Kaffeehaus-Gespräch mit Lisa Antoni

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© Jan Frankl

Zurzeit probt sie an der Volksoper Wien für die Wiederaufnahme des Stückes „Wie man Karriere macht ohne sich anzustrengen“ in welchem sie die Rolle der Rosemary bereits in Hannover und Anfang des Jahres schon einmal in Wien verkörpert hatte. Dem Musicalpublikum ist sie außerdem als Christine Daaé in „Phantom der Oper“ oder als Mary Vetsera in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Rudolf – Affaire Mayerling“ bekannt. Bis Anfang 2017 stand sie noch als Maria im Musical „West Side Story“ im Theater St. Gallen auf der Bühne, wo sie davor bereits schon als Guinevere im „Artus–Excalibur“ auf der Bühne stand. Bei einem gemütlichen Kaffee in Wien Hietzing sprach ich mit der sympathischen Wienerin über ihr aktuelles Engagement, ließ ihre bisherige Karriere Revue passieren und sie nahm allgemein Stellung zu ihrem Beruf.

War Musical schon immer dein Berufswunsch, oder dachtest du irgendwann, du würdest gerne etwas Anderes machen?

Als Kind wollte ich erstmal Ballett-Tänzerin werden. Später war ich mit meiner Mama oft im Theater und dann wollte ich Schauspielerin werden. Irgendwann waren wir dann einmal im Musical und da habe ich gedacht, das ist es, die Kombination aus Gesang, Schauspiel und Tanz. Sängerin wollte ich von den drei Sparten als Letztes werden, obwohl jetzt meist gesangslastige Rollen spiele. Sehr gerne würde ich aber auch mal ein Sprechtheaterstück spielen! Etwas ganz anderes als auf die Bühne wollte ich eigentlich nie.

Was macht für dich den Reiz an dem Beruf „Musicaldarsteller“ aus, obwohl es nicht einer der sichersten Berufe ist (Engagementsuche, Arbeitszeiten etc.)?

Bei mir ist es so, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, ich würde es auch gerne machen, wenn ich gar kein Geld dafür bekommen würde. Insofern ist es ein Teil von mir, es ist mir ein Bedürfnis mich künstlerisch auszudrücken und mit anderen Leuten etwas zu kreieren. Es gibt nichts was mir mehr Spaß machen würde, als zum Beispiel eine Probenzeit mit Kollegen, wo man ein Stück erarbeitet und in eine andere Rolle schlüpfen kann, die vielleicht auch mal ganz anders ist als man selbst. Es ist auch sehr spannend quasi in eine Parallellwelt einzutauchen. Außerdem denke ich, dass es in jedem Beruf negative Aspekte gibt, egal welchen Weg man einschlägt, man findet immer Dinge die mühsam sind oder man findet schwer einen Job, Kollegen sind vielleicht kompliziert und schwierig… Ich nehme es also gerne in Kauf was in meinem Beruf passieren kann, Gott sei Dank ist es bei mir bisher sehr gut gelaufen und ich hatte überwiegend positive Erlebnisse.

Du hast dein Hobby zum Beruf gemacht. Hast du auch noch andere Hobbies neben deinem Job und wie viel Zeit hat man überhaupt für ein Privatleben?

Ich habe mich erst kürzlich mit Kollegen getroffen und wir haben darüber gesprochen, dass ich einmal vor ein paar Jahren ein Interview gegeben habe und ich gar nicht wusste was ich sagen soll, was meine Hobbies sind, weil meine Hobbies hauptsächlich mein Beruf ist. Was ich sonst noch gerne mache, ist tatsächlich ins Theater gehen, ich bin ein kleiner Nerd. Wenn man außer ins Musical auch in die Oper geht oder ins reine Schauspiel kann man auch wahnsinnig viel vom Zuschauen lernen und sich inspirieren lassen. Es gibt zum Beispiel ganz viele gute Schauspielstoffe, die oft besser geschrieben sind als manche Musicals, und mich sehr inspirieren. Sonst mache ich gern Sport, Laufen oder Bikram Yoga (Anmerkung d. Redaktion: Yoga in einem aufgeheizten Studio) und dann noch die ganz normalen Sachen: ins Kino gehen, Freunde treffen. Ich lerne gerade Französisch mit einer App. Tatsächlich würde ich mir aber noch gerne ein paar neue Hobbies zulegen, wie zum Beispiel etwas anderes Künstlerisches wie Malen oder Zeichnen.

