Monty Python’s Spamalot

…in Tecklenburg 2018

(c) Freilichtbühne Tecklenburg
(c) Freilichtbühne Tecklenburg

 

„Nimm das Leben beschwingt und hab einfach Spaß! –

Always Look on the Bright Side of Life!“

 

 

 

Die Legende um König Arthus und die Ritter der Tafelrunde auf der Suche nach dem Heiligen Gral ist wohl jedem ein Begriff. Was allerdings passiert, wenn man diese Überlieferung in die Hände der britischen Comedy-Gruppe Monty Python, die mit ihren Produktionen zwischenzeitlich Kultstatus genießt, legt, konnte man bisher nicht nur auf der Filmleinwand, sondern auch auf unzähligen Theaterbühnen erleben – in diesem Sommer machen sie auch vor der Freilichtbühne in Tecklenburg keinen Halt.

Das vielfach ausgezeichnete (3 Tony-Awards für Bestes Musical, Beste Hauptdarstellerin und beste Musicalregie bei 14 Nominierungen, sowie für die Tournee den Elliot Norton Award der Stadt Boston), satirische Musical „Monty Python’s Spamalot“ basiert auf dem Spielfilm „Die Ritter der Kokosnuss“, und wurde „durch liebevolles Fleddern“ desselben – wie der Verlag selber schreibt – zu einem weltweit großen Erfolg. Gründungmitglied Eric Idle und John Du Prez bedienten sich dafür unter anderem des Liedes „Always Look on the Bright Side of Life“ aus dem weiteren Film der Formation „Das Leben des Brian“. Gerade dieser Song mutiert zur Hymne der großen Monty-Python-Fangemeinde. Ernsthaftigkeit und Drama vermisst man nicht nur bei den Verfilmungen, sondern auch bei den Musical-Inszenierungen sind Spaß und teils schwarzer Humor vorherrschend.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Das Musical folgt sehr frei der Legende um die Suche nach dem heiligen Gral. Der nicht gerade von reichlich Intelligenz gesegnete König Arthus (Frank Winkels) zieht mit seinem Diener Patsy (Robert Meyer) aus, um die tapfersten Ritter für seine Mission an die Tafelrunde anzuwerben – er möchte das von Pest und Cholera, Engländern und Franzosen regierte Land einen. Auf seinem Weg trifft er unter anderem auf zwei Wachsoldaten, die sich mehr Gedanken machen, ob Schwalben eine Kokosnuss befördern können, anstatt dem König ihr Gehör zu schenken. Zwar reitend, aber ohne Pferd – als Pferd dienen die vorherigen Steine des Anstoßes, die beiden Kokosnusshälften, die zusammen geschlagen Eindruck schindend, zumindest nach Pferdehufen klingen sollen -, meistert er alle Unwegsamkeiten. So sammelt er die auf unterschiedlichste Weise mit eher wenig Klugheit, Kampfgeist und Tapferkeit gesegneten Bauerntölpel Bedevere (Gerben Grimmius), Lancelot (Mathias Meffert), Galahad (Florian Soyka) und Robin (Thomas Hohler) auf, schlägt sie zu Rittern und bringt sie auf seine Burg Camalot – hier oftmals verballhornt als „Spamalot“, einem Spam-Sketch der Gruppierung geschuldet. Diese erweist sich als eine wilde Mischung aus Urlaubsdomizil mit Showgirls und einer Spielhölle und sie feiern bei ihrer Ankunft ein rauschendes Fest. In dessen Verlauf trägt auch die ihnen immer zur Seite stehende „Fee vom See“ (Femke Soetenga) das jedem Stück eigene kitschtriefende Liebeslied „wie am Broadway so üblich“ vor.

Während der pompösen Party erscheint ihnen Gott in Form einer eingesprochenen Stimme „mit riesigen Füßen und Nachthemd“, und sie erhalten – nach einer eindringlichen Warnung dem Allmächtigen nicht unter ebendieses Gewand zu schauen – den Auftrag den heiligen Gral zu suchen. Beim minderbemittelten Gefolge stößt dies zunächst auf Unverständnis. „Was ist denn ein Gral?“ „Der Becher des Abendmahles!“ „Nee, oder? Gott der Allmächtige hat seinen ollen Becher verbummelt?“

