Naturbühne Elspe – Karl-May-Festspiele 2017: Winnetou I

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Auf der Naturbühne in Elspe wird bereits seit 1950 Theater gespielt. Zunächst die Nibelungen und Wilhelm Tell mit jährlich etwa 8.000 Zuschauern, 1958 dann das erste Mal Winnetou mit einem Zuschaueranstieg auf sofort etwa 19.000 im Jahr. Seit 1964 werden ausschließlich Stücke nach Karl May aufgeführt. Im November 1974 wurde der vorher eingetragene Verein ‚Naturbühne Elspe e.V.‘, in eine GmbH unter der Leitung von Jochen Bludau umgewandelt und man erreichte einen sprunghaften Anstieg der Zuschauerzahlen auf erstmals über 100.000. Heute finden jährlich an die 50 Vorstellungen statt. Die Elspe-Festival GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zuschauer in die Indianerzeit, in die Zeit des wilden Westens zurückzuversetzen.

Der Prospekt verspricht einen ganzen Tag voller interessanter, atemberaubender und unterhaltsamer Stunden. Das Rahmenprogramm startet bereits um 10 Uhr, die Vorstellung um 14.45 Uhr. Seine Tore schließt der Park gegen 18 Uhr. An einigen Samstagen werden auch Abendvorstellungen geboten. An diesen Tagen ändert sich der Ablauf des Rahmenprogrammes ein wenig.

Für die Besucher stehen ausreichend kostenlose Parkplätze in fußläufiger Nähe des Festivalgeländes zur Verfügung. Auch für Reisebusse und Wohnmobile ist ein passender Parkplatz in unmittelbarer Nähe vorhanden. Wer mit Hund unterwegs ist, darf diesen gerne mit auf das Festivalgelände nehmen. Während der Vorstellung sind Hunde zwar verboten, aber extra zu diesem Zweck stehen abschließbare Hundeboxen zur Verfügung. Ansonsten sind Hunde überall erlaubt.

Nachdem man einen kleinen, jedoch steilen Berg erklommen hat, erreicht man den Eingang und die Kassen. Hier kann man auch noch direkt vor Ort Eintrittskarten erwerben. Wer die Möglichkeit der Onlinebestellung oder telefonischen Buchung genutzt hat, wird zu einem separaten Eingang an der Tageskasse vorbeigeleitet, so dass lange Wartezeiten vermieden werden. Wer im Besitz eines VIP-Tickets ist – der sogenannte Elspe-Erlebnis-Pass – nutzt wiederum einen anderen Eingang. Einmal die Kassen passiert, erstreckt sich das Festivalgelände vor einem. Zur Linken befindet sich ein Teil der Gastronomie. Das Gelände bietet in diesem Bereich für jeden Geldbeutel etwas Passendes an. Von der Pizzastation über den Imbiss, von „Mamas Küche“ bis hin zum Steakhouse. Die Speisekarten sind hierbei gewollt klein gehalten, aber für jeden Geschmack lässt sich etwas finden.

Das Gelände ist in Terrassen angelegt. Oberhalb des Gastronomie- und Aufenthaltsbereiches mit reichlich überdachten Sitzgruppen für den Verzehr selbst mitgebrachter Speisen und Getränke gelangt man zum Gelände für die Pferdeshow, eines der Rahmenprogrammpunkte des Festivals. Unter dem Titel „Teaching Horses“ geben die Stuntreiter um Moritz Bürkner einen Einblick in die Arbeit mit den Tieren. Pferde sind Fluchttiere und müssen somit mit größter Sorgfalt und viel Einfühlungsvermögen auf ihren Einsatz auf der Bühne vorbereitet werden. Es erfordert ein geduldiges Arbeiten, damit die Tiere die Angst vor Feuer, lauten Explosionen und Gewehrschüssen verlieren. Auch gibt es sogenannte Feuerpferde, denen es nichts ausmacht, einen brennenden Reiter zu tragen und dabei auch selbst „in Flammen“ zu stehen.