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Zu deiner Ausbildung: du hast 4 Jahre am Konservatorium Wien (jetzt Musik- und Kunst Privatuniversität Wien) studiert. Wenn du mal auf diese Zeit zurückblickst, welche Erfahrungen hast du mitgenommen, an welche besonderen Erlebnisse (positiv und negativ) erinnerst du dich?

Zuerst denke ich mal, man lernt wahnsinnig viel vom Zuschauen bei den Mitstudenten und indem man sich permanent überwindet, sich vor anderen Kollegen und vor seinen Lehrern zu offenbaren. Sich eben vier Jahre lang ständig entblößt und dafür auch immer wieder kritisiert wird. Dadurch verändert man sich sehr stark, da man den Mut aufbringen muss das wirklich zu machen, vor allem in einem jungen Alter kann das ziemlich unangenehm sein. Man weiß vielleicht noch gar nicht, wer man wirklich ist und ist oft noch sehr unsicher. Ich war schon 21 als ich (am Konservatorium) begonnen habe, aber ich war immer ein bisschen später dran mit meiner Entwicklung, also habe ich mich nie älter gefühlt als die Anderen, die jünger waren als ich.

Besondere Erlebnisse…Ich kann mich an Momente erinnern, die hart waren, wo ich auch mal geweint habe und völlig fertig war. Trotzdem habe ich immer gespürt, egal was irgendein Lehrer sagte oder ob ich nicht der Liebling in der Klasse war, dass ich unbedingt diesen Beruf ausüben will. Auch wenn ich mich da durchboxen muss. Da hab ich intensiv gespürt, egal was kommt, ich ziehe das durch und irgendwie schaffe ich das. Positiv in Erinnerung habe ich die Gruppenarbeiten mit den Kollegen. Stücke aufzuführen, das waren tatsächlich die schönsten Momente, dann wirklich auf der Bühne zu stehen oder auch die Programme, die man für die Prüfungen am Jahresende erarbeiten musste, diese Sachen finde ich super und das macht auch jetzt den Reiz für mich aus, dass man auf ein Ziel hinarbeitet, auch wenn man nur vor einem kleinen Publikum auftritt.

Wenn man sich deine bisherigen Engagements anschaut, hast du schon öfters klassische Musicals gespielt. Hattest du einfach immer schon eine passende Stimme dafür oder hast du dich während der Ausbildung in dieses Stimmfach entwickelt oder spielst du es einfach gerne?

Gute Frage: Also es hat sich wirklich erst in der Ausbildung herauskristallisiert, denn ich hatte früher eine viel tiefere Gesangsstimme. Ich kam nicht sehr hoch und habe nie gedacht ich wäre Sopran, eher Mezzo oder so. Als ich Kind war, habe ich wohl sehr gerne die Zauberflöte und ähnliches gehört. Ich hatte also schon irgendwie einen Zugang zu klassischer Musik, klassischen Gesang habe ich aber als Teenager nie wirklich angestrebt oder gehört, Oper fand ich sogar eher langweilig. In der Ausbildungszeit fand ich die Musik von „Das Phantom der Oper“ sehr schön, irgendwann habe ich im Laufe der Zeit entdeckt, das könnte ich irgendwie lernen zu singen und das liegt mir eigentlich und dann habe ich mit meiner Gesangslehrerin und in meinen Korrepetitionsstunden einiges ausprobiert, zum Beispiel „Mein Herr Marquis“ aus die Fledermaus, leichtere Operettenarien und so. Nach der Ausbildung habe ich mit meinem Gesangslehrer, der vom klassischen Gesang kommt, noch in diese Richtung weitergearbeitet. „Phantom der Oper“ war das erste klassische Stück dass ich dann gemacht habe. 2011 habe ich zwar auch schon Cinderella in „Into The Woods“ gespielt, was auch sehr lyrisch zu singen ist, allerdings nicht so hohe Spitzentöne zu singen hat.

