Kieran Brown: “Ich kann es kaum erwarten, wieder in Hamburg zu sein”

Interview mit Musicalstar Kieran Brown zu “Titanic – The Musical”

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Die RMS Titanic legt in Hamburg an. Vom 7. bis 19. August wird die neue Londoner Tournee-Inszenierung in der Hamburgischen Staatsoper zu sehen sein. „Titanic – The Musical“ basiert auf den bewegenden Schicksalen der Menschen an Bord des legendärsten Schiffes der Welt und zeichnet ihre Geschichten, Träume und Hoffnungen nach.

Wir hatten die Möglichkeit, mit dem Londoner Musicaldarsteller Kieran Brown, der schon in vielen Produktionen am Londoner West End mitwirkte und in „Titanic – The Musical“ in die Rolle des Ersten Offiziers William McMaster Murdoch schlüpft, ein Gespräch zu führen.

Wie lief die Tour bis jetzt?

Es ist ein absoluter Traum. Wir waren in einigen großartigen Städten und Theatern. Zu erleben, wie an den verschiedenen Orten auf das Stück reagiert wird, war faszinierend. Es ist ein fantastischer Mix von Cast und Crew, ein Mix der Altersklassen und wir verstehen uns alle blendend, was nicht immer selbstverständlich ist. Wenn man so lange auf so engem Raum zusammen lebt, kann das Spannungen erzeugen, aber das ist hier bisher nicht passiert.

Wir hatten auch einige tolle Momente während der Tour – von Themen-Geburtstagsparties (zu meinem 40. Geburtstag gab es eine “Nacht der 100 Madonnas”-Party und jeder hatte sich verkleidet), eine 90er-Party, viele andere großartige Partynächte und gemeinsame Unternehmungen am Tag. All das hat dabei geholfen, die positive Energie beizubehalten.

Credit: BB Promotion
Credit: BB Promotion

In wie vielen Städten war die Tour zu sehen?

Eröffnet wurde die Tour in Southampton, dann ging es nach Belfast, Cardiff, Manchester, Dublin, Sheffield, Glasgow, Birmingham, Edinburgh, Plymouth, Northampton, Nottingham, Blackpool, Bromley, Bradford, Liverpool und nun beenden werden wir sie hier in Hamburg. Das war wirklich eine ganze Menge Reiserei!

Kanntest du das Musical und vor allem auch deine Rolle schon vorher?

Ich habe “Titanic” kennengelernt, gleich nachdem es 1997 uraufgeführt wurde. Ich habe mich in die Musik verliebt. Aber um ehrlich zu sein, habe ich es mir lange Zeit nicht angehört, bis ich dann den Job bekam. Ich habe die Produktion in Charing Cross gesehen, nachdem es von Sothwark übernommen wurde. Und dabei erinnerte ich mich daran, wie wunderbar die Musik und die Geschichte sind.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe viel online über William Murdoch recherchiert. Es war sehr interessant, die unterschiedlichen Berichte über sein endgültiges Schicksal zu lesen. Ich denke, unsere Produktion geht damit sehr sensibel um, im Gegensatz zu James Camerons Film. Er war allen Berichten nach ein sehr ernsthafter Mann, der seine Arbeit, seine Frau und seine Kinder innig geliebt hat. Er nahm sich selbst sehr ernst, so wie man es von einem Angehörigen der Marine erwartet.

Wie ist es, einen realen Charakter in einem Musical über ein tatsächlich stattgefundenes Ereignis zu spielen?
Ist es anders als einen fiktiven Charakter zu verkörpern?

Das ist wirklich eine gewaltige Aufgabe. Wenn man einen fiktiven Charakter verkörpert, hat man mehr Spielraum, das Profil der Figur so zu formen, wie man sie gern hätte. Da ist man bei einem realen Charakter stärker eingeschränkt.

Offensichtlich gab es widersprüchliche Berichte (und Einwände der Familie) über seine Rolle bei dem Unglück und darüber, wie er gestorben ist. Wenn man eine reale Figur verkörpert, die dann auch noch kontrovers diskutiert wird, muss man ihr gegenüber so respektvoll wie nur möglich sein. Mir hilft es auch, dass Murdoch ebenfalls Schotte war, da gibt es eine Verbindung zwischen uns. Unser wundervoller Regisseur Thom Southerland sagte uns zu Beginn der Proben, dass es nicht unsere Aufgabe sei zu urteilen. Unser Job ist es, die Geschichte so ehrlich wie möglich zu erzählen. Und ich denke, das tue ich. Es bleibt dem Zuschauer überlassen über das Was, Warum und Wer nachzudenken.

Credit: BB Promotion
Credit: BB Promotion

Ist “Titanic” für dich nur ein Musical oder denkst du über die traurigen Schicksale der Menschen nach, die dort gestorben sind?

Es ist definitiv nicht nur ein Musical. Es ist unmöglich, vor allem bei der Art und Weise unserer Inszenierung, nicht jede Nacht an die menschlichen Tragödien erinnert zu werden. Jeder, der das Stück sieht, kann sich seiner emotionalen Wirkung nicht entziehen und wird daran erinnert, dass auf der Bühne Menschen gezeigt werden, denen dies alles tatsächlich geschehen ist. Das Stück ist eine Hommage an die 1517 Menschen, die an diesem furchtbaren Abend des Jahres 1912 ihr Leben gelassen haben.

