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Ich war noch niemals in New York – Wien 2016

Ich war noch niemals in New York – Premiere der Tourneeproduktion in Wien

von Nathalie Brandt (NB2909) für Bühnenlichter.de

IWNNINY_Icons_2x2Varianten_50x50mm_2014_X3Nachdem die zweite Tourneespielzeit von „Ich war noch niemals in New York“ am 10.04.16 in Berlin zu Ende gegangen war, wanderte das Stück nach Wien und feierte dort schon eine Woche später Premiere.
Wo die erste Hälfte nur mit 9 Musikstücken und der Ouvertüre aufwartet, sind in der zweiten Hälfte ganze 16 Songs zu hören (Inhalt und Songliste hier). Daher ist die zweite Hälfte diesbezüglich die doch interessantere. Das Musical besteht überwiegend aus den Gute-Laune-Songs von Udo Jürgens, hat aber auch den ein oder anderen kleinen Moment zum Nachdenken. Besonders animiert wird das Publikum durch die Auftritte des kleinen Florian (in der Wiener Premiere ein sehr sicherer David Paul Mannhard). Leider war die Musik, wie schon in Berlin, bei „Mit 66 Jahren“ wieder sehr laut, sodass die Kinderstimme kaum zu hören war. Das begeisterte Gejohle und Geklatsche des Publikums kam auch noch dazu.

Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien spielte unter der Leitung vonIMG_7681©Nathalie Brandt (NB2909) 2016 Rebecca Lang. Man vergisst total die Diskussionen rund um „Die Musik kommt bei der Stage vom Band“ – immerhin sind wir hier in Wien, auch wenn es eine Stage-Produktion ist.

Das Ensemble ist an erster Stelle zu erwähnen. Fungieren sie doch als Mitarbeiter des Fernsehsenders, verschiedene Figuren aus dem New Yorker Streetlife, Matrosen und nicht zuletzt als Passagiere auf dem Luxusliner. Es bleibt kaum ein Lied ohne Tanzchoreographie.

IMG_7669©Nathalie Brandt (NB2909) 2016Uli Scherbel war die Freude, dass er wieder als „Fred Hoffmann“, er spielte die Rolle bereits von 2008 – 2013 in Hamburg, auf der Bühne stehen durfte, sichtlich anzusehen und anzumerken. Er sprühte nur so vor Energie und strahlte von Ohr zu Ohr – besonders als das Premieren-Publikum bei den Gassenhauern „Ein ehrenwertes Haus“ und „Griechischer Wein“ richtig mitging. Kaum waren die ersten Töne zu hören, wurde schon geklatscht und gefeiert.

Die Rolle von „Costa Antonidis“ ist nicht groß und eigentlich nur dazu da, damit die eben erwähnten Songs funktionieren, aber Gianni Meurer macht aus dem griechischen Aufnahmeleiter und Ehemann von „Fred“ das Beste, was man aus dieser Rolle herausholen kann. Durch die verstellten Satzkonstellationen (griechisch-deutsch) geht der Part nicht ganz unter.

Gloria Wind hat als „Frau Grabsteindl“ der Heimleiterin einen derben österreichischen Akzent verliehen und das Publikum amüsierte sich herrlich über sie.

Kai Peterson war schon in Berlin sehr souverän als Kapitän und in Wien ist es nicht anders. Gerben Grimmus war als Steward zwar gut, aber das überdrehte „Schwulsein“ kam nicht so gut herüber, wie es bei Mike Sandomeno in der letzten Berlin Premiere der Fall war. Dabei ist der Steward gerade dafür so schön geeignet, alle, aber auch wirklich alle Klischees, die es über die “Männer von anderen Ufer” gibt, zu erfüllen.

Dagmar Biener ist als „Maria Wartberg“ wieder mit von der Partie undIMG_7790©Nathalie Brandt (NB2909) 2016 macht als rüstige Rentnerin ihre Sache sehr gut. An ihrer Seite als „Otto Staudach“, die neu gefundene Liebe, steht Gunter Sonneson in Wien auf der Bühne. Die zwei harmonieren sehr gut miteinander. Ab Mai werden sich zudem zusätzlich die Kessler-Zwillinge die Rolle der „Maria“ teilen.