Auf ihrem nun folgenden gemeinsamen Weg, der mit schier unlösbaren Aufgaben gespickt ist – sei es die Festung der französischen Fußball-Weltmeister mit einem hölzernen „trojanischen“ Kaninchen zu unterwandern (dumm nur, wenn man vergisst sich darin zu verstecken), oder aber auch im dunklen und teuren Wald die Vorgabe des furchteinflößenden „Ritters NI“ zu erledigen (er verlangt kategorisch ein Gebüsch als Wegzoll) – kommen sie nahe an ihre Grenzen.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Die Ritter trennen sich, versuchen einzeln ihr Glück das verschwundene Relikt zu finden, und geraten jeder für sich an neue Herausforderungen. Sir Lancelot erreicht der Hilferuf des Prinzen Herbert, der ihm Anlass gibt, bei ihm das gesuchte Objekt zu vermuten. Im Alleingang stürmt er das Schloss, verhindert so die für den jungen Thronfolger arrangierte Hochzeit mit einer Dame und beide verlieben sich ineinander – was als gelungene Adaption auf ein äußerst bekanntes und beliebtes Musical gezeigt wird. Sir Robin, der Sänger und Tänzer aber keineswegs Krieger unter ihnen, sieht sich einem schwarzen unerschrockenen, sowie kampferprobten Ritter gegenüber und verlässt fluchtartig, wieder einmal mit vollen Hosen, die Szene. Der nachkommende König Arthus übernimmt den Kampf, gewinnt ihn indem er dem Gegner beide Arme und Beine abschlägt, lässt sich dann aber dennoch mit einem „unentschieden“ abspeisen.

Nachdem jeder für sich alleine aber erfolglos sein Glück versucht hat, treffen sie wieder aufeinander und begegnen im dunklen und teuren Wald erneut „Ritter NI“, der nun eine weitaus schwierigere Aufgabe für sie bereithält. „Erfindet ein Musical und führt es in Tecklenburg auf – aber bloß keinen Lloyd Webber!“. Sir Robin erbleicht bei dieser Ansage und erklärt seinen unwissenden Kumpanen, welch schwieriges, oder eher unlösbares Problem auf sie wartet.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

„Tecklenburg ist ein besonderer Ort, ein Ort mit besonderen Menschen, da gibt es Katzen-Menschen, grüne Menschen, Menschen mit bunten Mänteln. Sie alle sorgen für ganz besondere Musicalmomente… Alles dort ist wie am Broadway… Das Licht, die Kostüme, der Chor – wir haben definitiv keine Chance.“

Er sinniert erklärend weiter, dass alles in Tecklenburg einen großen Maßstab bildet und wenn es nicht vom Broadway kommt, würde es eh keine Sau interessieren. In der Folge erscheinen die Darsteller in Kostümen aus den größten Broadway-Produktionen wie „König der Löwen“, „Sister Act“, „Phantom der Oper“, „Mary Poppins“, „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ und viele andere.

Die „Fee vom See“ bleibt nach Abzug der Szene allein auf der Bühne zurück und beschwert sie sich beim Publikum, welches zunehmend mit in die Handlung einbezogen wird, dass sie in diesem zweiten Akt bisher noch keinen Auftritt hatte – schließlich wähnt sie sich doch eigentlich als Hauptperson der Inszenierung. Ihr „Wann geht es wieder mal um mich?“ hält bei genauerem Hinhören für die Zuschauer ein paar eingebaute und erklärende Überraschungen bereit, die sie Revue passierend zum abschließenden Fazit führen: „Wer kommt denn eigentlich auf so nen Stuß, der Autor hat doch wirklich einen Stich!“, endend mit dem frei nach Elisabeth intonierten Satz „Denn ich gehör hier her!“

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Zwischenzeitlich verfällt Arthus in Zweifel, ob er diese schwierige Musical-Aufgabe überhaupt lösen kann, denn eigentlich wäre seine Mission doch ganz einfach gewesen: „Schare einige tapfere Ritter um dich – finde den heiligen Gral – und dann kehre heim“. Zudem fühlt er sich vereinsamt, da seiner Meinung nach niemand zu ihm hält. Die „Fee vom See“ hilft ihm auf die Sprünge, indem sie ihm erklärt, dass sie immer an seiner Seite war und auch weiterhin ist und zudem sein getreuer Diener Patsy ebenfalls weiterhin hinter ihm stünde. Es benötigt einige Zeit und Zuspruch, bevor Arthus den Wink mit dem Zaunpfahl versteht und ihr einen Heiratsantrag macht. Weiter löst seine Begleiterin das Rätsel um die Musicalerfindung auf – schon längst spielen sie doch alle in einem besonderen Stück auf der Bühne im gewünschten broadwayähnlichen Tecklenburg.

