Aladin und die Wunderlampe

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Wer die typische Geschichte um Aladin, seine Wunderlampe und den Dschinni erwartet, ist hier auf dem nicht ganz richtigen Weg. Die Eröffnungssequenz ist aus dem „verkehrten“ Stück entliehen, in dem Dschafar vor der Schatzhöhle steht und wie bei Ali Baba und seinen 40 Räubern in die Schatzhöhle Einlass begehrt. Dafür wird er verlacht und ein buntes Markttreiben beginnt. Nun sind wir auf einem Bazar im Orient, wo Scheherazade beginnt, ihr Märchen zu erdenken und die Dörfler in die Figuren ihrer Geschichte verwandelt. Gerade jüngere Besucher erhalten im Familienmusical so einen idealen Einstieg und ein hervorragendes Kennenlernen der mitwirkenden Figuren.

Dschafar versucht schon seit langer Zeit in die Höhle einzudringen, in welcher die Wunderlampe des Flaschengeistes verborgen liegt, doch ihm wird der Eingang verwehrt. Aladin, der bei seiner Tante wohnt und sich sein Geld mit Taschendiebstahl und kleineren Gesangs- und Tanzeinlagen verdient und ansonsten mit seinen Freunden durch die Stadt strolcht, ist relativ unbedarft und trifft auf einem solchen Streifzug auf Djamila, die mit dem Wesir ihre Einkäufe erledigt. Dieser wird Opfer seiner Tricks, die von dem Mädchen sofort durchschaut werden und nach nur einem einzigen Blick ist beiden klar, dass hier etwas in der Luft liegt.  Eine Liebesgeschichte bahnt sich an. Doch wer ist dieses Mädchen? Aladin schickt seine Freunde aus, um Erkundungen einzuziehen.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir auf sehr amüsante Weise, dass der Sultan nicht mehr der immens reiche Mann ist, der er einst war und seine Untergebenen ihm alles andere als treu sind. Jeder geht nur seinem eigenen Ziel nach und letztendlich wird Aladin gefangen genommen, um Zutritt zur sagenumworbenen Schatzhöhle zu erhalten. Er als „reiner Diamant“ soll der einzige sein, dem das gelingen kann. Dschafar folgt ihm und die Höhle stürzt über beiden zusammen. Der Junge entkommt und hält eine alte Lampe in der Hand. Niemand kann verstehen, was es damit auf sich hat. Scheherazade allein, die niemand außer ihm sehen oder hören kann, weist ihm den Weg.

Als Aladin sich von dem Einsturz erholt hat und nun wohlhabend im Palast residiert, entschlüsselt er das Rätsel der Lampe und der Flaschengeist erscheint zum ersten Mal. Leider ist dieser zur Wunscherfüllung völlig ungeeignet und auch sonst eher fordernd als fördernd. Es kommt zu verschiedenen kleinen Konflikten und an deren Ende erkennen sich Aladin und Djamila endlich als das, was sie beide sind. Leider wird Letztere gerade von Dschafar entführt und soll nur im Austausch gegen die Lampe freigelassen werden.

Ein kluger Plan, an dem alle Freunde fest zusammenhalten, sperrt nach einem großen Gemenge Dschafar ein und bringt das Liebespaar einander näher. Ende gut, alles gut – so ist das im Märchen und Scheherazade hat schon die nächste Geschichte auf Lager.

Die Umsetzung auf der großen, weitläufigen Freilichtbühne ist hervorragend gelungen. Nie wirkt sie auch nur einen Moment leer oder langweilig. Dafür sorgen neben den Protagonisten zahlreiche Mitwirkende aus dem jungen Ensemble Tecklenburg. Die Kostüme sind überaus fantasievoll und die Lieder gehen ins Ohr, so dass auch die Jüngsten sie auf der CD, die es zu kaufen gibt, gern mitsingen. Große Ensemble-Nummern vermitteln die Stimmung eines orientalischen Bazars, die laut, lustig, bunt und immer etwas chaotisch anmutet und gute Laune verbreitet.

Kim-David Hammann und Celiné Vogt geben ein wunderbar lebendiges Bühnenpaar ab, wobei Djamila als echte Prinzessin natürlich ihre Starallüren hat und ihm auch gehörig die Meinung sagen kann, ohne dass man es ihr übel nimmt. Aladin hingegen ist jungenhaft und unverbraucht. Florian Albers als Sultan wirkt gemütlich und unerschütterlich, auch als seine Tochter entführt wird und er sich mit allen anderen auf die Suche begibt. Stimmlich wie schauspielerisch ist das Familienmusical ein echtes Highlight und die Tanznummern sind in ihrer Zahl atemberaubend. Wann immer Gülfidan Söylemez als Scheherazade auftaucht, möchte man den Blick nicht von ihrem detailverliebten Kostüm wenden, welches gerade unter freiem Himmel bei etwas Wind wunderbar zur Geltung kommt. Daniel Meßmann als Dschinni schließt man sofort ins Herz, mit seiner etwas arroganten und leicht genervten Art, gerade aus der Flasche entlassen worden zu sein.

Das Familienmusical der Freilichtspiele Tecklenburg 2017 von Radulf Beuleke und Klaus Hillebrecht ist noch bis zum 30. August 2017 mittwochs und sonntags auf der Freilichtbühne in Tecklenburg zu sehen. Mit einem Kartenpreis von nur 8 Euro pro Ticket bei freier Platzwahl lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.

Das Highlight für Kinder ist ganz sicher auch die anschließende Autogrammstunde auf der Bühne, bei der sich Dschafar, Tante Soraya, Aladin, Djamila und Co. noch einmal im Kostüm präsentieren.

Besetzung

Aladin – Kim-David Hammann
Djamila – Celiné Vogt
Sultan – Florian Albers (im Interview)
Scheherazade – Gülfidan Söylemez
Dschafar – Luciano Mercoli
Dschinni – Daniel Meßmann
Karim – Michael Thurner
Halil – Michael Przewodnik
Wesir – Philip Hager
Tante Soraya – Janina Niehus

Regie/Choreographie: Hakan T. Aslan
Text: Radulf Beuleke
Musik: Klaus Hillebrecht