Höhner: „Ein ganz besonderer Adzventzkalender!“

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Wenn die Kölner Kult Band Höhner zu einem Konzert einladen, verbindet man dies sicherlich oft direkt mit Karneval, mit Guter-Laune-Musik, Schunkeln und Tanzen. Was einen aber erwartet, wenn man sich auf ein Weihnachtskonzert mit den sechs Bandmitgliedern Henning Krautmacher, Hannes Schöner, John Parsons, Jens Streifling, Micki Schläger und Wolf Simon ein lässt, dass wissen nur diejenigen, die ein solches Konzert schon einmal besuchen durften, denn schließlich feiert die Band dieses besinnliche Fest Jahr für Jahr mit ihren Fans.

Die Höhner gestalten ihre Weihnachten auf eine ganz eigene, rockige, amüsante, aber auch geruhsam-besinnliche Art und Weise. Der Besuch eines ihrer Weihnachtskonzerte ist, soweit darf hier schon verraten werden, absolut lohnenswert. Ein rundum gelungener Abend, bei dem das gesamte Publikum am Schluss beschwingt und froh gelaunt nach Hause verabschiedet wird.

Vollkommen richtig erwartet man, bei einem Abend mit den Höhnern, Lieder im Heimatdialekt der Band, die in Köln ansässig ist. Wenn man aber denkt, sie könnten nur Karneval, nur „jecke Tön“, irrt man sich gewaltig.

In Duisburg lässt nasskaltes Wetter auch so kurz vor dem Fest noch nicht wirklich Weihnachtsstimmung aufkommen und so flüchten sich die Zuschauer schnell aus dem Sprühregen in das Foyer des Theaters, welches mit geschmückten Tannenbäumen in eine warme und freundliche Atmosphäre einlädt. Aus den Boxen ertönen bereits weihnachtliche Klänge. Als sich die Türen zum Saal öffnen, findet man sich im „Wohnzimmer“ der Höhner wieder. In einer mit Bruchsteinen behaglich gestalteten Wand flackert ein Kaminfeuer, ein festlich geschmückter Baum und verpackte Geschenke lassen die Vorfreude auf die kommende Zeit aufkeimen.

Quelle: www.hoehner.de

Nachdem jeder seinen Platz gefunden hat, das Theater ist bis auf den letzten Stuhl besetzt, erscheint Wolf Simon auf der Bühne, greift zu einer Trommel und beginnt sein Spiel. „Little Drummer Boy“, dessen eingängiger Takt sofort erkannt wird, erklingt. Wie gebannt wartet das Publikum auf den Rest der Band, der unbemerkt zwischen den Bankreihen auftaucht und erst durch Einsetzen des Gesangs wahrgenommen wird. Vorne angekommen, werden die Zuschauer zunächst musikalisch begrüßt „Schön dat du do bes“ und spätestens bei diesen ersten sanften Tönen ist das Weihnachtsfeeling perfekt. Nicht nehmen lassen es sich die Sechs, einen treuen Fan persönlich mit Handschlag zu begrüßen, ist die Dame, die sie liebevoll „Oma“ nennen, doch schon über 90 Jahre alt und bei vielen ihrer Konzerte anzutreffen.

Die Zuschauer werden durch mehrere Jahre mitgenommen auf eine Reise der Erinnerungen. Weihnachten ist die Zeit des Erzählens, des Zurückblickens, man sitzt gesellig zusammen, erinnert an früher, an alte Zeiten und an die eigene Jugend. So ist es nicht verwunderlich, dass die Musiker eine große Wehmut empfinden,  sieht man doch wie vielen Menschen es auf der Welt nicht wirklich gut geht. Sie sprechen von Kriegen, politischer Verfolgung und von den Flüchtlingen, welche aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Zu ihrer Combo gehöre auch ein Flüchtling, wie Henning schmunzelnd berichtet, sei doch Jens Streifling vor über 30 Jahren aus der ehemaligen DDR – allerdings auf ganz legalem Wege, wie er lachend betont – geflohen. Mit dieser kurzen Geschichte kündigt er ein äußerst emotionales „Als ich fort ging“, von eben diesem an. Jens glänzt zwischen seinem zu singendem Text mit ergreifenden Soli auf der Oboe und zeigt auch während des gesamten Konzertes immer wieder die große Bandbreite seines instrumentalen Multitalentes, beherrscht er doch – lt. eigener Aussage – „Mandoline, Saxophon, Gitarre, Harp und alles Mögliche“. An diesem Abend kann sich das Publikum zudem noch von seinem gekonnten Spiel auf der Ukulele und sogar dem Dudelsack überzeugen.

Als Botschafter von UNICEF haben sich die Höhner vor allem der Kinderhilfe verschrieben. In diesem Jahr durften sie das UNICEF-Lied – welches jährlich von jemand anderem mit einem neuen Text gestaltet wird – mit ihrer, wieder ganz eigenen, Interpretation „Come make a little step of peace“ versehen. Sie singen es nicht nur englisch, damit auch jeder auf der Welt die Zeilen versteht, sondern sie wären nicht die Höhner, wenn nicht ein Textteil auch in kölschem Dialekt eingesungen worden wäre.

