Interview mit Andreas Luketa

Andreas Luketa © Conny Wenk
Andreas Luketa © Conny Wenk

 

„Das Geheimrezept von Kreativität ist hundertprozentige Offenheit für alles. Keine Vorurteile zu haben, einfach alles aufzunehmen, was an Energie und Kunst, Kultur und Meinungen um einen herum schwirrt, und sich dann die Sachen daraus nehmen, die spannend sind. Man sollte immer auf Entdeckungsreise sein.“

 

 

„Am Wichtigsten sind mir Ehrlichkeit und Vertrauen“

An einem Donnerstagvormittag nahm sich Andreas Luketa, Gründer und Geschäftsführer der Sound of Music GmbH (SoM) und Inhaber von „Andreas Luketa Productions“, die Zeit, mir für ein langes und sehr ausführliches Gespräch zur Verfügung zu stehen. Offen beantwortete er meine Fragen und gab teils überraschende Antworten, die ich als unerwartet lebensnah und tiefgründig empfunden habe, und die in ihrer Spontanität und Offenheit ein ungekünsteltes Bild eines sehr bodenständigen Menschen zeichnen.

Natürlich muss sich ein solches Gespräch grundlegend auf die Basis dessen stützen, was Andreas Luketa bekannt gemacht hat. Der Fachversand von CDs, Noten und Merchandisingartikeln, sowie der Kartenvorverkauf werden, so sagt er, am Standort Essen abgewickelt. Auch der Sitz des Plattenlabels befinde sich noch immer dort, erklärt er. Seine hauptsächliche Wirkungsstätte liegt einige Kilometer weiter. „In Wachtendonk, am schönen Niederrhein, ist unser Konzertbüro und gleichzeitig mein Managementbüro. Das heißt ich hab mit diesen Dingen, die den SoM Shop betreffen arbeitstechnisch nichts zu tun, das machen meine tollen Mitarbeiter und mein Geschäftspartner Markus Tüpker in Essen und ich kümmere mich hier mit meinem Team um das Konzertgeschäft und um das Management meiner Künstler. Das ist dennoch genug  Arbeit, aber mein Motor ist natürlich die Leidenschaft für die Musik sowie Konzepte zu entwickeln, zu erdenken und dann auf die Bühne zu bringen. Das Ganze mit wunderbaren Künstlern, mit denen wir ja in den letzten Jahren so etwas wie – gefühlt – eine kleine Familie geworden sind. In dieser werden die Konzerte dann zu einem Vergnügen von allen, und ich glaube, dies macht uns aus, auch bei den Künstlern, es ist einfach eine sehr schöne, familiäre Zusammenarbeit, mit viel Respekt voreinander und gemeinsamer Freude an unseren Programmen. Diese Leidenschaft für Musik und Theater ist eben auch, kombiniert mit der anderen Leidenschaft in meinem Leben, dass ich einfach mein Know How und meine Erfahrung, die ich in den letzten Jahren sammeln konnte, sehr gern an Künstler weitergebe, deren berufliche Laufbahn ich als Manager begleite. Ich freue mich auch unglaublich, wenn ich gemeinsam mit dem Künstler den richtigen Weg einschlage, meine Kontakte nutze, und wenn es dann mal wieder eine neue Premiere gibt, wo sich einer der mir Anvertrauten beweisen kann, das sind halt Dinge, die mich glücklich und zufrieden machen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich so unglaublich viel arbeite – weil manchmal die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben einfach verschwimmen.“ Vor allem aber scheint es kein Geheimnis zu sein, dass er von dem was er tut, völlig überzeugt ist, und dabei in seiner Arbeit vollkommen aufgeht. Das wird auch im weiteren Verlauf des Gespräches klar, in welchem er immer wieder ins Schwärmen gerät, und die Leidenschaft für ebendiese Tätigkeiten, die ursprünglich aus der Idee resultierten, dass Deutschland einen vernünftigen Versand für Musicalartikel benötige, verdeutlicht.

