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Into the Woods – Ab in den Wald

Into the woodss

Musical von Stephen Sondheim und James Lapine
Übersetzung von Michael Kunze

Inhalt

„Es war einmal …“, so beginnt jedes Märchen. Bei AB IN DEN WALD war einmal ein Aschenputtel mit seiner Stieffamilie, ein Hans mit Mutter und Kuh, ein Rotkäppchen mit Oma und Wolf, eine Hexe mit Rapunzel, zwei gutaussehende Prinzen, eine rauchende Riesin mit ihrem Riesenmann und ein Bäcker mit seiner Frau. Was all diese Figuren miteinander vereint? Sie stammen alle aus Märchen, hauptsächlich aus denen der Brüder Grimm. Stephen Sondheim und James Lapine haben ihre Geschichten miteinander verwoben, verschlungen und verwirrt. Nun kämpfen Aschenputtel, Hans, Rotkäppchen, Rapunzel, die Prinzen und all die anderen Figuren mit ihren ureigenen Problemen, Neurosen und Neuröschen und zeigen im tiefen, finsteren Wald ihr wahres, dunkles Märchengesicht, bis die ganze heile Märchenwelt eskaliert und kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.

Mit vielen märchenhaften Rollen und eingängigen Melodien des preisgekrönten Komponisten Stephen Sondheim ist AB IN DEN WALD ein Märchen-Musical-Spaß für Erwachsene – humorvoll, mitreißend, anspruchsvoll, aberwitzig und hintersinnig.

Märchen und ihre Konsequenzen

AB IN DEN WALD – der Märchen-Musical-Spaß für Erwachsene ab dem 20. Januar 2018 zu sehen am Theater für Niedersachsen.

Stephen Sondheim, 1930 in New York geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Musical-komponisten und -texter der Gegenwart. 1957 startete er seine Karriere als Songwriter der „West Side Story“ und bereits in den 1960er Jahren begann er eigene Musicals wie zum Beispiel „A funny thing happend on the way to the Forum“ zu schreiben.

Im ersten Akt seines Musicals AB IN DEN WALD (INTO THE WOODS), das ab dem 20. Januar 2018 am TfN zu sehen ist, bedient er sich für die Handlung unter anderem an den Märchen der Brüder Grimm: Aschenputtel möchte um alles auf der Welt zum abendlichen Ball des Prinzen ins Schloss, Hans und seine Mutter sind verzweifelt ob der Milchlosigkeit ihrer Kuh Milchweiß. Dann sind da noch die Bäckerleute, die so gerne ein Kind haben möchten, Rotkäppchen bei ihrem bekannten Abenteuer im Wald auf dem Weg zur Großmutter und die Hexe. Diese hält Rapunzel im Turm gefangen und verspricht den Bäckerleuten die Erfüllung ihres Kinderwunsches, wenn sie innerhalb von drei Tagen eine Kuh so weiß wie Milch, Haar so gelb wie Korn, ein Mäntlein so rot wie Blut und einen goldenen Schuh ihr bringen. Der Wald, in dem alsbald alle versuchen ihre Wünsche zu erfüllen, ist der Ort in dem sich die Figuren in amüsante Verwicklungen begeben – eine reizvolle Montage all der, jedem seit der Kindheit wohl vertrauten Stereotypen, der Grimm’schen Märchenwelt.

Der Wald als Ort der Sehnsucht

Nach dem ersten, für alle letztlich glücklich verlaufenen Akt, verlässt der zweite Akt die reine Märchenebene und durchbricht die Eindimensionalität der Märchenfiguren. „Wie lebt es sich denn mit einem Prinzen?“ oder „Wie zieht man das so ersehnte Kind groß?“ – Fragen, die in Märchen normalerweise nicht gestellt werden (dürfen!). Dort heißt es immer: „Und wenn sie nicht gestorben sind …“. Aber die von Stephen Sondheim erfundene Bedrohung durch eine Riesin, die wütend durch das Märchenland stampft, Häuser zerstört und Märchenfiguren killt, nötigt alle Charaktere zu Entscheidungen jenseits der wohlvertrauten Muster von Gut und Böse. Zum Beispiel übernimmt die Rolle des Lüstlings – nachdem es im ersten Akt noch der Wolf war – jetzt Aschenputtels Prinz, der die anfangs ängstliche, später glücksselige Bäckersfrau verführt. Im Finale singen beide im Duett: „Recht und Unrecht kann man im Wald nicht sehen.“

Natürlich hat das Musical noch andere tiefere Dimensionen: Der Wald als Ort der Sehnsucht, des Irrationalen, die rote Kappe als Symbol von Erotik und Sexualität, Moral und Ordnung und nicht zuletzt das beliebte Komödienelement der bösen Stiefmutter. Die Kunst aus all dem einen unterhaltenden Abend zu machen, beherrscht Sondheim exzellent!

