Grimm!

Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf

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Im Zuge des Sommerfestivals im Admiralspalast in Berlin macht das Musical Grimm! – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf, den Anfang. Zu sehen ist dieses vom 15.07.2017 bis zum 26.07.2017 als Gastspiel der Neuköllner Oper auf der Studiobühne. Das Musical stammt aus der Feder des Autoren-/Komponistenduos Peter Lund und Thomas Zaufke. Es handelt vorrangig davon, dass wir alle manchmal Märchen erzählen, um uns besser darzustellen als wir wirklich sind. Das zumindest behauptet Oma Eule (Holger Off), jene Figur, die als Stimme der Vernunft gilt und sowohl Dorf- als auch Waldbewohnern weise Ratschläge erteilt.

Rotkäppchen (Devi-Ananda Dahm), die eigentlich Dorothea heißt, lebt wohlbehütet in der Dorfgemeinschaft mit den Tieren Seite an Seite. Doch sie will mehr vom Leben. So macht sie sich eines Tages neugierig auf, um in den Wald zu gehen. Die Warnung der ach so toleranten Tiere missachtend, streift sie auf Abwegen durch den Wald und begegnet Grimm (Dennis Weißert), der eigentlich weder böse noch gefährlich ist, sondern als einziger seiner Art eher der einsame Wolf. Sie freunden sich an, während alle anderen weiterhin mit dem Kopf schütteln und ihre Warnungen aussprechen.

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Das einzige andere Dorftier, welches zu einem Wilden Kontakt hält, ist die Schweinedame Dicklinde (Jasmin Eberl), die sich in Schweinchen Wild (Kiara Brunken), eine Wildsau, verschossen hat und mit allen Mitteln versucht, diese ins Dorf zu locken. Auch Dorothea arbeitet an dieser Mission, den Wolf zu domestizieren und schlussendlich fällt die Abstimmung zu seinen Gunsten aus. Dennoch gibt es Neider, die versuchen, ihn wieder loszuwerden und ihm all die Steine in den Weg legen, die sie lieber in seinem Bauch sehen würden. So wird Grimm beschuldigt, bei Babysitterdiensten für Gisela Geiss (Katharina Beatrice Hierl), ein Geißlein gefressen zu haben und später, als man ihn an die Kette legt, obwohl seine Unschuld bewiesen ist, das Schweinchen Schlau (Markus Fetter) gebissen zu haben. Natürlich sind diese Vorwürfe haltlos, doch es ist erst der Jäger Rex (Anthony Curtis Kirby), dessen Vater Sultan (Michael Dixon) mit Grimms Vater schon gemeinsame Sache gemacht hat, der die ganze Wahrheit ans Tageslicht bringt.

Auch wenn es in dem Stück so viele Irrungen und Wirrungen gibt wie Waldwege, die sich alle ähnlich sehen, folgt es doch der ganz einfachen Botschaft, „Seid nett zueinander und lernt euch kennen.“ Mit erhobenem Zeigefinger mahnt das Stück an, Vorurteile über Bord zu werfen, oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Wie Dicklinde und Schweinchen Wild beweisen, ist jeder für sein Happy End selbst verantwortlich, denn sie tun genau das, was ihnen wichtig scheint und von allen anderen verlacht wird. Auch der wilde Grimm, Hofhund Rex und Dorothea freunden sich an und Schwein Didi (Dennis Hupka) findet seinen Weg. Intriganten erhalten ihre gerechte Strafe.

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Die Bühne im Studio des Admiralspalastes ist sehr klein und wird optisch noch einmal verkleinert durch das Einrichten eines Bereiches für eine siebenköpfige Band, die das Stück die ganze Zeit über unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Kirchberg live begleitet. Das Bühnenbild ist einfach und klar strukturiert. Durch seine zweifarbige Unterteilung fällt es nicht nur leicht, zu folgen, wo das Geschehen gerade stattfindet, sondern auch, zu unterscheiden, wer symbolisch die „Guten“ und die „Bösen“ sind. So ist der wesentlich größere Dorfbereich weiß und von vier Blöcken, die aufgestellt das Wort DORF ergeben, bedeckt. Der tiefschwarze Hintergrund symbolisiert das Verbotene, den Wald. Später steht dies auch in deutlichen Lettern dort geschrieben. Mit wenigen Lichteffekten und einigen kleineren Requisiten, die auf der Bühne verbleiben, ist dieser ebenso spärlich ausgestattet, wie der vordere Bereich. Symbolträchtig hier ist das Fehlen von Wildwuchs, wenn auch nur symbolisch, stattdessen finden sich dort Müllberge und Abfall der Dorfbewohner.

Die Kostüme sind farblich ähnlich gehalten wie die Hintergründe. Helle Farben für die Dorfbewohner und Schwarz für die Wilden. Lediglich Dorothea in ihrem rotkarierten Kleid und Oma Eule in ihrem exzentrischen flatterhaften Gewand unterscheiden sich hier grundlegend.

Beeindruckend im Gedächtnis bleibt Dennis Weißert in der Rolle des Wolfes, der sehr durchtrainiert und scheinbar mühelos, zugleich singend, turnend und tanzend die Bühne belebt. Auch das Wildschweinchen „Wild“, gespielt von Kiara Brunken, steht ihm da in nichts nach. Mit Holger Off ist die Rolle der Eule mutig besetzt, so wird bereits während der Pause aus dem Publikum sowohl die Meinung, es sei unterhaltsam, als auch, es würde die Stimme der Vernunft und damit die Botschaft der Rolle ins Lächerliche ziehen, hörbar. Das Publikum war überaus motiviert, wenn auch nicht sehr zahlreich, was für ein durchaus sehenswertes Stück schade ist. Da die Sprache teilweise etwas unflätiger daher kommt als man es vielleicht gewöhnt sein mag, ist ein Besuch für Kinder erst ab 10 Jahren empfohlen.

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Darsteller
Grimm: Dennis Weißert
Dorothea: Devi-Ananda Dahm
Rex: Anthony Curtis Kirby
Sultan: Michael Dixon
Gisela Geiss: Katharina Beatrice Hierl
Schlau: Markus Fetter
Dicklinde: Jasmin Eberl
Didi: Dennis Hupka
Wild: Kiara Brunken
Eule: Holger Off
Geißlein: Anastasia Troska

Musiker
Gitarre: Jo Gehlmann, Hossein Yacery Manesh
Trompete / Piccolo-Trompete: Rainer Brennecke
Reeds: Sidney Pfnür, Karola Elßner
Synthesizer: Markus Mittermeyer, Tobias Bartholmess
Schlagzeug: Stephan Genze
Kontrabass: Max Nauta, Ralph Gräßler
Klavier/Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg, Tobias Bartholmess

Musik von: Thomas Zaufke
Text von: Peter Lund


Artikel von Andrea