Auf ihrer weiteren Reise zur Findung des heiligen Grals gelangen sie an eine Höhle, in welcher sich der lösende Hinweis zum Versteck befinden soll, allerdings bewacht von einem Killerkaninchen vor welchem sie eindrücklich gewarnt werden. Seinen Killerinstinkt stellt dieses auch unmittelbar und eindrucksvoll unter Beweis, indem es einem furchtlosen Ritter den Kopf abbeißt. Arthus ruft den Mönch, Bruder Maynhard, zur Hilfe, der die „heilige Handgranate von Antiochia“ im Gepäck hat. Diese sprengt den Weg hinter das Killerkaninchen, welches eigentlich eine Marionette ist, sowie den Blick auf den lang ersehnten Hinweis zum Versteck des Grals frei. Es dauert eine Weile, ehe die etwas dümmlichen Krieger diesen Hinweis entschlüsseln können. Eine Zahlenkombination „0110101“ sorgt zunächst für Verwirrung, endet aber mit der Erkenntnis, dass es sich hierbei um einen Sitzplatz im Publikumsraum handelt. Mit viel Gelächter und Tamtam wird der „Pöbel“, der Zuschauer auf eben diesem Sitz, auf die Bühne geleitet. Er/Sie wird mit einem Geschenk und einem Selfie mit allen Rittern der Tafelrunde gewürdigt, welches unter strengster Beachtung der Anforderungen der neuen europäischen Datenschutzverordnung, der EU-DSGVO, geschossen wird.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Den Abschluss dieses äußerst lustigen und interessant inszenierten Musicals bildet ein rauschendes Hochzeitsfest gleich mehrerer Paare. Die „Fee vom See“ gesteht Arthus ihre wahre Identität  – sie heißt Guinevere – und ebenso werden Sir Lancelot und Herbert getraut, dessen Vater zwar erneut versucht diesen Schritt zu unterbinden, jedoch mit einem beherzten Spatenschlag auf den Hinterkopf unschädlich gemacht wird.

Um „Monty Python‘s Spamalot“ zu mögen, muss man dem trockenen „britischen“ Humor, der an vielen Stellen durch aktuelle und zeitpolitische Themen aus Aufführungsland und Ort ersetzt wird und auch das Genre Musical humorvoll durch den Kakao zieht, durchaus zugeneigt sein. Ein Gag reiht sich, ohne viel Luft zum Atmen zu lassen, an den nächsten. Als Zuschauer muss man Gewehr bei Fuß stehen und überaus gut zuhören, um – was wirklich schade wäre – keinen dieser vielen Witze zu versäumen. Der gesamten Cast von den Hauptdarstellern über die Darsteller des Ensembles bis hin zum dem Festspielort eigenen Chor merkt man an, dass sie mit viel Spaß und Freude auf der Bühne stehen und sich selber ebenfalls dabei nicht allzu ernst nehmen. Das Publikum weint hier nicht vor Rührung, sondern benötigt viele Taschentücher um den Lachtränen Herr zu werden.

Die Musik ist sehr eingängig und nicht nur „Always Look on a Bright Side of Life“ mutiert beim verlassen des Theaters zu einem Ohrwurm, der den Nachhauseweg unaufhörlich begleitet. Das Freilichtbühnen-Orchester untermalt, wie stets, gekonnt und in passender Lautstärke – manchmal wünscht man sich nur die gesprochenen Texte deutlicher zu verstehen. Die Gesamtheit der Darsteller, allen voran Frank Winkels und Femke Soetenga zeigen eine herausragende und stimmgewaltige Leistung.

Lassen Sie sich von „Spamalot“ aus der Ernsthaftigkeit der realen Welt in den surrealen Humor und die satirischen Zuspitzungen von Monty Python entführen und verpassen Sie nicht, sich dieses überaus witzige Spektakel anzusehen. Aufführungen gibt es noch bis zum 7. September 2018 und es empfehlen sich tatsächlich mehrfache Besuche, um jeden einzelnen Gag mitzubekommen. Resttickets gibt es noch sowohl direkt beim Veranstalter als auch über die allgemein bekannten Stellen.


Text und Fotos: Astrid