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Jan Ammann © Karim Khawatmi

Einen wichtigen Punkt seiner Arbeit nimmt das Managen einer kleinen aber erlesenen Künstlerschar ein. Nach eigener Aussage möchte er nicht mehr als acht Menschen in einem ganzheitlichen Konzept betreuen. Diese persönlich gesetzte Grenze hat er nun erreicht. Doch wie kommt man eigentlich dazu, von einem Versandhandel und dem Erdenken von Konzertkonzepten auch noch ins Management einzusteigen? Diese Frage lag mir auf der Zunge. Tatsächlich habe es von der Gründung von „Andreas Luketa Productions“ im Jahr 1995 bis zu seinem ersten Klienten, damals Jan Ammann, fast fünfzehn Jahre gedauert. Die Überlegung nicht nur Konzepte zu entwerfen, sondern auch Künstler zu managen habe wohl tatsächlich hin und wieder im Raum gestanden, sei aber immer wieder verworfen worden, erzählt er offen. Doch es habe zum damaligen Zeitpunkt einfach gepasst, man habe diesen Schritt dann zusammen gewagt und sich gemeinsam auf den Weg begeben. „Jan hat mich damals gefragt, ob ich ihn als Manager betreuen würde. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er mich wirklich braucht und er auch dazu bereit ist meine Hilfe und meine Ideen, was seine Karriere angeht, anzunehmen.“

Über viele Jahre hinweg sammelte Andreas Luketa Erfahrungen und knüpfte Kontakte. Mit diesem Wissen und sehr viel Fingerspitzengefühl, aber mit immer einem Auge auf dem Künstler und dessen Wohlbefinden konnte er im Managementbereich Fuß fassen. „Drei Jahre lang betreute ich im Managementbereich auch nur Jan, war auch irgendwie noch gar nicht offen für andere Künstler – ich musste ja in diese Sache auch erst einmal hineinwachsen und vieles für mich lernen. Als dann aber weitere Musicaldarsteller mich im Bereich Management angefragt hatten, habe ich meine Freude und Begeisterung dafür entdeckt andere Künstler ebenfalls zu betreuen und das auch bisher nicht bereut. […]Wenn sich jemand bei mir bezüglich eines Managements gemeldet hat, war für mich die wichtigste Frage, ob derjenige auch wirklich Interesse hat, sich in meine Hände zu begeben, denn nur dann kann ich vernünftig arbeiten. Ich glaube, ich habe mir ihr uneingeschränktes Vertrauen in den letzten 30 Jahren meines Lebens hart erarbeitet. Ich finde es einfach wichtig, dass meine Meinung und meine Ideen entsprechend beachtet und anerkannt werden.“

 

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Maya Hakvoort © Fabian Böhle

Mittlerweile sei es so, dass wesentlich mehr Künstler bei ihm anfragen, als er aufnehmen könne. Natürlich sei ihm dies eine große Ehre und erfülle ihn mit Stolz, von so vielen Vertrauen entgegengebracht zu bekommen, doch sehe er sich gezwungen, diese abzulehnen, um sein eigenes Konzept nicht in Gefahr zu bringen. Er könne sich ansonsten nicht genügend um diejenigen  kümmern, die er bereits unter Vertrag habe. Während viele Agenturen unzählige Künstler lediglich vermitteln, suche er nach der immer besten Lösung und rate auch mal von einem Engagement ab, auch wenn er selbst dadurch einen Nachteil hätte, so sei es eben, wenn man im Sinne des Menschen entscheide und berate. Derzeit arbeite er allerdings eng mit einer gleichdenkenden Kollegin zusammen, die gerade damit begonnen hat, sich ebenfalls ein solch ganzheitliches Management – nach seinem Vorbild – aufzubauen, und sei froh, dass er Künstler in ihre Hände vermitteln könne, ohne ihnen gänzlich absagen zu müssen. „Bei uns ist das tatsächlich so, dass die Künstler die ich manage und ich nicht nur zusammen arbeiten, sondern befreundet sind. Ich bin für einige so ein Bisschen der „Nabel zur normalen Welt“, auch wenn ich mittlerweile auch schon so ein kleiner fahrender Musikant und viel unterwegs bin, ist es trotzdem so, dass ich in der realen Welt immer noch sehr verankert bin und nicht ausschließlich in dieser Theaterwelt lebe. Mein Privatleben hat mit der Bühnenwelt nichts zu tun. Von daher bin ich tatsächlich mit allen befreundet. Jeder von ihnen kann mich zu jeder Zeit anrufen, auch nachts, und wir bequatschen Probleme auch privater Natur, das ist wirklich wichtig. Ich glaube, ich bin eher ein guter Freund meiner Künstler und helfe ihnen gleichzeitig auch noch im Beruf gut über die Runden zu kommen und tolle Rollen zu bekommen. Für mich haben tatsächlich auch die Künstler, die ich manage, einen ganz besonderen Stellenwert, weil ich ihnen sehr und weiß, dass sie auch immer ehrlich zu mir sind.“, fasst er die Idee hinter seinem Konzept, welches auch Marion Kanz mit ihrem „Büro für Bühnenmenschen“ zukünftig verfolgen wird, in Worte.
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Ich möchte gern erfahren, welche Ansprüche er an die Künstler stellt, welche er unter seinen Fittichen hat. „Am Wichtigsten ist, dass sie mir gegenüber ehrlich sind, pünktlich und gut vorbereitet zu Engagements erscheinen und dass sie sich auch nach außen hin so verhalten, wie es sich für jemanden gehört, der in der Öffentlichkeit steht – das ist in Zeiten von Instagram und Co. manchmal gar nicht so leicht. Zudem finde ich Loyalität sehr wichtig. Aber das allerallerwichtigste sind Ehrlichkeit und Vertrauen, und es wäre ein richtig großes Problem für mich, wenn ich in diesem Bereich enttäuscht würde.“

