“Im weißen Rössl” – das neue Bonner Theater lädt an den Wolfgangsee

Vorpremiere 21. November 2018

im Theaterpalast der Familie Malente

 

(c) Jennifer Zumbusch
(c) Jennifer Zumbusch

Mit „Ein neues Theater für Bonn“ bewerben die Direktoren des Malentes Theaterpalast, Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke (hier gehts zu unserem Interview), ihre neue, feste Spielstätte in der Godesberger Allee. Schon seit Jahren ist der Name Malente eine Marke, ein Garant für locker-leichte Unterhaltung, ohne Anspruch auf zu große Ernsthaftigkeit – „Wir machen nur Spaß“, heißt deshalb auch nicht umsonst die Namensergänzung ihres Hauses. Ihr Theater erinnert an einen Zirkus – genau 199 Besucher fasst das belgische Spiegelzelt, welches eine wirklich andere, ungewohnte aber behagliche Theateratmosphäre ausstrahlt. Die Zuschauer nehmen an großzügigen Tischen Platz, an denen während der Vorstellung die Kleinigkeiten verzehrt werden dürfen, die die vorhandene Gastronomie bietet – einem gemütlichen Abend steht demnach nichts im Wege.

Es herrscht eine ungezwungene Stimmung, die Eintrittskarten werden vom Chef höchstpersönlich abgerissen, jeder Besucher wird von ebendiesem zu seinem Platz geleitet und man erhält noch weitere Informationen. Erst kurz vor der Vorstellung verschwindet Dirk Vossberg-Vanmarcke in den hinteren Bühnenbereich. Die Tische sind in drei Abschnitte unterteilt. Die in der Manege – zieht man zur Beschreibung wieder den Zirkus zu Rate – sind durch einen rundumverlaufenden Gang von den Logen zur rechten und linken Seite getrennt. Im mittig-hinteren Bereich gibt es ein sogenanntes Hochparkett, welches sich lediglich durch eine Stufe – die eine hervorragende Sicht über die Köpfe der vor einem Sitzenden verspricht – vom Rest abhebt. Aber nicht nur die Location ist besonders, auch der Spielbetrieb hebt sich von dem anderer Häuser durchaus ab. Bespielt wird nicht nur die eigentliche Bühne, sondern ebenso die Gänge und die freien Plätze zwischen den Tischen im Innenraum, die Darsteller kommen sowohl aus dem Backstagebereich, als auch vom Foyer ins Geschehen, sie nutzen freie Sitzplätze, um sie in verschiedene Szenen zu integrieren oder beziehen die anwesenden Gäste mitunter häufig in ihr Spiel ein. Ein „Na, bleiben‘s besser sitzen, sonst müssen’s hier noch mitspielen“, ist nicht der einzige Satz, der am heutigen Tag für Lacher sorgt.

(c) Jennifer Zumbusch
(c) Jennifer Zumbusch

An diesem Abend steht die Vorpremiere des zweiten Stücks seit Öffnung des Spielbetriebes auf dem Programm, „Im weißen Rössl“, ein Singspiel von Ralph Benatzky, welches bereits am 8. November 1930 in Berlin, am Großen Schauspielhaus uraufgeführt wurde. Ort der Handlung ist das gleichnamige Hotel am Wolfgangsee in Österreich, in welchem der Zahlkellner Leopold (Dirk Vossberg-Vanmarcke), mit seiner zunächst nicht erwiderten Liebe zu seiner Chefin Josepha Vogelhuber (Knut Vanmarcke) zu kämpfen hat. Eintrudelnde Gäste, die sich persönlich noch nie gesehen haben, aber dennoch durch geschäftliche Beziehungen oder auf Grund aufkeimender Liebeleien im Stückverlauf eng miteinander verknüpft sind bzw. werden, sorgen für Irrungen und Wirrungen, für Verwechslungen, für Streit und Versöhnung, und natürlich darf auch das Thema Liebe bei einer solchen Geschichte auf keinen Fall fehlen. (Eine genaue Inhaltsbeschreibung können Sie in unserem Bericht zur Berliner Aufführung nachlesen)

Die ursprünglich als Singspiel angedachte Operette, wurde sowohl als Film, wie auch als Musical ein voller Erfolg und ist eins der meistgespielten Stücke überhaupt. So ist es wenig verwunderlich, dass nahezu alle Lieder dem Publikum bestens bekannt sind und teilweise mitgesungen werden. Im Theaterpalast der Familie Malente ist dies durchaus möglich und erwünscht, schließlich steht hier der Spaß an erster Stelle – keiner der Zuschauer soll nach den Wünschen der Inhaber mit schlechter Laune nach Hause gehen.

Die hier auf die Bühne gebrachte Inszenierung (Regie: Hardy Rudolz) macht genau das – einfach Spaß. Man kann allen Beteiligten die Freude am Stück mehr als deutlich ansehen. Niemand findet es verwunderlich, dass Frau Josepha Vogelhuber von einem Mann verkörpert wird – es wird auch nicht weiter thematisiert, hier ist es einfach so. Das „Warum“ klärt sich spätestens in der Schlussszene, die ein deutliches Statement setzt, schließlich sind die Herren Vanmarcke und Vossberg-Vanmarcke bereits seit einigen Jahren verheiratet – beim lange herbeigesehnten und sicherlich auch erwarteten Happy End kommt es endlich zur innigen Umarmung sowie zum langersehnten Kuss, dessen Botschaft in zweierlei Hinsicht deutlicher nicht sein könnte. Die Spielfiguren, der unglückliche Leopold und seine geläuterte Chefin Josepha, beschließen endlich das Hotel fortan als Paar gemeinsam zu führen und läuten damit einen ganzen Reigen an geplanten Hochzeiten ein.

(c) Malentes Theater Palast
(c) Malentes Theater Palast

Bei dieser Produktion darf viel gelacht werden. Trotzdem gelingt es ausgezeichnet auch den sentimentalen und emotionalen Momenten den richtigen Rahmen zu geben und die Szenen weder in die eine noch die andere Richtung kippen zu lassen. Das Bühnenbild ist aufwändig und mit einigen Überraschungen gearbeitet – ein See wird überzeugend, aber natürlich trocken dargestellt, ein variabler Mittelpunkt bietet Balkon oder Sprungbrett und die detailverliebten Kostüme tun ihr Übriges, das Gesamtbild abzurunden.

Die neben den Direktoren des Hauses mit hervorragenden und ambitionierten Darstellern besetzte Cast, auch einige hochkarätige Namen sind dabei – Bill Mockridge spielt beispielsweise den österreichischen Kaiser Franz Josef, Robert D. Marx den Rechtsanwalt Dr. Siedler – versteht es die Spannung aufrecht zu halten, Witz und Humor auch in Form bekannter Zitate, einzusetzen sowie gekonnt ebenso die sentimentalen, traurigen Momente ins Publikum zu transportieren und nicht zuletzt damit deutliche Gefühlsregungen hervorzurufen.

Ein Besuch in diesem besonderen Bonner Theaterhaus lohnt sich. „Im weißen Rössl“ kann man noch bis zum 28. Februar 2019 sehen. Restkarten für alle Vorstellungen, die täglich außer montags und dienstags stattfinden, gibt es unter www.theaterpalast.de. Hier finden sich auch Informationen über das weitere Programm dieser Spielzeit.


Text: Astrid