„In einem Keller in Köln-Nippes“

 

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oder

„Ein Wochenende mit Mark Seibert – ein hautnahes Konzerterlebnis und ein Fan-Workshop bei der Agentur Shanti“

 

Die Agentur Shanti aus Köln hat es geschafft und konnte einen der größten deutschen Musialstars, der seinen Wohnsitz in Österreich, in der Kaiserstatt Wien hat, ins Rheinland holen, Mark Seibert. Angekündigt wurde ein Private Concert, welches „Mark Seibert–Hautnah“ titelte, sowie ein Musical-Workshop für Fans und eine Master Class für Profis mit dem Titel „How to survive in the musical business“ (deren Bericht ich aber außen vor lassen muss).

Was erwartet man, wenn man eine solche Nachricht bekommt…Mark Seibert gibt ein Konzert in privatem Rahmen in Köln…Mark Seibert gibt einen Workshop für seine Fans – man kann von und mit einem solch großartigen Bühnenkünstler lernen? Die Spekulationen kochen schnell hoch. Welche Lokalität wird es sein, wie kommt man an Karten, wie viele Zuschauer werden bei diesem „Wohnzimmerkonzert“ dabei sein?

Mark Seibert nennt eine gewaltige Fangemeinschaft „sein eigen“, allein auf Facebook folgen seiner offiziellen Seite *Mark Seibert Official Fancommunity* mehr als 20.000 Menschen. Seine Konzerte in größeren Theatersälen sind immer innerhalb weniger Minuten komplett ausverkauft. Wer ein Ticket bekommt, kann sich glücklich schätzen. Für dieses besondere Konzert und den Fan-Workshop konnte das nur den Schluss zulassen, dass man hier mehr als schnell sein muss, um sich die überaus begehrten Karten zu sichern.

Dann sickerte die Information durch, dass es lediglich 40 Zuschauern vergönnt sein würde, dieses einmalige Konzert zu besuchen und noch weniger–nämlich etwa 20 Leuten – an diesem Workshop aktiv teilzunehmen. Das Wochenende war – wie erwartet – wieder in Rekordzeit ausverkauft und die Teilnehmer beherrschte eine große Vorfreude.

Konzert

Aus der Teilnahme-Bestätigung – die gleichzeitig die Eintrittskarte war – konnte man entnehmen, dass das Konzert in den Räumen der Agentur Shanti stattfinden sollte, die sich in einem normalen Wohnhaus in einem normalen Wohngebiet in Köln-Nippes befinden. Vor dem großen Hoftor sammeln sich pünktlich die Hand voll glücklicher Menschen, die im Besitz einer Eintrittskarte sind. Anspannung ist bei jedem Teilnehmer zu spüren. Manche kennen die Örtlichkeit bereits aus vorangegangenen Konzerten und Workshops, die die Agentur recht häufig mit  unterschiedlichen Künstlern anbietet, andere sehen sie das erste Mal und man kann ihnen die offenen Fragen aus dem Gesicht ablesen. Ungeduld und Freude auf das bevorstehende Ereignis ist aber allen gleich.

Über den Innenhof gelangt man zu dem Eingang in einem Gebäude im hinteren Hofbereich und über eine Treppe in dessen Keller. Es handelt sich um einen einfachen, normalen Kellerraum, dessen Wände zur Verschönerung mit weißen Tüchern abgehängt sind. Im vorderen Teil werden kleine Merchandise-Artikel angeboten, so auch die aktuellste CD Mark Seiberts „…So Far! Seine größten Musicalerfolge bis jetzt“ und eine Shanti-Tasse, deren Erlös einem vom Inhaber der Agentur, Ratan Jhaveri, unterstützten Projekt in Indien „Müllkinder in Bombai“ zu Gute kommt. Im vorderen Bereich befindet sich die ebenerdige „Bühne“ auf der sich lediglich ein Flügel, ein weißes Sofa und ein Stuhl befinden, ebenso steht eine Gitarre bereit. Ein Mikrofon sucht man hier vergeblich. In unmittelbarer Nähe zum Stuhl, der offensichtlich vorgesehenen späteren Position des Protagonisten, warten in nur kurzem Abstand die ersten Sitzplätze – durch einen Mittelgang getrennt – auf die Konzertgäste. Bereits der Anblick der Ausstattung, lässt einem erwartungsvolle Schauer über den Rücken laufen und eine Gänsehaut schüren. Das was einen hier erwartet, wird in der Tat „hautnah“ werden. Der Sänger ohne akustisches Hilfsmittel, vollkommen unplugged, nur begleitet von Ratan am Klavier und einer Gitarre. Das was heute zu hören sein wird, ist absolut ungeschönt und absolut ehrlich Mark Seibert.

