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Premiere in Erfurt

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Am 01.02.2018 war es nun endlich soweit. Nachdem wir für euch schon die Matinee und die Rang-Frei-Veranstaltungen von Thomas Zaufkes Musical Grimm! besucht haben, wollen wir euch natürlich auch von unseren Eindrücken der Premiere berichten.

Kommen wir allerdings erst einmal kurz für alle, die das Musical noch nicht kennen, zur Geschichte:

Das Rotkäppchen, ein 14-jähriges Mädchen, das ihren Spitznamen satt hat und lieber Dorothea genannt werden möchte, lebt in einer Dorfgemeinschaft, die aus verschiedenen Märchenfiguren zusammengewürfelt ist. Eines eint die Dorfbewohner jedoch: Die Angst vor dem Wald und dem darin lebenden bösen Wolf. So leben hier neben dem Rotkäppchen auch Mutter Geiß mit ihren Kindern, die drei kleinen Schweinchen und zudem noch der alte Hofhund Sultan mit seinem Sohn Rex.  Jeder von ihnen hat bereits seine schlechten Erfahrungen mit dem Wolf gemacht – oder tut zumindest so.

Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen)

Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen)

Der Wolf haust im Wald, und genau da zieht es Dorothea magisch hin, trotz oder auch gerade wegen all dieser Gruselmärchen, weil es im Dorf doch ziemlich öde ist. Es kommt der Tag, da obsiegt die Neugier und das junge Mädchen macht sich gegen alle Warnungen auf in den Wald und begegnet dort Grimm, dem Wolf. Dieser erscheint ihr jedoch gar nicht so böse, wie ihn alle Dorfbewohner geschildert haben.

Grimm ist ein Aussteiger, und das Rotkäppchen ist von seiner freiheitsliebenden Art fasziniert und fühlt sich von ihm angezogen – was auf Gegenseitigkeit beruht. Der Wolf hatte bisher nur Kontakt zu Schweinchen Wild, einer Wildsau, und zu Oma Eule.

Schweinchen Wild findet es gar nicht gut, dass Wolf und Mensch eine Freundschaft oder gar Beziehung haben können. Allerdings hat sie selbst ein ihr widernatürlich erscheinendes Faible für das im Dorf lebende Schweinchen Dick, welche ebenfalls eine Sau ist.

Grimm! Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf Regie: Stephan Beer Ausstattung: Georg Burger Choreografie: Pascale Chevroton Premiere am 1. Februar 2018 Theater-Erfurt

Nur Oma Eule ist für Wald- und Dorfbewohner gleichermaßen offen, weil sie das Leben hier und dort kennengelernt hat. Oma Eule hat mütterliche Gefühle für Dorothea, welche unter ihrem Einfluss beschließt dass sie Grimm mit ins Dorf nimmt, um allen Gerüchten ein Ende zu setzen. Sie ahnt jedoch nicht, was sie damit auslöst, denn das Dorf entpuppt sich als arglistigerHaufen

Eigentlich leben Ziegen, Schweine, Hunde und das Rotkäppchen nach den Geboten des Animalismus und in demokratischen Strukturen. Als sie aber durch einen Wolf in ihrer Gemeinschaft ihre spießige Dorfidylle bedroht sehen, gehen sie in Verteidigungsposition. Der alte Hofhund Sultan, der Bürgermeister des Dorfes, will um jeden Preis einige dunkle Geheimnisse und schmutzige Geschichten bewahren.

Raphael Köb (Grimm)

Raphael Köb (Grimm)

Schweinchen Schlau wäre auch gerne Bürgermeister und als er erkennt, dass nach und nach alle Dorfbewohner irgendwann beginnen, ihre Vorurteile gegenüber Grimm aufzugeben und Frau Geiß dann auch noch den Wolf zum Babysitter ihrer Kinder macht und Grimm sogar verführt, versucht er durch eine Intrige die Gemeinschaft gegen den Wolf aufzubringen. Er würde ihn am liebsten töten. Falsche Beschuldigungen von Schweinchen Schlau führen fast zu einem Eklat. Kann Dorothea ihrem Märchen doch noch zu einem Happy End verhelfen?

