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Rebecca – Tecklenburg 2017

Umjubelte Premiere an einem lauen Sommerabend

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Am 21. Juli 2017 feierte das Musical in einer Neuinszenierung von Andreas Gergen seine Open-Air-Premiere bei den Freilichtspielen in Tecklenburg. In 19 weiteren Vorstellungen bis zum 09. September werden Milica Jovanovic („Ich“), Jan Ammann (Maxim de Winter), Pia Douwes (Mrs. Danvers), Robert Meyer (Jack Favell), Anne Welte (Mrs. Van Hopper), Thomas Hohler (Frank Crawley) und Roberta Valentini (Beatrice) das Publikum mit Sicherheit weiter begeistern.

Das Freilichttheater war an diesem Abend so gut wie ausverkauft. Unter den Premierengästen tummelten sich auch einige bekannte Gesichter u.a. Dominik Hees (eigentlich Erstbesetzung des Jack Favell), Kasper Holmboe, Christian Struppeck (Intendant der Vereinigten Bühnen Wien) und Sylvester Levay (Komponist).

Inhalt

Als der musikalische Leiter Tjaard Kirsch mit seinen fantastischen Musikern des Orchesters die ersten Töne vom Prolog „Ich hab geträumt von Manderley“ anstimmt, Milica Jovanovic als „Ich“ die Bühne betritt und anfängt zu singen, ist die erste Gänsehaut an diesem Abend vorprogrammiert und man ist gespannt, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Bei dieser einen Gänsehaut soll es aber an diesem Abend nicht bleiben. Über das gesamte Stück ist man immer wieder sprachlos, wie die Inszenierung unter freien Himmel umgesetzt worden ist. Tosender Applaus ernten alle Darsteller nach ihren großen Nummern wie bei „Zeit in einer Flasche“, „Sie ergibt sich nicht“ oder „Hilf mir durch die Nacht“.

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Wie bereits zu Beginn erwähnt, verzaubert Milica Jovanovic das Publikum ab der ersten Sekunde. Dank der Änderung bei der Maske, dass sie keine Perücke mehr tragen muss, sondern ihr natürliches Haar zur 20er Jahre Welle gestylt wird, wirkt ihr Spiel noch authentischer. Ihre Verwandlung vom kleinen Mädchen zur neuen Frau an Maxim de Winters Seite im zweiten Akt ist fantastisch umgesetzt und man kauft ihr diese Verwandlung sofort ab.

Jan Ammann als Maxim de Winter, welchen er bereits in Stuttgart spielte, harmoniert mit Milica Jovanovic einwandfrei. Seine Wutausbrüche, seine Verzweiflung, aber auch seine liebevollen Momente überzeugen auf ganzer Linie. Ammann erhält ebenfalls tosenden Applaus und im zweiten Akt stehende Ovationen für seine Darbietungen.

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Pia Douwes, die Grande Dame des deutschsprachigen Musicals, kassiert bei ihrem ersten Auftritt und dem ersten Ton bei „Die neue Mrs. De Winter“ bereits jubelnden Applaus. Man merkt dem Tecklenburger Publikum an, dass es seit Jahren darauf gewartet hat, dass dieses Musical endlich wieder gespielt wird. Auch Douwes spielte Mrs. Danvers bereits in Stuttgart. Ihre Mimik und Gestik sind auch in Reihe 29 noch phänomenal und man weiß nicht so Recht, ob man mit Mrs. Danvers Mitleid haben soll oder eher Angst vor ihr. Beim Finale des ersten Aktes hält es das Publikum nicht mehr auf den Plätzen und sorgt für stehende Ovationen.

Robert Meyer, welcher für den verletzten Dominik Hees die Rolle des Jack Favell übernommen hat, kommt als Cousin der verstorbenen Rebecca als ein unbequemer Zeitgenosse daher, der alles daran setzt, Maxim de Winter am Galgen zu sehen. Gesanglich auf hohem Niveau, kann er u.a. mit dem Titel „Eine Hand wäscht die andre Hand“ im zweiten Akt überzeugen.

Kult-Faktor auf der Tecklenburger Bühne hat niemand geringeres als Anne Welte. Seit 2008 spielt sie jeden Sommer in mindestens einer Produktion mit. In „Rebecca“ überzeugt sie auf ganzer Linie als Mrs. van Hopper. Bei „I`m an American woman“ zeigt sie, was alles in ihr steckt.