Ich hab auch schon 2006 mal für Cosette in „Les Miserables“ vorgesungen, hab die Rolle aber damals nicht bekommen. Ich denke da war meine klassische Gesangsstimme noch nicht ganz so weit ausgebildet wie sie jetzt ist. Ich habe dann immer wieder Auditions für solche Stücke gemacht und bei „Phantom der Oper“ konnte ich zum ersten Mal diese Art von Musical machen, wo man auch Töne erreichen muss, die man sonst im Musical für gewöhnlich nicht so oft braucht. Es macht mir sehr viel Spaß mittlerweile, weil ich die klassischen Musicals schon sehr mag, zum Beispiel auch „West Side Story“, aber das hat sich auch für mich mit dem Alter entwickelt.

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Lisa Antoni mit Andreas Bongard in der „West Side Story“ am Theater St. Gallen

Du hast, wie gesagt, schon einige Rollen und Stücke gespielt. Gibt es eine Rolle oder ein Musical, bei dem du sagst: „Das war meine Lieblingsrolle, das hab ich am liebsten gespielt.“?

Die Frage hatte ich schon öfters und sie ist sehr schwer zu beantworten. Es gibt einige Rollen die mir besonders am Herz lagen, aber fast alle Rollen liegen mir am Herzen. Ich hatte das Glück, dass ich wirklich tolle Sachen spielen konnte…Es gibt dieses Klischee, dass man sagte, alle Rollen sind sozusagen wie meine Kinder, ich kann mich also nicht entscheiden, welches mein Lieblingskind ist. Besonders war für mich auf jeden Fall erstmal „Rudolf“, weil es meine erste große Rolle an einem großen Musicalhaus war und ich große tolle Balladen singen durfte mit ganz großartigen Kollegen, das ist bestimmt eine spezielle Rolle gewesen. Dann hab ich wahnsinnig gern „Phantom der Oper“ gesungen, das durfte ich zwar leider nicht in der richtigen Inszenierung spielen (Anmerkung d. Redaktion: Christine Daae in der konzertanten Version anlässlich des 25. Jubiläums des Stückes in Wien) aber die Rolle fand ich sehr schön und eben auch die Musik. Lustigerweise fand ich es sehr cool Wednesday in „The Addams Family“ zu spielen, weil die so frech und schlimm und laut ist, was ich sonst nie sein darf. Dann fand ich die Rolle der ICH in „Rebecca“ auch ganz toll, weil sie so eine große Wandlung durchmacht und du dich komplett verändern darfst und aufbegehren darfst am Ende des Stückes etc.. Die Maria in der „West Side Story“, die ich zuletzt in St. Gallen spielen durfte, gehört auch zu meinen Traumrollen. Aber irgendwie hat mir alles Spaß gemacht, wenn ich zurückdenke.

Gibt es für die Zukunft noch ein bestimmtes Stück oder eine Rolle, das bzw. die du unbedingt gerne noch machen wollen würdest?

Es war immer „My Fair Lady“, die Eliza, das wäre sehr cool. Ich würde auch gerne nochmal „Into the Woods“ machen, aber dann die Hexe spielen. „Sweeney Todd“ eventuell Mrs Lovett, aber da hab ich noch einige Jahre Zeit. Die alten Klassiker wären auch noch ganz schön, sowas wie „Guys and Dolls“, da gibt es zwei lustige Frauenrollen…Ach ja und in „Chicago“ die Roxy wollte ich auch immer machen und dann fällt mir noch „Wicked“ ein, beide Rollen (Glinda und Elphaba) fände ich ganz cool. Ich war schon bei ein paar Auditions, immer für Glinda, vielleicht wegen meiner Körpergröße, aber vom Charakter wäre ich eher eine Elphaba. Grundsätzlich bin ich aber auch für alles andere Neue offen.

