Held? Superstar? Jesus!

Theater Magdeburg lud zur Pressekonferenz zum Domplatz Open Air 2018

Ist ein Superstar ein Held?
Ist jeder Held ein Superstar?

An diesen Fragen könnte man sich unbestritten in tiefgreifenden philosophischen Diskussionen trefflich abarbeiten, ohne am Ende zu einem eindeutigen Ergebnis zu gelangen.

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Das Theater Magdeburg scheint sie mit einem eindeutigen „Ja“ zu beantworten oder selbst in Frage zu stellen. In jedem Fall prangt das Wort „HERO“ unübersehbar quer über dem Bühnenbild für das diesjährige Domplatz Open Air. Regisseur Sebastian Ritschel, der Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ in Szene setzt, hadert dann auch ein klein wenig mit dem Begriff „Bühnenbild“. „Eigentlich“, so Ritschel während der Pressekonferenz zum Open Air 2018, „ist es eine Rauminstallation mit freiem Blick auf den Dom“. Schließlich spielt die Institution Kirche im Stück eine zentrale Rolle. Doch was bedeutet sie heute, in unserer Gesellschaft, im Leben jedes Einzelnen? „Jesus Christ Superstar“ ist ein zeitloses Stück. So war es von Webber gedacht und angelegt und so wurde und wird es von den meisten Regisseuren interpretiert.

Auch Sebastian Ritschel bringt kein Historienspiel auf die Treppenbühne des Domplatzes. „Wir zeigen eine heutige Geschichte mit Menschen aus der Gegenwart und mit Bezug zu aktuellen, auch politischen Fragen. Wer ist dieser Mensch Jesus? Wodurch wird er zum Heiland? Woran zerbricht er? Und ja: Am Ende steht eine Kreuzigung. Aber was kommt danach? Geht das Leben irgendwie weiter? Und wie?“, verrät der Regisseur.
Für ihn ist es nach „Cabaret“ die zweite Arbeit am Theater Magdeburg. „Natürlich ist ein Open Air noch einmal eine zusätzliche Herausforderung. Aber ich habe ein tolles Team, das mich bei dieser Riesenaufgabe begleitet.“

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Zu diesem Team gehört vor allem auch der musikalische Leiter Damian Omansen. Er ist inzwischen in Magdeburg schon fast eine Institution und hat mit Sebastian Ritschel bereits bei „Cabaret“ zusammengearbeitet. In dieser Spielzeit leitete er zudem den „Kleinen Horrorladen“ und bringt mit „Hair“ (2016) auch schon Erfahrungen mit dem Domplatz Open Air mit.

„Für mich ist es immer wieder eine wunderbare Erfahrung, wie hier am Theater Orchester, Chor, Hausensemble und Musicalgäste zusammenarbeiten“, schwärmt Omansen. Was für ihn am Open Air besonders reizvoll ist? „Die Arbeit mit einem so großen Orchester ist schon etwas Besonderes. Da hat man nicht nur eine Band wie in herkömmlichen Musicalproduktionen, sondern ein 49-köpfiges Orchester. Das ist schon eine andere Hausnummer, aber es wird fantastisch“, verspricht der Musiker.

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Auch Tobias Bieri ist Domplatz-Wiederholungstäter. Im Jahr 2014 stand er in Magdeburg als Rocky in der „Rocky Horror Show“ auf der Open-Air-Bühne. Er freut sich, dass er wieder an der Elbe ist: „Hier in Magdeburg gibt es Musicalqualität auf sehr hohem Niveau. Da macht das Arbeiten einfach Spaß. Und das Stück ist sehr anspruchsvoll, sowohl darstellerisch als auch stimmlich. Ich freue mich auf diese große und tolle Aufgabe“, so der gebürtige Schweizer, der das Stück auch schon gespielt hat. Damals allerdings nicht die Titelrolle, sondern die des Jüngers Simon.

An seiner Seite werden Julia Gámez Martin als Maria Magdalena und Timothy Roller als Judas Ischariot zu erleben sein, für beide ist es die erste Begegnung mit dem Theater und der Stadt Magdeburg.

