Interview mit Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke

 

Malentes Theater Palast 

„Wir schenken Bonn ein neues Theater – seien Sie von Anfang an dabei!“

(c) Malentes Theater Palast
(c) Malentes Theater Palast

Am 20. September 2018 startet „Malentes Theater Palast“ in Bonn in seine erste Spielzeit. Fährt man die Godesberger Allee von der Autobahn kommend in südöstliche Richtung, fällt einem rechtsseitig direkt an der Straße gelegen ein großes Zelt ins Auge, welches schon im Vorbeifahren an einen Jahrmarkt längst vergangener Zeit erinnert und in der von modernen Gebäuden gesäumten Allee auffälliger nicht sein könnte. Betritt man dann durch den altertümlichen Holzeingang dieses belgische Spiegelzelt, fühlt man sich wie mit einer Zeitmaschine unmittelbar zurück in die Vergangenheit versetzt, genauer gesagt zurück ins Jahr 1935 – aus dieser Zeit nämlich stammt das Haus. Das für eine solche Konstruktion großzügig anmutende Foyer wurde stilecht für den jetzt gewünschten Zweck hinzugefügt, erklären mir die Direktoren und Eigentümer des neuen Bonner Theaters namens „Malentes Theater Palast“, Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke. Ich durfte die Eheleute, die nicht nur in der Bonner Ecke unter dem Künstlernamen „Familie Malente“ bekannt sind, zu einem ausführlichen und informativen Gespräch über ihr Theater, ihre Ideen und ihre Hoffnungen treffen.

Über das Foyer gelangt man in den eigentlichen Zuschauerraum, der – wie es bei einem Zelt zu vermuten ist – ähnlich dem eines Zirkus aufgebaut und ringsherum in Augenhöhe von Spiegeln gesäumt ist. „Diese Spiegel hatten früher eine ganz besondere Funktion“, erläutert mir der Pressesprecher des Theaters, Thomas Lenz, während wir noch auf die Herren Vanmarcke warten. Diese Zelte seien gerne als Tanzpaläste eingesetzt worden, da sie schnell auf- und abbaubar waren. In dieser Funktion reisten sie um die ganze Welt. Dieses Zelt in Bonn sei das Dritt- oder Viertälteste, welches es in dieser Form überhaupt noch gäbe. „Früher hätte sich ein Mann niemals getraut, eine Frau direkt anzuschauen. Ärger mit dem Ehemann, dem Vater oder dem Bruder sei ansonsten vorprogrammiert gewesen. Mit oder eher über diese vielen Spiegel konnte man aber hervorragend flirten, ohne dass dies jemand anderem groß aufgefallen wäre.“ Die Decke über dem Theaterraum ist in gleichmäßigen Wellen mit rotem Samt behangen, der in der Mitte in die Spitze drapiert ist und dem Ganzen ein wohliges Ambiente verleiht. Im Innenraum befinden sich Achtertische, an denen auch Speisen und Getränke zu sich genommen werden können, die es an der Theke zwischen Foyer und Spielraum zu erwerben gibt. Ringsum sind Logen vorhanden, die von bis zu acht Personen belegt werden können und einen gemütlichen Eindruck vermitteln. Ebenfalls gibt es ein in Reihen bestuhltes Hochparkett, welches sich im rückwärtigen Bereich leicht erhöht befindet, so dass alles in allem etwa 200 Personen in dem Theater Platz finden können. „Das Nachmittagslicht taucht den Saal in einen wunderschönen Schein und verbreitet ein ganz eigenes Flair, erklärt mir Lenz gerade, als die beiden Hauptpersonen zu uns stoßen.

