat seither wenig an Begeisterungsfähigkeit eingebüßt.

Am 24. November 2018 feierte das Musical nach einer Idee von Jerome Robbins, Buch von Arthur Laurents und mit der Musik von Leonard Bernstein sowie der Texte von Stephen Sondheim – alle vier Erfolgsgaranten des Genres – eine weitere, viel umjubelte Premiere am Opernhaus in Dortmund. Ins Deutsche übersetzt wurde die Fassung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald. Regisseur Gil Mehmert zeichnete bereits beim Magdeburger Domplatz Open Air 2017 für die dortige Inszenierung verantwortlich und konnte nun auch für Dortmund die damals schon gefeierten Hauptdarsteller Anton Zetterholm als Tony und Irena Flury als Maria in die Rollen besetzen.

(c) Anke Sundermeier
(c) Anke Sundermeier

Die Story ist sicher hinlänglich bekannt und soll hier nur noch einmal kurz angerissen werden. In den New Yorker Straßen brodelt ein Straßenkrieg zwischen zwei rivalisierenden Jugendgangs. Tony, Mitglied der „Jets“, die sich in ihrem Land als Einheimische verstehen, und Maria, die Schwester des Anführers der „Sharks“, einer Gruppe zugewanderter Puerto Ricaner, verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Sie halten trotz aller Widerstände, die ihre unterschiedliche Herkunft bietet, an ihrer Liebe fest. Als jedoch Tonys bester Freund Riff von Marias Bruder Bernardo getötet wird und Tony sich daraufhin verleiten lässt Marias Bruder seinerseits umzubringen, ist die Tragödie nicht mehr aufzuhalten.

Das mitreißende Musical lässt Bewegung und Musik zu einer perfekten Symbiose verschmelzen, lebt von sich abwechselnden Rhythmen aus Jazz, Oper und lateinamerikanischen Klängen genauso wie von großartigen Tanzszenen. Die wunderbaren Songs wie beispielsweise „Tonight“, „Somewhere“, „Maria“ oder „America“ sind inzwischen weltbekannt.

Mit der Cast treffen die Verantwortlichen ausnahmslos voll ins Schwarze. Anton Zetterholm passt in die Figur des Tony wie maßgeschneidert. Egal ob man stimmlich, darstellerisch oder sogar nach dem Aussehen geht – man ist geneigt sich niemand Besseren in dieser Rolle vorstellen zu wollen – er hinterlässt auch in Dortmund, wie schon zuvor in Magdeburg, großen Eindruck.

(c) Anke Sundermeier
(c) Anke Sundermeier

Irena Flury als Maria bringt Unschuld gespickt mit enormer Energie in ihre Rolle, ganz zu schweigen von ihrer wunderbaren Stimme, mit der ihr auch die operalen Töne hervorragend gelingen. Nicht minder Dorina Garuci, die eine großartige Anita verkörpert, der man zu jeder Zeit erst das Shark-Girl sowie später den „Seitenwechsel“ voll und ganz abnimmt. Besonders hervorzuheben ist ihr engagiertes Spiel während und nach der Vergewaltigungsszene, die tiefe, verstörende Emotionen beim Publikum hervorruft.

Nicht anders ergeht es dem Zuschauer mit Markus Schneider (Riff) und Sascha Luder (Bernardo), die in den Tanzszenen glänzen, mit hervorragenden Stimmen gesegnet sind und ihren gespielten Charakter leben lassen.

Das Bühnenbild und die Requisiten – übernommen aus der Produktion des Theater Magdeburgs – sind großartig sowie detailverliebt gelungen und stellen die verschiedenen Spielorte passend und mit Leichtigkeit dar. Der große Mittelteil, der mit bespielbarem Dach gleichzeitig fünf Orten eine Heimat bietet, kann in Sekundenschnelle von den Darstellern verschoben und gedreht werden. Häuser rahmen die zur Straße gebaute Bühne seitlich ein und werden bis in die obersten Etagen mit Leben gefüllt, was die ohnehin schon nicht kleine Dortmunder Bühne weiter vergrößert. Auch hier nehmen einige Szenen die Verbindung zum gedanklichen Ursprungswerk auf, da der Fensterausgang Marias wie ein Balkon vorgebaut ist.

(c) Anke Sundermeier
(c) Anke Sundermeier

Die handgemachte Musik kommt von den Dortmunder Philharmonikern aus dem personell bestens besetzten Orchestergraben und lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Die Lieder wurden im englischen Original belassen und für sprachunkundige in Deutsch übertitelt.

Das Theater Dortmund formt mit seiner modernen Inszenierung großes gefühlsbetontes Musiktheater und lässt jeden Besuch zu einem absolut lohnenswerten Erlebnis werden. Für die weiteren Spieltermine – unregelmäßig noch bis zum 22. April 2019 – gibt es teilweise nur noch wenige Restkarten.


Text: Astrid


Besetzung

  • Tony: Anton Zetterholm
  • Maria: Iréna Flury
  • Riff: Markus Schneider
  • Bernardo: Sascha Luder
  • Anita: Dorina Garuci
  • Mit den: Dortmunder Philharmonikern
  • Musikalische Leitung: Philipp Armbruster
  • Regie: Gil Mehmert
  • Bühne: Jens Kilian
  • Kostüme: Falk Bauer
  • Choreografie: Jonathan Huor
  • Dramaturgie: Ulrike Schröder, Laura Knoll