Magic to do – Musical Ensemble Erft

20 Jahre Musical Ensemble – Das Jubiläumskonzert

Ein besonderes Event führt mich ins Gymnasium der Stadt Kerpen in der Nähe von Köln. Hier hat seit 20 Jahren Musical eine Tradition. Bereits vor der offiziellen Eintragung als Verein realisierten die Mitglieder, von denen aktuell immer noch zahlreiche als Darsteller auf der Bühne stehen, mit ihrem Kreativteam einige Projekte. Der große Erfolg gab ihnen Recht und so können wir sie bis heute auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bewundern.

Entstanden ist das Musical Ensemble Erft e. V., wie sich die Gruppe heute nennt, im Jahr 1997 aus einer Musical AG an eben genau diesem Gymnasium. Durch den Abend führen uns Sarah Wichmann, Markus Bürgel, Miguel Schlang und Tim Stranowsky, die uns in ihren Anmoderationen die Geschichte ihres Vereins näher bringen. Im Laufe des Abends möchten uns die Darsteller mitnehmen auf eine Reise durch die letzten 20 Jahre und durch die Musicals, die sie in dieser Zeit auf die Bühne gebracht haben.

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Aber zunächst eröffnet das gesamte Ensemble das Konzert mit dem Titelsong „Magic to do“ aus Pippin, bei welchem ihnen Sarah als Solistin vorsteht. Nach der folgenden Begrüßung erklären uns die vier Moderatoren, dass sich im Laufe dieser 20 Jahre viel getan hat. Einige Gründungsmitglieder singen immer noch regelmäßig mit und für den Verein, einige haben einen anderen Weg eingeschlagen und singen heute vielleicht nur noch unter der heimischen Dusche, wieder andere haben sich für eine Karriere im Musicalbuisness oder Schauspielbereich entschieden.

Drei genau dieser heutigen Profis dürfen wir näher kennenlernen, da sie ihre musikalische Geburtsstätte unterstützen und in Solonummern oder mit den ehemaligen Kollegen zusammen am heutigen Abend auf der Bühne stehen werden.Magic to do-08125

Wie das Musical Ensemble Erft e. V. bereits vorab auf seiner Facebook-Seite mitteilte, dürfen wir uns zum einen auf Gabi Schmidt freuen, die lange Zeit auf großen Bühnen zuhause war. Die Sopranistin studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig und spielte seit 1999 zahlreiche Hauptrollen, unter anderem in „Evita“, „Kiss me Kate“, „Fame“, „Victor/Victoria“ oder „Hair“, um nur einige zu nennen. Heute arbeitet sie hauptsächlich als Theater- und Gesangspädagogin und bildet in diesem Bereich zahlreiche Darsteller des semi-professionellen Vereins stimmlich fort. Über sechs Jahre arbeitete sie zudem als freie Radiojournalistin, führte eigene Regiearbeiten und seit 2011 kann man sie mit dem Duo Noirrouge wieder auf Bühnen sehen. Schmidt wird im diesjährigen Musical „Next to normal – Fast normal“, welches das Ensemble an vier Spieltagen im November aufführt, die Rolle der Diana Goodman übernehmen.

Als weiteren Profi begrüßen die Gastgeber Oliver Morschel, der sein Studium an der Folkwang Universität der Künste in Essen absolvierte. Bereits 2011 wurde er Sonderpreisträger des Bundeswettbewerbs Gesang, wo er für die „beste Darbietung eines Musicalliedes“ ausgezeichnet wurde. Seine aktive Bühnenkarriere begann bereits während seiner Ausbildung. „Ein Mann geht durch die Wand“, oder „Street Scene“ gehören zu diesen ersten Projekten. Man kennt Oliver aus „Les Miserables“, in welchem er beim Magdeburger DomplatzOpenAir mitwirkte, aus „Kiss me Kate“, der deutschsprachigen Uraufführung von „Shrek – Das Musical“ und „Cabaret“. Lange Zeit war Oliver im Ensemble von „Rocky – das Musical“ in Stuttgart zu sehen. Zuletzt spielte er bei den 33. Brüder Grimm Festspielen in Hanau, in „Vom Fischer und seiner Frau“, welches 2017 beim Deutschen Musical Theaterpreis große Erfolge feierte. Auch konnte man ihn schon häufiger zusammen mit dem WDR-Rundfunkorchester in Konzerten hören. Für das Musical Ensemble Erft stand er 2010 in einer Hauptrolle, in der damaligen Deutschlandpremiere des Musicals „Tick, Tick…Boom!“, auf der Bühne.

