Interview mit Marius Bingel

… anlässlich der Premiere zum Abschlussprojekt “Fame”

(Abschlussjahrgang 2018 der Stage School Hamburg)

„Geglaubt habe ich das meiner Gesangslehrerin allerdings nie.“

© Alex Bach
© Alex Bach

 

Nicht nur bei der Premiere des diesjährigen Abschlussprojektes “Fame” fielen einige der jungen Absolventen besonders auf, sondern bereits bei der Ende letzten Jahres stattgefundenen Weihnachtsshow 2017 konnte man sich von ihrem Talent überzeugen. Unter ihnen der eigentlich gelernte Koch, Marius Bingel, der mir schmunzelnd von seiner Vorgeschichte erzählt. „Nein, ich hatte nicht von Anfang an den Wunsch ins Bühnenfach zu treten. Ich bin mit 16 Jahren von zuhause ausgezogen, habe eine Ausbildung zum Koch abgeschlossen und anschließend noch ein paar Jahre in diesem Beruf, unter anderem in Australien, gearbeitet.“ Seine Gesangslehrerin, bei der er seit seinem 13. Lebensjahr Unterricht nahm, sagte ihm häufiger, dass er ein Rohdiamant sei, der nur noch geschliffen werden müsse und er unbedingt etwas mit Musical machen solle, er sei wie geschaffen dafür. „Geglaubt habe ich das allerdings nie und den Gedanken kopfschüttelnd immer weit von mir geschoben.“ Aber genau diese Gesangslehrerin habe ihn für die Teilnahme an einem ihrer Konzert gefragt, was er sehr gerne gemacht habe und einige Zeit später sei es dann ebenfalls sie gewesen, durch die er sich habe breitschlagen lassen und den Faden Musik weitergesponnen habe. Eigentlich habe er damals nach Hamburg ziehen wollen, um sich im Hotelfach weiter ausbilden zu lassen, sei dann aber doch in seiner Heimatstadt Trier geblieben. Dort habe er einen Gesangskurs an einer Musicalschule, der allerdings eher Volkschulkurs-Charakter gehabt habe, belegt. „Ich wollte einfach mehr über diesen Beruf wissen und die Materie genauer kennen lernen.“ Dann habe er einige Aufnahmeprüfungen an Hochschulen gemacht und tatsächlich schon einmal, im Musical „Fame“, damals in der Rolle des Nick, und in anderen Projekten auf der Bühne gestanden. Der wegweisende Meilenstein sei der Gewinn eines Workshops an der Stage School in Hamburg gewesen, bei welchem ihm direkt ein Vertrag in die Hand gedrückt wurde. „Nach vielem Hin und Her und langen Überlegungen habe ich mich dann auf dieses Abenteuer eingelassen. Die Stage School hat mir die Karten in die Hand gespielt und ich habe sie ergriffen.“

Bereut habe er seine Entscheidung bisher auf keinen Fall. „Überhaupt nicht – natürlich hat man immer wieder mal Phasen dazwischen, wo man sich fragt, ob es richtig war. Kann ich mir wirklich vorstellen, auch mal ein ganzes Jahr oder sogar länger in ein und demselben Stück auf der Bühne zu stehen. Aber das geht einem doch, wenn man zum Beispiel in einem Büro arbeitet, auch nicht anders. Die machen Tag ein Tag aus immer dasselbe. Und ein solcher Job wäre überhaupt nichts für mich, es würde mir nicht mal halb so viel Spaß machen, wie auf der Bühne zu stehen, denn genau das ist es, was mich erfüllt.“

Nach seinen konkreten Plänen für die jetzt kommende Zeit nach der Ausbildung befragt, antwortet er verschmitzt grinsend: „Nun, zunächst einmal spielen wir ja noch „Fame“ bis Ende September und anschließend habe ich tatsächlich schon ein Engagement, sogar an einem ziemlich großen Haus. Mehr darf ich dazu leider noch nicht Preis geben, aber so viel noch, ich bleibe hier in Hamburg.“

„Ob ich Traumrollen habe?“ er überlegt einen Moment, ehe er meine Frage konkreter beantwortet. „Nö, eigentlich nicht, ich mag mich da gar nicht so genau festlegen.“ Eher habe er Traumstücke in denen er gerne einmal spielen würde. „„Wicked“, „Frühlingserwachen“ oder „Les Miserables“, das sind solche Traumstücke, da wäre ich gerne mal dabei – ich liebe einfach die Musik und finde die Stories cool.“ Lachend reagiert er auf meinen Einwurf, ob sein Name vielleicht etwas mit „Les Miserables“ zu tun haben könnte – ich beziehe mich gedanklich auf die Figur des jungen Marius. „Nein, meine Eltern besuchen erst jetzt wegen mir schon mal öfter ein Stück, eben um mich zu sehen, generell sind sie eher weniger Musicalaffin.“

Auch ihn frage ich nach seinem Empfinden, die heutige Show betreffend, die er zwar als aufregend, aber gut beschreibt. Seine persönliche Premiere wäre Samstag gewesen „Da lief es für mich auch mit am besten. Die heutige Show war konstant, wir hatten Zeit uns zu erholen, da wir erst um 17 Uhr im Theater sein mussten.“ Eigentlich sei es eine ganz normale Show für ihn gewesen, lediglich ein wenig aufregender, weil auch viele Dozenten anwesend waren. „Es waren viele Leute da, die man kennt, Freunde, Familie und von einigen auch die Eltern. Es war einfach eine gute Show.“

Ich bedanke mich bei Marius für das interessante und offene Gespräch und wünsche ihm für seine Zukunft alles Gute und viel Erfolg. Eine kleine Neugierde bleibt – wie lang wird es dauern, bis er das Geheimnis seines zukünftigen Engagements lüften darf.


Text: Astrid

Foto: Axel Bach