TdV – Endlich in Köln

TdV_Koeln_2018-00689

„Tanz der Vampire“ der Musical-Welterfolg von Regisseur Roman Polanski, basierend auf dessen gleichnamiger Filmparodie über das Vampirgenre aus dem Jahre 1967, brauchte tatsächlich 20 Jahre um endlich auch im Kölner Musical Dome Einzug zu halten. Bereits weit vor der Premiere haben BB Promotion und Semmel Concerts, die die Produktion von Stage Entertainment GmbH in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Bühnen Wien präsentieren, dessen Verlängerung bis Ende September bekannt gegeben.

Bei der Pressekonferenz im Herbst 2017 wurde für die Spielzeit in Köln ein „neuer“ Graf – David Arnsperger – vorgestellt, der seine ersten Schritte bereits vorab für etwa zwei Monate in der Hamburger Spielzeit gehen durfte. Nun aber war es endlich soweit und Graf David der Erste, bezog unlängst seine Sommerresidenz in der Domstadt. Fortan wird er also allabendlich – nur montags gönnt er sich und seinem Gefolge eine Ruhepause – zum Mitternachtsball laden.

TdV_Koeln_2018-00651

Bereits ein paar Tage vor der am 17. Februar stattgefundenen rauschenden Einweihungsparty, zu der Graf von Krolock etwa 1200 Sterbliche in sein Schloss lud, fand ein kurzer Probelauf mit ausgewählten Vertretern der örtlichen und regionalen Presse statt.

Auch wenn die Spielstätte von außen alles andere als mystisch anmutet, betritt man mit dem ersten Schritt hinein ein überzeugendes Ambiente. Bereits die Gastronomie suggeriert, mit großen Spinnenweben geschmückt, den Eintritt in ein längst vergessenes Schloss. Spätestens das Bühnenbild lässt dann keinen Zweifel mehr offen, dass man sich tatsächlich im Transsilvanien der Vorzeit befindet.

Akustik und Lichtdesign im Musicaldome unterstreichen die gezeigten Szenen harmonisch und lassen keine Wünsche offen. Durch breit gezogene Reihen bleiben die Zuschauer stets nah am Geschehen und sehen von jedem Platz außerordentlich gut.

TdV_Koeln_2018-00862

Vorgestellt wurden vier signifikante Szenen aus dem Musical durch das Ensemble sowie den vier Hauptdarstellern in den Rollen des/der:

Graf von Krolock – David Arnsperger
Sarah – Maureen Mac Gillavry
Professor Abronsius – Victor Petersen
Alfred – Tom Van der Ven

Im Anschluss daran, bestand die Möglichkeit zu kurzen Interviews mit den vorher Aktiven.

Mit der Wahl David Arnspergers in die Rolle des Grafen von Krolock hat ein charismatischer, selbstbewusster Darsteller, mit einer imponierenden Bühnenpräsenz und einer unglaublichen Stimmgewalt, gepaart mit großem schauspielerischem Talent, den Weg in dieses Musical gefunden, der als ein würdiger Nachfolger bzw. eine würdige Ergänzung der bisherigen Besetzungen bezeichnet werden kann. Zu hoffen bleibt, dass Graf David für eine mögliche Wiederaufnahme – vorerst endet die Tour mit dem Einzug ins Kölner Schloss zum 29. September – noch einmal bereit wäre in diese Rolle zurück zu kehren.

TdV_Koeln_2018-00887

Mit Maureen Mac Gillavry steht ein bisher im Genre unbekanntes Gesicht auf der Bühne. Die junge Darstellerin, die bisher als Sängerin auf einem großen Kreuzfahrtschiff unterwegs gewesen ist und für die es immer noch unbegreiflich scheint, nun in dieser großen Produktion in der ersten Reihe spielen zu dürfen, verkörpert mit ihrer glockenklaren Stimme und ohne jeglichen zu hörenden Akzent das erst naive junge Mädchen, das im Verlauf des Stückes zu einer Frau reift, die einem Grafen alle Ehre macht.