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Als dritten Gast des Abends erleben wir Dominik Hees. Der 28jährige wuchs in Kerpen auf, besuchte dieses Gymnasium, in welchen wir uns heute befinden, und wirkte bereits während seiner Schulzeit an vielen Musicalinszenierungen, Theaterstücken und Konzerten mit. Heute kann er bereits auf zahlreiche Hauptrollen in den verschiedensten Musicals zurückblicken, so unter anderem in „Frühlings Erwachen – das Rockmusical“, „BUDDY – das Buddy Holly Musical“, „Hairspray“, „Next to normal“, „The Rocky Horror Show“, „Das Wunder von Bern“ oder „Artus – Excalibur“. Hier alle von ihm bisher gespielten Rollen aufzuzählen, würde das Format sicherlich sprengen.

Ging man bei der Vorstellung dieser Namen womöglich noch davon aus, dass eben diese Profis die Grundgestalter des Abends sein werden, so hatte man sich getäuscht. Tatsächlich fungieren diese Drei nur unterstützend und mit wenigen Solosongs. Der Hauptteil des Konzertes wird von den Mitgliedern des Musical Ensembles bestritten, bei denen es sich eigentlich um Laiendarsteller handelt.

Spätestens nach Lesen der Setlist stockt versierten Musicalgängern der Atem. Fast ausnahmslos sehr anspruchsvolle Stücke lassen sich dort lesen. Im Verlauf des Abends wird auch klar, dass sich dieses Ensemble nicht nur gängigen, bekannten Stücken, sondern auch auf weniger populäre Stücke mit teils schwierigem Inhalt verschrieben hat.

Aus Pippin stammen, wie auch der Eröffnungssong und Namensgeber dieses Jubiläumskonzertes, außerdem noch „Corner of the Sky“, vorgetragen von Dominik und als letzter Song „Morning Glow“, wieder vom gesamten Ensemble mit dem Solisten Daniel.

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Absolutes Gänsehautfeeling bescheren die Damen dem Publikum, egal ob sie einzeln oder als Gruppe auftreten. So hören wir ein sehr ergreifendes „Audition“ aus dem Film LaLaLand von Michaela sowie „Mein Sinn für Stil“ aus Aida, bei welchem sie vom Ensemble unterstützt wird. Michaela sorgt mit ihrer glockenklaren und wunderschönen Stimme den ganzen Abend für etliche Höhepunkte. Ebenso hervorzuheben sind sicherlich auch Sarah mit „Let it go“ aus Die Eiskönigin genau wie ein sehr gefühlvolles „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical Elisabeth, gesungen von Katrin. Mit diesen Songs werden jedem bekannte Musicals zum Leben erweckt. Wunderschön sind auch die Interpretationen von „Das bin ich“ aus der Päpstin, mit welchem sich Anja vorstellt und „What I did for love“, dem Klassiker aus A Chorus Line, der von Nadine vorgetragen das Publikum jubeln lässt.

Ein Musical, das bei der 20jährigen Bühnengeschichte des Musical Ensemble Erft e. V. eine große Rolle spielt und daher auch schon zwei Mal zur Aufführung kam, ist Rent. In diesem Zusammenhang erklärt die Anmoderation, dass sich die Truppe, die heute unter der Gesamtleitung von Barbara Franck, die die Leitung von ihrem Vater übernommen hat, steht, es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur die allseits bekannten Stücke vorzustellen, sondern eben auch kleineren unbekannteren Stücken eine Bühne bietet. Aus Rent hören wir „Out Tonight“ von Angela, „Ein andermal“, bei dem Angela von Oliver und dem Ensemble unterstützt wird, sowie „Das, was man hat“, das von Dominik und Oliver vorgetragen das Publikum zu großen Begeisterungsstürmen hinreißt.

Natürlich brillieren Gabi, Dominik und Oliver auch mit ihren Solosongs, teilweise unterstützt durch das Ensemble: „So soll es sein“ aus Shrek (Oliver), „Beautyful City“ aus Godspell (Dominik) und „Mir fehlen die Berge“ aus Next to normal (Gabi), bei welchen sie ihre Professionalität perfekt zum Ausdruck bringen können.

Zu den schwierigsten Liedern des heutigen Abends zählt sicherlich „Wahrheit“ aus Tanz der Vampire, welches in den schnellen Passagen hervorragend beschwingt von Miguel mit Unterstützung von Sarah, Marco und Joshua vorgetragen dem Publikum einige Lacher entlockt. Einen weiteren Herzschlagmoment bescheren uns Michaela und Daniel mit dem „schnellsten Song“, zumindest dieses Abends, nämlich „Therapy“ aus Tick, tick…Boom!, der die Zuschauer staunen lässt.

