Interview: Was immer du erträumst, mach es!

Dominik Hees im Gespräch

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Kinky Boots – ein neues Musical erobert Deutschland. Am 3. Dezember 2017 fand in Hamburg, in unmittelbarer Nähe zur Reeperbahn, die Deutschlandpremiere auf High Heels im Stage Operettenhaus statt. Wir durften vorab einen der Hauptdarsteller, Dominik Hees, treffen, der in dem Stück den Schuhfabrikantensohn Charlie spielt, der mit der Produktion von High Heels versucht der maroden Schuhfabrik seines Vaters zu neuem Ruhm zu verhelfen. Und eben genau bei diesem Schuhwerk, in welchem er selbst – zwar nur wenige Minuten aber dennoch – auf der Bühne stehen muss, setzen unsere Fragen an.

Vor kurzer Zeit erlitt Dominik eine Knieverletzung, die ihn statt auf die Bühne der Tecklenburger Freilichtspiele – dort war er für die Rolle des Frank Crawley in Rebecca und für die des Esels in Shrek vorgesehen – ins Krankenhaus beförderte. Uns interessiert zunächst, wie es ihm und insbesondere seinem Knie, heute, nur etwa fünf Monate nach der Kreuzband-Operation, geht. „Dem Knie geht es eigentlich, für den zeitlichen Abstand zur OP, super!“ erklärt Dominik und beschreibt, dass er zwar so die typischen Probleme habe, mit denen man nach einem Kreuzbandriss zu kämpfen hat, die Muskulatur sei einfach noch nicht wirklich wieder das was sie mal war, aber er arbeite hart daran und habe während der gesamten Probenzeit bisher noch keinerlei Probleme bemerkt. Allein dieser Umstand mache ihn überaus glücklich. Ob er Angst vor erneuten Verletzungen habe, da seine Rolle das Tragen von High Heels beinhalte, verneint er ebenfalls. Angst sei immer das Schlechteste, alle Physiotherapeuten und Ärzte hätten ihm Mut gemacht und geraten zwar vorsichtig zu sein, aber trotzdem alle Bewegungen normal zu machen. Nach dem medizinischen Check ist sicher, dass sein Knie der Belastung standhalten kann und eine falsche Schonung, bzw. Ausgleichbewegungen nur das Risiko einer erneuten Verletzung höher schrauben würden. Die Rolle des Charlie Price, der ja den „Normalo“ spielt, verlange erst am Ende der Show in die hochhackigen Schuhe zu schlüpfen. Charlie probiere dies das erste Mal und dann passe ein unbeholfener Gang zur Rolle, lacht er verschmitzt. Zudem habe er damit auch bereits Erfahrung und wisse, wie man darin zu laufen habe (er spielte in der Rocky Horror Show u. a. die Rolle des Frank’n’Furter – Anmerkung der Redaktion).

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Auf die Frage, ob es ihm schwer gefallen sei, auf Grund seiner Verletzung im Sommer nicht in Tecklenburg dabei gewesen zu sein, wirkt er traurig und bestätigt dies mit einem schnellen und klaren „Ja, sehr!“ Er wäre im letzten Jahr in der Rolle des Lancelot im Musical Artus Excalibur ja schon einmal dabei gewesen, auch vorher schon als Gast, und habe immer gespürt, dass die Zeit dort, in dieser kleinen Stadt, wo man immer erkannt wird, die Leute einen Grüßen und nach dem Befinden fragen, immer etwas ganz Besonderes ist. Es wäre einfach ein wunderschönes Gefühl dort zu sein. Zudem habe er die Rolle des Esels in Shrek bereits seit der Deutschlandpremiere geliebt und gerne spielen wollen. Dazu habe dann noch die Möglichkeit bestanden Rebecca zusammen mit seiner Lebensgefährtin (Milica Jovanovic) zu spielen, was für beide ein Traum gewesen wäre. Als dann die Ausschlussdiagnose vom Radiologen kam, habe ihn das wirklich sehr getroffen. Die Aussicht drei bis vier Monate im Bett zu verbringen, statt diese beiden Herzensprojekte zu machen, besonders auch vor dem Hintergrund, wie gut ihm Tecklenburg im Jahr vorher getan habe, sei sehr sehr schwer gewesen. Er habe sogar in diesem Jahr alles versucht, trotz seines Engagements bei Kinky, in Tecklenburg dabei zu sein. Allerdings wäre das zum einen für ihn doch sehr anstrengend geworden und zum anderen auch eher nicht das, was sich die Produzenten in Hamburg so vorgestellt hätten. Wir dürfen aber sicherlich auf 2019 hoffen, wo es in Tecklenburg bestimmt wieder etwas derart Tolles auf der Bühne geben würde, gesteht Dominik augenzwinkernd seine Freude an einem Engagement auf dieser großen und wunderschönen Naturbühne.