Lisa Antoni in "Rudolf -Affaire Meyerling" © VBW

Lisa Antoni in „Rudolf -Affaire Meyerling“ © VBW

Bei Rudolf handelte es sich um eine deutsche Erstaufführung (Anmerkung d. Redaktion: Uraufführung davor in Ungarn). Wie war es für dich, an so einer Produktion zu arbeiten? Gab es schon viele Vorgaben oder hat man dir viele Freiheiten gegeben, da es sich ja um eine Erstaufführung im deutschsprachigen Raum handelte?

Ich hatte eigentlich ziemlichen Freiraum, weil das Skript umgeschrieben wurde seit der Ungarischen Produktion. In Ungarn war die Rolle der Mary noch sehr anders. In Wien wollten sie die Rolle ein bisschen mehr aufrührerisch machen, dass sie sich beschwert über die Zustände in der Gesellschaft und die Politik etc. und insofern war die Rolle ziemlich neu. Ich hab auch die Biographie über Mary Vetsera gelesen, generell sehr viel über die Zeit gelesen, so auch den Roman auf dem das Stück basiert „Ein letzter Walzer“, das hat mir im Endeffekt aber nicht allzu viel gebracht, weil die Rolle im Stück doch ganz anders war. Ich hätte die Rolle zwar lieber mehr geschichtsgetreu gespielt, aber natürlich war ich froh, dass ich die Rolle überhaupt spielen durfte. Ich hatte schon Freiheiten, es gab kein direktes Vorbild dafür und es war spannend, weil man nicht genau wusste was am Ende rauskommen wird. Es war interessant zu sehen, dass der Regisseur auch nicht immer genau wusste was er wollte und wir dann auch viel ausprobierten, manchmal ist man auch ein bisschen auf sich gestellt. Das kann oft ein bisschen schwierig sein für junge Darsteller, wenn man noch nicht so sicher ist, man möchte lieber genaue Anweisungen, andererseits ist es ein Geschenk, wenn man mehr Freiheiten hat. Damals hat es mich also eher ein bisschen beunruhigt, heute wäre ich mehr als froh darüber.

Bei den meisten anderen Rollen in deiner Karriere gab es allerdings bereits Darsteller, die vor dir deine Rollen gespielt haben. Wie macht man das als Darsteller, dass man sich nicht dazu verleiten lässt, sich von einer Version, die man vielleicht kennt, beeinflussen lässt, sondern irgendwie auf seiner eigenen Linie bleibt?

Ich mache es normalerweise so, dass ich mich sehr gern inspirieren lasse von Leuten die das bereits gespielt haben, soviel Input wie möglich einhole. Wenn es Bücher gibt lese ich die, ich schaue gegebenenfalls die Filme, und wenn es schon Musicalversionen gibt, dann schaue ich mir so viele wie möglich und so viele unterschiedliche Darsteller wie möglich, an. Ich habe nicht das Problem, dass ich das Gefühl habe, dass ich was kopiere, sondern ich nehme das alles irgendwie auf und kreiere dann aus den unterschiedlichsten Nuancen der verschiedenen Leute, meine eigene Version so wie ich das am besten fühle, wie ich glaube, wie ich die Rolle empfinde. Manchmal spielen bestimmte Leute die Rolle genauso wie ich das für richtig halte, manchmal aber auch wieder gar nicht und dann mache das einfach so wie ich das glaube (bzw der Regisseur/die Regisseurin). Mich stört es eben nicht, sondern inspiriert mich eher.

