Interview mit Florian Albers am 02.08.2017

Der Darsteller Florian Albers stand Buehnenlichter.de nach einem Auftritt im Familienmusical “Aladin” in Tecklenburg Rede und Antwort. Seine offene und sympathische Art machte es mir leicht, das Gespräch in Gang zu bringen. Bereits zum zweiten Mal steht er auf der Freilichtbühne und auf die Frage, was ihn genau daran reizt, im Gegensatz zu einem trockenen, gleichmäßig temperierten Spielort, antwortet er lachend:

„Ich denke, Tecklenburg ist für sein wechselhaftes Wetter bekannt. Aber das Schöne an so einer Freilichtbühne ist einfach der viele Platz, der einem im Theater nicht zur Verfügung steht. Die immense Größe des Zuschauerraumes, und die Einbindung der Stücke in die tolle Kulisse, machen diesen Spielort natürlich einmalig.“, gerät er ins Schwärmen.

© Hagen Schnauss
© Hagen Schnauss

 

„Auch die verschiedenen Ebenen der riesigen Bühne, die zu bespielen sind, machen den Ort besonders reizvoll. Gerade ein Stück wie Aladin lebt von dem vielen Raum, auf dem dann der Basar und das bunte Treiben dargestellt werden können. Da werden dann vor allem die Kinder super integriert, die das Ganze beleben.“

Was denn an einem Familienstück wie Aladin, aus der Feder von Radulf Beulecke anders sei, als an seinen vorherigen Produktionen, in denen er mitgewirkt habe, möchte ich wissen. Gerade die Rolle des Phoebus, die Albers zuvor in der ASA-Produktion des Glöckners gespielt hatte, ist ja grundlegend anders als ein eher heiterer Geselle wie der Sultan in der gegenwärtigen Produktion. Außerdem erkundige ich mich danach, ob er mit einem anderen Ernst an ein Kinderstück herangeht als an andere Rollen. Nach kurzer Überlegung erhalte ich die Antwort prompt und ausführlich.

„Ich denke schon, dass man stets mit dem gleichen Ernst an jede Rolle herangehen sollte. Man möchte seine Geschichte verkaufen und in diesem Fall Kindern nahelegen. Wenn man das nicht echt macht, dann merken Kinder das und geben auch die Rückmeldung, dass es ihnen nicht gefallen hat. Gerade Kinder sind ein sehr aufmerksames und ehrliches Publikum, welches eine unverfälschte Meinung äußert. Man merkt schnell, ob man mit der Interpretation einer Rolle ankommt oder nicht. Die Vorbereitung unterscheidet sich kaum von anderen Rollen. Natürlich sind in einer kindgerechten Inszenierung oft andere Schwerpunkte gesetzt, es ist vielleicht nicht ganz so düster, der Humor ein anderer, aber die Rollen sind immer ähnlich angelegt wie in jedem anderen Stück auch, so dass sie greifbar für jeden sind und authentisch rüberkommen.“

Also ist es nicht so, dass man sich sagt, „Ich sehe das etwas lockerer, es sind ja nur Kinder? Ob der Text morgen ein wenig anders klingt als heute, spielt keine Rolle, weil es nicht auffällt?“. Gerade bei den bekannteren Musicals sind ja viele Fans extrem Text sicher, da würde es sofort auffallen, wenn auch nur eine Zeile verdreht ist. Florian Albers meint, diese Einstellung sollte und dürfte ein Darsteller niemals bekommen, egal was geschieht. Man müsse immer mit der nötigen Konzentration und Ernst an jede Vorstellung herangehen. Auch wenn die Zuschauer nicht Text sicher seien, so sei es doch der eigene Anspruch und jener des Autoren, der sich schon etwas bei seinem Werk gedacht habe. Fehler seien menschlich und durchaus zu verzeihen, doch läge sein eigener Anspruch darin, möglichst perfekt abzuliefern, was geprobt wurde, um das bestmögliche Ergebnis zu projizieren.

Neben seiner Arbeit als Musicaldarsteller macht Florian Albers noch einige andere Dinge. Ich möchte in Erfahrung bringen, welches dieser vielen, durchaus im musikalischen Bereich angesiedelten Gebiete sein Steckenpferd ist, welches der individuelle Weg ist, den er gern einschlagen möchte.

Albers, der in Osnabrück Popmusik, Gesang und Klavier studiert hat, erzählt frei heraus, dass er sich diese Frage selbst sehr häufig stellt. Dem Musical habe er sich erst nach dem Studium zugewandt, weil dies auch ihn selbst interessiert habe. Allerdings verfolgt er nebenher noch einige freiberufliche Tätigkeiten. Er erzählt: „Da ist zum Einen die Agentur Klangpoesie (http://www.klang-poesie.de), die sich mit Musik zur Trauung beschäftigt. Ich schreibe aber auch selbst Chansons und mache ein wenig Kabarett. Das biete ich dann auch dem ZDF-Traumschiff an, welches ja relativ bekannt ist, so dass ich dort zwei bis drei Mal im Jahr eine Show gemeinsam mit einer Sängerin spiele.“

