“Titanic – The Musical”: Eindrucksvolles Gastspiel aus Großbritannien in Hamburg

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Hamburgische Staatsoper an einem Samstagabend. Tag 4 eines insgesamt 13-tägigen Gastspiels von “Titanic – The Musical”. Der Saal ist nur halbvoll. Und was noch erschreckender ist: Bereits nach 10 Minuten verlassen einige Zuschauer den Saal wieder. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. Vielleicht haben sie eine Bühnenversion des Cameron-Films erwartet, vielleicht waren sie enttäuscht, weil nicht “My heart will go on” über die Mikroports tönte.

An der Produktion und den gesanglichen sowie darstellerischen Leistungen jedenfalls kann es nicht gelegen haben. Die waren, wie man es von Musicalproduktionen aus Großbritannien gewohnt ist, professionell und überzeugend. Hamburg ist die letzte Station der Tour und die einzige außerhalb des Vereinigten Königreiches. Noch bis zum 19. August ist die Geschichte um den Untergang des wohl berühmtesten Schiffes  der Geschichte in der Hansestadt zu sehen.

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Alle freuen sich auf die Jungfernfahrt credit-scott-rylander

Und für diejenigen, die eben nicht die fiktive Liebesgeschichte um Jack und Rose auf der Bühne erwarten, ist das Stück durchaus ein Genuss. Nicht umsonst wurde die Original Broadway Inszenierung 1997 mit gleich fünf Tony Awards ausgezeichnet, unter anderem als bestes Musical, für das beste Buch und die beste Musik. Das Stück hat zwar nicht die ganz großen Ohrwurm-Hits wie manch anderes Musical, jedoch ist der Score rund, perfekt abgestimmt auf Text und Handlung und besticht vor allem durch die großen chorischen Szenen. So ist z.B. “Godspeed Titanic”, der quasi eine musikalische Klammer um die tragischen Ereignisse zwischen Abfahrt und Untergang der “Unsinkbaren” bildet, ein absoluter Gänsehautsong. Dazwischen lernt der Zuschauer einige Passagiere und Crew-Mitglieder näher kennen, ihre Träume, Wünsche, Erwartungen an die Neue Welt, aber auch ihre Vergangenheit und die Umstände, die sie auf dieses Schiff verschlagen haben.

Und immer im Hinterkopf ist der Gedanke: Hier handelt es sich um reale Figuren, diese Menschen und ihre Geschichten gab es wirklich, sie sind wirklich auf diesem Schiff gestorben … oder haben den Untergang überlebt. Diese Einzelschicksale sind es vor allem, die die emotionale Wucht des Stückes ausmachen. Man ertappt sich als Zuschauer dabei, trotz des Wissens um den Ausgang der Geschichte auf ein Happy End zu hoffen.

Doch dieses kommt natürlich nicht. Wie bei der ausführlichen Figurenzeichnung im ersten Teil vor der Pause hält sich das Stück auch bei der Darstellung des Untergangs an die überlieferten Fakten. Und während der erste Teil entspannt, manchmal schon ein wenig langatmig dahinplätschert, nimmt das Tempo Sekunden vor der Pause mit dem Finale (“No Moon”, “Autumn”) und dann vor allem in Teil zwei rasant zu. Der Eisberg ist gerammt, das Schicksal nimmt seinen Lauf.

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Greg Castiglioni als Thomas Andrews, Philip Rham als Captain Edward Smith, Oliver Marshall als Funker Harold Bride und Simon Green als J. Bruce Ismay während “The Blame”. Credit Scott Rylander/BB Promotion

Neben der wachsenden Dramatik bleiben hier vor allem zwei musikalische Nummern im Gedächtnis. Das ist zum einen “The Blame”, das Terzett zwischen dem Direktor der Reederei, Mr. Ismay, dem Ingenieur Mr. Andrews und Captain Smith, in dem leidenschaftlich darum gestritten wird, wer die Schuld am drohenden Untergang der Titanic trägt. Zum anderen ist da das sehr berührende Duett “Still” des Ehepaars Strauss, die sich weigern, ohne den jeweils anderen ins Rettungsboot zu steigen und statt getrennt weiter zu leben lieber gemeinsam in den Tod gehen. Ein weiterer Gänsehautmoment.

Ein solcher beendet dann auch folgerichtig das Stück. Die Überlebenden der Katastrophe fassen im Epilog die historischen Fakten des Geschehenen zusammen, hinter ihnen erinnert eine “In memoriam”-Leinwand an die Opfer des Unterganges.
Und kaum waren die letzten Töne des bereits erwähnten “Godspeed” verklungen, erhob sich das gesamte Publikum von den Sitzen und belohnte die Darsteller mit Applaus, Bravo-Rufen und Standing Ovations. Eine hochverdiente Anerkennung für eine überzeugende künstlerische Leistung und einen berührenden Theaterabend.

Die Chance, “Titanic – The Musical” in Hamburg zu erleben, besteht noch bis zum kommenden Sonntag, 19. August.

Text: Karina
Bilder: Scott Rylander/BB Promotion

Weitere Links:

Interview mit Kieran Brown (McMaster Murdoch)
Tourneedaten Hamburg
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