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Ein Käfig voller Narren – La Cage aux Folles

Bejubelte Wiederaufnahme am Theater Magdeburg

 

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

 

Gut drei Jahre nach ihrer Premiere (13. Februar 2016) und knapp zwei Jahre nach dem letzten Vorhang (17. April 2017) sind Zaza und ihre Cagelles endlich wieder zurück auf der Bühne des „Käfig voller Narren“ in Magdeburg. Am 15. März 2019 gab es die Wiederaufnahme zu erleben; und die Inszenierung von Cornelia Crombholz hat gegenüber dem ersten Run 2016/2017 nichts von ihrer Spritzigkeit und ihrer Faszination eingebüßt.

Einiges ist vertraut, anderes neu. Vertraut ist in erster Linie Zaza. Andreas Lichtenberger ist für diese Rolle nach Magdeburg zurückgekehrt und es ist ihm anzumerken, dass er über Zazas „Wiederauferstehung“ ebenso glücklich ist wie das Publikum – auch wenn bei der Wiederaufnahme noch ein bisschen die Sicherheit fehlt. Doch wie schon im ersten Run besticht Andreas Lichtenbergers Interpretation der Rolle vor allem durch das hohe Maß an Empfindsamkeit, die er in den Charakter des mütterlich-weiblichen Albin legt. Sein „Ich bin, was ich bin“ ist zugleich Schrei nach Liebe und Aufforderung zur Toleranz, und sein Spiel während Georges‘ Song „Sieh mal dorthin“ lässt es im Publikum still werden und der eine oder die andere hat ganz sicher einen Kloß im Hals.

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

Apropos Georges. Dieser wird gespielt von Ansgar Schäfer, der die Rolle bereits in der Spielzeit 2016/2017 vom damaligen Ensemblemitglied Sebastian Reck übernahm. Schäfer ist stimmlich und schauspielerisch ein absoluter Glanzpunkt der Show und repräsentiert zusammen mit Andreas Lichtenberger das perfekte Paar, das gemeinsam so ziemlich alle Höhen und Tiefen durchlebt, die eine langjährige Beziehung – gerade in der besonderen Konstellation – mit sich bringt.

Cornelia Crombholz ist mit ihrer Inszenierung der große Schritt eines immerhin über 35 Jahre alten Stücks in die Gegenwart gelungen. Schließlich war die Einstellung des überwiegenden Teils der Menschen zu Homosexualität und Tranvestitismus in den frühen 1980er Jahren, als „La Cage aux Folles“ uraufgeführt wurde, noch eine deutlich andere als heute. Natürlich war, ist und bleibt Toleranz das Kernthema des Stückes, jedoch fasst Cornelia Crombholz dieses deutlich weiter als es die Regisseure der 80er taten. Niemand braucht heute mehr den erhobenen Zeigefinger in puncto Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebens- und Liebesentwürfen. Auch Kinder, die zwei Väter oder Mütter haben, geben heute beim aufgeklärten, modernen Sapiens keinen Anlass mehr zum empörten Aufschrei. Dagegen ist Toleranz gegenüber anderen Individuen im Allgemeinen nie aus der Mode und in Zeiten von Hatespeech, Internettrollen und Populismus vielleicht sogar aktueller als vor 30 Jahren.

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

Darum war es besonders schön zu sehen, wie gut die Vorstellung besonders bei den vielen ganz jungen Leuten im Publikum ankam. Dieses war gut gemischt: vom Schüler bis zum Senioren. Sie alle einte eines, nachdem Georges und Albin am Ende der Vorstellung im Dunkeln der nächtlichen Bühne verschwunden waren: Sie bejubelten den „Käfig voller Narren“ und seine Mitwirkenden frenetisch mit Standing Ovations, Bravo-Rufen und lang anhaltendem Beifall.

Und wenn ich vorhin bereits darüber sprach, was vertraut war bei der Wiederaufnahme, so gab es doch auch einige Neuerungen, vor allem auch im Ensemble des Stückes. Die wohl auffälligste Umbesetzung ist die des Inspizienten Francis. Während Raimund Widra im ersten Run mit seiner wunderbar übertrieben zur Schau gestellten Tuntenhaftigkeit und einer überbordenden Spielfreude definitiv ein Publikumsliebling war, spielt Martin Greif diese Rolle recht leidenschaftslos. So wirkt er leider über die gesamte Vorstellung hinweg nicht wie ein Bestandteil des Käfigs voller Narren, sondern eher wie ein Fremdkörper. Absolut überzeugend und unglaublich spielfreudig präsentiert sich hingegen Thiago Fayad, der die Rolle des Jacob von Anthony Kirby übernahm.

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

(c) Andreas Lander/Theater Magdeburg

Auch bei den Cagelles gab es einige Umbesetzungen. Diese bunten Flattervögel sind die eigentliche Seele des La Cage aux Folles, die heimlichen Stars der Inszenierung und sorgen mit jedem ihrer Auftritte für Partystimmung auf der Bühne und im Zuschauersaal. Verkörpert werden sie von Gast-Darstellern (Mercedes, Chantal, Hanna, Phädra), als auch von Herren des Magdeburger Balletts. Während die vier „Haupt-Cagelles“ in ihren Rollen aufgehen, wirkt der eine oder andere aus dem Ballettensemble eher lustlos bzw. schlecht vorbereitet. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Eindruck während der verbleibenden Vorstellungen dieser Spielzeit ändert, trübt es doch ein wenig den Gesamteindruck der Show.

Eine kleine Herausforderung für die Zuschauer ist die Verständlichkeit, vor allem bei den gesprochenen Passagen. Obwohl die Darsteller, wie im Musical üblich, mit Mikroports ausgestattet sind, sind diese jedoch nur während der Lieder eingeschaltet. Sobald gesprochen wird, geschieht dies ohne Verstärkung. Mit dem Orchester im Hintergrund, dem Publikum abgewandten Darstellern und der Geräuschkulisse eines vollbesetzten Zuschauersaals kann so ein Dialog auch schon mal zu einer Herausforderung fürs Gehör werden – und das auch schon in den vorderen Reihen.

„Ein Käfig voller Narren“ ist in dieser Spielzeit noch zu sehen am 30.3., 22.4., 1.5., 18.5. und 24.5. Karten gibt es hier: https://www.theater-magdeburg.de/spielplan/musiktheater/sz-20162017/ein-kaefig-voller-narren/

 

Kreativteam:
Musikalische Leitung Pawel Poplawski
Regie Cornelia Crombholz
Bühne Marcel Keller
Kostüme Marion Hauer
Choreografie David Williams
Dramaturgie Ulrike Schröder

Besetzung:
Albin / Zaza
Andreas Lichtenberger
Georges
Ansgar Schäfer
Jacob
Thiago Fayad
Jean-Michel
Marian Kindermann
Anne Dindon
Jenny Langner
M. Edouard Dindon
Thomas Schneider
Mme Marie Dindon
Iris Albrecht
Jacqueline
Susi Wirth
Francis
Martin Andreas Greif
Mercedes
Marc Chardon
Chantal
Laurent N’Diaye
Hanna
Daniel Ojeda / Federico Zeno Bassanese
Phädra
David Schuler / Daniel Ojeda
Die übrigen Cagelles
Federico Zeno Bassanese / Raúl Pita Caballero, Joey Ham, Jesús Marrero Díaz, Carlos Ruiz, Giorgio Tinari, Liam White

Opernchor des Theaters Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie


Text: Karina

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