Die Inszenierung von Stephan Beer versetzt den Zuschauer ins Amerika der 1950er-Jahre, mit Petticoat und Kleinstadtidylle. Der neue Handlungsort weckt gewollt provokant die ein oder andere Assoziation im Kopf des Betrachters. Märchen – die Fake News von gestern? Auch das Bühnenbild von Georg Burger macht schnell deutlich, dass hier einiges nur Fassade ist. Die sich collagenartig zusammensetzende Szenerie gewährt dem Publikum beim schnellen Drehbühnen-Szenenwechsel einen Blick hinter die dekorative Idylle.

Den Balanceakt zwischen Mensch und Tier schafft Pascale Chevroton mit ihrer Choreographie hervorragend. Nicht nur der Tanz, jede Bewegung der Akteure scheint durchdacht.

Julia Steingaß (Schweinchen Wild), Feline Zimmermann (Schweinchen Dicklinde)

Julia Steingaß (Schweinchen Wild), Feline Zimmermann (Schweinchen Dicklinde)

Catherine Chikosi dürfte einigen, die am Theater Erfurt schon das Musical West Side Story gesehen haben, bekannt sein. Hier spielt sie aktuell die Rolle der Rosalia. Ansonsten kennen einige sie vielleicht aus dem Musical Jesus Christ Superstar, welches sie, noch während ihrer Ausbildung, von 2012 bis 2014 in Bonn und Dortmund spielte. Neben dem Musical ist sie außerdem auch noch als Sängerin der Bands Have you met Miss Jones, Goodfellas und Deejay Plus auf Tour.

Im Musical Grimm aus der Feder von Thomas Zaufkespielt sie die Hauptrolle Rotkäppchen/Dorothea. Sie ist, wie wir finden, sowohl gesanglich als auch schauspielerisch die perfekte Besetzung. Aufgrund ihrer Hautfarbe ist sie auf den ersten Blick natürlich erst einmal etwas anders als man es sich von den Grimm´schen Märchen her vorstellt. Aber muss denn Andersartigkeit immer schlecht sein? Definitiv NEIN! So spiegelt sich eine der zentralen Aussagen des Musicals bereits in der Besetzung wider.

Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen), Raphael Köb (Grimm)

Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen), Raphael Köb (Grimm)

Ihre zu Beginn noch recht große Angst vor dem ach so bösen Wolf, weicht allerdings ganz schnell einer Zuneigung, die ihr der Wolf mit anfänglicher Skepsis allerdings auch schnell entgegenbringt. Das von ihr gesungene Lied „Du bist mein bester Freund“ lässt diese Zuneigung besonders deutlich erkennen.

Raphael Köb, der seine Ausbildung in Hamburg und am berühmten Lee Strasberg Theatre & Film Institute in Los Angeles absolvierte, ist zum ersten Mal am Theater Erfurt zu Gast. Regelmäßige Besucher der Burgfestspiele Bad Vilbel haben ihn bestimmt schon unter anderem als „Magaldi“ in Evita und als „Orin den Zahnarzt“ in Der kleine Horrorladen gesehen, wo er 2016 in seiner mittlerweile siebten Spielzeit in Folge engagiert war. Serienzuschauern ist er sicher aus der Serie Verliebt in Berlin bekannt.

Raphael Köb (Grimm), Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen)

Raphael Köb (Grimm), Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen)

Seine Interpretation des Wolfs Grimm lässt ihn die großen und kleinen Zuschauer sofort in ihr Herz schließen, da der Wolf doch kein so böses Tier ist, wie es im Märchen immer behauptet wird. Dies wird besonders in dem Lied „Grimm“ deutlich, in dem man erfährt, wie ein Wolf fühlt.

Kammersänger Máté Sólyom-Nagy ist bei dem Erfurter Opern- und Musical-Publikum kein Unbekannter. In seiner bisher letzten Musical-Rolle, spielt er aktuell den Anführer der Jets, „Riff“ in der West Side Story. Er spielt aber auch verschiedenste Rollen aus dem Opern- und Operettenbereich, wie den Papageno in Die Zauberflöte oder die Rolle des Danilo Danilowitsch in Die lustige Witwe.

In Grimm verkörpert er den alten Hofhund Sultan. Sultan ist der „rote Faden“ des Stückes, denn er hält als Bürgermeister des Dorfes alle Fäden in der Hand. Wie sich später herausstellt, hat auch er eine dunkle Vergangenheit. Leider lässt die Rolle ihm nicht so den Raum, um zu zeigen, was in ihm steckt, was sehr schade ist.

Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen), Ks. Máté Sólyom-Nagy (Sultan), Lukas Weinberger (Rex)

Catherine Chikosi (Dorothea, genannt Rotkäppchen), Ks. Máté Sólyom-Nagy (Sultan), Lukas Weinberger (Rex)

Lukas Weinberger kennt das Musical Grimm schon aus seinem Engagement am Theater der Jugend in Wien aus dem Jahr 2017. Dort verkörperte er allerdings die Titelrolle Grimm. Im Theater Erfurt ist er in der Rolle des Rex zu erleben. Rex, der junge Sohn von Sultan, versucht sich zu beweisen, um vielleicht irgendwann mal die Nachfolge seines Vaters als Sheriff und Bürgermeister des Dorfes antreten zu können. Das absolute Highlight dieser Rolle ist das Duett zwischen Rex und Grimm mit dem Song „Blut geleckt“.

Susanne Krassa war von 2001 bis 2014 als Schauspielerin Ensemblemitglied am Theater Magdeburg, wo sie zahlreiche Rollen wie u.a. „Julia“ in Romeo und Julia, „Irina“ in Drei Schwestern, „Janet“ in The Rocky Horror Show, „Lucy“ in Die Dreigroschenoper oder die „Opernfee“ in Spuk in der Oper übernahm.

Sie spielt im Musical Grimm die Rolle der Gisela Geiß mit ihren 7 Geißlein, die sich, von ihrem Mann verlassen, an Grimm ranmacht, obwohl es völlig unmöglich scheint, dass eine Ziege und ein Wolf zusammenleben können. Es wäre schön gewesen, wenn die Rolle etwas größer gewesen wäre, um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können.

Raphael Köb (Grimm),  Susanne Krassa (Gisela Geiss)

Raphael Köb (Grimm), Susanne Krassa (Gisela Geiss)

Erik Biegel als Schweinchen Schlau, Feline Zimmermann als Schweinchen Dicklinde und Markus Fetter als Schweinchen Didi haben vor allem die Lacher der Kinder auf ihrer Seite.

Erik Biegel als Schweinchen Schlau will den alten Hofhund Sultan als Bürgermeister verdrängen, da ihm der ganze Trubel um den Wolf Grimm nicht so ganz geheuer ist und er eigentlich lieber möchte, das alles so bleibt wie es vorher war. Er ist der Anführer der Schweinchen und sagt ihnen, wo es langgeht. Erik Biegel ist in Erfurt kein Unbekannter. Er spielte 2017 die Rolle des „Hauptmanns“ in der Oper Wozzeck. Die Rolle von Schweinchen Schlau ist nicht seine erste Musical-Rolle. In der Spielzeit 2015/2016 spielte er am Staatstheater Kassel die Rolle des „Hortensio“ im Musical Kiss me, Kate.

Feline Zimmermann als Schweinchen Dicklinde/Dick gehörte mit dem 3. Jahrgang des Studiengangs Musical/Show der Berliner Universität der Künste 2015 schon zur Premierenbesetzung des Musicals in Berlin. Diese Rolle spielt sie auch in Erfurt wieder. Ihren großen Auftritt hat sie am Ende des ersten Aktes, an dem ihr das Schweinchen Wild erklärt, dass sie eigentlich gar nicht dick ist, so wie es immer alle sagen. Und ist das rechthaberische und gemeine Schweinchen Schlau vielleicht auch gar nicht schlau? Beim Schwein-Gehabt-Walzer schweben Sie und Schweinchen Wild in einer Gondel hoch über den Köpfen der Zuschauer.

Markus Fetter als Schweinchen Didi eröffnet als Hahn das Musical. Im Laufe des Stückes merkt man, dass Didi auch so seine Probleme mit sich selbst hat, was besonders auch in dem Lied „Didis Krise“ hervorgehoben wird. Auch für Markus Fetter ist Grimm kein unbekanntes Musical. Er spielte die Rolle von Schweinchen Schlau bereits im Admiralspalast Berlin. Seit 2014 studiert er an der Universität der Künste in Berlin im Studiengang Musical / Show und wird im Sommer 2018 dort seinen Abschluss machen.