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Auch die Männer des Ensembles zeigen in Solopassagen ihr Können. So gibt es von Jonas „Das Feuer der Hölle“ aus Der Glöckner von Notre Dame zu bestaunen, ein von Markus wunderbar umgesetztes „Sunset Boulevard“ aus dem gleichnamigen Musical und der Pfarrer Joshua – ja, Sie lesen richtig, auch ein echter Pfarrer ist mit von der Partie und unterstützt das Ensemble mit seinem wunderschön voll klingenden Bariton – intoniert „One last Prayer“.

Mit den Duetten „Tonight“ aus West Side Story, dem ersten 1997 auf die Bühne gebrachten Musical des Vereins, brillieren Katrin und Daniel, sowie Sarah und Marco mit „Don’t do sadness/Blue Wind“ aus Spring awakening. Mit „The bitch of living“ aus demselben Stück werden dann die Boygroups eröffnet. Hier stehen Dominik, Jonas, Marco, Markus, Miguel und Tim auf der Bühne, und auch ein weiteres Stück, „Seize the day“ aus Newsies, wird von einer Männergruppe mit den Mitgliedern Alex, Joshua, Marco, Markus und Miguel intoniert.

Zum Abschluss kommen nun auch die Damen Angela, Anja, Katrin und Nadine mit „For Good“ aus Wicked zu einem Gruppensong auf die Bühne, nachdem die Jungs heute Abend eindeutig die meisten Teams stellen. Immer wieder in der Anmoderation mit viel Witz und Charme auf die, bei den jungen Männern sehr zahlreich vorhandenen Bärte, anspielend.

Bleiben nur noch „Live in living color“ aus Catch me if you can, vorgestellt von Tim, „Heut ist der Tag“ aus Drei Musketiere, vorgetragen von Marco, „Lebenszeichen“ aus Kolpings Traum (Joschua) und eine sehr gefühlvolle, zu Tränen rührende „Starlight Sequenz“ aus Starlight Express von Daniel und Joshua zu erwähnen, bei denen jeweils das Ensemble unterstützend tätig wird.

Die Sänger/Innen werden unterstützt von einer Live-Band unter der musikalischen Leitung von Philipp Schwerhoff, den wir ebenfalls am Klavier hören können, sowie von Ingo Hunz (Gitarre), Dominik Bierbüsse (Bass) und Marcel Richard (Drums), die ebenfalls eine hervorragende Arbeit abliefern.

Auf der Bühne erleben wir im einzelnen folgende Sängerinnen und Sänger:

Michaela Berg, Anja Boden, Markus Bürgel, Alexander Geiger, Dominik Hees, Katrin Janke, Marco Maciejewski, Oliver Morschel, Miguel Schlang, Angela Schlüter, Gabi Schmidt, Nadine Schulz, Tim Stranowsky, Joschua Vithayathil, Jonas Wender, sowie Daniel und Sarah Wichmann

Abschließend bleibt mir noch zu erwähnen, dass es sich bei diesem Konzert um eben einen Querschnitt durch 20 Jahre Musical Ensemble Erft-Geschichte und deren Konzerte handelt. Ein Verein, der sich sicherlich nicht hinter großen Profis verstecken muss. Alle Künstler an diesem Abend dürfen sich zu Recht so nennen. Sie können mit viel Enthusiasmus und Liebe zum Detail glänzen. Die Stimmen sind harmonisch und sehr vielfältig, können die Gefühle oder auch Stimmungen in den vorgetragenen Liedern hervorragend transportieren und dem Publikum Emotionen entlocken. Große Stimmen, ein wunderschönes Konzert und ein phantastischer Abend, der mich zu einem weiteren Besuch angeregt hat.

Wer nun Lust bekommen hat, das Musical Ensemble Erft e. V. einmal live in Aktion zu erleben, hat dieses Jahr dazu noch einmal die Gelegenheit. In der Zeit vom 16. – 19. November 2017 kommt ihr diesjähriges Musical „Next to normal“ auf die Bühne im Gymnasium Kerpen. Eine der Hauptrollen wird – wie zuvor bereits erwähnt – Gabi Schmidt übernehmen und man darf gespannt sein, wie dieses Ensemble, diese doch schwierige Kost umsetzen wird. Tickets für diese Aufführungen sind noch zu bekommen unter www.musical-ensemble-erft.de

Wenn Sie diesen hervorragend aufgestellten Verein passiv oder sogar aktiv unterstützen möchten, finde Sie auf der vorgenannten Homepage ebenfalls entsprechende Informationen.

Impressionen des Abends


Fotos und Artikel von Astrid