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Zur anstehenden Premiere im Hamburger Operettenhaus und seinem diesbezüglichen Lampenfieber äußert er sich folgendermaßen: „Bei einer solch großen Show, die erstmalig in Deutschland spielt, große Aufmerksamkeit auf sich zieht und sicherlich auch bekommen wird, ist das Lampenfieber schon da. Wir spielen hier fünf Previews, haben ein tolles Team auf das wir uns verlassen können, die uns sagen wohin der Weg führen soll, und da ist dann das bisschen Lampenfieber das bleibt, durchaus erwünscht und solches angenehmer Art.“ Die Rolle des Charlie Price wäre eine Rolle, die die Show trägt und wenn er selber in ein Theater ginge und einen Schauspieler in einer solchen Rolle sähe, habe auch er bestimmte Erwartungen an den Darsteller, dessen sei er sich durchaus bewusst. Dieser Druck würde gerade in der momentanen Probenphase, die sie jetzt seit etwa einer Woche auf der richtigen Bühne, im fertigen Set absolvieren würden, noch einmal gepuscht und das steigere sich auch durch das Hinzukommen des Publikums. Mit diesem Druck könne er mittlerweile sehr gut umgehen und für sich positiv verwenden. Er und die gesamte Cast könnten sich darauf verlassen, dass das was sie mit dem hinter der Inszenierung stehenden tollen Team vom Broadway erarbeiten, wirklich gut werden wird. Schließlich haben diese Protagonisten in bereits acht weiteren Ländern entsprechend gecoacht und ins rechte Licht gerückt.

Um die Fragen zu Kinky Boots abzuschließen und auf den Menschen Dominik Hees näher einzugehen, erbitten wir von ihm ein paar kurze Sätze zu der Frage, warum man dieses für Deutschland neue und innovative Stück unbedingt gesehen haben muss. Ganz spontan und ohne lang zu überlegen antwortet er: „Weil es eine Show wie Kinky Boots in Deutschland momentan nicht gibt und auch in den letzten Jahren nicht gegeben hat. Es geht ein bisschen weg vom typischen Entertainment-Musical, was wir ja im Moment mit sehr vielen Disney-Shows hier haben. Es ist sehr erfrischend, mit hohem Tempo und einfach auf allen Ebenen sehr unterhaltsam. Das ist auch der Grund warum die Show in allen Ländern, wo sie aufgeführt wird, funktioniert und in den USA und England auch schon viele Preise gewonnen hat. Es ist einfach ein sehr innovatives Musical-Konzept.“

Einen kurzen Moment überlegt er, um uns zu erklären, nach welchen Kriterien er seine Rollen aussucht. Es ginge ihm dabei nicht immer nur um die Rolle an sich, auch das Umfeld, im welchem er arbeiten würde, sei für ihn von großer Bedeutung. Er arbeite gerne mit Leuten zusammen, von denen er weiß, dass er ihnen künstlerisch vertrauen könne, dass das hinter stehende Team perfekt funktioniert und eine tolle Show auf die Beine stellen könne. Es gäbe häufig auch die Chance schöne Rollen zu spielen, wo aber vielleicht der gegebene Rahmen nicht so viel Spaß mache. Im momentanen Engagement kannte er vor Probenbeginn zwar noch nicht alle Verantwortlichen persönlich, wusste aber, da diese die Show bereits an einigen Orten mit dem Original-Regisseur aufgebaut hatten, dass er Vertrauen haben könne und Vertrauen in den Erfolg einer Sache, sei ihm sehr wichtig. Des Weiteren benötigt eine Rolle für ihn eine Aussagekraft, sollte einem Bogen folgen und er selbst solle, als Dominik, herausgefordert sein, diese mit Leben zu füllen. Letzten Endes geht es darum, jeden Abend auf die Bühne zugehen und seine Rolle immer wieder neu zu entdecken. Wenn man Abend für Abend, an acht Tagen die Woche, seine Zuschauer in den Bann ziehen möchte, ist dies nicht nur eine große körperliche, sondern auch mentale Anstrengung, der man sich aussetzen und die man immer wieder frisch spüren müsse. Man erzähle die Geschichte schließlich jedem Abend neu und müsse jedes Mal überzeugen.