Feline Zimmermann (Schweinchen Dicklinde), Anja Augustin (Oma Eule), Markus Fetter(schweinchen Didi)

Feline Zimmermann (Schweinchen Dicklinde), Anja Augustin (Oma Eule), Markus Fetter(schweinchen Didi)

Julia Steingaß als Schweinchen Wild ist im wahrsten Sinne des Wortes die Wilde des Stückes. Als aufmüpfige Punkerin ist sie von dem ganzen Rummel um Grimm und Dorothea einfach nur genervt und will ihre Ruhe haben. Dies kommt vor allem in dem von ihr gesungenen Lied „Die da im Dorf“ sehr gut zu Ausdruck. In ihr wird sich sicher der ein oder andere pubertierende Teenager wiedererkennen. Im Laufe des Stückes verliebt sie sich in das Schweinchen Dick, das ja in Wirklichkeit gar nicht dick ist.

Julia Steingaß schloss im Jahre 2009 ihre Bühnenausbildung erfolgreich ab. Danach gehörte sie zur Europapremieren-Cast des Musicals Marie Antoinette am Theater Bremen. Weitere Musical-Rollen waren unter anderem „Sally Bowles“ in Cabaret, „Eva Peron“ in Evita, „Kathy“ in Die letzten 5 Jahre, „Polly Peachum“ in Die Dreigroschenoper und „Nancy“ in Oliver Twist.

In den Spielzeiten 2015 bis 2018 gehört Julia Steingaß fest zum Schauspielensemble des Meininger Staatstheaters und man kann sie dort unter anderem als „Janet“ in der Rocky Horror Show, „Dorothy“ in Der Zauberer von Oz, „Mary Featherstone“ in Die bessere Hälfte sowie „Eva Peron“ in Evita erleben.

Julia Steingaß (Schweinchen Wild)

Julia Steingaß (Schweinchen Wild)

Last but not least, Anja Augustin ist für manche Besucher des Theaters Erfurt sicher auch keine Unbekannte. Sie ist ein ehemaliges Ensemblemitglied und spielte hier unter anderem die Rolle der „Evita“ im gleichnamigen Musical sowie die Rolle der „Golde“ in Anatevka. In Grimm ist Sie als Oma Eule (Eularia) der Ruhepol des Stückes. Oma Eule wird in der Inszenierung in Erfurt als friedliebende Eule mit Hang zum indischen Yoga dargestellt. Sie ist, um dem ganzen Trubel des Dorfes zu entfliehen, in den Wald gezogen und versucht jetzt die Wogen zwischen allen wieder zu glätten. Auch sie ist eine der wenigen, die weiß, wie die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf ist.

Anja Augustin (Oma Eule)

Anja Augustin (Oma Eule)

Halt, stopp. Da haben wir doch noch etwas vergessen: Die sieben, nein sechs jungen Geißlein. Diese wurden aus dem Kinder- und Jugendchor unter der Leitung von Cordula Fischer ausgewählt und haben mehrere kleine Auftritte über den ganzen Abend verteilt.

Etwas erstaunt waren wir, als wir im Programmheft gelesen haben, dass das Orchester unter der Leitung von Peter Leipold nur aus einer kleinen Besetzung besteht. Das hörte man zu keiner Zeit. Etwas schade fanden wir allerdings, dass die Abmischung zwischen Orchester und Mikrophonen der Darsteller an einigen Stellen nicht ganz optimal geklappt hat. Darunter litt leider die Textverständlichkeit etwas. Das war allerdings der einzige Wermutstropfen an diesem Abend.

Die Inszenierung ist ebenso witzig wie provokant und regt zum Nachdenken an. Situationskomik, Tiefgründiges und kluge Witze geben sich die Klinke in die Hand. Es ist ein Stück für Kinder ab acht Jahren. Die am Premierenabend anwesenden wesentlich jüngeren Kinder hatten allerdings auch ihren Spaß, wie das vor Begeisterung lautstark quiekende Mädchen dem Zuschauersaal verriet. Auch so mancher kluge Witz erntete vom angenehm jungen Premierenpublikum heftigen Szenenapplaus.

Unser Fazit: Das Theater Erfurt hat mal wieder eine großartige Leistung vollbracht und ein Stück auf die Bühne gebracht, das sowohl die kleinen als auch die großen Theaterfreunde ansprechen wird.Wir können euch das Stück wärmstens empfehlen.

Weitere Informationen, Termine und Tickets unter www.theater-erfurt.de


Artikel von Hagen

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