Alexander di Capri im Interview

Ich habe einen Traum

Alexander di Capri 2. Fotocredit Daniel GiesekeDer Schauspieler und Sänger Alexander di Capri wird in diesem Jahr als Produzent und Regisseur tätig sein und zudem als einer der Hauptdarsteller im März in Hamburg auf der Bühne stehen. Hierfür auserkoren wurde die „Rockoper“ „Jesus Christ Superstar“ von Lord Andrew Lloyd Webber und Sir Tim Rice. Mit einem Team aus befreundeten Darstellern und in Zusammenarbeit mit dem First Stage Theater und der Stage School Hamburg kann man an drei Abenden im März das Erstlingswerk der bekannten Komponisten erleben. Die Tickets sind bereits im Verkauf. (Mehr über Stück und Darsteller hier: What´s the buzz?! – Jesus Christ Superstar konzertant in Hamburg)

Bei sonnigem Wetter in Fürth und leicht bedecktem Himmel in Schleswig-Holstein trafen wir uns zum Telefoninterview um ein wenig über die kommenden Jesus-Christ-Superstar-Vorstellungen in Hamburg zu sprechen:

Bühnenlichter (BL): Wie entstand die Idee, gerade „Jesus Christ Superstar“ konzertant nach Hamburg zu holen?

Alexander di Capri (AdC): Ich habe den „Pilatus“ am Ronacher in Wien gespielt und dieses Stück hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Es trägt eine Magie in sich, die sowohl die Darsteller, aber auch die Zuschauer fesselt und in seinen Bann zieht. Deswegen hab ich gesagt, das muss irgendwo gespielt werden, wo es reinpasst und man damit ein Ausrufezeichen setzen kann.

Vor drei Jahren wollte ich das Stück schon produzieren. Nur in einer wunderbaren Arena aus der Römerzeit in Kroatien. Natürlich hab ich da in großen Dimensionen gedacht. Aber man sagt auch: Denk groß, nach unten kann man immer reduzieren. Es ist also mein Traum, als Produzent „Jesus Christ Superstar“ in Kroatien in dieser Arena mit einem riesigen Orchester, tollen Darstellern und einem mindestens 200 Personen umfassenden Ensemble aufzuführen.

Nur die Kosten sind einfach zu horrend und wenn man keine großen Sponsoren hat und das Land einen da nicht finanziell unterstützt, kann man sowas alleine gar nicht machen. Also war das für den Moment einfach nicht realisierbar.  Da dachte ich mir, ob sich da vielleicht die Gelegenheit ergibt mit einem Theater, wo man das in einem gesunden Rahmen umsetzen kann.

Durch meine Arbeit als Gastdozent an der Stage School in Hamburg, die im letzten Jahr das First Stage Theater eröffnet haben, kam dann die Idee, das doch dort zu machen. Es sollen dort halt nicht nur die Stücke der Schüler gezeigt werden, sondern die Bühne soll auch als Spielstätte für größere Produktionen gesehen werden – so entstand die Idee, „Jesus Christ Superstar“ in Hamburg zu inszenieren.

BL: War es schwer, an die Rechte zu kommen?
AdC: Ich bin Privatmann und habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich die Rechte auch für die Aufführung bekomme, wenn ich bei der Really Useful Company anfrage.

Es hat sich aber herausgestellt, dass ich bei denen noch auf der Liste stand, was hilfreich war. Deswegen habe ich die Rechte bekommen. Meine erste Reaktion war: „Wie? Echt? Das glaube ich jetzt nicht!“

BL: Was für eine Liste ist das?
AdC: Die Theater müssen für jede Produktion eines Andrew-Lloyd-Webber-Stückes eine Castliste nach London schicken. Die Really Usefull Company hat dann das letzte Wort. Die sagen, das geht in Ordnung oder nein, den Darsteller möchten wir nicht in der Rolle. Da ich schon in anderen Produktionen den „Judas“ und den „Pilatus“ gespielt habe, hatten die mich also gelistet. Auch habe einmal fast die Rolle des „Phantoms“ in „The Phantom of the Opera“ bekommen. Das war eine tolle Erfahrung, so eng im Rennen zu sein und dann direkt bei Andrew Lloyd Webber vorzusprechen und zu singen. Nur ist mein gesprochenes Englisch eher amerikanisches Englisch und deswegen bekam ich die Rolle leider nicht. Aber nun eben halt die Rechte für „Jesus Christ Superstar“ – und jetzt bin ich dort zusätzlich als Produzent eingetragen.

Alexander di Capri Fotocredit Heimat 2050
BL:
Wie setzt man so ein Vorhaben als Privatmann dann um?

AdC: Da ich keine Sponsoren habe, hab ich schon aus vielen Ecken gehört: „Mutig, mutig!“. Irgendwie habe ich da selber erst noch nicht viel darüber nachgedacht. Eigentlich haben sie Recht. Aber ich trau mich das und ich glaube, es wird auch super funktionieren.

