The Addams in Osnabrück

Mr. Higgins überzeugt auch als Gomez Addams

Theater Osnabrück

Premiere 11. März 2017

INHALT

© Theater Osanbrück

© Theater Osnabrück

Das Ensemble des Theater Osnabrück, welches zum Teil mit Studierenden des Instituts für Musik (Osnabrück) und der Hochschule für Musik (Detmold) besetzt ist, überzeugt auf ganzer Linie.

Neu-Ensemblemitglied Katarina Morfa gibt ihr Osnabrück-Debut als wunderbar schwarz-humorige Morticia. Überzeugt gesanglich wie darstellerisch.

Jan Friedrich Eggers stand in den letzten Spielzeiten unter anderem als Jekyll/Hyde, Vogelfänger und Mr. Higgins auf der Osnabrücker Bühne. In der Rolle als Gomez Addams überzeugt der Bariton einmal mehr, dass er Musical durchaus kann. Einzig im Tango mit Morticia wirkt er etwas steif in der Hüfte.
 
Genadijus Bergorulko und Susann Vent-Wunderlich bringen das vielleicht doch nicht ganz normale Ehepaar Beineke herrlich skuril auf die Bühne. Nicht umsonst erntet Susann Vent-Wunderlich für ihre Acrimonium-getränkte dunkle Seite einen der längsten Szenenapplause des Abends.
 
© Theater Osnabrück

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Besonders überzeugend besetzt waren Mark Hamman als Onkel Fester und der IfM-Student Maciej Bittner als Butler Lurch. Beide hätten 1:1 aus der 60er-Jahre-Serie kommen können, die Rollen wirkten wie für sie geschrieben.
 
Auch Lasarah Sattler und Felix Freund als Wednesday und Lucas lieferten eine überzeugende Leistung ab. Insbesondere Lucas Wandel von Normalo bis „Ich bin so vertückt wie du“ kam glaubhaft rüber.
 
Bleiben noch zu erwähnen Tobias Rusnak, der die Rolle der Großmutter spielt, von der niemand so genau weiß, wessen Mutter sie eigentlich ist und Sandra Bitterli als Pugsley. Rusnack verkörpert die Großmutter herrlich schrullig und im genau richtigen Maße überzogen. Bitterli gibt sich in ihrer Darstellung des Pugsley sichtbar Mühe und beweist komödiantisches Talent, aller-dings scheint sie weitaus mehr Potenzial zu haben, als sie in dieser Rolle zeigen kann.
 
Die Leistung der Solisten sowie der Ahnen (hier beziehe ich mich vor allem auf die Studierenden) ist insgesamt sehr überzeugend, von dem ein oder anderen wird man sicher auch in Zukunft und auch außerhalb Osnabrücks noch hören.
 

Band

Der Orchestergraben ist in dieser Inszenierung bestuhlt und die Band wurde leider nicht sichtbar auf die Hinterbühne verbannt. Musikalischer Leiter An-Hoon Song leitet die Band schwungvoll durch den Abend und es herrscht ein guter Kontakt zwischen Darstellern und Band. Der Abend beweist, dass man sich um volle Orchestergräben in Musicaldeutschland EIGENTLICH keine Sorgen machen muss – der Nachwuchs ist da.

Bühne und Choreographie

Das Bühnenbild ist variabel gestaltet, von Friedhof über Gomez und Morticias Schlafzimmer bis hin zum Speisesaal der Addams ist es schlüssig. Umbauten gehen fließend, größtenteils ge-räuschlos ineinander über.
 
Die Choreographie ist ein buntes Potpourri aus diversen Stilrichtungen, das ein oder andere Musical lässt sich wiedererkennen, der Zuschauer wird stets aufs neue im Positiven überrascht.
© Theater Osnabrück

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Fazit

Ein wundervoller Musicalabend, bei dem der Nachwuchs im Mittelpunkt steht und im richtigen Maße von Profis unterstützt wird. Eine Kombination, von der beide Seiten profitieren können. Die Addams Family ist nicht nur etwas für Musicalliebhaber, sondern bietet auch für Theaterneulinge und/oder Freunde des schwarzen Humors einen wundervollen Abend.

Artikel von Anja H. für Bühnenlichter.de