Wenn Rosenblätter fallen

15. November 2016 – Theatercouch, Wien

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Quelle: falter.at

Vor knapp zwei Wochen war es endlich soweit und nach langen sechs Monaten Wartezeit, die letzte Vorstellung fand im Mai 2016 auf der Burg Perchtoldsdorf statt, fand eine erneute Aufführung des Stückes „Wenn Rosenblätter fallen“ in Wien statt. Das Drei-Personen Drama-Musical mit Musik, Buch und Text von Rory Six und Kai Hüsgen feierte nach großem Erfolg der letzten Aufführungen in gleicher Besetzung eine ebenfalls einmalige begeisterte Wiederaufnahme.

Das Stück „Wenn Rosenblätter fallen“ erzählt die Geschichte des 19-jährigen Till, welcher gerade frisch sein Studium beginnt und deswegen in sein neues Zuhause, ein Studentenwohnheim, zieht. Immer wieder tauchen Briefe oder verschiedene Geschenke auf, die Till und die Zuschauer an Tills Mutter Rose erinnern, welche aus zu Beginn unerklärlichen Gründen nicht Teil seines aktuellen Lebens ist. Im Studentenwohnheim lernt Till die gleichaltrige Iris kennen und die beiden verlieben sich ziemlich bald in einander, doch irgendetwas hält Till zurück und auch Iris ist sich ihrer Sache nicht mehr so sicher, als sie Tills merkwürdiges Verhalten gegenüber mehr und mehr hinterfragt und nicht nur einmal die Schuld für die angespannte Situation bei sich sucht. Währenddessen bekommt der Zuschauer immer wieder Rückblenden gezeigt, welche Tills früheres Leben mit seiner Mutter wiederspiegeln, diese Szenen führen nach und nach auch zu des Rätsels Lösung: Rose hat Krebs. Von nun an wird einiges klarer und es zeichnet sich immer deutlicher ab, was mit Till los ist. Iris ist seiner Mutter, die er einfach nicht vergessen kann, in zu vielen Dingen zu ähnlich und das kann Till nicht mehr ertragen. Während Till in der Gegenwart Iris´nach einem ungünstigen Vorfall endgültig von sich stößt, verbringt er in der Vergangenheit die letzten Monate mit seiner Mutter und hilft ihr das Leben so lebenswert wie möglich zu machen. Als für Rose die Schmerzen irgendwann unerträglich werden, kann Till nicht mehr dabei zusehen und leistet nach wortlosen Absprechen mit seiner Mutter Sterbehilfe. Auch wenn er seine Mutter mit dieser Aktion von ihrem Leiden erlöst hat, hat sie ihn dennoch endgültig innerlich gebrochen. Endlich beschäftigt er sich in der Gegenwart mit ihrem Tod und beschuldigt sie es sich verdammt einfach gemacht zu haben, da sie einfach gegangen war und ihn allein mit der Erinnerung an sie zurückgelassen hatte. Außerdem gibt er ihr allein die Schuld am Scheitern der Beziehung mit Iris. In einem emotional dargestellten Gespräch redet ihm seine Mutter, welche scheinbar plötzlich neben ihm steht, schließlich ins Gewissen und Till wagt endlich einen Neuanfang mit Iris, indem er ihr all das erzählt, was er so lange vor jedem verschlossen hatte…

Schon beim ersten Mal im Mai diesen Jahres hat mich das Musical mehr als gepackt und so ging es mir auch diesmal nicht anders. Das Stück ist für mich eines der besten Beispiele, wie man aus einem derart tragischen Thema eine Geschichte machen kann, die einen nicht chronisch depressiv werden lässt. Das Thema wird durch die lustige, tollpatschige und übereifrige Iris und die willensstarke und leicht durchgeknallte Rose, zu einer immer wieder heiteren und unterhaltsamen „Komödie“ aufgearbeitet ohne den nötigen Ernst zu verlieren. Besser könnte man die Themen Krankheit, Verlust und Neuanfang nicht an den Menschen bringen.

Einen Großteil zum Gesamterlebnis des Abends tragen natürlich die drei hochkarätig besetzten Hauptdarsteller bei, welche nicht besser ausgewählt hätten werden können. Allen dreien merkte man jedoch die lange Pause seit der letzten Aufführung im Mai an, so brauchten alle etwas Zeit um wieder richtig in das Stück und die Atmosphäre einzutauchen, doch nach kurzen Anlaufschwierigkeiten fanden sie wieder perfekt in ihre Rollen und überzeugten auf ganzer Linie. Kurz zu erwähnen wäre auf jeden Fall auch der sehr unterhaltsame Patzer zu Beginn des 2. Aktes, als die Show scheinbar anfing, während Anton und Annemieke noch ein paar Töne im Backstage durchgingen und Pia nach einem kurzen „Pscht“ nach hinten so unauffällig wie möglich wieder auf ihre Position auf der Bühne lief und die Show ohne weitere Probleme losging.

Pia Douwes war für mich, wie in jeder Produktion in der sie spielt, wieder einmal umwerfend. Die Stimme saß, kleine Texthänger wurden souverän überspielt und die Gefühle kamen vor allem bei „Abschied nehmen“ so ins Publikum rüber, dass kaum ein Auge trocken blieb.

Dagegen blieben ihre beiden Co-Darsteller natürlich ein bisschen auf der Strecke. Man muss aber auch zugeben, dass Pias Rolle als krebskranke Mutter die dankbarste Rolle war mir der man am meisten glänzen konnte. Trotzdem konnte Anton Zetterholm als ihr Sohn Till vor allem mit starker Stimme überzeugen, diese überstrahlte auch den an manchen Stellen fehlenden Ausdruck. Im Zusammenspiel mit Douwes mimte er den verzweifelten, mitleidenden und verantwortungsbewussten Sohn, mit van Dam zeigte er eine langsam aufflammende Romanze. Annemieke van Dam hatte an diesem Abend mit leichten stimmlichen Problemen zu kämpfen, welche sich durch extra lautes Schreien bei hohen und langen Tönen abzeichneten. Doch mit ihrem schauspielerischen Talent überzeugte sie auf ganzer Linie. Ihre Iris ist sprunghaft und überdreht, redet meistens viel zu viel und macht sich ohne Skrupel an Till ran. Doch auch die nervöse, verunsicherte und letztlich liebevolle Unterstützerin spielt sie einwandfrei. Die Endszene in der sich van DAm und Zetterholm nach dem klärenden Gespräch einfach nur minutenlang in den Armen lagen ist beinahe Herz zerreisend romantisch.

Begleitet von einer fantastischen vierköpfigen Band unter der Leitung von Maasaki Saito, war der Abend einfach nur ein unterhaltsames, berührendes und Nahe gehendes Erlebnis, welches nach Wiederholung schreit!

Von Rebecca