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Musical-Premiere 2019 bei den DomStufen-Festspielen: Der Name der Rose

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Wer kennt ihn nicht, den auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Umberto Eco basierenden Film „Der Name der Rose“ aus dem Jahr 1986 mit Sean Connery in der Titelrolle als Franziskanermönch William von Baskerville?

Dem Theater Erfurt ist es gelungen, die Rechte für die Welturaufführung eines gleichnamigen Musicals zu bekommen.

Dem  norwegische Autorenduo Øystein Wiik und Gisle Kverndokk, welches dem erfahrenen Besucher der Erfurter Domstufen-Festspiele schon aus dem Jahr 2008 (Welturaufführung des Musicals „Martin L.“) bekannt sein dürfte, ist es gelungen die Vertonungsrechte für Ecos Roman zu bekommen. Die deutschsprachige Übersetzung stammt von Elke Ranzinger und Roman Hinze.

Die im 14. Jahrhundert angesiedelte Handlung erzählt von dem Franziskanermönch William von Baskerville, den eine heikle kirchenpolitische Mission in eine italienische Abtei führt, wo sich rätselhafte Todesfälle ereignen. Bei seinen Ermittlungen kommt er einem großen Geheimnis auf die Spur, das der Bibliothekar des Klosters mit allen Mitteln zu verbergen versucht. William wird von dem Novizen Adso begleitet, der einerseits Abgründe menschlicher Verblendung kennenlernt, zugleich aber auch durch sein erstes Liebeserlebnis vor eine schwere Entscheidung gestellt wird.

Als William von Baskerville steht Yngve Gasoy-Romdal auf den Domstufen. Auch für ihn sind die Erfurter Domstufen-Festspiele nichts Neues, denn er stand schon 2008 als Hauptfigur Martin L. im gleichnamigen Musical auf der Bühne.

Máté Sólyom-Nagy spielt die Rolle des Adso von Melk dem Älteren. Der gebürtige Ungar fungiert als Erzähler und innere Stimme/Gedanken Adso von Melk des Jüngeren. Er hat seinen Platz hoch über den Köpfen der Zuschauer auf der Balustrade des Domes.

Adso von Melk der Jüngere wird gespielt von Florian Caspar Minnerop. Er absolvierte von 2015 bis 2019 ein Studium zum Musicaldarsteller an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Während des Studiums stand er unter anderem als Cliff im Musical „Sunset Boulevard“  oder Big Deal in der in der West Side Story auf der Bühne.

Adso von Melk trifft zufällig in der Abtei ein Bauernmädchen, gespielt von Eva Löser. Während des Stückes bleibt sie allerdings namenlos. Ist sie möglicherweise die titelgebende Rose?

Björn Christian Kuhn ist in der Rolle des buckeligen Salvatore zu erleben. Er hat mit seinen teilweise nicht ganz jugendfreien Späßen so manchen Lacher auf seiner Seite. Optisch erinnerte die Figur an Koukol aus dem Musical Tanz der Vampire oder auch Quasimodo aus Der Glöckner von Notre Dame. Besonders das Lied „Hexenwerk oder Gift“ bleibt auch durch Unterstützung des hervorragenden Chores noch nach der Vorstellung im Ohr. Besonders beeindruckend ist auch, wie er über die ganze Bühne auf den Domstufen turnt und dabei trotzdem noch ohne Anstrengung singt und spielt.

Wie sich am Ende herausstellt wird Remigio von Varagine, gespielt von Juri Batukov, zu Unrecht der Morde in der Abtei beschuldigt. Während des Verhöres, durch den Abt Abbone von Fossanova und den Großinquisitor Bernardo Gui, verfällt Remigio dem Wahnsinn und gibt den wahren Mörder nicht preis.

Die Melodie von Stefan Poslovskis großem Solostück (als Abt Abbone von Fossanova „Macht“) wird von Gisle Kverndokk sehr gekonnt während des Stückes immer wieder eingeflochten. Zu Beginn des Stückes ist Abbone William von Baskerville noch freundlich gesinnt, dies ändert sich allerdings im Verlaufe der Handlung, als Baskerville der Wahrheit um die Morde immer weiter auf die Spur kommt.  Zum Schluss wirft Abbone von Fossanova William von Baskerville und Adso von Melk sogar aus der Abtei.