Trotzdem merke ich jetzt, dass ich für jede Hilfe dankbar bin, denn es ist ein 10-Mann-Orchester auf der Bühne, es sind 8 Darsteller, der Drew kommt aus Wien, die Jeannine aus München. Also wir sind jetzt nicht alle in Hamburg, so dass man sagen kann, kommt doch mal schnell hier rüber. Es sind schon größere Kosten. Es muss z.B. auch eine Anlage gemietet werden, die dem gerecht wird. Ich merke auch jetzt am Rand der Anfragen der Presse und der vielen positiven Reaktionen, dass die Leute uns unterstützen wollen und wir das schaffen können.

BL: Also regiert hier eher der Spaß an der Freude?
AdC:
Das Wichtigste ist für mich, dass wir Künstler vor vollem Haus ganz tolle Tage in Hamburg haben und dass die Zuschauer zufrieden sind. Bei 279 Plätzen kann man kein großes Geld  machen. Wenn die drei Vorstellungen voll sind, so dass wir sagen können: „Okay, wir hatten geile Konzerte, aber ich bleibe nicht auf meinen Kosten sitzen und ich muss nicht die nächsten zwei Jahre das Geld wieder abarbeiten!“, ist mein Ziel erreicht.

Wir sind super in der Zeit, ich bin in der künstlerischen Vorbereitung, wir haben unsere Jünger und Showgirls aus den Schülern der Stage School ausgewählt – ich hoffe, bis Ende Februar an den Punkt zu kommen, wo ich mich als Regisseur und als Künstler dann um das Stück kümmern kann. Ich spiele den „Pilatus“ und wenn man dann ständig noch denken muss: „Wie kriege ich die Karten jetzt verkauft?“, ist das natürlich blöd. Man ist dann immer so mit einem Bein in verschiedenen Sachen drin.

BL: Im April wird „Jesus Christ Superstar“ auch in Wien konzertant aufgeführt werden. Wirkt sich das auf Ihre Produktion in Hamburg aus?
AdC:
Wien ist weit weg. Natürlich gibt es Fans, die sich damit auseinandersetzen und die sagen:  „Okay, ich fahre lieber nach Wien ins Ronacher, da weiß ich, was mich erwartet.“ Ich möchte mit meiner Produktion aber die Leute in Hamburg ansprechen. Ich möchte das normale Publikum ansprechen, das in die Theater kommt und das sollte eigentlich auch möglich sein, an drei Tagen insgesamt ca. 800 Zuschauer ins Theater zu bekommen. Es gibt auch genug Publikum, das sagt: „Oh, endlich brauche ich einmal nicht so weit reisen, sondern habe so ein Event direkt vor der Haustür.“

BL: Freuen Sie sich auf die Regiearbeit?
AdC:
Ich hab schon bei einigen kleinen Sachen Regie geführt, vornehmlich bei Galas, und da wir eine konzertante Aufführung haben, ist das denen sehr ähnlich. Wir proben nur 1 ½ Tage zusammen, aber wenn man so tolle Leute wie Drew und Sasha auf der Bühne hat und insgesamt Kollegen, die das Stück schon gespielt haben, sollte das reibungslos funktionieren.

Natürlich, auch wenn man das Stück kennt, ist es trotzdem immer wieder eine neue Herausforderung. Sei es die Größe der Bühne, an die man sich erst gewöhnen muss, oder das Orchester, mit dem man zum ersten Mal zusammen spielt.

BL: Wie wichtig ist das Live-Orchester?
AdC:
Wir alle sind, gerade in Deutschland, mit großen Orchestern groß geworden. Ich bin seit 20 Jahren im Musical unterwegs und wenn man dann viele Produktionen sieht, bei denen hier gespart wird, ist das nicht schön. Das Schlimmste ist die Reduzierung, ja gar die Streichung von Orchestern. Bei „Les Misérables“ hatten wir ein 40-köpfiges Orchester oder auch beim „Phantom der Oper“.  Das macht das Musical aus und wird leider immer mehr reduziert. So weit bis dann irgendwelche Produzenten auf die Idee kommen: „Wir sparen uns mal die Musiker, nehmen das irgendwie auf und machen halb Playback“. Was jetzt wirklich schon gang und gäbe geworden ist. Bloß, ich sträube mich dagegen, ich möchte das nicht. Wenn ich sowas mache, dann möchte ich auch Live-Musiker haben und deswegen haben wir jetzt eben die Darsteller, die wir jetzt haben, und ein Live-Orchester.

Das ist das, was ich mit meinen Produktionen verbinden möchte. Dass man sagt „Okay, man muss es nicht immer pompös und groß usw. machen!“, oder „Jetzt muss ich aber 8000 Plätze verkaufen, damit das Geld reinkommt!“, sondern man kann das Ganze auch im kleinem Rahmen verwirklichen. Das ist dann aber wirklich qualitativ, wo dann eben nicht jemand daneben steht und auf Play drückt, sondern man hat trotzdem ein 10-Mann-Orchester auf der Bühne. Das ist möglich.