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Der Höhner´sche Adzventzkalender – und nein, wir haben uns nicht verschrieben, genauso, Adzventzkalender mit zwei z, kündigt Henning ihr wunderbares Lied „Heyy ich schenk dir ne Kalender“ an, einen besonderen Kalender „wo et beste für et Levve dran hängk“, keine materiellen Dinge, sondern das was im Leben wirklich zählt, wie zum Beispiel Liebe, Geborgenheit, Hoffnung oder Verständnis – hält aber nicht nur die stimmungsvolle und besinnliche gesangliche Seite der Höhner parat, nein…diese Band ist auch noch zu anderen „Schandtaten“ bereit. So unterhält der „Leseonkel“ genauso mit erst einer lustigen Geschichte, später gibt er eine tiefgehende Lebensweisheit (man nehme zuerst die großen wichtigen Lebensdinge und fülle sie auf mit kleinen Unwichtigeren, damit man nicht den Platz für die Großen mit den Kleinen versperrt – und ein gutes Kölsch mit echten Freunden passt immer noch dazu) witzig zum Besten. „Opa Duisburg“ schmückt ziemlich süffig seinen hölzernen Weihnachtsbaum – mit sehr ahnbaren Folgen (ein herrlicher Blödsinn) und man lernt sogar den „großen Zauberer“ in ihren Reihen, mit der Illusion seiner schwebenden Jungfrau kennen (die Lachmuskeln wurden zuweilen stark gefordert). Den Musikern gelingt es mehr als gekonnt, die Stimmung zu variieren, ohne sie aber weder zu sehr ins emotionale noch zu sehr ins jecke abrutschen zu lassen. Die Zuschauer hängen gebannt an ihren Lippen, saugen alle Erzählungen förmlich in sich auf, tanzen, schunkeln und klatschen zu rockigen Stücken, lachen schallend und ab und zu fließen auch ein paar versteckte Tränen.

Immer wieder lockern sie die Stimmung auf, indem sie zum Mitsingen animieren, was, da die Texte sehr eingängig und von den meistern Liedern bekannt sind, hervorragend vom Publikum angenommen wird. So entführt zum Beispiel der letzte Block vor der Pause in die klassischen Weihnachtsüberlieferungen mit Liedern, wie „Oh, du fröhliche“ , „Oh, Tannenbaum“ sowie „ Süßer die Glocken nie klingen“ und natürlich darf in einem solchen Block auch auf gar keinen Fall „Stille Nacht“ fehlen. An einer anderen Stelle wird das Publikum sogar zum „DGS-Chor“, den Duisburger Gospel Singers.

Trotz Einladung zu einem Weihnachtskonzert empfindet man auch die Liebe der Höhner zu ihrem Fußballverein, dem 1. FC Köln, liebevoll immer wieder „FC Kölle“ genannt, nicht fehl am Platz. Lieder wie „E levve lang“ – begleitet von einem Smartphonelampen-Lichtermeer aus dem Publikum heraus – oder „Mer stonn zo dir, FC Kölle“ werden ebenso begeistert aufgenommen, wie die von John auf der Gitarre instrumental präsentierten Weihnachtsmelodien.

Sehr verwirrt wirkt das Publikum, als ein Medley aus Liedern des überaus bekannten Robert Allen Zimmermann angekündigt wird. Ein unwissendes Raunen geht durch die Menge, hat doch noch niemand von diesem angeblich überaus bekannten Sänger gehört. Das Unverständnis ändert sich schnell in Freude auf ebendieses Medley, als das Geheimnis gelüftet und aufgeklärt wird, dass Robert Allen Zimmermann der bürgerliche Name Bob Dylans ist. Staunende Augen begleiten bekannte Melodien wie „Knocking on Heaven´s door“, „Blowing in the Wind“, „Mr. Tambourine Man“ oder „It´s all over now, Baby Blue“, mit denen man auf einem Konzert der kölschen Urgesteine nicht unbedingt rechnet.

Ungewöhnlich ist ebenfalls, dass sogar in der Techniker Crew der Höhner, Jungs stecken, die auf der Bühne bestehen können. So vertreten Christian am Piano und Alex am Bass die Sänger, während diese „Männer in den besten Jahren“ nicht nur interpretieren, sondern auch tänzerisch „á la Boyband“, herausgeputzt mit Smoking und roter Fliege, performen.

Dieses überaus überraschende Konzert endet dann doch noch einmal weihnachtlich, diesmal mit internationalen Songs. „Santa Clause is coming to town“, „Jingle bells rock“, „Last Christmas“ aber auch „Rudolph, the red nosed reindeer“ und „White Christmas“ erklingen, bevor sich die Höhner Weihnacht mit „We wish you a merry Christmas“ passend beschließt.

Wenn die Band aber nun denkt, sie wären mit ihrem Konzert am Ende angelangt, dann haben diesmal sie nicht mit den frenetisch feiernden Duisburgern gerechnet. Lang anhaltender Applaus, stehende Ovationen und Zugabe-Rufe hallen lautstark durch den Saal, so dass sie sich noch einmal vor den Vorhang wagen müssen und nach „Hey Kölle“ auch noch ein sehr bewegendes „Hallelujah“ von Leonard Cohen, begleitet vom gesamten Publikum zum Besten geben, bevor man sie endlich in den wohlverdienten Feierabend entlässt.

Abschließend kann ich nur betonen, dass der Besuch eines Höhner-Konzertes – wobei hier sicherlich kein Unterschied zwischen Weihnacht, Karneval oder einfach „nur“ Konzert gemacht werden muss – eben etwas Besonderes ist. Sie schaffen es kinderleicht ihre Zuhörer in gute Laune zu versetzen, die Müdigkeit zu verscheuchen, sie zu entspannen und gleichzeitig süchtig nach Bewegung, nach Tanz und Schunkelei werden zu lassen. Ein Abend, den man einfach nur genießen kann, die Höhner stehen für Spaß und Lebenslust, für Freude und feiern. Selbst wenn man sich schlecht gelaunt in eins ihrer Konzerte aufmacht, kommt man mit einem strahlenden Gesicht, vollkommen entspannt und mit sich im Reinen wieder heraus und konnte für einen – wenn vielleicht auch nur kleinen – Moment, seine Sorgen vergessen.


Artikel von Astrid