Auf der rechten Seite des weitläufigen Geländes befindet sich die Freilichtbühne nebst überdachtem Zuschauerraum, ein weiterer Teil der Gastronomie mit Imbiss, „Western Saloon“ und „Sloppy Joe’s Coffee Bar“, sowie die Greifvogelstation und die Elspe-Festival-Halle. Hier gibt es auch die Möglichkeit, Souvenirs zu erwerben. An der sich ebenfalls dort befindlichen Information wird man freundlich und kompetent beraten.

2017.07.16_Elspe_Winnetou_bearb.-04074Der überwiegende Teil des Rahmenprogramms findet hier statt. In der Greifvogelstation kann man von Maike Schmidt (fester Bestandteil des Elspe-Festival-Teams und ausgebildete Zootierpflegerin mit Schwerpunkt Greifvögel und Falknerei) Wissenswertes über die teameigenen Greifvögel erfahren und sie bei kurzen Flügen beobachten. Der Weißkopfseeadler Abby ist außerdem Bestandteil der großen Show.

In der Festivalhalle findet eine Stunt- und Pyrotechnikshow – in diesem Jahr „Es war einmal in Kanada…Grandpa’s Schatz“ – statt. Das festivaleigene Stuntteam um Leader Markus Lürick begeistert dabei mit Prügelszenen, gewagten Stürzen und lauten Explosionen (Idee: Marco Kühne). Auch das Vergnügen kommt hier nicht zu kurz. Wer Billy und Pete schon einmal bei ihren Abenteuern begleitet hat, weiß, dass bei den beiden Chaoten selten ein Auge trocken bleibt.

2017.07.16_Elspe_Winnetou_bearb.-04139Des Weiteren kann man dort einer Musikshow „Best of Country Musik“ lauschen, die eine Hommage an die großen Songs der Countrymusik – klassisch wie modern – darstellt. Die Musikshow steht unter der Regie und Produktion von Holly Shepherd und für Licht- und Projektionstechnik zeichnet sich VIOSO Projection Software, Benjamin Fritsch, verantwortlich. Die acht amerikanischen Sänger/Innen setzen die ausgewählten Songs bezaubernd und außergewöhnlich in Szene. Sie entführen das Publikum dabei auf eine Weltreise nach Australien, Tennessee, Norwegen, Island, New Jersey, Texas, London und West Virginia mit Songs wie z. B. „Over the Gloryland“, „Jolene“, „These boots are made for walking“, „Streets of London“ oder „Country Roads“.

Über das gesamte Jahr verteilt werden u. a. Musikveranstaltungen – zum Teil auch mit großen bekannten Künstlern – sowie in der Winterzeit eine Weihnachts-Dinnershow unter dem Titel „Meuterei in Fort Boyard“ an mehreren Wochenenden angeboten. Ferner wird das Festivalgelände Jedermann ganzjährig gerne für die Durchführung von geschäftlichen oder privaten Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

Der Hauptevent in der Sommerzeit ist selbstverständlich die Aufführung der Karl-May-Festspiele auf der großen Naturbühne. Vor dieser Bühne mit echt wirkenden Kulissen in Form eines Saloons, Indianerbaracken und großer Felsen erstreckt sich der Zuschauerraum mit heute 4.400 Sitzplätzen. Seit 1978 können die Besucher unter einem – dem Münchener Olympiastadion nachempfundenen Dach – bei jeder Witterung trocken sitzen. Die Sicht ist von allen Plätzen hervorragend, jedoch empfiehlt sich der hintere Bereich wegen der besseren Gesamtübersicht. Der Ton ist überall gleichermaßen gut zu verstehen.

Die Geschichte einer großen Freundschaft

Dieses Jahr kommt Winnetou I zur Aufführung. Eine Eisenbahntrasse soll durch das Gebiet der Apatschen gebaut werden. Winnetou, der Häuptling der Apatschen, kann erreichen, dass dieses Vorhaben geändert und die Bahn um das Gebiet herumgeführt wird. Zu seinem Leidwesen sehen das hinterhältige Schurken, die den Bahnarbeitern um den leicht dümmlichen Sam Hawkens vor die Nase gesetzt werden, völlig anders und halten sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen. Ein Greenhorn, ein gebildeter weißer Mann aus dem Westen Amerikas, der zu Studienzwecken (Schreiben eines Buches) in den wilden Westen gekommen ist, soll den unehrenhaften Bahnarbeitern dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schnell merkt dieser jedoch, welch falsches Spiel die Banditen um Mr. Santer spielen. Sie möchten das Gold der Apatschen stehlen. Er besiegt sie – von seinen Zuschauern unerwartet – in einem Kampf ‚alleine gegen alle‘. Von Sam Hawkens erhält er daraufhin den Namen „Old Shatterhand“. Er schlägt sich auf die Seite der Apatschen und steht Winnetou gegen seine Widersacher getreu zur Seite. Winnetou erkennt, welch ehrenhafte Person er in Old Shatterhand an seiner Seite hat und schließt mit ihm die Blutsbrüderschaft.

