[Titel der Show]

Premiere am 23.04.2017 im Admiralspalast Berlin – Nebenbühne

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[Titel der Show], ein echtes Broadway-Musical. Schon der Titel, der so gar nichts verrät macht neugierig und gespannt verfolge ich die zunächst sehr spärlichen Informationen, die in den Wochen ab Februar beginnend im Internet auftauchen. Bald in Deutschland, das erste Mal und direkt in Berlin. Ich setze mir eine Erinnerung, auf die Idee nach weiteren Infos zu suchen komme ich nicht. Vielleicht ist das rückblickend betrachtet auch besser so, manche Dinge funktionieren nicht mehr so gut, wenn man vorab zu viel weiß. Ich erwerbe ein Ticket für die Premiere, welche am 23. April im Admiralspalast in Berlin stattfindet – Nebenbühne, nicht Hauptsaal. Es ist freie Platzwahl und ich entscheide mich für den bestmöglichen Überblick von vorn.

Die Werbung suggeriert, „Hier tanzen keine Vampire“ und „Ein Musical ganz ohne Katzen“ sowie einiges mehr in Anspielung auf die großen Verwandten der Branche. Die Bühne liegt zunächst im Halbschatten. Viel zu sehen gibt es ohnehin nicht. Lediglich vier Stühle verschiedenfarbig und verschiedener Art stehen am hinteren Rand aufgereiht. Auf einem abgetrennten Teil auf der rechten Seite steht einsam ein Klavier. Sonst gibt es nichts zu sehen. Man fragt sich, ob es für ein Musical wirklich nicht mehr als vier Stühle und ein Klavier braucht um erfolgreich zu werden.

Der Saal füllt sich und mit etwa 15 Minuten Verspätung startet die Vorstellung. Jeff und Hunter, verkörpert von Dennis Weißert und Alexander Soehnle liefern den Einstieg mit „Zwei Nobodies in New York“. Zwei Freunde, versackt im eigenen Leben, darin mehr oder eher weniger erfolgreich und beschäftigt mit sich selbst, träumen davon auf einem Festival mit einem selbst geschriebenen Stück groß raus zu kommen. Der eine, ein uninspirierter Texter, der andere Komponist – und die Uhr tickt bereits. Ihnen bleiben nicht mehr als drei Wochen, um eine Idee zu Papier zu bringen. Da Scheitern für die Freunde nicht in Frage kommt, holen sie sich Unterstützung bei ihren Freundinnen Heidi (Annika Henz), die immerhin kleine Nebenrollen am Broadway spielt und Susan (Franziska Kuropka), einer frustrierten Büroangestellten. Thematisch einigen sich die Bühnencharaktere, wie auch ihre Namensgeber Hunter Bell und Jeff Bowen darauf, ein Musical über zwei Typen die ein Musical schreiben auf die Beine zu stellen.

Was?! – fragt man.

Dies ist alles andere als Fiktion, Bowen und Bell verarbeiten in [title of show] ihre eigenen Erlebnisse. Anderthalb Stunden, unterbrochen lediglich von einer kurzen Pause zum Atem holen, führen die vier durch die Entstehungsgeschichte bis hin zum Durchbruch. Begleitet werden sie dabei von ihrem Pianisten Larry, verkörpert von Damian Omansen, der auch für die musikalische Leitung den Hut auf hat.

Von Schreibblockaden, nahenden Nervenzusammenbrüchen, Streit, Versöhnung, Umbesetzungen, Aufgeben und dem Ansporn bis zum Ende zu kämpfen ist alles dabei. Mit viel Witz und Selbstironie, es gibt kaum ein Musical und kaum eine Randgruppe die nicht auf die Schippe genommen wird, bringt der Berliner Regisseur Robin Kulisch mit seinem Team die deutsche Erstaufführung auf die Bühne.

Wie das Original es über den Off-Broadway zum Broadway und 2009 zur Nominierung für den Tony Award geschafft hat, so wird auch diese Adaption groß und hätte rückblickend auch den Hauptsaal des Theaters mit Leben gefüllt. Eindeutig genügen vier Stühle und ein Klavier für großartige Unterhaltung wie dieser Premierenabend eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Die ausverkauften folgenden Vorstellungen bis zur Derniere sprechen für sich und zeigen, dass das Publikum durchaus bereit ist, sich auf Neues einzulassen und dafür zu begeistern.

Es gilt als erstrebenswert, [Titel der Show] in naher Zukunft in Deutschland erneut aufzuführen und den zwei Typen, die ein Musical schreiben eine Bühne zu geben. Sei es um zu beweisen, dass auch Stücke entgegen des Mainstream eine Chance haben oder einfach um 200 Gästen einen kurzweiligen Abend zu bescheren, die daraus den Mut an ihren Träumen festzuhalten mitnehmen.

Besetzung:

Dennis Weißert – Jeff Bowen
Alexander Soehnle – Hunter Bell
Annika Henz – Heidi
Franziska Kuropka – Susan
Damian Omansen – Larry der Pianist

Team:

Musik/ Gesangstexte: Jeff Bowen
Buch: Hunter Bell
Deutsche Fassung: Robin Kulisch
Musikalische Leitung: Damian Omansen


Artikel von Andrea