Ghost – das Musical in Berlin, 2017/2018

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Am 07. Dezember 2017 feierte das Musical Ghost seine umjubelte Deutschlandpremiere im renommierten Theater des Westens in Berlin. Was würde sich besser für ein solches Stück eignen, als dieses historische Gebäude in seinem winterlichen Charme, in welchem man dem Geist vieler früherer Produktionen noch immer nachspüren kann und wo Neues stets mit offenen Armen empfangen wird.

So auch in diesem Fall. Nach zwei äußerst gelungenen ausverkauften Previews und einem kurzen Konzert für nur wenige Besucher, öffnen sich nun die Tore für das breite Publikum.

Unplugged Konzert am 19.11.2017
Unplugged Konzert am 18.11.2017

Das vorangeschobene Unplugged-Konzert am 18. November bot direkt aus der Probenphase heraus einen Vorgeschmack auf das Musical. Dort wurde die gesamte Cast einmal namentlich vorgestellt und es gab erste Einblicke in die harte Arbeit. Begleitet von Shay Cohen und Ratan Julian Jhaveri zeigten die Künstler motiviert und bereits hier überaus emotional, worauf sich das Publikum freuen kann. Mit „Mehr“ gab es einen Eindruck von der Stimmgewalt des gesamten Ensembles, und mit ihren Soli trieben Hauptdarstellerin Willemijn Verkaik und ihr Spielpartner Alexander Klaws den wenigen Zuhörern auf der engen Probebühne die Tränen in die Augen. Natürlich durfte auch am Ende die „Unchained Melody“, welche aus dem Film wohlbekannt ist, nicht fehlen. Im Musical wird diese jedoch lediglich immer wieder kurz angerissen, kommt aber nicht zur kompletten Aufführung. Die Zuschauer erfuhren, dass es für die Cast eine äußerst anstrengende Arbeit sei, dieses Stück auf die Bühne zu bringen, denn es sei weniger eine schauspielerische und gesangliche Leistung, als vielmehr täglich aufs Neue eine große emotionale Herausforderung. Die Geschichte, die auf dem Film aus dem Jahre 1990 basiert, handelt schließlich von großen Gefühlen. Alexander Klaws beschreibt die Herausforderung seiner Rolle in etwa folgendermaßen: „Ich habe noch nie so viel Zeit auf einer Bühne verbracht und wurde von allen ignoriert. Das Gefühl ist verwirrend und ich freue mich, dass wenigstens die anderen Geister meine Anwesenheit wahrnehmen.“

© Stage Entertainment
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Der Banker Sam Wheat und seine Freundin Molly Jenson ziehen in eine gemeinsame Wohnung in Brooklyn. Dabei unterstützt ihr gemeinsamer Freund Carl Brunner sie tatkräftig. Molly ist Künstlerin und bringt den Workaholic immer wieder liebenswürdig und durchsetzungsstark zurück auf den Boden der Tatsachen. Sie setzt sich im gemeinsamen Alltag durch, während er im Berufsleben seinen Mann steht. Sam scheint ein wenig abergläubig zu sein, möchte er doch einen bevorstehenden Flug am liebsten verschieben, da es kürzlich bereits zwei Abstürze gegeben hat. Doch Molly lacht ihn lediglich liebevoll aus.
Als es zu einem Problem in der Bank kommt, bittet er seinen besten Freund Carl um Hilfe. Dieser verfällt jedoch, als er sich mit den falschen Leuten einlässt, der Gier nach Macht und Reichtum, was der Zuschauer aber erst nach und nach erfährt. Nach einem gemeinsamen Abendessen, bei dem Molly Sam offenbart, dass sie ihn gern heiraten möchte, wird das junge Paar von Willie Lopez überfallen, welcher den Auftrag hat, Sam die Brieftasche zu entwenden. Leider stirbt dieser unverhofft an einer Schussverletzung und bleibt als Geist zurück.

© Stage Entertainment
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In einem Klinikum begegnet er einem Krankenhausgeist, der ihn mit der Tatsache vertraut macht, dass er gestorben ist und langsam beginnt der einst junge Mann zu begreifen, dass er als Geist sein Dasein fristet und niemand ihn mehr sehen kann, während für alle anderen das Leben weiter geht. Er entdeckt, wie Carl versucht mit Molly anzubändeln, er verfolgt Willie, der sich Zutritt zur Wohnung verschafft hat, und bemerkt, dass seine große Liebe in Gefahr ist. Auf seinem Weg begegnet er einem U Bahn Geist, der an der Stelle seines eigenen unfreiwilligen Todes sein Unwesen treibt und lernt von ihm, Dinge zu bewegen. Die Entdeckung, dass Carl und Willie unter einer Decke stecken trifft ihn besonders hart. Im Studio einer Spiritistin, die eigentlich alles andere als ehrbar ist, wird er das erste Mal nach seinem Tod wieder wahrgenommen. Er nutzt Oda Mae Brown als Medium, um Molly zu warnen. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf, in deren Werdegang die beiden Gauner ebenfalls ihr Leben lassen und Molly bemerkt, dass Liebe durchaus über den Tod hinaus Bestand hat. Mit einem Abschied des jungen Paares endet das Musical ebenso wie der Film.