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Eröffnet wird die Vorführung durch eine einfahrende Postkutsche, welcher nach einem kurzen Stopp eine Person entsteigt. Hierbei handelt es sich um niemand Geringeren, als Karl May höchstpersönlich, der erst kurz sich und dann die anderen beteiligten Figuren dem Publikum vorstellt. Karl May wird verkörpert von dem Geschäftsführer der Elspe-Festival-GmbH, Jochen Bludau, der sich auch für Buch und Regie der diesjährigen Aufführung verantwortlich zeigt. Sein Team besteht weiterhin aus Benjanim Armbruster (Dialogregie), Marco Kühne (Stunt- und Actionregie), Philipp Asshoff, Brigitte Bludau, Mario Kühne (Tonregie), Ulrich Schmitz (Tontechnik), Stephan Kieper (Pyrotechnik), Brigitte Bludau, Barbara Kemper, Bozena Schauerte (Kostüme, Maske), Franz-Josef Schneider, Sarah Wallenböck (Pferde) und Robert Kucharczyk (Eisenbahn). Die technische Gesamtleitung obliegt Harald Heufer.

Winnetou, Häuptling der Apatschen – Jean-Marc Birkholz

Nscho-tschi, seine Schwester – Cheryl Angelika Baulig

Intuschu-tschuna, deren Vater – Wolfgang Kirchhoff

Klekih petra, weißer Lehrer der Apatschen – Harald Heufer

Matto Schako, Unterhäuptling der Apatschen – Moritz Bürkner

Old Shatterhand – Kai Noll

Sam Hawkens – Stephan Kieper

Dick Stone – Uwe Schröder

Will Parker – Thorsten Klein

Santer – Alexander Hanfland

Rattler – Markus Lürick

Rollings – Marco Kühne

Marcy – Maximilian Wieler

Miranda, Saloonwirtin – Bianca McNamara

Barker, Sheriff – Przemyslaw Rozbicki

Jean-Marc Birkholz gehört seit 2008 zum Elsper Ensemble, seit 2012 spielt er den Apatschenhäuptling Winnetou. Er spielt ihn ruhig und überlegt. Man nimmt ihm den verantwortungsvollen Führer seines Indianervolkes zu jeder Zeit ab. Seine tiefe, getragene Stimme unterstreicht seine Vormachtstellung nachhaltig. Er reitet gekonnt und auch im Zusammenspiel mit dem Partner Pferd scheint er geschmeidig und wendig.

Kai Noll, vielen bekannt aus der Fernsehserie „Unter uns“, steht auch schon länger auf der Elsper Bühne. Bereits von 2005 bis 2007 spielte er den Old Shatterhand, den er jetzt wieder seit 2015 verkörpert. Er gibt seiner Rolle die nötige Überlegenheit und Größe mit, kann die Prügeleien schön in Szene setzen und beherrscht ebenfalls den sicheren Umgang mit dem Partner Pferd.

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Moritz Bürkner spielt den Matto Schako aufmüpfig und wenig untergeben Winnetou gegenüber, dennoch achtet er die Vormachtstellung seines Häuptlings und ist bereit, ihm blind zu folgen, auch wenn er dessen Meinung nicht teilt. Ab und an muss Winnetou seinem Übermut aber auch ein wenig Einhalt gebieten, damit die Sippe nicht unnötig in Gefahr gerät. Matto Schako ist ein Kämpfer und das stellt Bürkner in seinem Spiel durchaus deutlich sichtbar klar. Dass Bürkner ebenfalls zum Team der Stuntreiter gehört, lässt sich anhand seiner sicheren Reitkünste – auch ohne im Programm nachzulesen – erahnen.