Natürlich interessiert mich brennend, warum man bei der Auswahl der Location ausgerechnet auf ein solches Spiegelzelt verfällt. Die leuchtenden Augen der beiden Inhaber lassen keinen Zweifel daran, dass sie die für sie richtige Wahl getroffen haben. „Das ist uns einfach so ein bisschen zugefallen, aber eigentlich wiederum auch nicht – es war schon eine konkrete Entscheidung. Hier in Bonn gibt es das Kleine Theater, welches im nächsten Jahr seine Pforten schließt und wir haben uns zunächst bemüht es zu übernehmen. Leider ist das Haus sehr marode und war mit etwa 160 Plätzen auch in der Kapazität zu sehr begrenzt.“ Es standen ebenfalls noch weitere Objekte in der engeren Auswahl, aber auch da seien die Umbaumaßnahmen nicht wirklich umsetzbar gewesen. Zu dieser Zeit war die Familie Malente als Künstler auf der MS Europa unterwegs und bei einem Landgang zum Kunstfestival in Edinburgh fiel ihnen ein undekoriertes und lieblos mit Plastikstühlen hergerichtetes Spiegelzelt ins Auge, bei dessen Betreten sie sofort diese besondere Atmosphäre gespürt hätten. Die Entscheidung für ein ebensolches Zelt sei dann recht schnell gefallen, „…auch wenn die Umsetzung dann noch etwa drei Jahre gedauert hat, solange ist diese Reise nämlich schon her. Wir fahren öfter nach Berlin, auch um dort ins Theater zu gehen. Es gibt dort „Die Bar jeder Vernunft“, dort sind wir gerne zu Gast, es ist ein so besonderes Ambiente und auch diese Bar ist in einem Spiegelzelt beheimatet.“ Zusammen mit ihrer Lichttechnikerin, die schon in solchen Zelten gearbeitet habe und diese vom Aufbau und der Einrichtung her kenne, erarbeiteten sie ein passendes Konzept. „Die Einsegnung war ein voller Erfolg, eine traumhafte Veranstaltung und die Leute waren sehr begeistert“, äußern sich die Beiden auch ein wenig erleichtert über die gut verlaufene erste Veranstaltung in ihrem eigenen Haus. „Der Katholik segnet ja so ziemlich alles ein, vom Feuerwehrauto über Tiere bis hin zu Häusern, vor allem Neubauten, also warum sollte man nicht mal ein Theater einsegnen lassen. Diese Handlung ist etwas Besonderes und etwas Besonderes ist eben auch unser Haus!“ Im näheren Umkreis sei eine solche Location nirgends zu finden und genau daran setzten sie mit ihrem Konzept an.

(c) Malentes Theater Palast
(c) Malentes Theater Palast

Jetzt haben wir einiges zum neuen Bonner Theater erfahren dürfen, aber wer sind die Inhaber, wer genau ist diese künstliche Kunstfamilie, wie sie sich selber nennen – wer genau ist diese „Familie Malente“, die bisher mit Reisetheater durch Deutschland zog? „Wir haben uns vor etwa 20 Jahren kennen gelernt und arbeiten seit 15 Jahren zusammen. Wir waren an verschiedenen Theatern engagiert, wollten aber irgendwann unser eigenes Ding machen.“ Knut Vanmarcke erzählt, dass er an der Stage School in Hamburg, noch zu alten Zeiten, wo dies die einzige private Musicalschule in Deutschland war, studiert habe und demzufolge ein ausgebildeter Musicaldarsteller sei. „Ich war damals unglaublich stolz die Aufnahmeprüfung unter hunderten Anwärtern bestanden zu haben – das war etwas ganz Besonderes und endlich hatte ich ein Ziel vor Augen!“. Sein Mann Dirk Vossberg-Vanmarcke bemerkt lachend zu meiner Frage, ob auch er Musical studiert habe: „Nein, ich bin ja schon so alt, ich habe noch eine klassische Schauspielausbildung in Hamburg gemacht.“ Mit Frank Tannhäuser, dem Macher des Krimitheaters in der nordischen Hafenstadt, habe er zusammen studiert und sie waren das erste Mal, ebenfalls zusammen, in Remscheid engagiert. „Uns wurde mit der Zeit langweilig und wir überlegten etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Es wurde eine Show mit Liedern der 50er „Schuld war nur der Bossa Nova“. Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass ich noch mehr kann – kreativ sein, schreiben, inszenieren, Kostüme auswählen – eben diese ganze Palette, die man nicht machen muss, die aber großen Spaß macht, wenn man sie machen kann.“ Damals wurde der eigentliche Grundstein gelegt. Die Beiden begannen eigene Programme zu schreiben, eigene Shows zu entwickeln und seien dann viele Jahre lang als künstlerische Besetzung auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs gewesen. Nach dieser langen Zeit mit mindestens einer Hand breit Wasser unter dem Kiel wurde ihre Sehnsucht nach festem Boden unter den Füßen immer größer. Auf der MS Deutschland – dem ZDF Traumschiff – lernten sie Heide Keller, die in der Serie die Chefstuardess spielte, kennen. „Sie fand uns toll und hat uns einen Kontakt zu dem damaligen Intendanten des Kleinen Theaters hier in Bonn vermittelt. Parallel haben wir an einer eigenen Bühnenproduktion gearbeitet, die in Hennef erstmalig zur Aufführung kam. Eine Mitarbeiterin des besagten Intendanten hat sie sich dann tatsächlich angesehen und für gut befunden. So sind wir langsam aber sicher wieder in den festen Theatermarkt eingedrungen und hatten 2005 hier in Bonn dann auch wieder unsere erste Produktion.“