Wie Zahnräder in einem Getriebe fassen also alle Standbeine meines Interviewpartners ineinander und mich interessiert, ob es einen Grundpfeiler gibt, oder sie ohneeinander nicht mehr existieren könnten. Tatsächlich ist es so, dass die Sound of Music GmbH, welche die Konzerte, das Ticketing, das Label und den Shop unter sich vereint, am lukrativsten ist. Noch immer würden Fans gerade im Musicalbereich CDs kaufen und sich diese auch gern signieren lassen. Das Geschäft lohne sich noch immer, wie ich erfahre. Der Managementbereich sei nicht minder lukrativ, aber nicht lebenswichtig was das Einkommen angehe. „Das ist für mich totaler Luxus, ich kann wirklich im Bereich Management ganz ehrlich beraten ohne irgendeinen finanziellen Druck meinerseits. Ich möchte einfach nur, dass die Künstler glücklich sind – in erster Linie als Mensch und in zweiter Linie glücklich und erfolgreich als Künstler. Das wird mir dadurch nochmal ganz besonders leicht gemacht, da ich davon eben nicht leben muss.“

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Dennis Henschel © Conny Wenk

Als kreativer Kopf von Sound of Music erdenkt Andreas Luketa mittlerweile sämtliche Konzertformate selbst und erarbeitet die Konzepte in Eigenregie. Manchmal im Auftrag, oder auch völlig autark. Mit dem Künstler gemeinsam wird dann noch am Feinschliff der Programme gearbeitet, denn manchmal käme es vor, dass Songs ausgewählt würden, die so gar nicht in deren Repertoire zu passen scheinen. Doch mit seinem großen Know How ist auf Luketa Verlass und bislang haben sich gerade diese „Ausreißer“ zu immer besonderen Momenten in den Konzerten entwickelt. Das mag auch daran liegen, dass er eben nicht mit einem Tunnelblick durch die Welt geht, sondern stets offen für Neues ist. „Ich glaube einfach, das Geheimrezept von Kreativität ist hundertprozentige Offenheit für alles. Keine Vorurteile zu haben, einfach alles aufzunehmen, was an Energie und Kunst, Kultur und Meinungen um einen herum schwirrt, und sich dann die Sachen daraus nehmen, die spannend sind. Man sollte immer auf Entdeckungsreise sein, viele sind das nicht mehr – Die laufen auf eingetretenen Pfaden und spätestens seit der Wiederaufnahme der Neuproduktion von Mozart wissen wir doch, „Der einfache Weg ist immer verkehrt.“, doziert er leidenschaftlich. Es sei das generelle Interesse an Musik, welches ihn und auch sein Team immer weiter vorantreibe. Man könne nicht immer sagen, woher eine Idee konkret stamme, manchmal sei es ein Kinofilm oder auch ganz andere Impulse. Ideen werden bearbeitet oder landen für immer im Schubfach. Die Hauptsache sei, dass der Spaß am Entdecken bliebe und mit der Musik durchaus auch mal experimentiert werden dürfe. Ein großes Maß an Neugierde und persönlichem Interesse käme ihm bei seiner Arbeit in jedem Fall zu Gute. Ähnliches gilt auch für seine Merchandisingprodukte, von denen es in seinem Shop nicht allzu viele gäbe, erzählt er mir. Doch jene, welche es in den Shop schafften, behielten darin über Jahre hinweg ihren Platz. So zum Beispiel die Wandkalender der einzelnen Künstler, die jährlich neu aufgelegt werden. Für die Jan Ammann Fans verrät er, „Wir werden mit Sicherheit für 2019 wieder einen Kalender produzieren.“. Lediglich der Taschenkalender vor einigen Jahren sei nicht sonderlich gut angekommen, da man die Zeichen der Zeit nicht bedacht habe. „Ich fand die Idee des Taschenkalenders sehr schön und unseren damals auch ziemlich edel. Es waren auch ganz viele unveröffentlichte Fotos darin, aber offenbar haben wir die Tatsache unterschätzt, dass viele Menschen mittlerweile ihre Kalender online oder auf eine andere Art und Weise führten, und einen ebensolchen mitzuführen fast schon ein bisschen antiquiert ist.“ Hier haben wohl die Kosten den Nutzen überstiegen, und eine Neuauflage werde es nicht geben. Dennoch gibt es seit dem vergangenen Herbst eine völlig neue Reihe an Werbeprodukten – die „Sternkind“- Kollektion. Diese erschien anlässlich des ersten Mitternachtsballs. „Ich glaube, viele wissen gar nicht, dass es diese Sternkind-Kollektion gibt, wir werden sie aber noch etwas weiter ausbauen, weil wir sie nach wie vor ziemlich lustig und auch interessant finden, einige Fans fühlen sich wahrscheinlich auch, wenn sie sich rund ums Thema „Tanz der Vampire“ beschäftigen so ein bisschen wie kleine Sternkinder. Wir werden sehen, was daraus noch wird.“, schmunzelt Luketa.

