„I am from Austria“: das Musical der Reinhardt Fendrich Songs

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(c) VBW / Oliver Gast 2017

I am from Austria
rezensierte Vorstellung vom 17. September 2017

Gleichermaßen groß waren Aufregung und Skepsis in den letzten Wochen in Erwartung der neuen VBW-Eigenproduktion „I am from Austria“. Am Samstag, den 16. September ging die Premiere über die Bühne und das mit Erfolg. Das Premierenpublikum jubelte nachvollziehbar, doch auch diese Welturaufführung hat ihre Hochs und Tiefs…

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Martin Bermoser als Richard Rattinger mit dem Ensemble C_VBW_DeenVanMeer

Die Story, rund um zahlreiche Rainhard-Fendrich-Hits gepackt, dreht sich um das fiktive Wiener Luxushotel „Edler“ und den Hollywood-Star mit österreichischen Wurzeln, „Emma Carter“. Aus Promotionzwecken und für einen Auftritt am berühmten Wiener Opernball soll Emma Carter von ihrem Manager inkognito im Hotel „Edler“ untergebracht werden, dort stehen alle unter höchster Konzentration. Zu blöd nur, wenn sich ein junger Hotelpage auf Twitter verquatscht und somit die Presse und die gesamte Schicki-Micki-Adabei-Gesellschaft Wiens ins Hotel lockt. Verzweifelt und wütend über den Vorfall macht Emmas Manager Richard Rattinger den Besitzern die Hölle heiß und Emma will sogar das Hotel wechseln, doch dann lernt sie den jungen Hotelerben Franz Josef „Josi“ Edler kennen, der sich persönlich für den peinlichen Fauxpas bei ihr entschuldigt und die beiden sind sich sofort sympathisch. Zusammen mit Josi entdeckt sie heimlich das Hotel und landet sogar in einer ziemlich verzwickten Situation im Kühlraum der Hotelküche. Während die beiden jungen Leute also sichtlich Spaß haben, scheinen die Eltern Romy und Wolfgang und Richard langsam an der Situation zu zerbrechen. Romy bangt um ihr Hotel und ihren heiß ersehnten fünften Stern, Richard um Emmas Zukunft und ihr Image und Wolfgang sorgt sich vielmehr um seine zu scheitern drohende Ehe mit seiner überehrgeizigen Frau.

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Fabio Diso als Pablo Garcia mit Dolores Schmidinger als Elfie Schratt und dem Ensemble C_VBW_DeenVanMeer

Emma entdeckt inzwischen, wie unzufrieden sie mit ihrem Leben ist. Sie fühlt sich immer wohler an Josis Seite, welcher ihr die ganz normalen und schönen Dinge im Leben zeigt. Während die Beiden sich auf nächtlichen Spaziergang durch das schöne Wien begeben, inklusive Einblick in Josis karitative Hilfe für Obdachlose, taucht wie von Richard Rattinger erwünscht Emmas geplanter Verlobter, der Fußballstar Pabló Garcia im Hotel auf und mit ihm eine erneute Horde an Presseleuten und kreischenden Fans. Emma wird in der Zwischenzeit ebenfalls in der Stadt von Bewunderern entdeckt und muss mit Josi fliehen. Unterkunft bekommen sie in der kleinen Dachkammer des jungen Pagen Felix Moser, welcher sich durch seinen Freundschaftsdienst endlich eine Fahrt mit Josis tollem Sportwagen erhofft, mit dem er seine Angebetete beeindrucken möchte. Emma fühlt sich ganz wie ihr früheres Ich „Adele Waldvogel“, das normale Mädchen aus Österreich ohne blondierte Haare und beschließt kurzerhand all ihre Termine abzusagen, während Josi diesmal los muss, um den von ihm umgestalteten neuen Fitnessbereich zusammen mit Pabló zu eröffnen. Dieser besänftigt mit einem erneuten phänomenalen Auftritt bis zu Josis Eintreffen die Meute und so kann der Schritt in eine moderne Zukunft des Hotels gewagt werden.

