Les Ballets Trockadero de Monte Carlo

Admiralspalast Berlin – 09. bis 14. Januar 2018

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Dass Ballett nicht gleich Ballett ist, und schon gar nicht immer bitterer Ernst sein muss, beweist die 1974 in New York gegründete Compagnie „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“. Für Tanzenthusiasten gleichermaßen geeignet, wie für Menschen, die nie geglaubt hätten, sich einmal etwas in diesem Bereich anzusehen, bringt diese Truppe mit außergewöhnlichem Talent Auszüge aus bekannten Balletten auf die Bühne.

Für eine Woche gastiert das Ensemble im Berliner Admiralspalast und präsentiert allabendlich ihr Können dem durchaus bunt gemischten Publikum. Von ihren Fans liebevoll die „Trocks“ genannt, wird manch kurzsichtigem Auge zunächst die Besonderheit des Ganzen vielleicht sogar verborgen bleiben. Denn hochgradig professionell, jedoch mit einem steten Augenzwinkern, übernehmen in diesem Ensemble ausschließlich Herren die Führung. Fünfzehn Männer besetzen die sowohl weiblichen, wie auch männlichen Hauptrollen und bringen auf ästhetische Weise mit einem unglaublich humoristischen Stil gepaart, Ausschnitte aus Tschaikowskis Schwanensee – nicht zuletzt den sterbenden Schwan, Go for Barocco von Bach und zum Schluss Raymonda’s  Wedding auf die Bühne.

Elegant mit viel Feingefühl und Akribie wandelt sich der Auftritt keineswegs in reine Comedy, sondern bietet Auge und Ohr einen Hochgenuss. Anderthalb Stunden dauert die Verwandlung der Künstler in ihre Frauenrollen, die sie leidenschaftlich und überzeugend darbieten. In klassischen Ballettkostümen, „Helden in Strumpfhosen“ , Tutu und Co, tanzen sie vor der detailreich auf den Hintergrund projizierten Kulisse. Seit nunmehr 40 Jahren bleiben sie dem ursprünglichen Konzept stets treu, und halten sich an die klassischen original Choreographien, die lediglich ein wenig überzeichnet werden und dadurch humoristische Charakterzüge annehmen. Seien es übertrieben pathetische Gesten, überzogene Mimik, gekonnt eingesetztes asynchrones Verhalten oder aber ein wenig zu viel Schwung – wobei der Tanzpartner dann überraschend für das Publikum reagiert, nichts lässt darauf schließen, dass auch nur ein Schritt dem Zufall überlassen wird. Im Gegenteil, hartes Training steckt dahinter, sowohl für die Tänzer, als auch bei den Auftritten unwillkürlich für die Lachmuskeln des Publikums. Über Nachwuchsprobleme machen sich die Trocks keine Gedanken, denn an Bewerbern aus aller Welt mangelt es nicht.

Worte für ein Tanz-Phänomen zu finden, welches bereits in mehr als 600 Städten und über 35 Ländern weltweit gastierte und Triumphe feierte ist nicht einfach, doch der Erfolg gibt ihnen Recht. Ein Besuch lohnt sich, für Auge, Ohr und Lachmuskeln!


Artikel von Andrea