Interview Lukas Perman – Wien 06.06.2018

„Der Charme der Österreicher ist nicht zu unterschätzen“

Lukas Perman

Anfang Juni, nur zwei Tage nach „Ziemlich gute Freunde“ seinem ersten gemeinsamen Konzert mit seinem besten Freund Mark Seibert, hatte ich die Gelegenheit mich mit Lukas Perman zu einem Interview im Raimund Theater in Wien zu treffen. Dort hat er sich die Zeit genommen, mir einige Fragen zu beantworten, ehe er wie beinahe jeden Abend in die Rolle des Hotelierssohnes Josi Edler im derzeitig dort laufenden Erfolgsmusical „I am from Austria“ schlüpfte.

Der sympathische Darsteller hat vor seiner Ausbildung am Wiener Konservatorium ein Jahr Gesang am Mozarteum in Salzburg studiert. Wie es zu diesem Umweg gekommen ist, interessiert mich, und ich erfahre, dass es ganz praktische Gründe dafür gegeben hat. „Das war so geplant. Das Jahr musste ich ohnehin in Salzburg verbringen, um meinen Bundeswehrdienst dort zu absolvieren. Also habe ich den Lehrgang in Gesang nebenbei gemacht, als Vorbereitung für die Aufnahmeprüfungen.“, verrät er mir und fügt weiterhin an, dass er sich dann, nach mehreren Zusagen, bewusst für das Konservatorium in Wien entschieden habe, weil es für ihn die beste Ausbildung zu bieten schien.

Doch nicht nur in Richtung Unterhaltungstheater hat er sich ausbilden lassen. Nebenbei studierte der wissbegierige Mann, der zusätzlich auch noch eine hohe Affinität zu fremden Sprachen hat, General Management. Seiner Familie wegen möchte er nicht unbedingt aus Wien weg, deshalb hat er schon früh Überlegungen angestellt, in welchen Berufen er sich noch wohl fühlen könnte. Das General Management biete ihm da die meisten Perspektiven. So könne er im Entertainmentbereich auf Seiten des Managements bleiben, oder aber als sehr sozial engagierter und neugieriger Mensch auch in einer NGO [Non-governmental organization] arbeiten, sollte es einmal nicht den richtigen Platz auf der Bühne für ihn geben. Zwei Punkte seien ihm wichtig, beteuert er dazu. „Wichtig im Leben und wo ich mich eigentlich hin fokussieren möchte sind zwei Sachen – nämlich mit Menschen zu tun zu haben, was ja grundsätzlich mein Beruf ist, sowie die Natur. Ich möchte meine Lebensgestaltung noch mehr Hand in Hand mit der Natur führen, gerne einfach aufs Land ziehen, einen großen Garten haben, und dort wirklich mein Gemüse anbauen. Mir reicht meine Terrasse mit meinem Hochbeet noch nicht aus, diesen Kreislauf möchte ich einfach noch mehr mitbekommen, weil das für mich das echte Leben ist. In meiner Tätigkeit möchte ich immer etwas mit Menschen zu tun haben, auf welche Art auch immer. Ich möchte einfach nicht irgendwie vorm Computer sitzen, sondern spielen, etwas emotionalisieren, unterrichten, Coachings geben, oder auch im sozialen Umgang tätig sein. Das sind die beiden Dinge die mir neben viel Zeit für meine Familie zu haben und als Vater da zu sein, wichtig sind.“, überlegt er laut. In wenigen Monaten wird sich seine Familie um ein weiteres Mitglied vergrößern, und damit der letzte Punkt sicher ein wenig mehr in den Fokus rücken.

