Musical Tenors – older but not wiser

Patrick Stanke
Patrick Stanke

Am Montag, den 24. September 2018 ist es endlich wieder so weit, die rund 420 Gäste des bis auf den letzten Platz ausverkauften Ebertbades kommen in den Genuss des zweiten Konzertes der diesjährigen Musical Tenors Tour. Unter dem Motto „Older but not wiser“ zeigen sich die vier charmanten Herren, Jan Ammann, Christian Alexander Müller, Mark Seibert und Patrick Stanke gewohnt eloquent, was die Moderation angeht und stimmlich absolut auf dem Höhepunkt. Lange haben ihre Fans auf diesen Moment gewartet. 2012 traten sie zuletzt in dieser Formation auf, und nun, sechs Jahre später hat das Warten ein Ende. Der Countdown begann für den ungeduldigen Zuschauer bereits im Januar, am Abend des „Inside Sound of Music Concerts“, bei dem Andreas Luketa und Tenors-Mitglied Patrick Stanke die für diesen Herbst geplante Reunion angekündigt hatten.

Der frenetische Jubel der Anwesenden und jener, die diese Ankündigung via Liveübertragung verfolgen durften, wird an diesem Abend, 238 Tage – 34 Wochen oder 7 Monate und 28 Tage später, noch einmal übertrumpft, als die Vier endlich die Bühne betreten. Dass die Vorschusslorbeeren durchaus ihre Berechtigung haben, zeigt sich bereits bei den ersten Tönen, des insgesamt 24 Lieder umfassenden Konzertes. Mit „Limelight“ präsentieren sie als Auftakt einen ihrer Klassiker, erinnern damit auch an den damaligen Einstieg und werden dabei von der gut eingespielten sechsköpfigen Band unter der Leitung von Mario Stork hervorragend unterstützt. Letzterer zeichnet auch für die Arrangements der an diesem Abend vorgetragenen Stücke verantwortlich.

Mark Seibert
Mark Seibert

Der volle Klang der vier herausragenden Stimmen erfüllt nicht nur jeden Winkel des ehemaligen Schwimmbades, sondern auch die Herzen der Zuschauer. Ob alle gemeinsam, in Duetten oder auch in ihren jeweiligen Solosongs, die Lieblinge der Musicalszene singen mit viel Gefühl und bringen jede Emotion exakt auf den Punkt. Älter geworden sind sie ohne Frage, doch den Spaß an diesem Format sieht man ihnen noch immer an. Während sich die Protagonisten des Abends, unterstützt von Kollegin Michaela Schober, stimmlich und gesanglich deutlich weiterentwickelt haben, so sind es dennoch vornehmlich die Klassiker ihrer ursprünglichen Tour, die sie auf die Bühne bringen. Neu gespickt mit einigen ihrer aktuellen oder kürzlich vergangenen Rollen sind dies Schmankerl, die das Publikum zum Jubeln bringen – besondere musikalische Juwelen sind hingegen jene Stücke, die weder der einen, noch der anderen Kategorie entstammen. Hervorzuheben sind besonders das Medley mit Songs aus den „3 Musketieren“, wie auch der „Mann von La Mancha“ – aber auch aktuelle Dauerbrenner, wie „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ aus „Die Päpstin“, vorgetragen von Mark Seibert, der die Rolle des Gerold im Sommer in Fulda verkörperte, bringen verdienten Applaus. Besonders emotional wird es, als Patrick Stanke „Du warst mein Licht“ aus der Feder von Andreas Luketa zum Besten gibt, ein Titel, den dieser ihm bereits vor Jahren auf den Leib geschrieben hatte. Hierzu begleitet er sich selbst am Flügel und gönnt Marina Kommisartchik damit eine kurze Verschnaufpause. „Die Musik der Nacht“ von Christian Alexander Müller ist ein ebensolcher Höhepunkt des Abends, der das Publikum zunächst sprachlos zu Tränen rührt, und schließlich buchstäblich von den Sitzen holt.

Erst zum Ende des ersten Teils und damit als i-Tüpfelchen auf einem besonders vielversprechenden Konzertabend, gesellt sich Michaela Schober in die Herrenrunde. Bei „I believe in you“ komplettiert sie das Quartett mit ihrer wohlklingenden Stimme, ehe es in eine kurze Pause geht.

Nach Selbiger geht es ebenso gefühlvoll weiter, wie der erste Akt aufgehört hat, so dass das Konzert für jeden Besucher zu einem musikalischen Hochgenuss wird. Egal, ob man die Konstellation aus der ersten Tour noch in Erinnerung hat, oder als Neuling gekommen ist – jeder kommt auf seine Kosten. Dass es emotional und thematisch nicht zu sehr in eine Richtung abdriftet, dafür hat Andreas Luketa – mit viel Fingerspitzengefühl beim Erstellen des Formates und damit der Verantwortung für die Setlist – gesorgt. Es ist und bleibt rundum abwechslungsreich, kraftvoll, elegant, humorvoll, nachdenklich, gefühlslastig und auf einem musikalischen Niveau, was seinesgleichen sucht.

Christian Alexander Müller
Christian Alexander Müller

Im zweiten Akt gibt es einen kurzen Ausflug zum „Greatest Showman“, auch die „Vampire“ und „Mozart!“ dürfen nicht fehlen, und Jan Ammann überzeugt mit seiner Darbietung aus „Ludwig²“, wo er den König bis August wieder einmal höchstselbst verkörpert hat. Sein „Kalte Sterne“ nimmt die Zuschauer mit auf die Reise nach Füssen und er intoniert kraftvoll und höchst leidenschaftlich diesen Wendepunkt des Stückes. Auch in den Sommer nach Tecklenburg zu „Les Miserables“ gibt es mit „Bring ihn heim“ einen kurzen Rückblick, welcher – als Duett von Müller und Stanke vorgetragen – das Publikum an deren Lippen fesselt. Zum Abschluss des Abends verkünden die Sänger mit „Vivo per lei“ ihre ganz besondere musikalische Leidenschaft, heizen mit einem ABBA-Medley noch einmal richtig ein und vertreiben alle sentimentalen Gedanken, ehe sie mit einem berührenden „Look with your heart“ ihr Publikum in die Nacht entlassen.

Jan Ammann
Jan Ammann

Damit die Band und die Protagonisten des Abends tontechnisch auch vernünftig zur Geltung kommen, legt Markus Danne wie gewohnt professionell Hand an, und Matthias Vierjahn rückt sie dazu ins rechte Licht. Dafür, dass es zwar immer das Gleiche, aber nie dasselbe sein wird, weiß der Veranstalter zu sorgen. An den verschiedenen Aufführungsstätten wechseln sich die weiblichen Gäste ab und somit variiert das Programm immer ein klein wenig. In Berlin, wie auch beim Eröffnungskonzert in Filderstadt war und wird Stephanie Tschöppe die Herren unterstützen, bereits angekündigt sind Anna Hofbauer für München, Eve Rades für den zweiten Termin in Berlin und Marle Martens für das zweite Konzert in Oberhausen. Es lohnt sich in jedem Fall die Augen offen zu halten, ob sich für das ein oder andere der zumeist ausverkauften Konzerte noch eine Karte ergattern lässt. Oberhausen war nach einem fulminanten Auftakt in Filderstadt das zweite von zehn Konzerten, die binnen vier Monaten in sechs verschiedenen Städten stattfinden. Der nächste Termin ist bereits am 29. September im Studio des Berliner Admiralspalastes, wo es dann wieder heißen wird: „Musical Tenors – older but not wiser“.

 


Text und Fotos: Andrea