Als strenger Inquisitor hat Rainer Zaun einen besonderen Auftritt. Er wird in einer großen Kutsche, begleitet von einer Armee Bogenschützen, zum Treffen in der Abtei von Abbone von Fossanova gebracht. Auch er beschuldigt Remigio von Varagine des Mordes, bis während des Verhöres Axel Köhler als Malachia von Hildesheim, der Bibliothekar der Abtei, auch noch zu Tode kommt. Somit kann Remigio von Varagine nicht der Mörder sein.

Ein weiteres Opfer ist Severino von St. Emmeran, der Botaniker der Abtei, dargestellt von Erwin Bruhn. Vor seinem Tod kann er allerdings William von Baskerville noch einen entscheidenden Hinweis geben, der ihn am Ende auf die Spur des wahren Mörders bringt.

Wolfgang Kaiser als Greis Alinardo von Grottaferrata hat einen besonderen Running Gag während der Vorstellung. Er erzählt Adso von Melk ganz zu Beginn, dass er schon so alt ist, nicht mehr richtig kauen kann und aus diesem Grund nur noch Bohnen lutschen kann. Er fragt Adso, ob er Bohnen für ihn hätte. Bei jedem Auftritt erinnert er Adso immer wieder daran, nicht seine Bohnen zu vergessen.

Jorge von Burgos, ein blinder Seher, will mit allen Mitteln verhindern, dass jemals das womöglich einzige erhaltene Exemplar des „Zweiten Buches der Poetik“ des Aristoteles, in dem – nach der Tragödie im ersten Teil – die Komödie behandelt wird, an die Öffentlichkeit gelangt. Denn Jorge hält die in diesem Buch vertretene positive Einstellung zur Freude und zum Lachen für derart gefährlich, sodass er es lieber vernichten würde als es in fremde Hände fallen zu lassen.

Jörg Rathmann spielt die Rolle Jorge von Burgos. Als ihn William von Baskerville und Adso von Melk nach den Hinweisen von Severino auf die Spur kommen, isst Jorge einen Teil des Buches und stirbt. Wie sich jetzt herausstellt, haben alle Toten allerdings versucht das zweite Buch der Poetik zu lesen.

Auf der Suche nach dem Mörder stieß Adso unabsichtlich eine Lampe um und somit geraten die ganze Abtei und die Bibliothek in Brand und alle Bücher werden verbrannt. William von Baskerville und Adso von Melk können sich aus den Flammen retten. Der Domberg steht eindrucksvoll in Flammen.

Nachdem die Abtei 3 Tage gebrannt hat, kommt Adso von Melk der Ältere noch einmal auf die Bühne, durchschreitet die Ruine und schließt das Stück mit den Worten „Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus“ („Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen“).

Die ganze Atmosphäre auf den Domstufen ist einfach nur toll.  Das Bühnenbild, welches Pantokrator aus der Apsis der Kathedrale zu Cefalù zeigt, wurde von Frank Philipp Schlößmann sehr gekonnt in Szene gesetzt und fügt sich wunderbar in das Ensemble von Dom und St. Severi.

Ein besonderes Highlight sind die Lichtinstallationen von Florian Hahn. Besonders am Ende spürt man förmlich die Hitze der lodernden Flammen.

Neben den Solisten wartet das Stück noch mit einem wunderbar kraftvollen 45-köpfigen Chor unter der Leitung von Andreas Ketelhut und dem 40-köpfigen Orchester unter der Leitung von Jürgen Grimm auf.

Einen Vergleich mit anderen Musicalbühnen braucht das Theater Erfurt definitiv nicht zu scheuen. Sie haben dieses Jahr wieder ein wunderbares Musical auf die Bühne gebracht. Manch einer attestiert Erfurt sogar den Status als Verona des Musicals. Es kamen, so wie uns bekannt ist, sogar Fans extra aus Japan, um das Musical und die wunderbare Kulisse zu erleben.

Wer jetzt Lust bekommen hat, das Musical noch zu sehen, muss sich beeilen. Viele Vorstellungen sind schon restlos ausverkauft und für einige gibt es nur noch ganz wenige Karten. Also schnell sein und zugreifen.

Text: Hagen und Anne

Bilder: ©Lutz Edelhoff/Theater Erfurt 2019

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