© Agentur Shanti

© Agentur Shanti

Was einen direkt beim Eintreten in diese Location umfängt, ist eine Wärme und Freundlichkeit, die seines Gleichen sucht. Inhaber Ratan Jhaveri strahlt eine Fröhlichkeit und Sympathie aus, dass ihm die Freunde an seinem Beruf quasi im Gesicht geschrieben steht. Es herrscht eine lockere, unbeschwerte Atmosphäre und die Stuhlreihen füllen sich schnell mit aufgeregt schwatzenden Besuchern.

Pünktlich um 18 Uhr wird das Licht gedimmt und Ratan nimmt seinen Platz am Konzertflügel ein. Vom ersten Ton an gelingt es ihm, das Publikum mitzureißen, zum Lachen zu animieren und die Befangenheit dieses doch sehr privaten Rahmens zu verscheuchen. Elisabeth…Ratan spielt von einigen Songs dieses, seit vielen Jahren an der Spitze der Aufführungsliste stehenden Musicals ein paar Akkorde, bevor er zu „Der letzte Tanz“ übergeht und damit den Auftritt Marks – für jeden auch mit geschlossenen Augen ersichtlich – ankündigt. Mark gekleidet in grauer Jeans, weißem Shirt und dunkelblauer Jeansjacke schreitet von hinten durch den Gang, bezieht ebenfalls bereits bei seinen ersten Tönen das Publikum mit ein und erntet gelöstes Lachen.

Sein Gesang ist kraftvoll und ausdrucksstark aber an den entsprechenden Stellen ebenso leise und emotional. Schon in seiner Begrüßung macht er klar, dass dieses Konzert in einem so kleinen Rahmen auch für ihn etwas ganz Besonderes ist, er wird ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und vor allem auch Songs zum Besten geben, die man sonst eher seltener von ihm hört. Anschließend startet er sofort mit einem weiteren Highlight des Abends, „Heaven“ von Bryan Adams.

Er moderiert dieses kleine Konzert komplett selbst, tatkräftig und lustig unterstützt von Ratan. Lacher sind jeder Zeit präsent und bleiben auch nicht aus, genau wie große Emotionen, die Mark in seiner Stimme, seiner Mimik, und in seiner ganzen Ausstrahlung großartig zu vermitteln versteht.

Mark erzählt gleichermaßen lustige Geschichten aus seiner Jugend und seinem bisherigen Leben, wie auch Stories die er über Auditions oder über seine Bühnenauftritte zu berichten weiß. Immer wieder für Lacher im Publikum sorgen Rückblicke auf die ersten Treffen der beiden Freunde vor schon vielen Jahren sowie solche von der Vorbereitung auf dieses private Konzert. Die heute zu hörenden Lieder wurden aus etwa „40.000 Vorschlägen“ von Mark – wie Ratan belustigt erörtert – herausgesucht. Teilweise wurden die Noten noch in der letzten Nacht umgeschrieben, damit die Tonlage passender wurde. Hierzu stellt Ratan bewundernd fest, dass Mark „in die höchsten Töne prähistorischer Vorsch*** singen kann“. Einige Songs wurden geprobt, wieder andere nicht, so dass das Ganze für die Beiden eher wie eine Probe anmutet als wie ein Konzert, vieles oder eher fast alles sei improvisiert.