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Lukas Perman als Josi Edler mit Iréna Flury als Emma Carter C_VBW_DeenVanMeer

Nach der Eröffnung wird der von Stolz erfüllte Josi ein weiteres Mal von der für ihn unerreichbar geglaubten Emma überrascht und zu einem Helikopterflug in die Berge eingeladen. Nachdem sie das alte Heimatgefühl wieder überkommt, ziehen sich die Beiden in die alte Hütte von Emmas Familie zurück und kommen sich schlussendlich näher als sie es jemals für möglich gehalten hätten. Ihr Glück endet jedoch jäh, als sie von einer Horde Journalisten überfallen werden. Enttäuscht von Josis angeblichem Verrat stürzt sie sich verletzt in die vertrauten Arme ihres Managers. Josi versteht die Welt nicht mehr und schließt in seiner Trauer endlich Frieden mit seinen Eltern, welche ihm ab jetzt mehr Verantwortung im Hotel zutrauen und ihn in Zukunft auch in seinen Charityprojekten unterstützen wollen. Emma findet in der Zwischenzeit heraus, dass in Wahrheit Richard hinter all den Intrigen steckt und möchte sich endlich gegen ihn behaupten, doch er droht ihr mit ihren eingegangen Verpflichtungen bezüglich Pabló und dem Opernball. Unter Druck versöhnt sie sich zwar mit Josi, macht ihm allerdings klar, dass sie beide aus verschiedenen Welten stammen und niemals ein Paar sein können.

Der große Opernball steht vor der Tür und damit das große Finale. Das Ehepaar Edler versöhnt sich wieder und verspricht, sich in Zukunft mehr Zeit für einander zu nehmen, Felix Moser beherrscht endlich den Linkswalzer, Richard wird als Manager gefeuert und Emma bekennt sich vor allen zu ihrer Liebe zu Josi, welcher doch noch widerwillig am Opernball aufgetaucht ist und auch Pabló scheint mit der Entbindung aus seinen Heiratspflichten nicht gerade traurig zu sein…

…wie vorhergesehen, ein großes Happy End im Raimund Theater und das nach rund 3 Stunden bester Unterhaltung. „I am from Austria“ ist alles, was man sich von einem sogenannten Jukebox-Musical erwartet und doch wieder so vieles, was niemand vor der heiß ersehnten Premiere erwartet hätte. Mag die Story doch etwas seicht daherkommen und nicht gerade mit großen unvorhersehbaren Wendungen aufwarten, so machen die ausgezeichnet besetzten Darsteller und vor allem die allseits bekannten Hits das Stück zu einem neuen Spektakel. Ausgezeichnet außerdem die energiegeladenen Choreographien von Kim Duddy, perfekt in Szene gesetzt und wiedergegeben von einem synchronen und spielbegeisterten Ensemble, von klassisch Broadway über Revue bis hin zu Latin Moves war alles zu sehen und immer einwandfrei ausgetanzt. Die Songs in neuem Licht erstrahlen ließen die extravaganten und herausragenden Arrangements von Micheal Reed, gespielt von dem gewohnt in bester Manier spielenden Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der Leitung von Michael Römer.

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Das Ensemble von „I am from Austria“ C_VBW_DeenVanMeer

Ein weiteres großes Highlight der Aufführung, eigentlich der heimliche Star neben Besetzung und Musik, ist das extra neu konzipierte Bühnenbild von Stephan Prattes. Eine riesige „Edler Torte“ platziert auf der gewohnten Drehbühne, welche von allen erdenklichen Seiten bespielbar war. Immer wieder öffneten sich neue Türen, unterschiedlichste Bilder wurden auf der riesigen LED-Wand gezeigt, oder sogar Berge wurden aus den Tiefen des Raimund Theaters auf die Bühne befördert.

Unter der Regie von Andreas Gergen glänzten allen voran Lukas Perman und Iréna Flury als sympathisches Hauptdarstellerpaar, auch wenn Emma Carters Perücke etwas ungewohnt auf der sonst brünetten Iréna aussah. Als ob man die Rolle für ihn geschrieben hätte, spielt sich Lukas Perman mit Liebesromanzen-Charme durch den Abend und ist dabei auch noch bestens bei Stimme. Die Dialekt-Songs von Fendrich stehen ihm nahezu perfekt und auch an Emotion kommt man bei ihm an diesem Abend nicht zu kurz. Flury an seiner Seite, dem heimischen Musicalpublikum noch nicht so bekannt, spielt jede Facette von Emmas/Adeles doppelter Persönlichkeit aus und es ist herrlich zu sehen, wie die einstige Hollywood Diva bei Kuchen vom Boden essend und heimlichen Stelldicheins in einer romantischen Berghütte wieder zu ihren Wurzeln findet und erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben. Unterstützt wird dieses starke Schauspiel von einer wunderschönen, klaren aber auch bestimmten Stimme, die vor allem bei dem eigens für das Musical geschriebenen Song „Wo gehör ich hin“ zu einer der Gänsehaut-Momente des Abends führt.