Obwohl Dominik noch jung ist, und wir hoffen, dass er noch lange zu seinem eigenen Vergnügen und für sein Publikum auf der Bühne stehen wird, stellt sich gerade in Anbetracht seiner jüngsten Verletzung die Frage, ob es einen „Plan B“ gibt, einen Plan dem er nachgehen möchte, sollte die Bühnenkarriere einmal vorüber sein. „Natürlich kann es mit meinem Job von einem auf den anderen Tag vorbei sein. Allerdings kann ich mir zum momentanen Zeitpunkt – vielleicht ändert sich das ja auch noch in den nächsten Jahren – keinen anderen Ort vorstellen, an dem ich so viel Spaß und Erfüllung finde, wie im Theater und in diesem Genre.“ Noch habe er keine konkreten Pläne für eine eventuelle Zeit nach der Bühne, könne sich aber vorstellen, in den künstlerorganisatorischen Bereich zu wechseln oder vielleicht sogar selber zu inszenieren. Beide Seiten, als Schauspieler auf der Bühne zu stehen oder derjenige zu sein, der die Bühnenaktiven führt, seien vom Grundsatz her zwar Zweige, die unterschiedliche Kompetenzen erfordern, aber zum Ende hin entwickle man das gleiche Produkt. Zurzeit sieht er gerade das ganz deutlich an dem Regisseur hinter Kinky Boots, der selber Schauspieler war und daher zu seinen Akteuren eine besondere Nähe aufbauen kann. Es gäbe auch mal für ihn Augenblicke, wo er sagen müsse, er verstehe nicht was gemeint ist und eben dieser Regisseur steigt dann selber in den Charakter ein und das Verständnis für die Änderung im Spiel ist innerhalb von Sekunden da. Wenn er noch mehr Erfahrung habe, wäre eine solche Position für ihn denkbar und erstrebenswert.

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Erst kürzlich durften wir Dominik als Gast in einem Konzert beim Musical Ensemble Erft, einem semiprofessionellen Verein, in seiner Heimatstadt Kerpen auf der Bühne erleben. Sein geäußertes Interesse später eventuell einmal Darsteller führen zu können, veranlasst uns zu der Frage, ob es dort, bei eben dieser Veranstaltung eventuell Anlass gab, in einer solchen Weise helfend einzuspringen. „Ich habe nicht das Gefühl, dort irgendwo helfen zu müssen, nur weil ich den Job professionell mache. Die machen das sehr gut, genau so wie sie es machen.“ Er war vor etwa 10 Jahren bei dieser Gruppe aktiv tätig und hat dort seine Affinität zur Bühne fördern können. Toll findet er, immer noch so viele Aktive dort zu kennen und fühlt sich, wenn er nach Kerpen zurück kommt, in ihrer Mitte immer noch sehr wohl. Es käme sicherlich schon mal vor, dass er ein wenig bei schwierigen Textpassagen helfen könne, aber im Grunde sei dies nicht wirklich nötig.

Was ist Dominik Hees für ein Mensch, was ist ihm wichtig im Leben? Was mag er uns zu seiner Persönlichkeit preisgeben? „Wichtig im Leben ist mir Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe und ich bin sehr harmoniebedürftig, ich hasse Streit und ich mag es wenn Menschen miteinander zärtlich und liebevoll umgehen“, sind die Worte, die ihm spontan in den Sinn kommen. Weitergehend beschreibt er sich als generell sehr gemütlich, klemmt sich aber frenetisch hinter Dinge, wenn er herausgefordert wird. Dies sei ihm ebenso beruflich wie auch im Privaten eigen. Die Sprache kommt auf den Betontisch, den er kürzlich selbst gebaut hat. Sein Vater habe ihm abgeraten, „Dominik, lass es einfach…lass es dir lieber machen!“, aber wenn er etwas unbedingt wolle, dann setze er dies auch bedingungslos um. „Und jetzt steht dann eben ein Betontisch in meiner Wohnung, der im Übrigen sehr schön geworden ist. Dass ich mich nicht abbringen lasse, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe und mit allen Mitteln versuche es zu erreichen, ist etwas, worauf ich sehr stolz bin.“

Unsere letzte Frage zielt auf ein Lebensmotto, ein Zitat, welches für ihn Bedeutung hat und das er uns und unseren Lesern gerne mitteilen möchte. Er ist überaus spontan und schnell mit den Zeilen die er nennt und gibt uns damit einen großen, ehrlichen Einblick in den Menschen Dominik Hees:

„Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es. Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Das Team von Bühnenlichter.de bedankt sich herzlich bei Dominik Hees für die geliehene Zeit.


Interview von Astrid, Hamburg 23.11.2017