Patrick Stanke – besinnlich

Das Weihnachtskonzert im Hansa Theater, Dortmund

am 1. Dezember 2018

 

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Weihnachten – die Zeit der Wünsche, der Träume und der gemütlichen Abende am warmen Kamin, abgeschirmt vom kalten und vielleicht weißen Winterwunderland vor den Haustüren. Es ist der 1. Dezember 2018, der Abend vor dem ersten Advent, an dem Patrick Stanke zu besinnlichen Stunden ins Hansa Theater nach Dortmund einlädt, um die vorweihnachtliche Zeit einzuläuten. Der Saal füllt sich kurz vor Konzertbeginn zügig mit erwartungsvollen Zuschauern. Die Bühnendekoration ist keinesfalls überladen und wirkt harmonisch und liebevoll – lediglich ein festlich verzierter Christbaum steht neben einem Tisch, auf dem heißer Glühwein in einem Kessel dampft und dessen aromatischer Duft die Luft schwängert. Einige Kerzen flackern und im Hintergrund wartet ein Kleiderständer darauf, dass man ihn von seiner Last befreit.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Sein Weihnachtskonzert ist in diesem Jahr recht früh angesetzt, und so wundert es keinen der Anwesenden, dass auch sie scheinbar zu früh auf ihren Plätzen angekommen sind. Zur allgemeinen Belustigung kann einem gut gelaunt vor sich hinsingenden Protagonisten beim Ankleiden über die Schulter geschaut werden. Fast bekommt man den Eindruck bei Stankes vor dem privaten Kleiderschrank Mäuschen spielen zu dürfen. Man erkennt unter der Anstrengung des Anziehens die Töne des wohl am meisten polarisierenden Weihnachtsliedes der Welt – „Last Christmas“ von Wham! – im Zusammenspiel allerdings passend und bewusst gewählt, zieht der Sänger mit diesem gelungenen Schachzug doch bereits die ersten Lacher auf seine Seite noch bevor tatsächlich der erste richtige Ton erklingt. Galant schlüpft er in sein Beinkleid, schnürt mit einer stoischen Gelassenheit seine Schuhe und streift sich Weste und Sakko über, bevor er sein Publikum lachend willkommen heißt, wohlwissend welche Verknüpfung er in deren Köpfen gerade vergegenwärtigt hat. Spätestens jetzt muss einem jeden klar sein, dass in einem Weihnachtskonzert von und mit Patrick Stanke nicht nur besinnliche Töne angeschlagen werden, sondern ihm der Schalk im Nacken sitzt und er mit sich, seinen Gästen und auch den Zuschauern seinen Unfug zu treiben versteht.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Zunächst entführt er mit zwar nicht direkt klassischen, aber jedem bekannten weihnachtlichen Klängen wie „Oh night divine“ oder „Have yourself a merry little christmas“ hochemotional in die besinnliche Zeit, lässt es sich in seiner Moderation jedoch zu keiner Zeit nehmen, auch Lachtränen auf die ihm entgegengewandten Gesichter zu zaubern. Stanke interagiert gekonnt mit dem Publikum und bezieht es durchgehend in seine Moderation mit ein, geht auf Zwischenrufe ein und wirft selbst ungeplante, spontane Fragen und Ideen dazwischen.

Dass der Künstler nicht nur mit seiner Stimme zu begeistern weiß, macht der Vorleseonkel, den er in wechselnder Abfolge zum Leben erweckt, deutlich. Nach einer ersten Geschichtserzählung, die von einer Schlagzeile aus 2012 erzählt, in der ein Säugling in einer Stallkrippe in Nazareth aufgefunden wurde und auf witzige Weise die christliche Überlieferung aufgreift, geht es besinnlich weiter. Natürlich gibt es – weil es nun mal eben lustiger sei, als allein – auch am heutigen Abend einen Special Guest, Christian Alexander Müller, der während der Strophe zu „Hark the harold angel sing“ unter tosendem Applaus die Bühne betritt und sich harmonisch einbringt – beide werden am heutigen Abend gewohnt brillant am Flügel begleitet durch die als One-Women-Orchester bekannte und beliebte Marina Komissartchik.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Mit einem der wohl bekanntesten Weihnachtslieder überhaupt, „Stille Nacht“ präsentiert Müller auf Deutsch und Englisch sein Können. Die dritte Strophe, vom Gastgeber auf „versucht Französisch“ dargeboten, bietet einen weiteren heiteren Punkt im Programm, gibt er doch unumwunden zu, dass er kein einziges Wort der französischen Sprache beherrsche. Beide zeigen sich extrem gut gelaunt auf der Bühne, plaudern lachend über ihr momentanes gemeinsames Tour-Leben und lassen die gute Laune ohne Schwierigkeiten in die Zuschauerränge schwappen. Selbst das erst nach mehrmaligem Anlauf gefühlsmäßig passend gelingende „Bring ihn heim“, bringt der besinnlichen Atmosphäre keinen Abbruch – bei einem Abend mit Patrick Stanke ist man auf großen Spaß eingestellt und den dürfen gerne auch die Protagonisten haben. Das Publikum feiert die Künstler und trägt sie durch die von Lachsalven begleiteten ersten Versuche.

Das Stanke aber durchaus in der Lage ist, seine Konzerte weder in die eine noch in die andere Richtung kippen zu lassen, beweist er durch die perfekte Zusammenstellung seines Programms. Er hält gekonnt die Waage zwischen Spaß und Gefühl, fordert sein Publikum durch blitzschnelles Umschalten zwischen eben diesen Emotionen und erreicht so eine glaubhafte Authentizität.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Bereits kurz vor und nach der Pause verlassen er und sein Gast die allzu rein weihnachtliche Schiene und bieten zum Thema passende Popsongs dar, immer wieder unterbrochen von lustigen Anekdoten. Dass es eine Dienstanweisung für Beamte zum Aufstellen von Dienstweihnachtsbäumen (Dwbm) gibt, in der die Arbeitsorganisationsrichtlinie über die Handhabung und Verwendung von Nadelbäumen, kleineren oder mittleren Wuchses, die in Diensträumen Verwendung finden (ArbOrgRichtl.Dwbm), festgelegt ist und dass auch die Gefahren hinter einem Schokoladen-Adventskalender nicht zu unterschätzen sind, lässt alle schallend lachen und ungläubig staunen.

Ob „Your song“ von Elton John, „Hallelujah“ von Jeff Buckley, „A million Dreams“ aus The greatest Showman oder „Dir gehört mein Herz“ aus Tarzan – jeder Song, egal aus welchem Genre, fügt sich passend in das Programm ein, hilft zu entschleunigen und das Gedankenkarussell, gebaut aus dem Stress der Alltagshektik, zu entspannen. Auch nach dem eigentlich letzten Lied des Abends wollen die stehenden Ovationen nicht verhallen und der Gastgeber und sein Gast bedanken sich bei ihren Fans und denen, die es heute vielleicht erst geworden sind, mit einem berührenden „Ave Maria“ – einem Lied, welches passender nicht sein könnte, bevor Stanke dann mit „You raise me up“ den tatsächlichen letzten Song anstimmt.

Die Adventszeit und Weihnachten haben, sind und bleiben eben etwas Besonderes, genauso wie es als etwas Besonderes bezeichnet werden kann, was der Protagonist des heutigen Abends mit seinem „Patrick Stanke – besinnlich“ auf die Bühne zaubert. Es ist lustig und emotional, bewegend und berührend, es werden Tränen gelacht und geweint – es ist einfach ein gelungener Abend!


Text und Bilder: Astrid