Natürlich sei es nicht einfach immer durchs Land zu reisen, in großen wie kleinen Häusern mit derselben Produktion aufzutreten. Mal gäbe es größere, mal kleinere Probleme zu bewältigen, „…aber wir waren nie bequeme Menschen, die es einfach haben wollten, die einfach ins Theater gehen und im Ensemble spielen wollten, sondern wir haben immer versucht eigene Sachen auf die Beine zu stellen, Dinge aus eigener Kraft zu schaffen und zu sehen, wie es läuft. Dieses Tourneegeschäft ist hart, aber wir sind da gut hineingewachsen.“ Müde seien sie geworden vom ewigen Reisen, müde immer wieder nach ein paar Wochen von der einen schlechten Theaterwohnung in die nächste zu ziehen, seine neuen Bekanntschaften zurücklassen zu müssen, ganz zu schweigen von Freundschaften, die sich gar nicht erst entwickeln konnten. „Wir hatten eine großartige Agentur und hätten sicherlich auch noch die nächsten Jahre so weitermachen können, aber wir wollten jetzt einfach mal für länger irgendwo ankommen, eine feste Station haben, eine Heimat.“ Erfolg hätten sie überall gehabt, das einzige was unterschiedlich gewesen sei, wäre der Humor in den jeweiligen Regionen Deutschlands. Witz und leichte Kost funktioniere eigentlich immer, er lenkt von den alltäglichen Sorgen ab und entführt die Zuschauer wenigsten für ein paar Stunden in eine schwerelose Welt. „So hat sich „Familie Malente“ im Laufe der Zeit zu einer Marke entwickelt, der auch heute noch viele Spielstätten hinterherweinen. Wir erhalten immer wieder Anfragen, ob unser Entschluss nun endgültig sei. Erstmal ja, wir haben uns nun unser eigenes Haus aufgebaut und unser Bestreben geht nicht in die Richtung hier in vielleicht drei oder vier Jahren wieder einzupacken und erneut auf Tournee zu gehen. Wir sind froh hier angekommen zu sein und fühlen uns hier sehr wohl.“ Auch wenn sie sich nie gegenseitig vermissen mussten, schließlich war die Familie ja zusammen unterwegs, fehle eine Heimat, ein richtiges Zuhause immens. „Wir haben unsere Abschiedstournee – unsere Erste, wie wir sie nennen, man weiß ja nie, was noch so kommt -…“, erklären sie schmunzelnd „…in zwei Monaten in 42 Städten gespielt, jeden Tag mehrere Hundert Kilometer Entfernung zurückgelegt, in etwa 15.000 Kilometer insgesamt und irgendwann reicht es dann einfach auch. Wir haben nicht nur an uns einen bestimmten Qualitätsanspruch, sondern auch an das Drumherum, an die Technik und die Mitarbeiter – wir kümmern uns um alles, alles lastet auf unseren Schultern. Immer gibt es da einen bestimmten Druck. Die Zuschauer wollen immer gleich gut unterhalten sein, auch wenn sie vielleicht schon zum zehnten Mal kommen. Bisher haben wir das immer geschafft, aber im Tourneegeschäft ist es nicht leicht, diesen Anspruch auch zu halten.“