© Stage Entertainment
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Das Bühnenbild ist gewaltig und überaus wandelbar. Zeigt es in der einen Minute noch die Wohnung des Paares, wird daraus in Sekundenschnelle durch geschickten Einsatz weniger, aber doch effektiv genutzter Requisiten ein Aufzug oder ein Bürogebäude, ebenso wie ein Restaurant oder eine Straßenzeile. Die U Bahn ist besonders beeindruckend und wird von Stroboskopeffekten sehr effektvoll ins rechte Licht gerückt. Die Atmosphäre in dieser Szene ist beklemmend. Auf zwei Etagen, die durchweg bespielt werden, befindet sich das große Appartement von Sam und Molly, wohingegen ein enges Zimmer mit wenigen Wänden die heruntergekommene Bleibe von Willie Lopez andeutet.

Bis ins kleinste Detail liebevoll und aufmerksam gestaltet sind auch die Kostüme. Egal ob die filmgetreue Latzhose von Molly, oder die schrägen Outfits der Spiritistin, alles passt auf seine Weise zusammen.

© Stage Entertainment
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Jede einzelne Figur ist mit viel Fingerspitzengefühl erarbeitet und überzeugt den Zuschauer komplett. Alexander Klaws als Sam, wie auch Mathias Edenborn, spielen beide auf ihre Weise und sind dabei völlig in ihrer Rolle. Die Verzweiflung über den eigenen Tod, das langsame Begreifen und nicht akzeptieren des Unmöglichen und die starke Verbindung, die ihre Bühnenfigur zur Partnerin verspürt sind beinahe greifbar. Selbst die ein oder andere Träne ist hier nicht nur im Auge der Zuschauer zu erkennen.

Willemijn Verkaik als Molly spielt die verzweifelte junge Künstlerin, die vom Partner getrennt wird und schmerzlich versucht ihre Trauer mit allen Mitteln zu verarbeiten. Aus jeder Geste und jedem Blick wird deutlich, dass sie die Figur lebt. Mit ihren Briefen an Sam und dem inneren Kampf gegen das Vorstellbare leidet man mit ihr.

© Stage Entertainment
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Andreas Bongard als Carl Brunner überzeugt durch den Wandel, den er vollzieht. Er möchte gut sein, doch das Milieu in welches er hinein gezogen wird, hält ihn mehr und mehr davon ab und somit ändert sich sein Charakter zunehmend zum Schlechten. Angst, Lust, Habgier, Verachtung, all das verlangt seine Rolle ihm ab und er weiß es meisterlich zu verbinden.

Marion Campbell verkörpert als Oda Mae Brown eine zentrale Figur des Stückes. Ihre Aufgabe ist es nicht nur, die Zweiflerin Molly davon zu überzeugen, an Geister zu glauben, sondern besteht ebenfalls in dem viel schwierigeren Part, das Stück für die Zuschauer nicht zu sehr ins Dramatische abrutschen zu lassen. Jeder Auftritt von ihr ist ein Fest. Die einzelnen Szenen strotzen vor Lebendigkeit, Selbstbewusstsein und einer witzigen Art Charme, die einem immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ganz besonders, wenn sie gerade erfährt, dass sie 10 Millionen Dollar von einem Konto abhebt, welches ihr nicht gehört. Großer Respekt ist dieser überragenden Leistung zu zollen.

Über alle Maßen überzeugen kann auch Mischa Kiek, in der Rolle des Bösewichtes Willie Lopez, die er bereits in der deutschsprachigen Erstaufführung in Linz verkörperte. Sein Talent den schmierigen Ganoven darzustellen und ganz nebenbei im Ensemble noch diverse, nicht immer gänzlich bekleidete, Rollen zu übernehmen und dabei eine gute Figur abzugeben ist unglaublich.

Letzten Endes bleibt auch der U-Bahn-Geist Nicolas Christahl im Gedächtnis, der mit seiner herrlich manisch-paranoiden Art sofort ins Herz geschlossen werden muss, obwohl er eigentlich beängstigend sein sollte.

Das Zusammenspiel des kompletten Ensembles ist perfekt aufeinander abgestimmt und macht große Lust das Stück auch ein zweites und drittes Mal zu besuchen.

© Stage Entertainment
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Die Spezialeffekte sind einfach und dennoch nicht sofort durchschaubar, was das Musical während der gesamten Dauer zu einem Erlebnis werden lässt. Gespannt wartet man, auf die nächste Szene, fiebert, auch wenn man den Film kennt, im Geschehen mit und staunt immer wieder über die Umsetzung. Sowohl bei den besuchten Previews als auch wenige Tage nach der Premiere war den Zuschauern die Begeisterung in den Gesichtern abzulesen. Ghost ist kein Stück, welches man als leichte Unterhaltung anschaut, doch ebenfalls weit entfernt von schwerer Kost. Durch die eingängigen Melodien, das Bühnenbild und die Geschichte bleibt auch im Nachhinein eine Botschaft erhalten. Es wäre noch anzumerken, dass die starken Lichteffekte bei Menschen mit gesundheitlicher Vorschädigung zu Problemen führen könnten, da diese einen Großteil der dargestellten Effekte unterstreichen. Die mit viel Arbeit und großem Feingefühl übermittelte Botschaft bleibt jedoch klar. Entgegen aller Klischees ist die Aussage, den Tag zu leben und zu genießen wohl immer zutreffend. Es kann so viel passieren und wahre Liebe endet nicht mit dem Tod, sie ist so viel mehr als nur ein Wort.

Für acht Vorstellungen in der Woche gibt es Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen, im Internet oder auch an der Abendkasse.


Text: Andrea

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