„Glücklicherweise bin ich kreativ und ich habe auch für die nächsten Jahre noch genügend Ideen“

Das Thema „Mitternachtsball“ kommt mir natürlich wie gerufen, um daran anzuknüpfen. Ein Großevent, wie es erst ein einziges in der Geschichte von Sound of Music Concerts gegeben hat, und welches in diesem Jahr erneut am Halloweenabend geplant ist und dem Publikum in mehr als sechs Stunden Unterhaltung auf höchstem Niveau bieten wird. Nachdem die Show im ersten Jahr ein  riesiger Erfolg war, soll in diesem Jahr daran angeknüpft werden. Neben aller Freude über den Erfolg spricht auch ein klein wenig Besorgnis aus meinem Interviewpartner. „Als wir den Vorverkauf für den ersten Mitternachtsball 2017 gestartet haben, und die Vorstellung nach gerade einer halben Stunde ausverkauft war, jubelten alle und waren happy. Ich war natürlich ebenfalls froh, weil wir nie nur im Ansatz eine so unglaublich teure und aufwändige Show auf die Bühne gestellt haben, wie den Mitternachtsball. Trotzdem hat man immer ein bisschen Sorge, zumindest ich als kreativer Kopf – das ist so erfolgreich und alle lieben es, jetzt musst du doch dem Publikum irgendwann wieder eine neue Sensation bringen, wie kann das überhaupt noch getoppt werden?“ Der Hintergrund sei der gesellschaftliche Erwartungsdruck. – Luketa nennt es Fluch und Segen zugleich. Man freue sich über den Erfolg, denke aber als Geschäftsführer auch bereits an die kommenden Jahre und die Mitarbeiter, die man auf dem Gehaltszettel habe. „Glücklicherweise habe ich immer noch Ideen und bin kreativ, ich habe auch für die nächsten Jahre noch genügend Ideen, aber je größer solche Projekte sind, desto mehr Respekt hat man natürlich auch davor.“, gibt er seine Bedenken preis.

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© Semmel Concerts/Sound of Music Concerts