Dass sie sich ausgerechnet in Bonn niederlassen, hat ebenfalls Gründe. Knut Vanmarcke wurde hier geboren und ist auch im Siebengebirge und der ganzen hiesigen Region aufgewachsen. „Mein Mann hat sich anstecken lassen und zieht gerne als Hamburger mit mir ins Rheinland. Wir haben hier eine der schönsten Regionen, wir fühlen uns hier wohl. Natürlich sagen uns viele „Wie könnt ihr nur!?“, aber Bonn ist eine schöne Ergänzung und es ist wunderbar hier zu leben. In Hamburg wollen wir gerne einmal zusammen alt werden, aber unser Leben ist jetzt und hier.“

(c) Malentes Theater Palast
(c) Malentes Theater Palast

Steht die Familie Malente auch hier im eigenen Theater noch selbst auf der Bühne, oder ziehen sie sich mehr in die Organisation zurück, drängt es mich zu erfahren. „Wir stehen in unseren Produktionen immer selbst mit auf der Bühne. Wir lieben es unsere eigenen Ideen zu verwirklichen, unsere Kreativität, dieses zusammensitzen und Musik auszusuchen, unsere Texte zu schreiben und nicht einfach etwas Vorgegebenes zu machen.“ Trotzdem freuen sie sich ebenso „Im weißen Rössl“, ein eingekauftes Stück, als nächstes auf ihre Bühne zu bringen. „Es ist mein absolutes Lieblingsstück!“ beeilt sich Dirk Vossberg-Vanmarcke lächelnd zuzugeben. Für dieses Stück seien erstmalig Männer hinzu engagiert, bisher hätten sie immer nur Frauen neben sich auf der Bühne gehabt. „Das wird dann auch für uns eine Premiere, dass ist der totale Wahnsinn! Und wir haben eine kleine, aber feine Änderung im Stück, die uns richtig Spaß machen wird. Es ist auch für uns immer wieder aufregend, wenn uns neue Leute, die wir engagieren, für Stücke, die wir selber schon hunderte Male gespielt haben, mit neuem Input versorgen.“ So hätten sie für „Mit 17 hat man noch Träume“ die junge Schweizerin Sandra Bitterli im Ensemble, die eine Szene mit ihrem Heimatdialekt aufwerten könne, was in den bisherigen Inszenierungen mangels sprachlicher Möglichkeiten nicht stattgefunden habe. „Das sind auch für uns immer wieder neue Aspekte und vor allem Effekte, die man einbauen kann.“

Das Theater hat sich auf musikalische Aufführungen spezialisiert. „Wir möchten keine Konkurrenz zu unseren Nachbarn hier darstellen. Ein wunderschönes musikalisches Unterhaltungstheater fehlt noch in Bonn und dies möchten wir den Leuten hier und der Stadt schenken.“ Das Programm für die erste Spielzeit liest sich schon einmal sehr gut. So stehen Stücke wie „Mit 17 hat man noch Träume“, eine Schlagerrevue mit Liedern der 60er, „Im weißen Rössl“ als Operetten-Singspiel, ein Gastspiel aus Australien „The fabulous Singlettes“, und eines aus dem Schmidt Theater „Mythos Marlene“ auf dem Programm, komplettiert durch ein Konzert mit Liedern von Udo Jürgens „Aber bitte mit Dame“ und einer Travestie-Komödie „Ganze Kerle“. „Wir haben in unserem Programm ein paar namhafte Darsteller dabei, aber in der Regel setzen wir eher auf unsere Kreativität denn auf bekannte Manpower, die für ein kleineres Theater auch selten bezahlbar ist. Bill Mockridge (bekannt aus der Lindenstraße) wird den Kaiser im weißen Rössl spielen, Charlotte Heinke (u.a. Musical: Ich war noch niemals in New York) beim Udo Jürgens Konzert mit auf der Bühne stehen und Kerstin Marie Mäkelburg (bekannt u.a. aus vielen Produktionen der Stage Entertainment) in Mythos Marlene zu sehen sein.“