Unterstützt werden die beiden von einer Vielzahl an wunderbar besetzten Nebendarstellern, welche der klischeehaften und vielleicht etwas langweiligen Geschichte die nötige Würze verpassen. Eher selten auf den Musicalbühnen zu sehen, Andreas Steppan und Elisabeth Engstler als Lukas Permans Eltern. Sie, strenge Hotelchefin mit weichem Kern, der sich erst zu Ende des Stückes blicken lässt. Man glaubt ihr beides. Er, gutmütiger Ehemann, der nicht immer viel zu sagen hat, seinem Sohn aber immer treu zur Seite steht. Ein sich aufopfernder und um seine Ehe kämpfender Andreas Steppan, den man einfach nur gern haben kann. Gesanglich darf er öfter ran als sie, obwohl Elisabeth Engstler mit einer einstigen Musicalausbildung eine sehr gute Stimme mitbringt, diese aber leider nur sehr selten zeigen darf. Andreas Steppan hingegen überzeugt mehr mit sympathischem Charme als mit großer gesanglicher Leistung, doch er liefert eine solide Darbietung, da wird auch der ein oder andere falsche Ton mal ganz leicht verziehen.

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Matthias Trattner als Felix Moser mit Dolores Schmidinger als Elfie Schratt C_VBW_DeenVanMeer

Für die meisten Lacher des Abends sorgt Kabarettlegende Dolores Schmiedinger und erhält damit nicht nur einmal Szenenapplaus. Dass die Dame mit dem Wiener Schmäh keine Sängerin ist, merkt man gleich. So wünscht man sich, man hätte ihre Gesangsparts doch besser ein bisschen gekürzt. Auf der komödiantischen Schiene ist sie jedoch unangefochten der Star des Abends und bringt so ordentlich Schwung ins Theater.

Eher kleiner sind die weiteren männlichen Nebenrollen. Sogar zwei Solos hat Carter-Manager Richard Rattinger, gespielt von Martin Bermoser. Dieser geizt nicht mit dem Klischee eines schmierigen intriganten Managers und wird somit eindeutig nicht der Sympathieträger des Abends. Allerdings verkörpert er seine Rolle großartig und wartet auch mit einer guten Gesangsstimme auf. Matthias Trattner spielt perfekt den tollpatschigen Hotelpagen, der nicht nur ein Auto zu Schrott fährt, sondern sich auch sonst nicht gerade als Vorzeigearbeitskraft beweist. Ein gutes Herz hat er jedoch und auch eine hervorragende Stimme, die er sogar einmal solo präsentieren darf. Was am meisten von Fabio Diso als argentinischer Fußballstar Pabló Garcia hängen bleibt, sind ein immer wieder zum Lachen anregender spanischer Akzent und ein gestählter Körper, den er ohne Scheu des Öfteren zur Schau stellt. Singen darf er leider nicht so viel und wenn, trübt der spanische Akzent, den er auch hier behalten muss. Seine schauspielerische Leistung kommt fantastisch rüber, denn er gibt den Fußballer mit mehr Muskeln als Gehirnzellen authentisch und auch körperlich leistet er einiges an diesem Abend, seien es schwierige Choreographien oder unzählige Fußballtricks.

Komplettiert wird diese Darstellerriege von einem zu 99 Prozent aus Österreichern bestehenden Ensemble, welches die Handlung stets mit fulminanten Choreographien umrahmt und überall da einspringt, wo weitere Leute gebraucht werden.

„I am from Austria“ ist ein gelungenes neues Stück der Vereinigten Bühnen, wenn auch nicht etwas für jedermann. Wer sich große Tiefe, eine anspruchsvolle Story und außergewöhnliche Nummern erwartet, wird hier wohl nicht fündig werden, doch wer auf österreichischen Schmäh und Charme, sympathische Hauptdarsteller, tolle Choreographien, bekannte Songs und vor allem einen beschwingten unterhaltsamen Abend steht, der wird ganz sicher im Raimund Theater sein Glück finden. Man wünscht dem gesamten Team eine lange und erfolgreiche Spielzeit!

Text: Rebecca Rischka

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Infos zum Spielplan und Tickets gibt es hier:
https://www.musicalvienna.at/de/spielplan-und-tickets/spielplan/production/243/I-AM-FROM-AUSTRIA