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Thomas Hohler als Gutsverwalter Frank Crawley bekommt gesanglich bei „Rebecca“ zwar keine großen Solonummern, dennoch kann er in der Interaktion mit seinen Kollegen und im Schauspiel ebenfalls überzeugen.

Roberta Valentini als Maxim de Winters Schwester Beatrice ist einfach nur zum Knuddeln. Sie wird zur Vertrauten von „Ich“ und gibt einen Einblick in die Vergangenheit der Familie de Winter bei „Was ist nur los mit ihm?“. Die Sorgen, die Beatrice sich um ihren Bruder macht, kommen authentisch rüber und man wünscht sich doch irgendwie, dass Beatrice mehr Auftritte hat.

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Eine schauspielerische und gesangliche Überraschung in dieser Inszenierung ist Christian Fröhlich, welcher den geistig behinderten Ben spielt. Seine Darbietung dieser anspruchsvollen Rolle nimmt man ihm ab der ersten Sekunde an ab. Hut ab, vor dieser Leistung!

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Auch das Ensemble, bestehend aus Michael Thurner, Nicolai Schwab, Zoltan Fekete, Daniel Meßmann, Andrew Hill, Kim-David Hammann, Luciano Mercoli, Juliane Bischoff, Jennifer Kohl, Alexandra Hoffmann, Esther Lach, Céline Vogt, Joyce Diedrich, Dörte Niedermeier und Janina Niehus, überzeugt in den großen Ensemble-Nummern auf ganzer Linie.

Die Choreografien von Danny Costello laden zum Träumen ein. Egal, ob die großen Choreografien in den Ensemble-Nummern oder die kleineren Contemporary-Choreografien, wenn der Geist von Rebecca auftaucht, sie alle sind stimmig und unterstützen die Handlung.

Das Bühnenbild von Susanna Buller wartet immer wieder mit kleinen Raffinessen auf. So werden die Schattentänzer z.B. zum Sonnenschirmständer oder Tischbein. Aufgrund der Weitläufigkeit der Tecklenburger Bühne dienen die Schattentänzer auch immer wieder zur Unterstützung der Handlung. Ob sie das Bild darstellen, welches „Ich“ zeichnet, oder sie den Hergang um Rebeccas Tod darstellen. Sehr schön auch die kleine Drehbühne, welche auf der einen Seite das Bootshaus des Gutes darstellt und auf der anderen Seite das ehemalige Zimmer von Rebecca de Winter.

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Highlight der Inszenierung ist ganz klar die Reprise von „Rebecca“ im zweiten Akt. Douwes und Jovanovic harmonieren und überzeugen auf ganzer Linie. Das Publikum feiert diese Szene mit stehenden Ovationen. Das Orchester hält inne, um den Moment des Beifalls zu genießen.

Beim Schlussapplaus bittet Radulf Beuleke, Intendant der Freilichtspiele, den Komponisten Sylvester Levay auf die Bühne. Dieser verneigt sich vor dem Ensemble und greift kurzer Hand zum Mikrofon, um ein paar Worte an das Tecklenburger Publikum zu richten. Er habe nun schon manche Premiere seiner Stücke erleben dürfen, aber diese Premiere mit diesem Publikum möchte er in seinem Leben nicht missen. Als Zuschauer merkt man, dass er hinter seiner Sonnenbrille ein paar Tränen verdrückt.

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Und zum krönenden Abschluss dieses emotionalen Abends macht Radulf Beuleke es seinen Kollegen aus Amstetten nach und verrät das erste Musical für die Spielzeit 2018. Nach über zehn Jahren kehrt „Les Misérables“ wieder zurück an die Tecklenburger Bühne. Das Publikum ist aus dem Häuschen und plant jetzt bereits die Sommermonate 2018.

Fazit: Die Neuinszenierung von Andreas Gergen sollte man gesehen haben. Im Rahmen einer Open-Air-Produktion sind in der Gestaltung neue Möglichkeiten gegeben, aber auch Grenzen gesetzt. Die Geschichte wurde toll umgesetzt und Manderley fängt am Ende doch ziemlich authentisch an zu brennen. Wie, verraten wir an dieser Stelle nicht.


Bericht von Anna-Virginia 

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