BL: Wer wird den Kaiphas spielen, eine doch sehr wichtige Rolle und ein tiefer Bass?
AdC:
Daran arbeiten wir noch. Die Kollegen, die ich angefragt habe, sind in anderen Produktionen beschäftigt und die haben schlichtweg keine Zeit. Leider sind auch die Kollegen, die ich bei „König der Löwen“ in Hamburg angefragt habe, unabkömmlich. Aber wir sind dran, da jemanden zu finden.

Alexander di Capri 2014 Fotocredit Daniel GiesekeBL: Wie sehen die Kostüme aus?
AdC:
Bei den Kostümen sind wir noch am überlegen, wie die aussehen werden. Auf keinen Fall ganz in privater Kleidung, so dass jeder anziehen kann, was er möchte. Das sieht so aus wie: „Ich komm hier mal längs und dann singen wir mal alle gemeinsam.“ Ich stell mit das so vor, dass jedem eine bestimmte Farbe zugewiesen wird. Auch sollte klar erkennbar sein, wer ist ein Priester und wer ist ein Jünger. Aber das wird alles erst noch besprochen.

BL: Wird es bei Erfolg weitere Produktionen geben?
AdC:
Wenn sich das Vorhaben etabliert und man gut darauf aufbauen kann, dann spricht sich herum und beim Vorverkauf von den di-Capri-Shows kann man schon mit vielen interessierten Zuschauern rechnen. Dann können andere Kollegen angefragt werden, die ich nicht kenne, die ich aber gerne in einer Show dabei hätte, denn Freundschaftspreise sind schon eine andere Liga.

Ich freu mich auf das Abenteuer und es ist nicht nicht machbar. Es ist umsetzbar und wenn alles so fließend läuft wie jetzt, ist der erste Schritt getan und mein Traum „Jesus Christ Superstar“ auf der Bühne in Kroatien, in dieser wundervollen Kulisse mit 200 Mann Ensemble und riesigem Orchester zu produzieren, rückt ein Stück näher.

Wir bedanken uns recht herzlich für dieses Interview bei Alexander di Capri und wünschen viel Erfolg für die konzertanten Aufführungen von „Jesus Christ Superstar“.
Das Interview wurde von Nathalie Brandt geführt

 

Unterstützt wird das Projekt unter anderem von TEMMA.
Den Bio Genuss Markt findet man in Hamburg – Blankenese im Sülldorfer Kirchenweg 2b und in Hamburg – Eppendorf in der Eppendorfer Landstraße 77.

Weitere Infos unter: http://www.temma.de

Vita Alexander di Capri (Auszug)

TV/Theater
– Theaterstück Shakespeare`s „Wie es euch gefällt“ Domfestspiele Bad Gandersheim 2015
Rolle „Oliver“/ Regie Christian Doll
– Theaterstück „Theaterblut“ Sommerfestival Wustrau/Ruppiner See 2014
männliche Hauptrolle „Regisseur Florian Kunze“/ Regie Marten Sand
– Spielfilm “Sommernacht auf Immenhof“ 2013
Rolle „ Axel Siebner“/ Regie Wiebke Pannes

Muscials/Operetten
– Ein Käfig voller Narren Theater Regensburg 2016
George Regie/Christina Schmidt
– Ein Käfig voller Narren Comödie Fürth 2015/2016
1.Cast George Regie/Thomas Enzinger
– Jesus Christ Super Star Domfestspiele Bad Gandersheim 2015
1.Cast Judas Regie Achim Lenz

Concerts
– Jesus Christ Super Star Konzertereihe Rostock 2014
– Night of the Musicals/ Laiszhalle Hamburg 2012
with the Prague Philharmonic Orchestra
– -Jesus Christ Super Star Gala VBW Ronacher/Wien 2011
with Drew Sarich, Rob Fowler, Alexander di Capri, Caroline Wasicek

Specials
playing piano, accordion, drums
Horse riding, fence, Stage fighting, diving,
english, german, macedonian ,croatian ,serbian, bulgarian, italian

 


Jesus Christ Superstar

17.03.17 // 18.03.17 19.03.17 // 19.00 Uhr // First Stage Theater in Altona
Karten unter www.firststagehamburg.de. Ticket Hotline: 0180 – 60 50 400.

Besetzung:
Jesus: Drew Sarich
Judas: Sasha Di Capri
Maria Magdalena: Jeannine Michèle Wacker (Interview)
Pontius Pilatus: Alexander di Capri (Interview)
King Herod: Jogi Kaiser
Annas: Vini Gomes
Simon: Fabio Diso
Kaiphas: Daniel Dimitrow
Ensemble: Schüler der Stage School Hamburg
Produzent: Alexander di Capri
Regie: Alexander di Capri und EclecTick Sounds
Musikalische Leitung: Heiko Lippmann
Choreographie: Taryn Nelson (Interview)

Gesangstexte von Tim Rice // Musik von Andrew Lloyd Webber
Die Übertragung der Aufführungsrechte erfolgt durch den Verlag „Musik und Bühne“ im Auftrag von „The Really Useful Company London“.