In der Vergangenheit sei er viel gereist, zunächst privat, doch später auch beruflich, und es habe ihm stets viel Freude bereitet, in neue Kulturen abzutauchen. Zu seinem Engagement in Japan, wo er von 2007 bis 2013 regelmäßig gespielt hat, sei er über einen kleinen Umweg gekommen, berichtet er. Sein eigentlicher Plan sei zunächst gewesen, nach dem Engagement bei „Romeo und Julia“ nach Spanien zu gehen, und dort für einige Zeit zu spielen. Nebenbei habe er hier sogar schon die Sprache gelernt, und die Zusage für eine Rolle gehabt. Doch die Überlegung der VBW mit „Elisabeth“ eine Japan Tournee zu machen, reizte ihn sehr und kam ihm durchaus gelegen, da er auch die Auszeit zwischen den Engagements stets benötige und damit die Gelegenheit für eine private mehrmonatige Südamerikareise gegeben wurde. Im Land der aufgehenden Sonne habe er dann sofort begonnen die Sprache zu lernen, zunächst aus Büchern und später dann in der direkten Kommunikation mit den Menschen vor Ort. „Wenn ich in ein Land gehe, und dort ein bisschen bleiben möchte, dann möchte ich wenigstens sprachliche Grundkenntnisse besitzen. Sprachen haben mich immer interessiert, denn wenn ich mich nicht verständigen kann, kann ich mit den Menschen dort gar nicht in Kontakt treten. Die Japaner sind ein recht verschlossenes Volk, und ich habe ihre ziemlich schwierige Sprache über Jahre mehr und mehr gelernt. Vor allem zwischen 2007 bis 2009 wo ich diese japanische Produktion gemacht habe, war ich fast genötigt, mich ein wenig mehr darauf einzulassen. Ich habe sogar ein bisschen die Schrift gelernt, aber jetzt war ich schon Jahre nicht mehr dort und habe leider das Meiste wieder vergessen. Wenn jetzt aber japanische Fans kommen, kann ich noch ein paar Fetzen wieder auspacken, die wundern sich dann. Die Verbundenheit zu dem Land ist seither immer da und ich hoffe auch, dass ich irgendwann mal wieder rüber fahre.“, schwelgt er in Erinnerungen.

Kurz verharren wir noch bei seinem Werdegang. Bereits während seiner Ausbildung hat Lukas Perman ein Jahr im Ensemble von „Elisabeth“ gespielt, ehe er in der darauffolgenden Spielzeit die Erstbesetzung des Rudolf bekommen hat. Gefolgt von Romeo, in „Romeo und Julia“ und Alfred im „Tanz der Vampire“ spielte er viele Jahre in namenhaften und immer erfolgreichen Produktionen in seiner Heimatstadt. Eine Traumrolle gäbe es für ihn nicht, beteuert er, was sich aber damit erklären ließe, dass er relativ schnell den Traum eines jeden angehenden Darstellers, nämlich einmal eine Hauptrolle spielen zu dürfen, erfüllt bekommen habe. Man stelle sich dann schnell die Frage, wie es weiter gehen solle, sinniert er, doch für ihn habe es bislang immer gepasst. Es sei ihm immer wichtig gewesen, sich neben dem Bühnenleben auch menschlich weiterentwickeln zu können, weswegen er auf eine ausgewogene Balance zwischen seinem Privatleben und dem Beruf geachtet habe und dies auch immer noch tue. Die Zeit in Japan habe ihm gerade wegen des völlig anderen kulturellen Hintergrundes besonders gut gefallen, und sei zugleich eine Herausforderung gewesen, da er sich auf eine völlig neue Art der Kommunikation habe einlassen müssen. Dass er die Rolle des Rudolf, die er auch dort verkörpern durfte, so gut kannte, und sich mit dem ersten Mal in dem er sie spielen durfte, viel zusätzliches Wissen angelesen hatte, hat ihm hier sicher weiter geholfen. Er nennt sie als eine Figur, die ihm sehr am Herzen liegt, da er sich bis zum heutigen Tage, gut damit identifizieren könne, auch wenn er der Rolle inzwischen entwachsen sei.

Ob es jemals in seiner langen Laufbahn ein Kostüm gab, in welchem er sich nicht wohl gefühlt habe und warum, interessiert mich – und auch hier nennt er wieder die Rolle des Rudolf. Leidenschaftlich erzählt Lukas Perman von seiner ersten Spielzeit, in welcher er mit 22 Jahren als Sohn der Kaiserin auf die Bühne trat. „Es gab jedes Mal eine riesen Diskussion um diesen Schnurrbart. Ich habe ihn gehasst zum Singen und mich damit so verkleidet gefühlt. Mein Gesicht war noch sehr bubenhaft und sie haben mir immer diesen riesigen Schnurrbart darauf geklebt, der in meiner Physiognomie so nie hätte wachsen können. Ich kam mir total verkleidet vor.“ Die Maske sei in diesem Punkt  aber sehr streng und trotz aller Diskussionen nicht zu erweichen gewesen, das Kostümteil zu vergessen. Erst als er einmal einen Kollegen ohne den Bart gesehen habe, habe auch er begonnen, sich dagegen aufzulehnen. Einmal bei einem Konzert, da hat er wieder mal so halb dran gehangen, der ist ja immer halb abgefallen, wenn ich geschwitzt habe, da hab ich ihn runtergerissen, ganz weit in die Kulisse geworfen, und er wurde auch nicht wieder gefunden.“, erinnert er sich schmunzelnd. Endgültig Geschichte sei der Schnurrbart allerdings tatsächlich erst 2007 auf der Elisabeth Tour unter der Regie von Harry Kupfer gewesen, der sich seinerseits dagegen ausgesprochen habe.

