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West End – Kinky Boots

Nummer 3 meines Theater-Marathons war das Musical „Kinky Boots“, das 2012 in Chicago uraufgeführt wurde und seit 2015 im Adelphi Theatre in London zu sehen ist. Am Wochenende des London Pride war es besonders unterhaltsam: Die ganze Stadt voller bunter, glitzernder, gestyler, gutgelaunter Menschen, spiegelte sich auch im Publikum wider. Noch dazu handelte es sich um die letzte Vorstellung eines Großteils der Cast – darunter auch von Hauptdarsteller Matt Henry alias Lola – was die Stimmung noch zusätzlich anheizte.

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Die Story des Musicals basiert auf dem gleichnamigen Film: Charlie Price erbt die ihm eigentlich verhasste, nahezu bankrotte Schuhfabrik seines Vaters. Drag-Queen Lola, die ihn in London bei einem Überfall gerettet hat, bringt ihn auf die Idee, eine Marktlücke zu füllen und schrille Absatzschuhe für Männer herzustellen. Das Aufeinandertreffen der kleinstädtischen, teilweise sehr engstirnigen Fabrikmitarbeiter auf die kurzerhand als Designerin engagierte Lola und ihre Freundinnen, den „Angels“, verläuft nicht ohne Reibungen. Selbst Charlie ist nicht frei von Vorurteilen und es kommt zu einigen Auseinandersetzungen und Konflikten. (Ausführlicher Inhalt Akt 1 & Akt 2)

Kinky Boots

Mit Wortwitz, mitreißenden Songs aus der Feder von Cyndi Lauper und akrobatischen Tanzeinlagen, die zum Mittanzen animieren, ist die Show eine wunderbare Unterhaltung, die gleichsam eine Aussage hat. Natürlich gibt es als Nebenhandlung auch noch eine kleine Liebesgeschichte.

Die Auftritte von Lola und ihren Angels – unglaublich langbeinigen gut aussehenden Drag-Queens sind ein Augen- und Ohrenschmaus. Der Kontrast zwischen den zwei Welten offenbart sich besonders, als Lola und ihre Freundinnen erstmals in der Fabrik erscheinen und das Fließband kurzerhand zum Laufsteg umfunktionieren.

Kinky Boots_London Company 2017-2018_Photo by Matt Crockett_5635_RT

David Hunter als Charlie Price spielt überzeugend, mit viel Energie und nicht nur stimmlich hervorragend. Besonders gut gefallen hat mir dabei sein Solo „Soul Of A Man“ und das Duett mit Simon/Lola „Not My Father’s Son“. Charlies Auftritt auf dem Mailänder-Laufsteg in den Kinky Boots war akrobatisch, halsbrecherisch und atemberaubend mit anzusehen.

Für den romantischen Teil des Happy Ends sorgt Lauren (Elena Skye), die über den Abend, aber vor allem mit ihrem Solo „The History Of Wrong Guys“, für viele Lacher sorgte.

Kinky Boots

Matt Henry als Lola ist einfach umwerfend. Die beiden Seiten seiner Figur – die selbstsichere, glamouröse und äußerlich perfekte Lola und der unsichere, sich in seinem Körper sichtlich unwohl fühlende Simon – könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwischen den Show-Nummern von Lola und ihren Angels bringt er damit immer wieder Tiefgang in das Stück. Als kleiner Junge von seinem Vater im Boxen trainiert, zeigt er, dass man Menschen nicht nur nach ihrem (schillernden) Äußeren beurteilen sollte, als er Don (Alan Mehdizadeh) gekonnt auf die Bretter schickt. Lolas Song (und Whitney-Houston-Moment) „Hold Me In Your Heart“ entwickelte sich zu einem Showstopper mit minutenlangen Standing Ovations, zahlreichen „We love you, Lola!“-Rufen und echten Tränen seitens Matt Henrys.

Die Stimmung war fantastisch, das Publikum sprang während der Vorstellung immer wieder auf, jubelte, tanzte und klatschte.

Am Ende des Stückes – nachdem Matt Henry seine spaßeshalber meterlange Dankes-Liste abgearbeitet hatte – verkündete er Simon-Anthony Rhoden als seinen Nachfolger und übergab ihm symbolisch die Kinky Boots. Die Cast nahm tränenreichen Abschied und feierte sicherlich noch bis in die frühen Morgenstunden.

Ab Dezember ist „Kinky Boots“ im Hamburger Operettenhaus zu sehen. 


Artikel von Anne

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