TdV_Koeln_2018-00725

Tom Van der Ven und Victor Petersen begleiten die Tourproduktion bereits seit ihrem Start im Berliner Theater des Westens, einer wie sie finden überaus passenden Location, und damit auch ihrem bisherigen Lieblingstheater in Bezug auf Tanz der Vampire. Beide sind aus diesen Rollen nur noch schwer wegzudenken, spielen sie doch ihre Figuren überaus überzeugend.

TdV_Koeln_2018-00783

Bekannter Weise polarisiert gerade die Besetzung des Grafen von Krolock ungemein und entfacht heiße Diskussionen, nicht nur in den sozialen Netzwerken. Oftmals werden die „Neuen“ von der großen Fangemeinde verrissen, noch bevor sie überhaupt einmal in dieser Rolle auf der Bühne standen. Wie uns der neue Graf erklärt, lasse ihn jedoch dieses Gerede kalt und er versuche es gar nicht erst an sich herankommen zu lassen. „Wieso sollte ich vor etwas Angst haben, das eigentlich eine wunderschöne Sache ist und eine Menge Spaß macht.“ Die Figur des Grafen wäre für ihn eine Traumrolle und er genieße es, ihn verkörpern zu dürfen. Er darf auch durchaus selbstsicher auftreten, hinterlässt seine vergangene Zeit im Hamburger Schloss doch durchaus Zufriedenheit beim kritischen Publikum. Er scheint wie geschaffen für diese Rolle, klingt seine tiefe Stimme doch sanft und verführerisch beim Umgarnen seiner „Beute“, sowie aggressiv und gleichzeitig verletzlich, wenn er in seinem Solosong „Die unstillbare Gier“ die Verzweiflung über seine Situation hinausschreit.

Nun freue er sich aber erst einmal auf seine Zeit in Köln, wie er verrät, auch wenn er darauf verzichtet habe, die ersten Schritte in seiner neuen, vorübergehenden Heimat, ausgerechnet im Kölner Karneval zu unternehmen. Demnach habe er noch nicht viel von der Stadt gesehen, aber er freue sich darauf, sie bald zu erkunden.

TdV_Koeln_2018-00817

Fast ähnlich ergehe es Maureen, Tom und Victor, die bisher ebenfalls, auf Grund der Proben, noch keine wirkliche Gelegenheit hatten, sich Köln anzusehen. Aber auch sie freuen sich darauf. Für die beiden Niederländer des Trios ist es aber sehr schön, einmal näher an ihrer eigentlichen Heimat spielen zu dürfen. Ein kurzer Besuch ihrer Familien sei damit schneller zu realisieren.

Über das Publikum in der Domstadt sind sich aber alle einig. Bereits die erste Preview sei ein voller Erfolg gewesen und die Zuschauer hätten sie förmlich durch die Show getragen. Es sei einfacher sich auf der Bühne zu motivieren, wenn die Leute mitgingen und man von Anfang an eine besondere Stimmung im Zuschauerraum bemerke.

Eine Frage, die man einem Herrn Grafen immer wieder stellen muss, und die immer wieder neue Gesichtspunkte und zum Teil witzige Antworten produziert, darf natürlich auch für den neuen Schlossherrn nicht fehlen: Wie ist er zu seinem Sohn Herbert gekommen und wer ist dessen Mutter? Ein Schmunzeln legt sich auf das Gesicht des Befragten und wir erfahren, dass Herbert bereits vor seiner Verwandlung in den Grafen als sein Sohn auf der Welt war und er ihn höchstpersönlich durch einen Biss verwandelt habe. Seine Mutter tanze ebenfalls auf seinem jährlichen Mitternachtsball und zwar „die Dritte, von der vierten Reihe links“.

Kennenlernen durften wir vier fröhliche, nette Darsteller, die es sicherlich mehr als lohnt einmal auf der Bühne in Aktion zu sehen. Man sollte nicht zu lange warten und sich schnell die wenigen restlichen Tickets sichern, die noch für fast alle Veranstaltungen bei allen bekannten Anbietern zu erwerben sind.


Artikel und Fotos von Astrid