Dass man durchaus in der Lage sein kann, auch größere Hallen zu füllen, und Tourneen durch ganz Deutschland zu veranstalten, zeigt seit einigen Jahren die eher zufällig zustande gekommene Kooperation mit Semmel Concerts, Deutschlands größtem Konzertveranstalter. Natürlich kenne man sich in dem Business, und beide Unternehmen könnten gegenteiliger kaum sein. „Es ist so, dass Dieter Semmelmann und ich uns seit vielen vielen Jahren kennen. Wenn er über mich reden würde, würde er mich wahrscheinlich immer als den kleinen Verrückten darstellen, der immer noch ganz viel Leidenschaft hat und oftmals mehr mit dem Herz als mit dem Kopf denkt. Bei einem Unternehmen wie Semmel Concerts ist natürlich der Marketing- wie auch kommerzieller Anteil sehr wichtig, die frequentieren halt die größeren Hallen.“, erzählt Luketa. Dennoch schätze man sich sehr und arbeite gern zusammen. Mit „Die größten Musicalhits aller Zeiten“, „Merci Cherie“ und den „Hollywood Dreams“ Tourneen haben sich gemeinsame Projekte entwickelt, die ihre Erfolge gefeiert haben und auch im kommenden Jahr teilweise wieder mit im Plan stehen. „Für mich gibt es aber keine Präferenzen, ich persönlich kann genauso glücklich und beseelt aus einem kleinen Konzert in z.B. der Rosenau in Stuttgart von einer Michaela Schober mit 70 Besuchern raus gehen, wie gleichermaßen z.B. aus einer ausverkauften Alten Oper in Frankfurt. Ich finde es einfach eine weitere schöne Facette, die sich uns hier bietet und glaube unsere Besucher mögen diese Shows auch deshalb so gerne alle anderthalb Jahre sehen, weil sie vom Setdesign, vom Licht und von der Atmosphäre nochmal eine andere Nummer sind. Aber ich glaube jeder Fan unserer Konzerte fühlt sich danach wieder genauso wohl im Ebertbad, im Admiralspalast oder in der Filharmonie.“, vertritt er seine persönliche Meinung.

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Michaela Schober © Conny Wenk

Fans sind ein wichtiger Faktor sowohl für das Unternehmen als natürlich auch für die Künstler. Man freue sich über eine große Fangemeinde, und die Künstler der SoM-Familie hegen einen sehr engen und freundschaftlichen Draht zu ihren Anhängern. Dennoch bleibt es nicht aus, dass manches Verhalten vor der Bühne nicht unbemerkt bleibt, und diesen tiefgreifenden Aspekt beleuchtet mein Interviewpartner wie folgt. „Ich glaube, dass man die Anhänger unterteilen muss. Es gibt Menschen, für die ein Konzert oder ein Theaterbesuch etwas ist, das ihren Alltag wie eine kleine Sahnehaube auf dem leckeren Kuchen versüßt, und die nach einem solchen beschwingt und beseelt nach Hause gehen. Sie haben sich eine schöne Auszeit gegönnt und vielleicht auf diesem Weg den einen oder anderen Künstler entdeckt, der sie besonders begeistert und dessen künstlerischen Weg sie mitgehen möchten, die darüber vielleicht auch andere Fans kennenlernen, sich austauschen und bei Konzerten wiedertreffen… 95 % aller Fans, die es gibt, oder die ich kenne, ticken genau so. Wir tragen dazu bei sie zu begeistern und ihren Alltag zu verschönern und es ist für uns alle ein großes Kompliment, wenn wir Menschen glücklich machen können. Es gibt aber – im Gegensatz dazu – auch Menschen, die in ihrem sozialen Umfeld oder im Leben allgemein ein ganz großes Manko – welcher Art auch immer – zu haben scheinen. Sie spüren vielleicht eine Leere in sich, und fühlen sich dann bei einem Konzert vom Künstler plötzlich angenommen – sie wollen diese Leere damit, oder besser mit eben diesem, füllen… Es gibt Menschen, die vielleicht sozial isoliert sind und plötzlich in der Person auf der Bühne ihren neuen Freund sehen, was auch ganz platonisch sein kann – aber die eine Nähe zu ihm suchen, die denken ihm vielleicht helfen zu können, die denken, er brauche wen im normalen Leben, außerhalb seines Künstlerlebens, die alles daran setzen, mit dieser Person befreundet zu sein. Oder es gibt vielleicht auch Menschen, die ihr eigenes Leben dadurch aufwerten wollen, dass sie Kontakt mit Künstlern haben und durch jedes Gespräch und jedes Lächeln fühlen die sich einfach ein bisschen besser. Die drei letztgenannten Beispiele sind Situationen, die für beide Seiten ungesund sind. Wir sind alle aufgefordert, mit unserem Leben und unseren Problemen klarzukommen. Wenn wir anfangen, unsere Probleme oder Bedürfnisse auf einen anderen Menschen zu projizieren, und in diesem Dinge zu sehen, die unserem Leben helfen könnten, die aber mit dem realen Menschen eigentlich gar nichts zu tun haben, dann gibt es einfach ein Problem sowohl für den Künstler, wie auch für den Fan.“ Er erklärt weiter, dass er es als enorm wichtig ansehe, dass Fans sich untereinander umeinander kümmern. Das Augenmerk eben nicht ausschließlich auf sich selbst zu richten, sondern ein wenig über den Tellerrand hinaus zu blicken, und einander die Hand zu reichen. „Wenn sie sehen, da ist jemand, der sich hineinsteigert in dieses ganze Thema, wo plötzlich dann ein Künstler der Lebensinhalt wird, dass einfach auch mal der Mut da ist, dass man mit demjenigen spricht.“ Gleiches gelte auch für Facebookgruppen, in denen häufig Dinge diskutiert würden, die mit dem Künstler an sich schon längst nichts mehr zu tun hätten. Es habe etwas mit Respekt dem Künstler gegenüber zu tun, sich so zu verhalten, dass dieser nicht in eine emotionale Notlage gerate und sich dabei unwohl fühle.