© Agentur Shanti

© Agentur Shanti

Sehr interessant erzählt Mark seine Geschichte vom Vorsingen am Londoner West End für eine Rolle bei Les Miserables, die Rolle des Jean Valjean. Er schaffte es damals bis unter die letzten Drei. Der Tatsache, dass er heute hier in „einem Keller in Köln-Nippes“ (übrigens immer wieder DAS Wort, DIE tragende Bezeichnung des Abends) spielen müsse, könne man entnehmen, dass er das Engagement nicht bekommen habe, aber die beiden anderen eben auch nicht, wie er lachend feststellt. Der Job war vom Producer Cameron Mackintosh bereits versprochen und eigentlich habe es diesen Job, für den er fünfmal nach London reiste, nie gegeben. Es war für ihn aber nichtsdestotrotz eine wunderbare Erfahrung, die er auf keinen Fall mehr missen wolle und ihm klar machte, dass auch an den großen Theatern der Welt nur mit Wasser gekocht würde. Uns bleibt aber dennoch weiterhin die Hoffnung, ihn irgendwann einmal in dieser Rolle sehen zu dürfen. Heute kann man jedenfalls schon einmal einem hochemotionalen „Bring him home“ – dem Gebet Jean Valjeans an Gott, mit der Bitte, die Liebe seiner Tochter unversehrt aus der Revolution heim zu bringen – lauschen.

Nach der nun folgenden Pause geht es mit „Go the Distance“ aus dem Musical Hercules im Original von Michael Bolten weiter. Hier stellt sich heraus, dass trotz perfekt vertuschendem Spiel Ratans einige Zuhörer aus der treuen Fangemeinde Marks, sofort erkannt haben, dass auch er nicht fehlerfrei ist und sich mal versingen darf. Der von ihm unterschlagene Takt ist trotz seiner gegenteiligen Meinung aufgefallen, und diese Tatsache sorgt durch sein Schmunzeln und seine witzigen Kommentare für großes Lachen.

Über einen Song stolperten die Beiden ebenfalls bei der Probe am Abend zuvor. Dieses Lied kam Mark spontan in den Sinn, es stand nicht auf seiner langen Liste und er musste feststellen, dass es Ratan nicht geläufig war. Die Päpstin ist als Musical nicht so bekannt und uns wird daher ein ziemlich improvisierter Act angekündigt. Alle sind sehr gespannt, jedoch kann von improvisiert hier nicht wirklich die Rede sein. Mark intoniert „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ perfekt und wird ebenso perfekt von Ratan begleitet. Seine sehr gefühlvolle Interpretation lässt Tränen fließen und Gänsehaut entstehen.

Einen kleinen Schockmoment erleben die Zuschauer durch Ratans Wunsch, auch sie zum mit machen zu bewegen. So wurde kurzerhand ein einfacher Part einstudiert, um Mark beim nächsten Song tatkräftig zu unterstützen -„Happy Ending“. Die beiden Künstler waren ebenso begeistert bei der Sache wie der improvisierte Chor.

Zum letzten Song erklärt Mark, wie ein Lied in einer Welturaufführung zu dem wird, was man nachher auf der Bühne sieht. „Letzter Vorhang“ aus Schikaneder ist ein solcher Song, dem er Leben einhauchen durfte. Bei den Proben habe er gedacht, dass das Lied zwar sehr zart anfängt, aber es an irgendeiner Stelle doch einen Part geben müsse, wo man richtig Stimme zeigen und Kraft hineinlegen kann – ganz Musical eben. Stephen Schwartz habe diese Idee gestoppt. Er wollte es ganz klein, intim und ohne große Stimme hören, einfach nur ehrlich. Mark gibt zu, dass er extrem glücklich darüber sei, dass er Schwartz in dessen Vorstellung gefolgt sei.

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Die von den Zuschauern nach Konzertende kaum zu bremsende Begeisterung fordert Zugaben, die Mark beginnend mit einer sehr bewegenden „Die unstillbare Gier“ auch direkt erfüllt. Er zeigt die Rolle des Vampirgrafen von Krolock, die er erneut ab dem 10. November diesen Jahres in Wien verkörpern wird, sehr zerrissen, verletzt und aggressiv und drückt ihr damit seinen absolut eigenen Stempel auf. Der Wunsch ihn in genau dieser Rolle zu erleben wird übermächtig.