Konsequenz durch verantwortliches Handeln

Nach dem Uraufführungserfolg ihres ersten gemeinsamen Musicals „Sunday in the Park with Georg“ 1984 hatte James Lapine die Idee ein Märchen mit Sondheim zu machen, für das die beiden zu nächst den Arbeitstitel „Fee Fi Fo Fun“ sich ausgedacht hatten. Ihr Ziel: Bekannte Märchen mit der erfundenen Geschichte vom Bäcker und seiner Frau zu verweben. Allen gehen ihre Wünsche in Erfüllung. Doch das „… und so lebten sie glücklich bis an das Ende ihrer Tage“ haben die beiden Autoren nicht zugelassen. Im zweiten Akt dieses ironischen Spiels mit der tiefenpsychologischen Deutung von Märchenmotiven, gilt es nämlich, aus der Erfüllung der Wünsche die Konsequenzen zu ziehen durch verantwortliches Handeln. Das Märchenklischee wird aufgebrochen. Stephen Sondheim sagt über AB IN DEN WALD: „Um ihre Ziele zu erreichen, waren alle Figuren im ersten Akt gezwungen ein bisschen zu lügen, ein bisschen zu betrügen und ein bisschen zu schachern. Der zweite Akt ist eine Parallele zum ersten Akt und spielt ein Jahr später. Er konfrontiert die Figuren mit den Konsequenzen des ersten Akts. So muss im ersten Akt vieles angelegt werden, was dort unwichtig erscheint, im zweiten Akt aber ungeheure Bedeutung erlangt.“

Eine der vielen Inspirationsquellen die Sondheim und Lapine benutzt haben, war das Buch „Kinder brauchen Märchen“ von Bruno Bettelheim.

Erster Akt: leicht und lustig, Zweiter Akt: ein bisschen düster

Über seine Musik sagt der Komponist: „Ich habe versucht die Partitur mit vielen kleinen Liedchen zu ‚sprenkeln‘ und kleine Melodien im Sechzehntel-, Zweiunddreißigstel und Achteltakt zu schreiben. Trickfilmhaft anmutend, aber in einem modernen Stil, sowie Lehrstücke und Wanderlieder. Die kleinen Melodien beginnen, im zweiten Akt sich zu verfremden. Sehen sie, der erste Akt ist schnell, lustig und leicht, der zweite Akt ist ein bisschen düster; diesen Unterschied soll die Partitur widerspiegeln.“

Quelle: Theater für Niedersachsen (https://www.tfn-online.de), Spielzeit 2018:

Musikalische Leitung Achim Falkenhausen
Inszenierung und Choreografie Craig Simmons
Bühne und Kostüme Esther Bätschmann
Mit Franziska Becker (Hexe), Alexander Prosek (Bäcker), Valentina Inzko Fink (Frau des Bäckers), Jürgen Brehm (Hans), Agnes Buliga-Contras (Hans’ Mutter), Sandra Pangl (Rotkäppchen), Elisabeth Köstner (Aschenputtel), Tim Müller (Aschenputtels Prinz / Wolf), Steffi Fischer (Aschenputtels Stiefmutter), Laura Mann (Florinda, Aschenputtels Stiefschwester), Franziska Blaß (Lucinda, Aschenputtels Stiefschwester), Neele Kramer (Großmutter / Aschenputtels Mutter / Riesin), Daniel Chopov (Aschenputtels Vater), Jens Krause (Geheimnisvoller Mann / Erzähler), Kathelijne Wagner (Rapunzel), Peter Kubik (Rapunzels Prinz), Jesper Mikkelsen (Kammerdiener), Orchester des TfN
Dauer ca. 3 Stunden, inklusive einer Pause

Premiere am Samstag, 20. Januar 2018, 19:00 Uhr, Großes Haus
Letzte Vorstellung: Fr, 15.06.2018, 19:30 Uhr, Großes Haus

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