Er meint, die Abwechslung sei es, die sein Leben interessant mache. Sein Wunsch sei es, sich weiterhin im Bereich Musical zu etablieren, was jedoch nicht einfach sei, wenn man dies nicht, wie andere Kollegen, vier Jahre lang studiert habe. Er versucht, die Defizite, stets auszugleichen und nutzt dafür neben den Workshops der Agentur Shanti, die nicht nur für Fans, sondern auch für Profis und Semi-Profis Unterstützung anbietet, auch zahlreiche andere Möglichkeiten – sei es Unterricht bei Dozenten, die Musical an der Hochschule unterrichten, private Tanzkurse, aber auch Kurse in Schauspiel und Liedinterpretation; eben alles, was ihn seiner Meinung nach weiter bringen kann und was sich in den nicht immer ganz leichten Berufsalltag integrieren lässt.

Wie sich seine Arbeit mit der Klangagentur mit seinen Bühnenjobs vereinbaren lasse, möchte ich gern wissen. Darauf antwortet Florian wie folgt: „Klangpoesie ist als Agentur aufgebaut. Wir haben ganz viele Künstler, unter anderem aus Osnabrück von der Hochschule, aber auch aus dem Ruhrgebiet. Wenn ich beruflich unterwegs bin, versuche ich Auftraggebern natürlich nicht abzusagen, sondern auf andere tolle Leute zu verweisen, die einen super Job machen. Man muss eben Alternativen bieten. Mails schreiben und Telefonate führen kann ich von überall, auch wenn ich irgendwo außerhalb ein Engagement habe. So läuft die Agentur nebenher auch im Sommer immer super gut.“

Ob es ihn nach Tecklenburg zurückzieht und ob er Präferenzen hat, wie denn seine Traumrolle aussehen soll, hake ich nach.

„Ich glaube, Tecklenburg ist für jeden Musicaldarsteller eine feste Institution, wegen der Bühne, wegen der tollen Zuschauer, wegen der tollen Kulisse und auch wegen der echt super Stücke, die sie jedes Jahr anbieten. Natürlich würde ich gern wieder kommen.“ Das allein könnte man natürlich bereits als Statement stehen lassen, wie sehr sich Darsteller bereits mit den Freilichtspielen verbunden fühlen. Dennoch schiebt er ein „Aber“, nach. Ganz realistisch erklärt er, „Die Auswahl der Darsteller ist groß, dass muss natürlich typmäßig auch passen. Ich bin ganz offen für jede Rolle und jedes Stück, denn jeder trägt irgendwie seinen Teil dazu bei, dass ein Stück gelingt. Wenn man seinen Job gut macht, wird das immer gesehen. Man hat die Möglichkeit, sich zu entwickeln und ich bin für alles offen. Auch das Kinderstück ist super. Gerade um etwas zu lernen. Man erhält tolle Resonanz und Kinder sind das ehrlichste Publikum, welches man haben kann. Man kann hinterher direkt in den Augen ablesen, was gefallen hat und wo noch Verbesserung notwendig ist. Man lernt viel daraus.“

Zum Ende unseres Gespräches, erkundige ich mich nach Projekten, die ihm am Herzen liegen. Welche Geheimtipps er eventuell noch für uns hat, oder wo wir ihn wieder auf der Bühne sehen werden.

„Interessant ist, was ich im Winter mache. Im KATiELLi Theater singe ich wieder in der Christmas-Gala. Das habe ich letztes Jahr schon gemacht. Das ist eine Gala mit bekannten und etwas weniger bekannten Weihnachtssongs und das Theater ist einigen Musicalfans ja auch ein Begriff. Ich persönlich finde, es ist ein ganz tolles, kleines Kammertheater, das vor allem Stücke ausprobiert, die in Deutschland noch gar nicht stattgefunden haben – sei es so etwas wie ‚Festgepoppt‘, oder ‚Thrill Me‘. Das tut der Kulturlandschaft auch mal ganz gut. Zwar hat man auf der einen Seite diese großen Longrun-Musicals, die mit viel Geld finanziert worden sind, aber auf der anderen Seite gibt es eben auch wirklich tolle Nischenmusicals, die wirklich unglaublich unterhaltsam sind. Im KATiELLi Theater, das wirklich sehr viele treue Fans hat, ist es sehr intim. Man ist dem Künstler sehr nah und wird wirklich gepackt von den Geschichten und der Schauspielkunst. Deswegen gehe ich dort auch gern selbst hin.

Außerdem mache ich bei einer Luther-Aufführung in Lingen mit. Am 04.11.2017 in der Emslandarena bin ich dabei. Chris Murray wird den Luther verkörpern und meine Kollegin Janina Niehus, mit der ich derzeit zusammen spiele, wird auch mit von der Partie sein. Darauf freue ich mich natürlich riesig.“

Ich danke Florian Albers für seine Zeit und Geduld. Bis zum 30. August 2017 verkörperte er mittwochs und sonntags die Rolle des Sultans im Familienstück Aladin (hier gehts zum Bericht).


Interview: Andrea