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Jan Rekeszus © Bernd Brudert

Wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Fans aber auch sein kann, und wie nah sie eigentlich am Geschehen sind, hat sich erst kürzlich gezeigt, als für ein Videoprojekt, welches noch in den Kinderschuhen steckt, Statisten unter den Besuchern eines Konzertes gesucht wurden. Hier betreten wir den Bereich „Zukunftsmusik“ im doppelten Wortsinn, denn auf meine Nachfrage nach ebendiesem Projekt erhalte ich die Auskunft, dass es eben tatsächlich eine völlig neue Richtung betreffe und noch gänzlich unveröffentlichte Songs und Material beinhalte. Im weitesten Sinne handele es sich um ein „Schlagerprojekt der etwas anderen Art – musikalisch, wie auch in Richtung der Texte gesehen.“ Es gäbe einen konkreten Plan, der mit dem beteiligten Künstler verfolgt würde, und von dem alle im Team überzeugt seien.  „Ich produziere jetzt entsprechend viele Songs vor, die genau dem gewünschten Stil und dem Anspruch der Texte entsprechen, damit ich dann meinem ursprünglichen Impulsgeber sofort schon das halbe Projekt präsentieren kann. Dann kann dieser den Weg sehen, den ich damit zu gehen gedenke. Generell gilt in dem Business, man muss seinen Weg kennen, daran festhalten und dazu stehen. Wenn man seinen eigenen Weg gehen will, ist es wichtig, ihn auch in Absprache mit dem Künstler zu gehen, nur so kann man authentisch arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass der Hörer Authentizität und das Dahinterstehen hört, oder ob jemand nur singt, um Geld zu verdienen.“ Für das Musikvideo zu einem dieser neuen Songs hat er die Rollen mit Eve Rades, aus seinem eigenen Künstlerpool und Simon Staiger, einem jungen Darsteller, den er gerade ein halbes Jahr zuvor kennenlernen durfte, besetzt. Seine Gründe für die Wahl sind schnell erklärt. „Ich habe Eve für das Video gefragt, weil es eine Rolle darin gibt, auf die sie genau passt. Das ist eine junge Künstlerin, die sehr erfolgreich ist und von allen geliebt wird. Aber es gibt in ihrem Leben einen kleinen dunklen Punkt, denn sie hat jemanden der ihr nah stand verloren. Dieser Mensch taucht wie ein Flashback immer wieder in ihrem Leben auf und sie muss lernen damit umzugehen. Es fällt ihr schwer damit klarzukommen, weil sie nicht loslassen kann. Am Ende des Videos findet sie einen Weg aus der Trauer heraus. Ich finde Eve ist eine Frau, die einen sehr eigenständigen Typ verkörpert, und ich denke, dass sich viele junge Frauen mit ihr und der Geschichte ohnehin identifizieren könnten. Jeder hat ziemlich sicher schon mal jemanden verloren, der ihm wichtig war, und musste lernen ihn loszulassen. Der junge Mann, Simon Staiger, der die zweite Rolle in dem Video spielt, ist noch kein Künstler den ich manage, sondern jemand den ich beim Intendantenvorsingen vor einen halben Jahr etwa kennengelernt habe und der mich unglaublich überzeugen konnte – ein sehr liebenswerter, offener und toller, junger Mann. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich ihm jetzt zu Anfang seiner Karriere die Möglichkeit geben kann, in so einem Video mitzuspielen.“ Voller Vorfreude sei man auf den Tag gespannt, an dem das fertige Video der Öffentlichkeit präsentiert werden könne, dies dauere jedoch noch einige Zeit.