Während des gesamten Abends zeigt sich Mark Seibert entspannt, locker, vergnügt und sehr sympathisch. Zu jeder Zeit ist ihm der große Spaß bei und an dieser Veranstaltung anzumerken, und mit großer Freude erwartet er einige der heutigen Konzertbesucher am nächsten Tag auch zum Workshop.

Im Anschluß an das Konzert und auch den Workshop steht Mark gern für Fotos und Autogramme zur Verfügung. Ein großer Dank geht sowohl an Mark wie auch an Ratan, die für die zahlreichen auf der Warteliste stehenden Fans ein Zusatzkonzert ermöglichten, welches am 29. Oktober statt fand.

Workshop

Heute öffnet sich das große Tor des Innenhofs bereits um 11 Uhr. Unter den aktiven Teilnehmern bemerkt man große Aufregung, die passiven Teilnehmer scheinen eher gelasssen, müssen sie doch nicht vor der Menge stehen und Lieder performen.

© Agentur Shanti

© Agentur Shanti

Zu Beginn sind allerdings alle –aktive, wie passive Teilnehmer– durch Ratan gefordert und auch Mark schließt sich dem Kreis nicht aus. Es findet ein kleines Einsingen mit entsprechenden Stimmübungen statt, bei dem die Anspannung fällt, viel gelacht und eifrig mitgemacht wird. Anschließend darf jeder einzelne Aktive seinen mitgebrachten Song vortragen und erhält wertvolle Tipps. In der Pause steht ein kleines, mit Hilfe einiger Anwesender gefertigtes, Büffet zur Verfügung. Am Ende des Tages dürfen Eltern und Freunde einer Vorführung der einstudierten Lieder beiwohnen und erleben ein Ensemblestück, vorgetragen von allen Anwesenden – aktiv wie passiv – aus dem Musical Tanz der Vampire – „Ewigkeit“.

© Agentur Shanti

© Agentur Shanti

Mark zeigt sich während des gesamten Tages sehr aufgeschlossen und nahbar, in der Pause bleibt er zwischen den Teilnehmern und nette Gespräche entstehen. Die Aufregung der Aktiven legt sich schnell, ist Mark doch immer sehr einfühlsam, aber trotzdem ehrlich, sehr konzentriert und gedanklich immer bei dem vorgetragenen Song. Obwohl auch er zum ersten Mal in dieser Form unterrichtet, kommen seine Tipps auf den Punkt, sind aus der Praxis gegriffen und enthalten wenig schwer zu erklärende Theorie. Auch zeigt er teils in eindrucksvollen Selbststudien, was er von seinen Schülern an Änderungen in deren Interpretationen erhofft. Seine Hinweise können von allen sehr schnell umgesetzt werden und führen ausnahmslos zu Verbesserungen. Selbst die passiven Teilnehmer verlassen nach einem anstrengenden und lehrreichen, aber auch lustigen und entspannten Tag den „Keller in Köln-Nippes“ mit einigen Denkanstößen und neuen Zielen.

Bleibt nur zu hoffen, dass diesem einmaligen Wochenende in einem Keller in Köln-Nippes, schnell ein weiteres mit gleichem Protagonisten folgen wird.

Songliste Konzert:

1.Akt:

Der letzte Tanz – Musical Elisabeth

Heaven – Original von Bryan Adams

I wasn’t expecting that – Original von Jamie Lawson

Fields of Gold – Original von Sting

How I was supposed to live without you – Original von Michael Bolten

Sunset Boulevard – Musical Sunset Boulevard

Bring him home – Musical Les Miserables

2. Akt:

Go the distance – Musical Hercules

Jessie – Original Joshua Kadison

Ein Traum ohne Anfang und Ende – Musical Die Päpstin

Somewhere – Musical West Side Story

Happy Ending – Original Avril Lavigne

Letzter Vorhang – Musical Schikaneder

Zugaben:

Die unstillbare Gier – Musical Tanz der Vampire

Now and forever – Richard Marx


Artikel von Astrid