Eine weitere tragende und überaus bekannte Rolle aus den Winnetou Verfilmungen kommt Sam Hawkens zu, dem leicht dümmlichen Bahnarbeiter, der weder lesen noch schreiben kann, dies aber gekonnt versteckt. Allen bekannt ist sein Spruch „Wenn ich mich nicht irre“ gefolgt von seinem hellen, nicht zu verkennenden, typischen Lachen. Auch hier funktioniert die Besetzung perfekt. Stephan Kieper schafft es, dem Publikum immer wieder Gelächter aufgrund seines witzigen Spiels zu entlocken.

Cheryl Angelika Baulig verkörpert eine zarte, aber dennoch entschlossene Nscho-tschi, der zur Rettung ihrer großen Liebe, Old Shatterhand, kein Weg zu weit und zu beschwerlich ist. Alexander Hanfland mimt den Oberbanditen Santer auf die richtige dreckige, hinterhältige Weise, die diese Figur benötigt. Mit Kieper, Lürick, Kühne und Wieler sind ein Teil der Banditen mit Stuntmen besetzt. Ob Prügeleien, große Stürze oder als lebende Fackeln verstehen sie ihr Handwerk perfekt und hinterlassen eine stimmige Performance.

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Auffallend ist, dass bei dem hier aktiven Team jeder mitarbeitet. Selbst den Kreativen hinter dem Stück fallen kleinere oder auch größere Auftritte zu. Die Leute aus der Stunt- sowie der Musikshow sind ebenfalls auf der großen Bühne dabei. Das vermittelt eher den Eindruck einer großen Familie denn eines Kollegenkreises, wozu sicherlich auch die von einigen genutzte gemeinsame Unterbringung auf dem Festivalgelände beiträgt. Den Darstellern wird eine große Verantwortung zuteil. Gibt es z. B. in großen En-suite-Produktionen für die Darsteller Cover bzw. Zweitbesetzungen, ist das in Elspe nicht gegeben. Jede Hauptrolle ist nur einfach besetzt. Kleinere Krankheiten müssen von den Darstellern ignoriert werden, um größere Ausfälle macht man sich Gedanken, wenn etwas passieren sollte. Hier heißt es Hop oder Top. Der Spielbetrieb läuft ja weiter. Wasserscheu sollte man auf einer Freilichtbühne ebenfalls nicht sein. Regen liegt im Laufe einer knapp dreimonatigen Spielzeit durchaus im Bereich des Möglichen und die Aufführungen finden bei jedem Wetter statt.

Ein Wort möchte ich noch zu den vielen vierbeinigen Darstellern dieser Produktion verlieren. Die Elspe-Festival-GmbH ist im Besitz von etwa 40 Pferden, von denen 23 pro Aufführung auf der Bühne stehen. Bei der nach der Vorstellung stattfindenden Backstageführung konnten wir einen Blick auf deren Unterbringung und Versorgung werfen. Die Stallungen wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt neu- bzw. umgebaut. Es sind ausreichend Weideflächen vorhanden, die allen Pferden täglich zur Verfügung stehen. Zur Arbeit mit den Pferden stehen mehrere Trainer bereit, die die Tiere schonend an die für sie zu bewältigenden Schwierigkeiten heranführen. Die Darsteller nutzen für die Vorstellungen über die gesamte Produktionszeit dasselbe Pferd, für welches sie selbst verantwortlich sind. Diese Tatsache ist zum Aufbau eines Vertrauensverhältnisses unabdingbar.

Abschließend bleibt festzustellen, dass sich ein Besuch des Elspe-Festivals nicht nur als Familie lohnt. Ob jung oder alt, jeder kommt auf seine Kosten. Man erlebt einen gut durchgeplanten, tollen Tag, gespickt mit vielen Highlights. Ein Besuch in Elspe ist informativ, unterhaltsam, lustig und vor allem spannend. Weitere Besuche sind anschließend sicherlich nicht ausgeschlossen.

Wer sich die Karl-May-Festspiele in Elspe anschauen möchte, hat dazu dieses Jahr noch bis zum 10. September Zeit.

 

 


Bilder und Text: Astrid Mohren