Karl Drais – Die treibende Kraft

Capitol Mannheim, 04. Februar 2017

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© Rene van der Voorden

Neue Musicals sind allein schon deswegen interessant, weil sie eben neu sind und weil man als Zuschauer sein Spektrum erweitern kann. Wenn es dann aber auch noch um historische Themen und Entwicklungen geht, bekommt man neben Musik und Gesang noch neues Wissen vermittelt. So auch bei der Premiere zu Karl Drais, zu der Bühnenlichter vom Capitol Mannheim eingeladen war.

Das Capitol beweist erneut, dass man mit einfachen und wenigen Mitteln sehr viel erreichen kann. Das Kreativteam um Georg Veit, der wie gewohnt die Regie übernimmt, hat mit Michael Herberger als Produzent und Rino Galiano als Texter geballte Verstärkung bekommen. So ist Herberger Echogewinner und Produzent der Söhne Mannheims. Galiano ist den meisten Zuschauern seit seiner Teilnahme bei The Voice ein bekannter Name.

© Rene van der Voorden

© Rene van der Voorden

Als Musiker sind dabei: Nora Klaus – Cello, Sebastian Henzl – Piano und Thilo Zirr – Gitarre

Insgesamt stehen sechs Darsteller und drei Musiker auf der Bühne.

In dem Musical geht es, man kann es erahnen, um Karl Drais und seine Erfindung: das Fahrrad bzw. Laufrad. Wir befinden uns am Anfang des 19. Jahrhunderts. Hungersnöte durch Missernten und Klimaveränderungen durch einen Vulkanausbruch zwingen die Menschen zur Revolte. Weil sie das teure Getreide für die Pferde nicht mehr bezahlen können, werden diese geschlachtet und gegessen. Somit fällt aber auch die Transportmöglichkeit durch Pferdekutschen weg. Diese Not treibt Karl an. Tim Al-Windawe überzeugt mit viel Gefühl für die Figur. Sein Karl ist jung, frech und kämpferisch. Er will endlich den großen Coup landen, wie wir heute sagen würden. Doch der Hof in Karlsruhe legt dem jungen Erfinder einige Steine in den Weg und auch der Vater, gespielt von Rainer Kleinstück, muss erst noch überzeugt werden. Einzig seine Schwester Ernestine, sehr frech und kindlich gespielt von Beatrix Reiterer, glaubt immer an Karl.

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© Rene van der Voorden

Die fromme Haushälterin Agathe will mit diesem Teufelszeugs gar nichts zu tun haben und sieht die Familie bereits in der Hölle. Marion La Maché ist für ihr gesangliches Talent in und um Mannheim bestens bekannt, aber Karl Drais bietet ihr sehr viel Raum, um auch ihrem komödiantischen Talent freien Lauf zu lassen. Durch das Stück geleiten uns zwei Spaßmacher/Intriganten. Diese helfen dem Zuschauer, mit Hilfe von Hintergrundinformationen den Faden nicht zu verlieren. Neben Rino Galiano, welcher auch für die Songtexte und Kompositionen zuständig ist, sehen wir als weiblichen Spaßmacher/Intrigant Hanna Gandor, die erst im April 2016 ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Theaterakademie Mannheim abschloss.

© Rene van der Voorden

© Rene van der Voorden

Die Musik zum Stück ist abwechselnd angenehm ruhig, dann flippig und auch ernst. Leider haben nur die wenigsten Songs Ohrwurmgarantie, wie zum Beispiel „Die treibende Kraft“. Wie bei einem historischen Stück aber erwünscht, wurde hier auf die Geschichte gesetzt, welche mit stimmigen Tönen unterlegt wurde.

Zu empfehlen ist „Karl Drais – Die treibende Kraft“ jedem, der offen für Neues und wissensdurstig ist. Wer auf großes Musiktheater mit allen Drum und Dran steht, wird hier sicher enttäuscht nach Hause gehen, da die Erwartungen bei denjenigen einfach zu hoch sind.

Weitere Infos und Termine: www.capitol-mannheim.de und www.karl-drais-monnem-macht-musical.de

© Rene van der Voorden

© Rene van der Voorden


Artikel von Julia

Bilder von Rene van der Voorden