Wir wechseln die Richtung des Gesprächs, denn es hat in seiner bisherigen gesanglichen Karriere nicht ausschließlich Musicals gegeben. Auch zwei eigene Alben hat er am Markt, die ihre Erfolge gefeiert haben. Besonders das zweite, welches er mit seiner Frau gemeinsam aufgenommen hat, sei dem Bereich „symphonische Popmusik“ zuzuordnen, erklärt er mir. Die Idee sei gewesen, große Melodien mit großem Orchester vorzutragen, die nah am Musical seien, aber eher in die Pop Richtung gingen. Unterstützt habe sie seinerzeit Sony Deutschland, wo das Paar unter Vertrag gestanden habe „Ich habe gemerkt, dass ich in einem Genre gelandet bin, womit ich mich einfach nicht beheimatet fühle. Ich hatte das Glück mit großem Orchester wirklich schöne, aussagekräftige Musik zu machen, aber es das Ganze wurde mir einfach ein bisschen zu kommerziell. Ich will jetzt nicht sagen, dass Musical nicht kommerziell ist, das was wir hier machen hat aber einfach mehr Tiefe.“, fasst er seine Gedanken zusammen. „Wir haben versucht ein facettenreiches Album aufzusetzen, und das ist uns auch gelungen. Es sind jedoch auch ein paar Lieder darin, wo bewusst geschaut werden musste, in welches Radioformat sie passen. Da sind wir Step by Step einfach zu weit von dem weg gekommen, was wir grundsätzlich machen wollten. Es hat uns zwar schon gefallen, aber eigentlich bin ich da nicht zu Hause. Ich fühle mich zurück im Musical, wo ich gerade bin sehr wohl, aber es war ein schöner Ausflug in ein anderes Genre.“

Perman bereut diesen Ausflug ins Schlagerbusiness genauso wenig, wie andere Schritte seines Lebens. Sie gehörten eben dazu, und ändern würde er nichts wollen, gibt er energisch zu verstehen. Jede Entscheidung habe er bewusst getroffen, und selbst wenn sie sich als nicht ganz optimal erwiesen habe, so habe man sie eben korrigieren müssen. Natürlich könne man sich im Nachhinein immer fragen, ob ein anderer Weg nicht besser oder einfacher gewesen wäre, einem andere Möglichkeiten offenbart hätte. Doch dann wäre einem das Leben, was man gelebt habe verborgen geblieben, sinniert er weise und beharrt darauf, dass man einfach machen solle und vor allem nicht aufhören solle etwas zu tun. So bilde auch er sich ständig weiter und überdenke seine Schritte stets kritisch, sähe aber nicht reumütig in die Vergangenheit.

Dass er sehr genau plane, verrät der reisebegeisterte Mann als er dann doch halblaut darüber nachdenkt, ob ihn noch einmal ein Engagement im Ausland reizen könne. Er sei sehr glücklich mit seinem Umfeld, dem festen Freundeskreis und der Wohnung in Wien. Außerdem lebe seine Familie in der Nähe, was für ihn ein großer Vorteil sei, erklärt er fest. „Für eine begrenzte Zeit würde mich das schon reizen. Wenn jetzt noch einmal eine Japantournee für 2-3 Monate käme, ginge das für mich in Ordnung. Das würden wir irgendwie hinbekommen. Aber die Frage ist, was für ein Job da kommen müsste, damit ich meine Familie entwurzeln würde. Hamburg könnte ich mir für eine Zeit lang gut vorstellen, das ist die Heimat meiner Frau, und auch ihre Eltern leben dort, aber so wie es viele Kollegen tun, die immer ein halbes Jahr an anderen Orten spielen, das kommt für mich nicht in Frage.“, sagt er fest und bekräftigt damit noch einmal, dass ihm sein Privatleben überaus wichtig ist.

