Kurz nachgefragt bei Sasha Di Capri und Drew Sarich

„Judas“ ist das wahre Opfer

Kurz nachgefragt bei Sasha Di Capri und Drew Sarich
Sasha di Capri Fotocredit Christian Barz

Sasha di Capri Fotocredit Christian Barz

Sasha Di Capri wird in der konzertanten Fassung von „Jesus Christ Superstar“ im März 2017 am First Stage Theater in Hamburg  als „Judas“ auf der Bühne stehen – Drew Sarich als „Jesus“. Beide waren in diesen Rollen schon zu sehen: Sarich in unzähligen Inszenierungen in der Titelrolle, aber auch im Gegenpart des „Judas“. Di Capri spielte 2016 am Theater in Trier in mehreren Vorstellungen den „Judas“. Wir bekamen die Möglichkeit, beiden ein paar Fragen rund um ihre Sicht auf die beiden Hauptfiguren zu stellen.

Bühnenlichter.de (BL): Sasha, du spielst den „Judas“, Drew, du den „Jesus“. Wie seht ihr eure Figuren?

Drew Sarich (DS): Ich versuche immer, eine Rolle nach dem Text zu bauen. Es wird im Stück immer gesagt “He’s a man! He’s just a man!” Jesus singt auch selbst: “Now I’m sad and tired!” Er schreit. Er ist kein Lämmchen. Er wird von Pilatus als “haunted” bezeichnet. Dies sind alles sehr menschliche und spielbare Facetten. Ich versuche, alles, was wir über Jesus von der Kirche gelernt haben, zu entfernen. Keiner wird am Kreuz festgenagelt, weil er nett war. Er konnte zärtlich sein. Er konnte lieben wie kein anderer. Er war aber ein Mann, der ausgewählt wurde, das Unvorstellbare durchzuziehen. Daher ist er unter einem großen Druck. Das macht Spaß, das zu spielen!

Sasha Di Capri (SDC): Als ich mich vor längerem schon das allererste Mal so richtig mit der Rolle „Judas“ beschäftigt habe, ist mir klargeworden, dass ich ihn nicht als Verräter, sondern als Opfer spielen möchte. „Judas‘ death“ ist so eine wichtige Szene, wo es für ihn genau darum geht. Er stellt sich selbst die Frage: „Why did you choose me for your crime?“. Er hatte überhaupt keine andere Wahl, er wurde auserwählt, damit Jesus so groß und so besonders geworden ist. Ich finde es auch unfassbar spannend, dass er der Einzige ist, der Jesus bei „Last supper“ verbal attackiert. Alle anderen sind zutiefst schockiert und sagen: „Nein ich würde sowas nie sagen oder tun“. Ich denke man merkt schon welche meine Lieblingsszenen sind, oder?

Sasha di Capri - Fotocredit Nathalie Brandt©Nathalie-Brandt-(NB2909)-2015-drew-sarich-sasha-di-capri

Drew & Sasha bei ihrem „Combined & Uncovered“ Konzert in Hamburg. Sie spielten nur selbskomponierte Songs.

BL: Welcher Moment im Stück ist für eure Figur der wichtigste und stärkste?

SDC: Ich denke, der stärkste Moment ist „Blood Money“, wenn Judas den Priestern sagt, wo sich Jesus aufhalten wird, also wo sie ihn finden können. Die Musik spiegelt es unfassbar gut wieder. Nachdem die Priester ihn davon „überzeugt“ haben, dass er das Richtige tut, wenn er den Ort preisgibt, ändert sich die Musik. Diese Stelle ist immer ein Gänsehautmoment für mich!

DS: Ich liebe “Poor Jerusalem” nach Simons Lied. Ich glaube, das ist die Schlüsselszene für Jesus. Da stellt er erstmals fest, was er tun muss. Ab dem Punkt redet er anders, er singt anders und bewegt sich anders.

BL: Was für eine Verbindung besteht zwischen „Jesus“ und „Judas“?