Ein weiteres Detail worüber ich gelesen habe ist, dass Andreas Luketa an eigenen Schauspielen arbeitet. Neugierig ob dieser Facette des vielseitigen Menschen erkundige ich mich danach und erfahre, dass es zwei Projekte gibt, die ihm sehr am Herzen liegen. Leider rücken diese derzeit ein wenig in den Hintergrund, da die Agenda es so verlange, aber nichtsdestotrotz sei es ein Lebenstraum, diese beiden Schauspiele auf die Bühne zu bringen, vielleicht sogar bereits im kommenden oder übernächsten Jahr. Eines davon habe er mit Hilfe zweier Autoren bereits besprochen und schreiben lassen, das zweite habe er fertig im Kopf. „Mit dem Schreiben muss ist jetzt noch jemanden beauftragen.“, zeigt er sich von seiner Idee begeistert. „Im Moment fehlt mir die Zeit, mich um die Positionierung dieser beiden Stücke zu kümmern, die beide recht unterschiedlich sind. Machen möchte ich das aber auf jeden Fall, das ist einer meiner größten Träume und mir sehr wichtig.“

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Eve Rades © Urban Ruths

„Ich finde enorm wichtig, dass man irgendwann den Blick für das Ganze wieder bekommt und sich und seinen Job nicht in den Mittelpunkt stellt“

Andreas Luketa wirkt mit all seinen Antworten stets ehrlich, und sehr spontan und offen. Dass er nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt geht und viele Dinge auch mal kritisch hinterfragt, zeigt der begeisterungsfähige Mensch mit seiner Einstellung zum Thema soziale Medien. „Für uns als Unternehmen ist das natürlich toll, da wir so viel Direktmarketing machen können. Wir haben uns das glaube ich aber auch ein bisschen verdient, wir haben uns in den letzten Jahren immer bemüht unsere Kunden gut zu behandeln. Egal ob es die Kunden aus dem Shop sind, oder die Konzertbesucher, denen wir etwas Gutes bieten wollen. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass wir über 40.000 Kunden haben, die bei uns regelmäßig bestellen und zu unseren Konzerten kommen. Ich freue mich wirklich, das durch konstante Qualität geschafft zu haben. Wir sind nach wie vor ein kleines Unternehmen, was die Manpower angeht – von daher hilft es uns schon sehr, über soziale Netzwerke, aber auch unseren Newsletter einfach direkt informieren zu können.“ Er selbst nutze Newsletter oder Facebookseiten gern dazu, um Künstlern, die er persönlich schätzt, zu folgen. Doch häufig ärgere er sich auch darüber, dass dort so wichtige Informationen wie Konzerttermine einfach nicht mitgeteilt würden. Schließlich könne man als Konsument auch nicht mehr tun, als sich zu informieren.

Unter dem Aspekt Business hält Luketa die Vorteile von sozialen Netzwerken für enorm wichtig – für Künstler, aber auch Privatpersonen sehe er dies allerdings eher kritisch. Nachdenklich hinterfragt er die Notwendigkeit dessen, ob komplette Leben öffentlich gemacht werden müssen. „Ich glaube, das Weiterleiten, das Publikmachen des normalen Lebens, das sich jedem mitteilen zu müssen oder zumindest jedem ein Scheinbild davon zu geben was man denkt und fühlt sorgt dafür, dass viele Menschen einfach das ganz normale Leben mit allen Ups und Downs und allen alltäglichen Banalitäten überhaupt nicht mehr genießen können. Ich glaube, dass die Menschen generell durch diese ganze Welt bestehend aus WhatsApp, Facebook, Instagram und Smartphones mehr und mehr die Fähigkeit verlieren, mit einander zu kommunizieren – sie verlieren ihre Ehrlichkeit und das macht mir Angst. Hat man, wenn man jeden Tag nur noch seine Stories postet noch Zeit zum ganz normalen Leben – einem Leben mit normalen, schlichten, kleinen Momenten, die einfach glücklich machen?“, fragt er sich und überlegt weiter, „Ich kann nur jedem Menschen wünschen, dass er irgendwann realisiert, dass es im Leben nicht darum geht, was andere von einem denken, und wie toll man nach außen hin wirkt, sondern dass es nur darum geht, was man selber von sich hält und was man den Menschen, die einem nah sind geben kann und was man mit ihnen erleben kann. Träum groß, aber leb klein.“