Murdochs Tod ist immer noch ein Geheimnis. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber. Hat er sich selbst umgebracht oder ist er im Meer umgekommen? Was denkst du darüber?

Augenzeugenberichte aus dieser Nacht sagen, dass ein leitender Offizier dabei beobachtet wurde, wie er sich umbrachte – in dem Gebiet, in dem Murdoch zuletzt gesehen wurde. Der zweite Offizier Charles Herbert Lightholler sagte während der Vernehmung, dass er jemanden, den er kannte, beim Selbstmord beobachtet hat. Aber er weigerte sich standhaft zu sagen, wer es war. Es ist bekannt, dass Murdoch sich mit verantwortlich fühlte für das Schicksal des Schiffes.
Wir zeigen auf der Bühne keinen Selbstmord. Auch hier überlassen wir es wieder dem Publikum, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Ganz sicher (und erwartbar) bestreitet Mr Murdochs Familie diese Sichtweise. Seine Darstellung im Film (wo er zwei Passagiere und anschließend sich selbst erschoss) hat ihnen viel Ärger eingebracht und am Ende haben sie Cameron und 20th Century Fox verklagt und eine Entschuldigung seinerseits erreicht. Es gibt viele Faktoren, die in die Betrachtung einbezogen werden müssen und das Ganze ist sehr lange her – ich denke, es ist eines der Geheimnisse um die Titanic, die möglicherweise nie gelöst werden.

Ist das dein erster Auftritt in Deutschland?

Nein, ich hatte schon sehr viele Auftritte in Deutschland, fast überall! Ich habe viele Tourneen von The Musical Starlights und Best of Musicals mitgemacht, als Sänger und als Regisseur. Ich liebe Deutschland – jeder, der mich kennt, kann das bestätigen. Ich kann es kaum erwarten, wieder in Hamburg zu sein!

Was waren bisher die herausforderndsten Rollen in deiner Karriere?

Ich würde sagen, höchstwahrscheinlich das Phantom. Ein komplexer Charakter und eine große sängerische Herausforderung. Wenn man dann noch die ganzen “technischen” Aspekte mit betrachtet (die Maske, Kostüm, die bewegte Kulisse, etc.) ist es anstrengend. Nach jedem Auftritt als Phantom habe ich mich gefühlt wie vom Bus überfahren. Ich denke, wenn man sich am Ende der Vorstellung nicht genau so fühlt, dann hat man es nicht richtig gemacht! Es war auch eine Herausforderung für mich als Darsteller, dieses mordende, obsessive und verrückt-psychopathische Wesen so zu spielen, dass die Zuschauer am Ende auf seiner Seite waren und Mitgefühl für ihn empfanden. Ich würde sehr gern irgendwann in der Zukunft zu ihm zurückkehren und seine verletzliche Seite erkunden … die Daumen sind gedrückt!

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Gibt es Traumrollen, die du gern spielen würdest?

Das Phantom war schon eine wirklich große Sache für mich! Ich würde gern den Javert ausprobieren – stimmlich passt er viel besser zu mir als Valjean (den ich immer unbedingt spielen wollte, als ich jünger war). Der Bäcker in “Into the Woods” wäre eine schöne Rolle. Ich würde auch gern etwas Lustiges machen wie Daryll Van Horne in “Hexen von Eastwick” – etwas mit ein bisschen Charakter und Humor. Wer weiß, vielleicht würd ich einige Leute überraschen …


Interview von Karina

Das Interview im Original: “I can`t wait to be back in Hamburg”

“Titanic – The Musical”: Eindrucksvolles Gastspiel aus Großbritannien in Hamburg


Kieran Brown

  • geboren in Stirling, Scotland
  • Abschluss am Royal Conservatoire of Scotland
  • Schauspieler und Sänger, Schauspiellehrer, gibt Workshops, arbeitet als Regisseur und Choreograf für verschiedene Jugendtheatergruppen in Schottland, London und Wien
  • Gründungsmitglied der Barricade Boys (https://www.barricadeboys.com/)
  • Ausgewählte Rollen:
  • Cover Phantom in “The Phantom of the Opera” in London
  • Elphaba’s Vater/Cover Dr Dillamond/Zauberer “Wicked” (Apollo Victoria)
  • Cover Raoul in “Love Never Dies” (Adelphi Theatre),
  • “Love Never Dies in Concert” (Ronacher Theatre, Vienna),
  • Les Misérables” (Palace Theatre London),
  • “Les Misérables” 25th Anniversary Concert (O2 Arena),
  • “Aladdin” (Kings Theatre Glasgow),
  • “Tick Tick BOOM!” (Vienna),
  • “Pipe Dream” (Union Theatre),
  • Phantom in Maury Yeston’s “Phantom” UK Premiere,
  • Tony Christie/Elton John in “Laughter in the Rain” (UK Tour),
  • “The Importance of Being Earnest”, “The Woman In Black” (Vienna)
  • Konzerte u.ä. (Auswahl)
  • “My Big Fat MUSICAL Cabaret” (Union Theatre, Pheasantry, & Lauderdale House), “Music That Matters” (Union Theatre London),
  • “West End Winters” & “West End Spring” (Vienna),
  • “A West End Christmas In Glasgow”
  • Once Upon A Song” (Lauderdale House)

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