It takes two – Die schönsten Musical-Duette

ittakestwo2Es ist wieder einmal so weit, an einem Sonntagabend Ende September lockt Thomas Borchert gemeinsam mit seiner inzwischen Angetrauten Navina Heyne ein großes und vor allem bunt gemischtes Publikum in das historische Schloßparktheater in Berlin Steglitz. Das schöne Haus, noch unter der Federführung von Dieter Hallervorden, umfasst etwa 440 Sitzplätze und beeindruckt jährlich mit einer großen Anzahl von Eigenproduktionen – in denen der Hausherr oftmals noch höchstselbst auf der Bühne steht -, wie auch Gastspielen. Thomas Borchert kann man schon fast als Stammgast in diesen heiligen Hallen bezeichnen. Begonnen hat er seine Konzertprogramme allein und so bewiesen, dass er ein Ein-Mann-Unterhaltungswunder ist, und damit seine Fans voll auf ihre Kosten kommen. Dass man(n) jedoch auch über seinen Horizont blicken und sein Repertoire erweitern sollte, beweist er mit seinem neuesten Coup „It takes two“. Für diese Show braucht es neben seinem eigenen Stimmvolumen einen weiblichen Part, und wer wäre besser dafür geeignet, als seine Frau. Mit dem dargebotenen Programm führt das Paar auf äußerst liebenswerte und charmante Weise durch 22 Liebesduette, die zumeist dem Bereich Musical entstammen. Ungeplant beginnt das Konzert schon mit einiger Verzögerung, was jedoch auf humorvolle Weise erklärt wird. Wer ins Schloßparktheater kommt hat in der Regel Zeit und die gute Laune kommt spätestens mit den ersten Takten aus Axel Goldbecks Flügel. Goldbeck, unterstützt das Paar musikalisch mit seinen „acht Beinen“, wie Navina Heyne scherzhaft und beinahe ehrfürchtig ankündigt. Denn neben dem Tasteninstrument bedient er noch eine Reihe an Pedalen, die es anmuten lassen, als stünde mindestens noch ein Schlagzeug mit auf der Bühne. Mit viel Kurzweil nehmen die Beiden das Publikum mit auf eine musikalische Reise, die es die Zeit völlig vergessen lassen.

Dass man auch in der Blüte seines Lebens nicht zu alt für Holzbausteine ist, zeigt die Bühnendekoration, die zunächst als große römische Zahl Zwei dargestellt ist, aber kurzerhand immer wieder von den beiden Protagonisten umgebaut und so szenisch angepasst wird. Vom Fliegenden Teppich der verdächtig knarrt oder einem Wirtshaustisch bis hin zu einem Säulenarrangement ist alles dabei. Mit sichtlichem Spaß werden die vier „Bausteine“ bespielt und immer wieder ins rechte Licht gerückt. „Aladdin“ wird vom „Phantom der Oper“ abgelöst, welches schließlich „Im Weißen Rössl“ gipfelt. Auch die wohl bekannteste und tragischste Liebesgeschichte der Welt „Romeo und Julia“ erlebt in der „Westside Story“ eine Renaissance und erhält ihren Platz im Konzertprogramm welches stets von überaus unterhaltsamer und sympathischer Moderation begleitet wird. Von Lüsterklemme bis Wäscheklammer wird aus dem Nähkästchen geplaudert und der Zuschauersaal wird zum Wohnzimmer umfunktioniert, so dass die zahlreichen Gäste den ersten Familienstreit live miterleben dürfen. Natürlich erdacht, wie könnte es bei zwei so humorvollen Gastgebern anders sein, von Loriot, einem Meister der Beobachtung. „Spamalot“ aus Monty Python‘s Feder fehlt an diesem Abend genauso wenig wie „Der Graf von Monte Christo“ von Frank Wildhorn.

Kennenlernen durfte sich das Paar im vergangenen Jahr bei den Proben zu „Luther Rebell Gottes“. Es sei „Liebe auf den Ersten Ton“ gewesen, wie sie nicht müde werden zu betonen. Ihr Lied darf an diesem Abend nicht fehlen, so geben sie „Ich gehör zu dir“ zum Besten, nachdem sie einige Zeit darüber sinnieren müssen, wie der genaue Titel des Liedes denn nun sei und Goldbeck ihnen bereitwillig aus der Klemme hilft. Ob „Bonnie & Clyde“, „Der kleine Horrorladen“, „Jekyll and Hyde“ oder „Tanz der Vampire“, jedes Liebespaar spielen die Protagonisten überzeugend und nicht immer mit völliger Ernsthaftigkeit. Doch letztere braucht es an einem solchen Abend zum Glück auch nicht. Viel wichtiger ist es doch, dass man den Spaß fast greifbar zu spüren bekommt und dieser mehr als deutlich ins Publikum transportiert wird. Der Zuschauer erfährt, dass der Vampir als Wähler völlig unterschätzt wird und wartet sehnsüchtig auf „Fan-Thomas – Das Musical“, welches immer wieder scherzhaft angekündigt wird

Ein besonderes Highlight ist wohl das allseits bekannte und beliebte „Wildschweinduett“ aus Borcherts eigener Feder, welches er in diesem Programm erstmalig nicht in Ermangelung einer Schlammine allein zum Besten geben muss. Als Zugabe feiert das Publikum gerade dieses Lied, welches lediglich noch von „True Love“ übertroffen wird, und die Gäste mit einem wohligen Gefühl in die Nacht entlässt. Vergessen sind das Schmuddelwetter des beginnenden Herbstes und die schweren Regentropfen draußen. Ein Herz- und Seele erwärmender Abend, der die Lachmuskeln genau auf das richtige Maß strapaziert endet nach etwa zweieinhalb Stunden mit zu Recht tosendem Applaus.

Wer noch nicht genug von Thomas Borchert im Schloßparktheater hat, hat am 25.11.2018 die nächste Gelegenheit ihn bei „Borchert Beflügelt“ mit einem weihnachtlichen Soloprogramm zu sehen, oder gemeinsam mit seiner bezaubernden Frau am 31.12.2018 gleich in zwei Konzerten bei „Champagner, Champagner!“, der Silvestergala zu besuchen.


Text: Andrea