Privat sei er vor gut anderthalb Jahren ganz bewusst aufs Land gezogen, weil er dort abends nach einem stressigen Tag einfach er selbst sein könne. Dort sei seine Welt noch in Ordnung und alles einfach ganz normal. Lange Jahre habe er über Ehrenamt nur gehört oder gelesen, doch vor nicht ganz einem Jahr sei es ihm nun einfach „passiert“, dass er ein solches übernommen habe und es erfülle ihn mit Glück und Stolz. Offen berichtet er von seiner Zeit neben dem stressigen Berufsalltag. „Es gibt hier ein Kinder- und Jugendheim, wo ich eine Gruppe aus 9 Jugendlichen habe, mit denen ich mich regelmäßig einmal in der Woche treffe. Neulich haben wir einen großen Grillabend auf meiner Terrasse gemacht und über das Leben gesprochen, über Sorgen und Probleme die Kinder zwischen 11 und 17 so haben. Wir gehen auch oft zusammen ins Theater und ich nutze dafür ein Bisschen meine Kontakte. Dann kommt halt mal ein Bundestagsabgeordneter nach Wachtendonk und erzählt ein bisschen über Politik, oder es kommt ein Medienanwalt, ein Regisseur, oder auch mal ein Sänger… Wenn man all dann mit all den Kindern zusammensitzt, die von klein auf durch die Hölle gegangen sind, dann erscheinen einem so viele Dinge seines eigenen Lebens plötzlich gar nicht mehr als selbstverständlich und man wird sehr dankbar und demütig. Ich finde enorm wichtig, dass man irgendwann den Blick für das Ganze wieder bekommt und sich und seinen Job nicht in den Mittelpunkt stellt.“ Er freut sich, dass bei den Künstlern die er betreut, offenbar ein ähnliches Denken vorherrscht. Auch sie wüssten, was das Leben eigentlich wirklich bedeute, und was es hieße für einander da zu sein. Offen gibt er zu, dass er die Zeit mit den Kindern auf seiner Terrasse mehr genießen kann, als jede Zeit in einem sozialen Netzwerk, weil sie einfach echt ist, und er jemandem zeigen kann, dass es eben doch noch Menschen auf der Welt gibt, die sich um andere kümmern. Auf einen gemeinsamen Urlaub im August freut er sich bereits jetzt.

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Pascal Höwing © Karim Khawatmi

Beeindruckt von so viel Offenheit möchte ich gern wissen, wofür er selbst brennt. Was sind seine persönlichen Leidenschaften, welche Dinge bringen ihn zum Schwärmen. „Es gibt drei Sachen, die in meinem Leben ganz wichtig sind. Das ist einmal die Musik – Musik ist mir unglaublich wichtig, da bin ich ein großer Fan. Des Weiteren bin ich ein ganz großer Filmfan. Ich habe eine riesige Sammlung an Filmen zu Hause, ich habe einen extra Filmraum, dort stehen meine ganzen kleinen Errungenschaften. Außerdem bin ein ganz großer Sammler von edlen und seltenen Parfums. Düfte sind für mich etwas ganz Besonderes, ich habe über 100 Parfums zu Hause und verwende diese auch ständig – das sind alles wie so kleine Kinder, die verschiedene Stimmungen oder auch Erinnerungen wiedergeben. Das sind meine drei großen Leidenschaften.“

Ich habe in den anderthalb Stunden, die ich mit Andreas Luketa telefonieren durfte, eine Menge gelernt. Er hat mir aufgezeigt, dass die Essenz von allem die Leidenschaft ist, mit der man Dinge des täglichen Lebens macht, sei es beruflich oder privat. Von dieser Leidenschaft versprüht mein Gesprächspartner eine Menge. Ich bedanke mich von Herzen für die vielen tiefgehenden Einblicke und vielleicht auch mal etwas anderen Gedankenansätze, für das ausführliche Interview und die Geduld eines Mannes, der täglich wahrlich ein immenses Arbeitspensum zu bewältigen hat. Vielen Dank, Andreas Luketa für die geschenkte Zeit.


Text: Andrea