Für unsere Leser ist sicherlich interessant zu erfahren, in welchem Preissegment sich der Malentes Theater Palast ansiedelt und ob es im Spielbetrieb eine Sommerpause, ähnlich der an Stadttheatern geben wird. „Wir möchten auch junge Leute fürs Theater interessieren und solche, die sich die großen Produktionen vielleicht nicht leisten können, daher beginnen unsere Preise bei um die 20 € in der Woche und enden bei höchstens 45 € an den Wochenenden, obwohl uns bereits dieser Preis zunächst Magenschmerzen bereitet hat. Aber die Buchungszahlen zeigen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Das Abo halten wir für ein ziemliches Auslaufmodel. Die Erfahrungen, die wir aus anderen Theatern mitnehmen, zeigen uns in diesem Segment rückläufige Zahlen. Wenn man mit Abos arbeitet ist man zudem verpflichtet alle vier bis sechs Wochen eine neue Premiere zu fahren. Wir arbeiten hier mit dem Theater sowie der Volksbühne zusammen und haben mit verschiedenen Besucherorganisationen Kontakt. Auch die Tourismuszentrale hilft uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Unsere Kalkulation erlaubt uns, unser Theater nicht jeden Abend voll zu haben, aber böse darum wären wir natürlich nicht. Jetzt am Anfang wird uns auch der Effekt Neugierde helfen. Die Menschen möchten gerne sehen, was hier so passiert und wir haben die reelle Chance, sie mit guten Shows zu überzeugen. Dann kommen sie später einfach gerne zu uns und haben uns auf dem Plan.“ Thomas Lenz fügt noch einen nicht uninteressanten Aspekt hinzu: „Junge Leute ins Theater zu bekommen ist ein großes Thema, an dem sich auch die Großen versuchen. Hier in dem kleinen Rahmen scheint es zu funktionieren und dann muss man eben auch die Preise anpassen. Mit schwerer Kost schafft man Berührungsängste und die muss hier keiner haben. Es gehört zu unserem Konzept, dass die Herren Vanmarcke, selbst wenn externe Stücke aufgeführt werden, bei denen sie nicht auf der Bühne stehen, immer vor Ort sind. Dieses Theater identifiziert sich mit den beiden Personen, die es führen, es erhält so eine Persönlichkeit – das ist konkurrenzlos, man muss und man wird sich hier zuhause fühlen.“ Reißt hier der Chef noch selbst die Karten ab – was wahrlich eine Seltenheit in der Welt der Stars und Sternchen bedeuten würde? Lachend nehmen die Beiden Stellung. „In der ersten Produktion sicherlich nicht, weil wir da ja selbst mit auf der Bühne stehen und spielen, aber immer zum Auslass und auch meist noch ein wenig vor der Vorstellung wird man uns antreffen. Wir lieben es Gastgeber zu sein und möchten diesen Job auch vollends ausführen.

Eine Sommerpause wird es auch im Theaterpalast geben, was die Direktoren damit erklären, dass sie ja jeden Tag auf der Bühne stehen und man sich einfach auch mal von den Strapazen – so gerne man sie auch auf sich nimmt – erholen muss. „Wir spielen lediglich montags und dienstags nicht, aber diese beiden Tage sind auch total wichtig. Gerade wenn man musikalisch spielt, braucht die Stimme eine Erholung. Früher haben wir teilweise drei bis vier Wochen durchgespielt, um dann einen Tag umzubauen und am nächsten Ort sofort wieder genauso lange und genauso ohne Pause – an den Wochenenden sogar mit Doppelshows – aktiv zu sein. Das geht eine gewisse Zeit ganz gut, aber wenn man das ein vielleicht halbes Jahr machen müsste, dann bräuchte man neue Stimmbänder. Für uns ist eine Pause nach den Spielzeiten einfach auch wichtig – man kann Sachen ändern, die uns noch auffallen, die Technik eventuell anpassen oder auch einfach dem Personal die Möglichkeit geben, sich auszuruhen.“

