Wunderschöne Bilder in tänzerischer Perfektion

Premiere am Theater Magdeburg: 07.04.2018

© www.AndreasLander.de

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Sie tanzt die Rolle ihres Lebens. Dieses Gefühl stellt sich bereits in den ersten Sekunden des Auftrittes von Lou Beyne in der Rolle des Edelfräuleins Raymonda ein. Und dieses Gefühl teilt augenscheinlich das gesamte Publikum dieses Premierenabends am Theater Magdeburg, denn der erste Beifall für die Erste Solotänzerin des Balletts Magdeburg brandet bereits auf, bevor sie noch einen einzigen Schritt auf der Bühne getanzt hat.

Diese Begeisterung soll sich durch die komplette Vorstellung ziehen. Zahlreicher Szenenapplaus, nicht nur für Lou Beynes Auftritte, sondern auch für die Soli ihrer männlichen Partner Jonathan Milton (in der Rolle des Jean de Brienne) und Raúl Pita Caballero (als Sarazenenkrieger Abderakhman), die Tänze der Freundespaare Clémence (Narissa Course), Henriette (Anastasia Gavrilenkova), Bernard de Ventadour (Adrián Román Ventura) und Béranger (Liam White) sowie auch für die großartigen Ensembletänze. Am Ende des Abends gab es minutenlange Bravorufe und stehende Ovationen.

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Nicht nur für Primaballerina Lou Beyne war diese Premiere ein Meilenstein in ihrer Karriere, auch für Chef-Choreograf und Ballettdirektor Gonzalo Galguera hat die Tatsache, dass er „Raymonda“ auf den Brettern des Theaters Magdeburg zum Leben erweckt hat, eine besondere Bedeutung. Er hat sich damit, so verriet er im Vorgespräch, einen Lebenstraum erfüllt – und an diesem Traum lässt er die Zuschauer dieses Ballettabends teilhaben. Denn alles ist traumhaft an dieser Produktion: das Bühnenbild von Darko Petrovic, die Kostüme von Josef Jelinek, die Musik aus dem Orchestergraben der Magdeburgischen Philharmonie unter Leitung von Pawel Poplawski, die Choreografie von Gonzalo Galguera und natürlich die tänzerische Umsetzung durch die Tänzerinnen und Tänzer des Kompanie, unterstützt von zahlreichen Statisten. „Raymonda“ ist ein großer Ballettabend – im besten Sinne des Wortes. Mit dieser Produktion eines eher selten gezeigten Balletts setzen Galguera und seine Kompanie ein Achtungszeichen in der Tanzwelt Deutschlands und möglicherweise sogar über die Grenzen hinaus. Eindrucksvoll zeigen sie, was eine Ballettsparte eines Stadttheaters zu leisten in der Lage ist.

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Über zwölf Jahre, seit Beginn seiner Arbeit als Ballettdirektor in Magdeburg im Jahr 2006, hat Gonzalo Galguera diese Kompanie geformt, weiterentwickelt und immer wieder zu neuen Höchstleistungen motiviert. Nahezu alle großen Stücke der Ballettliteratur hat die Magdeburger Bühne in diesen Jahren gesehen: vom jährlichen „Nussknacker” über „Aschenbrödel“, „La Sylphide“, „Romeo und Julia“ bis hin zu „Coppélia“, „Dornröschen“ und „Le Corsaire“. Und nun – quasi als Sahnehäubchen – „Raymonda“, das letzte große Werk von Choreografen-Legende Marius Petipa. Und gemessen an den Leistungen auf der Bühne ist es dem gebürtigen Kubaner gelungen, seine Liebe und Begeisterung für dieses Stück auf seine Kompanie zu übertragen. Es ist ein tänzerischer Hochgenuss, der dort über zweieinhalb Stunden geboten wird.

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Allen voran Lou Beyne in der Rolle der Titelheldin „Raymonda“. Sie scheint mit ihrem Tanz sämtliche Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen, schwebt gleichsam über den Tanzboden des Opernhauses. Kaum hat sie Zeit zum Ausruhen, nahezu über die gesamte Spieldauer des Stückes ist sie auf der Bühne und tanzt die anspruchsvollen Choreografien mit einer Leichtigkeit und gleichzeitig so ausdrucksstark, dass sie das Publikum geradezu mit in die Geschichte hineinzieht. Angesichts von so viel tänzerischer Perfektion und darstellerischer Präsenz haben es die männlichen Hauptakteure wahrlich nicht leicht. Doch vor allem Raúl Pita Caballero begeistert als Sarazenenkrieger Abderakhman durch kraftvollen, ausdrucksstarken Tanz. Jonathan Milton als Jean de Brienne wirkt in der Premiere noch ein wenig zurückgenommen, doch schließlich ist es für den jungen Schotten, der erst seit dieser Spielzeit am Theater Magdeburg unter Vertrag ist, seiner erste große Hauptrolle. Zumindest tänzerisch ist jedoch auch er dieser großen Aufgabe ohne Zweifel gewachsen.

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Die gesamte Kompanie besticht in „Raymonda” durch tänzerische Höchstleistungen und nahezu perfekte Synchronität in den Ensembletänzen. So entstehen auf der Bühne wunderschöne Bilder und Stimmungen. Selbst die Auftritte der Statisterie des Theaters wurden so choreografiert, dass sie sich nahtlos in diese Bilder einfügen.

Musikalisch getragen wird der Abend von der Magdeburgischen Philharmonie, denn ohne Musik ist schließlich auch beim Ballett alles nichts. Der musikalische Leiter Pawel Poplawski hat eng mit Gonzalo Galguera bei der Stückentwicklung zusammengearbeitet und macht die perfekte Verschmelzung von Musik und Tanz mit seinem Orchester erst möglich.

Raymonda

Ballett in drei Akten von Gonzalo Galguera
Musik von Alexander Glasunow

Musikalische Leitung: Pawel Poplawski
Choreografie/Regie: Gonzalo Galguera
Bühne: Darko Petrovic
Kostüme: Josef Jelínek
Dramaturgie: Eva Bunzel

Ballett Magdeburg        
Magdeburgische Philharmonie

Weitere Vorstellungen: So. 15. 4. / Fr. 4. 5. / So. 27. 5. /  Sa. 2. 6. 2018

Karten: 12 € – 31 € / ermäßigt 8 € – 22 €


Artikel von Karina