DS: Jesus und Judas sind zwei Seiten derselben Münze. Jesus hätte ohne Judas nicht erreicht, was er erreicht hat. Und Judas ist das wahre Opfer der Geschichte. Er ist jemand, der Jesus nicht zu 100% abkauft, dass er der Sohn Gottes ist. Er sieht nur, dass Rom Israel okkupiert. Er weiß, dass etwas gemacht werden muss, um Israel zu retten und Jesus ist zu sehr mit Gott beschäftigt. Ich mag die Theorie, dass Judas den Jesus verrät, um Gottes Hand zum Handeln zu zwingen. Wenn Jesus wirklich der Sohn Gottes ist und er in Gefahr gebracht wird, muss Gott handeln. Er müsste Rom von der Erde wegwischen. Dann gehört Israel wieder dem israelischen Volk. Er stellt viel zu spät fest, dass er benutzt wird. Das bricht ihm das Genick.

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Drew Sarich als „Jesus“ (2014, Gärtnerplatztheater München) (c) Maren Besand

BL: Worauf legt ihr bei der Umsetzung eurer Rolle am meisten Wert?

DS: Es ist wichtig, Jesus als Aktivisten, Rebellen und Mann zu sehen. Es ist wichtig, zwei Freunde zu sehen, die mit dem Willen Gottes zurechtkommen müssen. Wenn man das schafft, haben wir revolutionäres Theater!

SDC: Für mich ist es wichtig, dass man die Reise mitbekommt. Trotz der anfangs sehr engen Freundschaft mit gemeinsamen Zielen, steht Judas bald alleine da. Er kommt nicht mehr an Jesus ran, fühlt sich nicht verstanden und ausgestoßen. Jemand Neues hat seinen Platz eingenommen. Was danach folgt, ist für Judas auch kein Verrat, er hat keine andere Wahl.

Wenn man es schafft, zu vermitteln, wie nahe sich diese beiden Menschen standen, fühlt der Zuschauer viel mehr mit, wenn Judas sich schlussendlich das Leben nimmt. Da Drew und ich privat auch befreundet sind, bin ich unfassbar gespannt, was für eine Energie dabei entstehen wird. Ich kann mir vorstellen, dass dies unsere Emotionen noch vertiefen wird.

Interview:  Nathalie Brandt

Wir bedanken uns herzlich bei Sasha Di Capri und Drew Sarich, dass sie sich die Zeit genommen haben, uns einen kleinen Einblick in ihre Sicht auf die Figuren zu geben. Wir wünschen ihnen und dem Rest des Teams drei wundervolle Vorstellungen von „Jesus Christ Superstar“.

Spieldaten: 17., 18. und 19. März 2017, jeweils um 19 Uhr im First Stage Theater Hamburg; Tickets gibt es unter: http://www.firststagehamburg.de
Ticket Hotline: 0180 – 60 50 400.


Besetzung:

Jesus: Drew Sarich
Judas: Sasha Di Capri (http://www.sashadicapri.com/)
Maria Magdalena: Jeannine Michèle Wacker (Interview)
Pontius Pilatus: Alexander di Capri (Interview)
King Herod: Jogi Kaiser (Interview)
Annas: Vini Gomes
Simon: Fabio Diso
Kaiphas: Daniel Dimitrow
Produzent: Alexander di Capri
Regie: Alexander di Capri und EclecTick Sounds
Musikalische Leitung: Heiko Lippmann
Choreographie: Taryn Nelson (Interview)

Gesangstexte von Tim Rice // Musik von Andrew Lloyd Webber

Die Übertragung der Aufführungsrechte erfolgt durch den Verlag „Musik und Bühne“ im Auftrag von „The Really Useful Company London“.

17.03.17 // 18.03.17 19.03.17 // 19.00 Uhr // First Stage Theater in Altona

Karten unter www.firststagehamburg.de.
Ticket Hotline: 0180 – 60 50 400.