(c) Malentes Theater Palast
(c) Malentes Theater Palast

Viele Theater bieten an, ihr Haus für andere Anlässe zu mieten. Ob auch die Familie Malente eine solche Möglichkeit in Betracht zieht möchte ich in Erfahrung bringen. „Aber natürlich wird man unseren Palast mieten können. Man kann zum Beispiel, wenn man es denn möchte, in der Sommerpause hier heiraten, dass wird sicherlich außergewöhnlich. Wir haben hier diesen wunderschönen Raum und auch sonst noch Anfragen für andere Veranstaltungen. Wir sind allerdings auch mit unserem Programm sehr gebunden, da wir ja ständig mittwochs bis sonntags unsere eigenen Produktionen aufführen. Im ersten Jahr haben wir jetzt aber nur uns geplant, schließlich muss der Laden hier erstmal ans Laufen kommen.“, augenzwinkernd fügt er hinzu: „Aber generell sind wir allen Ideen nicht abgeneigt und freuen uns auf zahlreiche Anfragen.“ Einem befreundeten Ehepaar geben sie sogar in diesem Jahr schon eine Bühne – zu Weihnachten werden Nathalie und Matthias Schwab eine Christmas-Show präsentieren. Angedacht sei aber später auch noch mehr Freunde und Künstler, die ihnen besonders am Herzen liegen, mit deren Shows einzuladen. „Was wir uns auch noch gut vorstellen können, wären Tanzveranstaltungen, schließlich wurden die Spiegelzelte früher ja genau als ein solcher Ort genutzt, als ein Ort zum Tanzen. Uns schwebt da so eine Tango- oder Swinggeschichte vor, vielleicht auch ein Late Night Dance.“

Bevor sich ein für mich wirklich interessanter Nachmittag dem Ende zuneigt, möchte ich abschließend noch erfahren, was den Beiden ihre Location bedeutet und welche Ziele sie sich selbst damit stecken. Ein kurzer Blick reicht, um mir zu beweisen, dass sich beide auch ohne Worte verstehen. „Wir sitzen in einem Traum und wir hoffen nicht allzu bald daraus wieder aufwachen zu müssen.“ Ihre Hoffnung sei einfach, so lange wie es ginge in Bonn bleiben zu können und den Zuspruch nicht nur des Bonner Publikums zu finden. „Reich werden wollen wir nicht damit, aber es soll halt reichen, damit wir alle hier gut über die Runden bringen können. Wir möchten alle, unsere Mitarbeiter, unsere Künstler und nicht zuletzt unsere Gäste, zufrieden erleben.“ Ihr Theater soll das Kulturangebot erweitern und ihnen selbst eine lange und glückliche Zeit in Bonn verschaffen. Der gesetzte Schlusssatz kommt daher auch bestimmt und voller Überzeugung, und beschreibt mehr wie genau eine wirkliche Lebensphilosophie: „Wir haben ein tolles Haus und das ist es, was wir hier herausarbeiten möchten – diese Einmaligkeit des Ambientes zusammen mit den einmaligen Shows, die wir bieten, und die Einmaligkeit der leichten Unterhaltung. Hier geht niemand ohne ein Lächeln auf den Lippen oder ohne gute Laune wieder raus. Genau das ist der Untertitel unseres Lebens, der Untertitel unseres Theaterpalastes, und es trifft den Nagel auf den Kopf: „WIR MACHEN NUR SPASS!“

Ich bedanke mich bei Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke für den herzlichen Empfang in ihrem Spiegelzelt sowie für die Zeit, die sie mir für unser Gespräch geschenkt haben und wünsche ihnen alles Gute und viel Erfolg in den kommenden Jahren mit ihrem „Malentes Theater Palast“, dem neuen Theater in und für Bonn.


Text: Astrid