Man soll aber trotzdem aufpassen, dass man eine eigenständige Rolle kreiert, seine eigene Persönlichkeit verwendet und die Rolle aus sich heraus sucht und sie sich nicht von außen aufsetzt, weil es jemand Anderer so gemacht hat. Ich finde, wenn sich Menschen lange, gerade bei Uraufführungen, viele Jahre mit einem Thema, einem Stück beschäftigt haben- warum sollte ich jetzt glauben, ich kenne mich besser aus, als die, die sich so intensiv damit beschäftigt haben. Ich versuche so genau wie möglich aufzusaugen, was die erarbeitet haben. Ich kann sowieso nur aus mir selbst heraus die Rolle spielen, trotzdem versuche ich genau zu sehen, was sich die Macher für das Stück vorgestellt haben und deren Arbeit zu würdigen.

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Aktuell probst du wieder für die Wiederaufnahme von „Wie man Karriere macht ohne sich anzustrengen“ in der Wiener Volksoper. Kannst du sagen, welche Probenphase oder Phase einer Produktion dir am besten gefällt oder du am spannendsten findest?

Also erstmal, ich liebe Proben sehr, weil man zwar irgendwie eine Struktur hat aber trotzdem eine gewisse Freiheit. Man kann Fehler machen, man kann lachen mit den Kollegen, man ist sehr viel in Kontakt mit einander, was man später wenn die Show läuft vielleicht nicht mehr so sein kann. Die allerersten Tage mag ich noch nicht so gern, da sind alle noch ein bisschen nervös und wissen nicht wie das wird, wie lege ich die Rolle an, es wird viel geändert und zurecht gebogen und da ist man immer noch so ein bisschen aufgeregt. Dann, so nach circa einer Woche, hat man sich auf einander eingestellt, die erste Nervosität schon abgelegt und alle haben schon vor einander gespielt. Da beginnt dann die „Spaß Zeit“, wo man so richtig in die Rolle hineinfindet, sozusagen einen Bogen spannt über die Geschichte der Figur, über das gesamte Stück. Auch noch ganz viel Spaß machen die ersten Durchläufe, das ist zwar auch stressig, weil man viel hin und her rennt, noch nicht weiß von wo man wann genau zeitlich auftritt etc., aber es ist auch ein sehr toller Moment wenn man so einen richtigen Überblick über das Stück bekommt. Technische Proben, bei denen es nicht mehr so richtig um das Stück geht, sondern eher um Licht, Kulissen und ähnliches, sind dafür wieder etwas mühsamer. Ein Geschenk ist im Endeffekt dann wenn wirklich alles zusammen kommt und man in seine eigene „Bubble“ eintauchen kann, seine eigene Welt.

Bleiben wir bei „Wie man Karriere macht ohne sich anzustrengen“. Du hast das Stück schon einmal an der Volksoper gespielt, davor aber auch in Hannover. Gab es Unterschiede am Stück oder hat man es eins zu eins in Wien übernommen?

Das Stück war eins zu eins das Gleiche, nur die Darsteller waren bis auf Matthias Schlung und mich komplett verschieden und es spielen die verschiedenen Darsteller auch alle ganz anders, sind unterschiedlich alt, groß, auch verschieden was den Charakter betrifft und da musste ich mich am Anfang schon daran gewöhnen, aber ich finde beide Versionen sehr gut.

Kommen wir noch kurz zu deiner Rolle „Rosemary“ in diesem Stück: Wie stehst du zu dieser Rolle? Das Stück und auch Rosemary entsprechen ziemlich genau dem Klischee der 1960er-Jahre und sie ist nicht unbedingt das Ebenbild einer heutzutage beliebten emanzipierten Frau. Wie fühlt sich das an, eine solche Rolle zu spielen?