Als die Kinder der sich auf der Flucht befindenden Rentner standen Ann Mandrella als „Lisa Wartberg“ und Tobias Licht als „Axel Staudach“ auf der Bühne. Die zwei schafften es, das Stück halbwegs erträglich zu machen Es soll wirklich keiner mehr bezweifeln, dass ein Stücke sich durch eine andere Besetzung verändert und sich auf dessen „Ankommen“ bei den Zuschauern auswirkt. Das haben die Zwei geschafft – zumindest bei mir.

IMG_7775©Nathalie Brandt (NB2909) 2016Locker und luftig haben sie die zänkische Verfolgungsjagd auf die Bühne gebracht, ohne dabei allzu kitschig zu wirken. Die Figuren an sich waren nun in Wien irgendwie runder als wie in Berlin.

Ich meine, viel denken und viel Tiefgrund erwarten darf man bei dem Stück nicht. Es ist einfach nur da, um sich 2 ½ Stunden lang berieseln zu lassen und um auf andere Gedanken zu kommen. Die Texte, die Udo Jürgens für seine Lieder geschrieben hat, sind sehr gut Es sind Lieder, mit denen eine ganze Generation groß geworden ist, bzw. deren Eltern dies als Teenager gehört haben, in der großen Zeit des Schlagers.

Natürlich, es gibt auch die Momente, wenn Eltern und Kinder aufeinander treffen, in denen sich der ein oder andere wiederfindet und vielleicht zum Nachdenken angeregt wird. Im Großen und Ganzen stößt es jedoch, zumindest bei vielen hartgesottenen Musicalbegeisterten, auf Ablehnung. Trotzdem hält sich das Stück schon einige Jahre wiederkehrend auf dem Markt, denn Udo Jürgens hat einfach eine große Fan-Gemeinde – und jetzt, da es nie wieder die Möglichkeit gibt, ihn die Lieder live singen zu hören, ist es für die Liebhaber seiner Musik eine gute Alternative.

IMG_7618©Nathalie Brandt (NB2909) 2016

Die Musicalgemeinde murrt und knurrt, wünscht sich lieber etwas Neues. Im Theater wird mitgeklatscht und gejohlt was das Zeug hält. Auch das ist halt nicht Jedermanns Sache, aber der einfache Musicalbesucher, der sich nicht intensiv mit dem Genre auseinandersetzt, wird wahrscheinlich lächelnd das Theater verlassen. Und dies ist genau die Zielgruppe, auf die das Stück abzielt.

Man wird sehen, ob das Konzept aufgeht, das Stück wieder nach Wien zu holen.

IMG_7757©Nathalie Brandt (NB2909) 2016Wir wünschen alles Gute – und so wie es momentan auf dem Musicalmarkt aussieht, sind Tourneeproduktionen die Zukunftsmusik – auch für die „großen Bühnen“. Das Risiko, neue Stücke in die bis zu 1.800 Gäste fassenden Häuser zu setzen, die dann scheitern könnten, ist einfach zu groß. Vielleicht sollte man beginnen, die Stücke dem Publikum in konzertanten Versionen und kurzen Spielzeiten zum Ausprobieren ans Herz zu legen. Wenn sie ankommen, kann man sich an größere Inszenierungen wagen. Man sollte nur Mut zeigen und vielleicht einmal diesen Weg gehen. Weniger ist bekanntlich mehr.

Nach dem Aufenthalt in Wien zieht das Stück weiter durch Österreich und wieder nach Deutschland zurück. Insgesamt ist es noch bis Januar 2017 auf Tournee.

Die weiteren Termine sind:

Wien, Raimund Theater , 17.04.2016 – 03.07.2016

Linz, Musiktheater am Volksgarten , 14.07.2016 – 14.08.2016

Graz, Stadthalle Graz , 20.08.2016 – 28.08.2016

Salzburg, Salzburgarena , 03.09.2016 – 11.09.2016

Bremen, Musical Theater Bremen , 16.09.2016 – 09.10.2016

Bregenz, Festspiel- und Kongresshaus , 14.10.2016 – 30.10.2016

Essen, Colosseum Theater , 04.11.2016 – 11.12.2016

Frankfurt, Alte Oper , 16.12.2016 – 07.01.2017

Die Bildergalerie

 

 

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