Eine Besonderheit hält die Magdeburger „Jesus Christ Superstar“-Inszenierung bereit: Sie wird in deutscher Sprache aufgeführt. Das ist auch für Produktionen auf deutschen Bühnen eher ungewöhnlich. Offensiv kommuniziert wird diese Tatsache vom Theater nicht, daher könnte das für so machen Zuschauer vielleicht eine unerwartete Überraschung sein. Grund für die Entscheidung ist möglicherweise die auf dem Domplatz kaum oder zumindest nur schwer realisierbare Übertitelung der Originaltexte. In jedem Fall darf man gespannt sein, wie diese Version funktioniert und ob am Ende des Abends die Fragen beantwortet werden:

Ist ein Superstar ein Held?
Ist jeder Held ein Superstar?

Text und Bilder: Karina


Mehr zur Inszenierung auf Bühnenlichter.de:


Gespielt wird vom 15. Juni bis 8. Juli, mittwochs-sonntags, 21 Uhr.
Karten gibt es noch in ausreichender Anzahl, vor allem in der Woche.
Reservierung und Kauf an der Theaterkasse: 0391/ 40 490 490 oder online: www.theater-magdeburg.de

Zum Stück

New York, Mark Hellinger Theater, 21. Oktober 1971: Der gerade erst 23-jährige Andrew Lloyd Webber wird schlagartig weltberühmt als Komponist des Rock-Musicals »Jesus Christ Superstar«. Die Broadway-Produktion bringt es auf 720 Vorstellungen, die Hits wie »Superstar« und »I Don´t Know How To Love Him« reißen seitdem Generationen von Musicalfans von den Sitzen.
Das schillernde Rockspektakel erzählt vom Aufstieg und Fall einer herausragenden charismatischen Persönlichkeit, die immense Begeisterung weckt und verehrt wird wie eine Pop-Ikone oder ein Filmstar. Die Massenhysterie um seine Person schaukelt sich gefährlich hoch, denn der Personenkult installiert ihn zur Heilsfigur, die sich selbst überfordert und letztlich seine Anhänger und Fans nur enttäuschen kann. Im Gegensatz zu dem tradierten, eindimensionalen Bild von Judas, dem Verräter, wird das Musical aus seiner Sicht erzählt: Gerade aufgrund seiner Liebe zu Jesus sind ihm der Personenkult und die Hysterie fremd und er sieht es als seine Aufgabe an, den besten Freund hartnäckig an seiner ursprüngliche Idee zu erinnern. Dies macht ihn anfällig für den schlussendlichen Verrat an Jesus.

Musikalisch geht Andrew Lloyd Webber in diesem durchkomponierten Werk über die Stilistik der Rockmusik weit hinaus: Er bedient sich beim Soul, komponiert Folksongs und verbindet Rock mit Klassik. Das Stück steht in der Tradition der Rock-Opern und kommt ohne gesprochene Dialoge aus. Webber schreibt hier sehr ausgefeilt und musikalisch anspruchsvoll, aber mit eingängiger, mitreißender Melodik. Wunderbar transportieren die Rock-Stimmen die große Emotionalität der Handlung.


Kreativteam und Besetzung:

Musikalische Leitung – Damian Omansen
Regie/Kostüme – Sebastian Ritschel
Konzeptionelle Mitarbeit – Ronny Scholz
Bühne – Rifail Ajdarpasic
Choreografie – Kati Farkas
Dramaturgie – Thomas Schmidt-Ehrenberg
Choreinstudierung – Martin Wagner

Jesus von Nazareth – Tobias Bieri
Maria Magdalena – Julia Gámez Martín
Judas Ischariot – Timothy Roller
Pontius Pilatus – Johannes Wollrab
Kaiphas – Frank Heinrich/Bartek Bukowski
Annas  – Martin Mulders
König Herodes – Paul Kribbe
Simon Zelotes – Annik Harneit
Petrus – Christian Miebach
Soulgirls – Eva Zamostny, Beatrice Reece, Jessica Krüger
Drei Priester – Thomas Matz, Jörg Benecke, Jürgen Jacobs

Opernchor des Theaters Magdeburg
Ballett Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie

Datenquelle: DomplatzOpenAir  Magdeburg (https://www.theater-magdeburg.de/spielplan/musiktheater/jesus-christ-superstar/)