Einige Leute hatten wohl ein Problem mit diesem Frauenbild. Jetzt in Wien wurde mir das erst bewusst, wie viele Leute sich eigentlich dran stoßen, in Hannover, ich weiß nicht warum, war das nie so ein großes Thema. Ich habe das so gesehen, dass es eine Komödie ist und im Grunde wird jeder, Männer wie Frauen, durch den Kakao gezogen. Es ist auch einiges was sie singt, wie „Ich halt ihm gerne bis acht sein Essen warm“, so klischeehaft und absichtlich überzogen. Es war damals einfach eher so, dass die Rollen von Mann und Frau so festgelegt waren, was auch nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, solange die Leute nicht unglücklich sind damit. Ich denke es gibt auch heute noch Frauen, die glücklich sind als Hausfrauen, es muss nicht jede Karrierefrau sein. Grundsätzlich finde ich es natürlich nicht gut, wie die Sekretärinnen behandelt werden, diese Momente im Stück finde ich nicht so toll, aber dass die Rosemary sagt, sie möchte einen erfolgreichen Mann und ein Haus am Stadtrand mit Kind und Hund, warum nicht, es ist eben ihr Wunsch und das finde ich auch nicht unbedingt negativ. Ich hatte also eigentlich gar kein Problem mit der Rolle. Nur je mehr ich von Leuten gehört habe, wie schlimm das ist und wie man so etwas heutzutage überhaupt machen kann, haben wir auch versucht, so weit es eben geht, mit dem Team die Rolle ein kleines bisschen tougher zu machen, soweit das überhaupt möglich ist mit dem Textmaterial. Bei den ganzen Produktionen am Broadway war Rosemary noch viel schlimmer, mit Piepsstimme etc., aber das wollte unser Regisseur von Anfang an nicht. Jetzt ist und war eben meine Aufgabe den Spagat zu schaffen zwischen dem Klischee, und dass man aber auch sieht, dass sie eine erwachsene Frau ist, die weiß was sie will – und sie will eben das… Außerdem sieht man, wenn man sich das Stück ansieht, dass alle durch den Kakao gezogen werden und die Männer auch nicht unbedingt besser weg kommen, in meinen Augen, ganz im Gegenteil!

Kehren wir wieder zurück zum dem Beruf Musicaldarsteller. Man ist vielleicht kein Star, wie man sie aus Hollywood kennt, trotzdem gibt es sehr viele, oft auch exzessive, Fans in dem Genre. Wie sind für dich diese Begegnungen, die man oft an der Bühnentür mit den Fans hat? Siehst du es als Teil deines Jobs oder ist dir manches auch mal unangenehm? Vielleicht hast du auch schon mal schlechte Erfahrungen gemacht?

Also im Großen und Ganzen freue ich mich über die Fans, weil ich es sehr schön finde, wenn Leute das Theater lieben und ich freue mich auch wenn es den Menschen gefallen hat. Deswegen gehe ich ja unter anderem auch auf die Bühne, weil ich möchte, dass es den Zuschauern gefällt, denn es wäre eben scheinheilig zu behaupten, es wäre mir egal ob es den Leuten gefällt. Natürlich gibt es Leute die es ein bisschen übertreiben, die nicht nur wegen dem Stück kommen, sondern sich etwas einbilden wegen irgendwelchen Darstellern. Vielleicht auch verknallt in jemanden sind oder schwärmen, das ist dann leider nicht mehr ganz so objektiv…Da bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich kein Mann bin. Ich glaube da gibt ein paar Fälle, wo sie fast schon belästigt werden. Ich hab noch nie wirklich eine schlechte Erfahrung gemacht. Bisher habe ich eigentlich eher positive Erfahrungen gemacht und ich freu mich sehr wenn Menschen zur Bühnentür kommen und einfach „Danke“ sagen, weil das einfach ein schönes Gefühl ist wenn sich jemand dafür bedankt, was du gerade gemacht hast. In gewisser Weise verstehe ich es auch, weil ich selbst manchmal sozusagen Fan bin und berühmte Leute wie z.B. Anna Netrebko um ein Autogramm bitten wollen würde, weshalb ich es auch nachvollziehen kann, wenn vor allem angehende Musicaldarsteller gerne Hallo sagen wollen. Am Broadway war ich zum Beispiel auch mal an der Bühnentür und hab dort auf die Darsteller gewartet…

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Liebe Lisa, ich danke dir für deine Zeit und das wirklich interessante und bereichernde Gespräch. Ich wünsche dir für deine weitere Zukunft und all deine kommenden Rollen alles erdenklich Gute und weiterhin viel Spaß an deinem Traumberuf.


Interview von Rebecca