Sich im Privaten, wie auch beruflich gut zu verstehen ist ein großes Geschenk, zumal dieser Beruf mit den ungewöhnlichen Arbeitszeiten Freundschafen oft nur schwer zulässt. Wenige Tage vor dem Interview hat Lukas Perman mit seinem langjährigen Freund Mark Seibert das erste gemeinsame Konzert im Wiener Raimund Theater gegeben, und darin mit ihm zusammen von ihrem Werdegang und der Entwicklung ihrer Freundschaft erzählt. Geplant sei ein solches Konzert schon seit vielen Jahren gewesen, doch es habe sich nie der passende Zeitpunkt dafür gefunden, da sich die Wege beider nur punktuell gekreuzt hätten. Zur Zeit der Planung des Konzertes hat Seibert als Graf von Krolock im Ronacher gespielt, während Perman selbst bei „I am from Austria“ allabendlich auf der Bühne steht. Überrascht seien beide gewesen, wie schnell sich nach der Ankündigung die Tickets abverkauft hätten. Sicher haben beide ihren Fankreis in der Österreichischen Hauptstadt, doch damit, das große Haus binnen 24 Stunden zu füllen haben beide wohl nicht gerechnet. Mit der Songauswahl haben sie sich an jenem Abend auf ihren Werdegang beschränkt, und damit dem Publikum auch alte Lieblingsstücke wie „Romeo und Julia“ wieder ins Gedächtnis gerufen. Bei „Romeo und Julia“ war ich ganz platt, dass die Menschen nach 12 Jahren dieses Stück noch so auf dem Schirm haben, so viel damit verbinden und es auch noch so hören wollen. Oft vergessen die Leute Stücke die einmal hier gelaufen sind, aber dieses scheint einen guten Stellenwert hier gehabt zu haben. Außerdem hatten wir die Idee auch kleine Anekdoten zu erzählen, was uns verbindet, was wir gemacht haben, oder wo wir dann auch gerade waren. Im Gegensatz zu anderen Konzerten wollten wir mit der Moderation einen Rundumblick geben. Wir haben sie in Blöcken vorbereitet, aber nicht auswendig gelernt.“, erzählt er. Ihre Art zu leben sei auch eine gänzlich gegensätzliche. Seibert sei nach der Ausbildung vorrangig nach Deutschland gegangen, und habe dort viel gespielt, während er den Weg nach Japan gewählt und sich wesentlich mehr Pausen gegönnt habe, um auch anderen Input zu bekommen. Es sei sehr intensiv, jeden Tag Leistung zu bringen, und den Rhythmus so umzustellen, dass man selbige abends bis in die Nächte hinein gewährleisten könne, auch wenn einem die Produktion immer etwas der Energie zurückgäbe. Er sieht sich als privilegiert, bislang ausschließlich in Erfolgsproduktionen gespielt zu haben und ist dafür auch überaus dankbar.

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Mit Iréna Flury (Emma Carter) in “I am from Austria” C_VBW_DeenVanMeer

Seit September 2017 spielt er nun die Rolle des Josi Edler im österreichischen Erfolgsstück „I am from Austria“, welches aus der Feder von Titus Hoffmann und Christian Struppek stammt, und die Geschichte um das Hotel Edler und seine Gäste erzählt. Die Musik zu diesem Jukeboxmusical stammt gänzlich von Rainhard Fendrich, dessen Lieder gerade in Österreich wohl bekannt sind, aber auch über die Grenzen hinaus ihre Liebhaber hat.

Lukas Perman gerät ins Schwärmen, als er über sein derzeitiges Engagement zu sprechen beginnt. Etwas Derartiges mitzuerleben, quasi von der Idee bis zum fertigen Werk sei wahrscheinlich einmalig im Leben jedes Darstellers. Die Besonderheit hieran sei noch, dass es in seiner Heimatstadt, und in seiner Muttersprache aufgeführt würde. Anders als bei historischen Personen, wie der Vorproduktion Schikaneder, gäbe es hier keinerlei Vorlage, lediglich eine grobe Richtung, in die die Kreativen und Künstler die Figuren gemeinsam entwickelt haben. „Sowas werde ich wahrscheinlich so in dieser Dimension und Größe und mit dieser Musik, die ja auch den Österreichern so ans Herz geht, nicht mehr erleben.“, lächelt er, froh darüber, Teil dieser Produktion zu sein. Nach dem Erfolgsgeheimnis befragt, nennt er ohne zu Zögern die Musik.  „Meiner Meinung nach kommen die Menschen rein, und die Musik die sie lieben, öffnet die Herzen sehr schnell.“, bringt er es auf den Punkt. Selbstverständlich täte auch die Geschichte mit den Figuren, mit denen sich jeder irgendwie identifizieren könne ihr Übriges dazu. Menschen aus Österreich verbinden mit der Musik, die sie häufig bereits schon in der Kindheit gehört haben sehr viele Emotionen und bekommen hier große Bilder gezeichnet. Touristen hingegen fasziniere das Stück an sich, dessen authentische Art sich perfekt in das klischeehafte Bild der Stadt einpflegt, welches wohl die meisten Besucher gewinnen. „Der Charme der Österreicher ist nicht zu unterschätzen!“, schließt Perman lachend dieses äußerst sympathische Interview, ehe er sich in seine Bühnenfigur – Josi Edler – verwandelt.

Vielen Dank für die geschenkte Zeit und das interessante Gespräch!

Interview: Andrea