Flashdance – Das Musical

Tour-Produktion

Opening Night Düsseldorf – 10. Oktober 2018

„What a feeling, bein’s believin‘, I can have it all, now I’m dancin‘ for my life –
Take your passion, and make it happen, pictures come alive, you can dance right through your life!“

(c) 2Entertain Germany
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Bereits 1983 erschien die Filmversion von „Flashdance“ als Musik- und Tanzfilm unter der Regie von Adrian Lyne und heimste zunächst weniger Lob denn Kritik ein. So titelte beispielsweise der Spiegel in seiner Ausgabe 36/1983: „Ein eineinhalbstündiger Werbefilm, der für sich selbst Reklame macht und für nichts sonst […] – auch die Platte ist das absolute Nichts und wäre ohne den Film unverkäuflich.“, ebenso steht im Lexikon des internationalen Films „[…] mit einem Nichts an Story und soziologisch lachhaftem Hintergrund.“ Das breite Publikum sah das allerdings anders. Allein der Titelsong „Flashdance… What a Feeling“, komponiert von Giorgio Moroder/Keith Forsey und gesungen von Irene Cara erhielt bereits 1984, nur ein Jahr nach der teils vernichtenden Kritik, einen Oscar in der Kategorie „Bester Song“, den Golden Globe Award und den Grammy in der Kategorie „Beste weibliche Gesangsdarbietung – Pop“, fand sich auf Platz 3 der deutschen und Platz 4 der österreichischen Charts wieder und der Film wurde für drei weitere Oscars – für Schnitt, Kamera und den Song Maniac – nominiert. Die Story ist immer noch brandaktuell – eine Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen – eine Geschichte, in die man sich unmittelbar hineinversetzen kann und die so in vielen Wohnzimmern immer noch passieren könnte.

Das Musical, dessen Weltpremiere im Juli 2008 im Theatre Royal in Plymouth stattfand, ist eine Bühnenadaption des Films – die Story hat man in ihrem Verlauf ein wenig verändert. Jetzt, genau 10 Jahre nach der Welturaufführung, kommt es als modernisierte Inszenierung nach Deutschland. Für diese Tour-Produktion – die Premiere fand am 20. September in Hamburg statt und ist momentan in Düsseldorf zu Gast – zeichnet die erst seit Anfang dieses Jahres auf dem deutschen Markt tätige 2Entertain Germany verantwortlich und bringt damit zum Start einen wahren Knaller auf die Bühne.

(c) 2Entertain Germany
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Der Titelsong sagt nicht nur in seinem Refrain über den Inhalt des Stückes im Grunde schon alles aus. Der Kampf um Anerkennung und die Verwirklichung seiner Träume. Die 18-jährige Alexandra „Alex“ Owens (Ann Sophie Dürmeyer) arbeitet tagsüber als Schweißerin und tanzt nachts in teils zwielichtigen Bars, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie hat einen großen Traum – sie will eine klassische Tanzausbildung an der Shipley Tanzakademie in Pittsburgh machen und damit der Arbeiterschicht der sie entstammt, den Ärmsten der Armen, entfliehen.

Unterstützung erfährt sie durch den Chef ihres Ausbildungsbetriebes, Nick Hurley, (Sasha di Capri) der sich Hals über Kopf in seine Mitarbeiterin verliebt und fortan von dem Wunsch getrieben wird, ihr bei der Verwirklichung ihres Traums zu helfen. Zunächst lehnt Alex eine Beziehung mit ihrem Chef ab, dieser allerdings gibt sein Werben nicht auf und es entwickelt sich eine turbulente Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen. Nick nutzt seine Kontakte und verschafft Alex ein Vortanzen an der Akademie, was diese allerdings nicht gutheißen möchte. Sie ist eine selbstständige Person und möchte es allein schaffen, ohne die Gunst von Beziehungen. Wie wird ihr Weg enden – wird es die Autodidaktin, die sich alles bisherige tänzerische Können selbst beigebracht hat, ohne jemals professionellen Unterricht zu bekommen, das Aufnahme-Casting mit ihrer eigenen, eigenwilligen und ungewöhnlichen Tanzperformance schaffen, oder zerplatzt ihr Traum schneller als eine Seifenblase?

2Entertain Germany kreiert um die bekannte Story eine gelungene Inszenierung. Der rote Faden um Alex Owens und die anderen Figuren geht dabei nie verloren. Ihre Lebensgeschichte um den schweren Stand der am Rande Stehenden – sei es ihr harter Kampf ums finanzielle Überleben, ihre liebevolle Beziehung zu ihrer künstlerischen, aber bereits alten und kranken Mentorin, oder eben die generellen Sorgen, Nöte, aber auch die Lebensfreude einer jungen, selbstständigen Frau – wird lebendig ins Publikum transportiert.

(c) 2Entertain Germany
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Ann Sophie Dürmeyer und Sasha di Capri spielen überzeugend frisch und emotional und zeigen gesangstechnisch die volle Bandbreite ihres Könnens. Man leidet mit ihnen, man freut sich mit ihnen und man liebt mit ihnen. Leider werden sie, ebenso wie das gesamte Ensemble, durch die stellenweise noch lückenhafte Technik ausgebremst. Häufig übertönt das Orchester ihre Stimmen, lässt die Texte schlecht verstehen und trübt damit den eigentlich gesamt positiven Eindruck ein wenig.

Alex‘ Freundin Gloria, besetzt durch Claudia Artner, steht der Hauptfigur schauspielerisch wie gesanglich in nichts nach. Auch der ambitionierte, aber mit wenig Talent gesegnete Nachwuchs-Comedian Jimmy, verkörpert durch Konstantin Busack, wurde passend besetzt und entringt dem Publikum mit viel Witz und gutem Spiel einige Lacher. Regina Venus, die Alex‘ Mentorin Hannah darstellt, zeigt mit viel Liebe, wie gut sich das Leben einer alten, gebrechlichen Frau, angereichert mit Selbstironie und Humor noch anfühlen kann, auch wenn ihre Rolle am Ende des Stückes das Zeitliche segnet. Positiv zu bemerken ist, dass jede der größer angelegten Figuren eine durchdachte und auch gespielte eigene Geschichte hat und diese überzeugend rübergebracht werden kann, was sich das Stück rund und stimmig anfühlen lässt.

(c) 2Entertain Germany
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Das Bühnenbild ist minimalistisch aufgebaut, wirkt aber durch die hochauflösenden LED-Wände, die mittels unterschiedlichen Projizierungen verändert werden, groß und aufwändig. Schade ist allerdings, dass trotz der schnellen technischen Möglichkeiten die Bühne bei den Szenenwechseln häufig zu lange dunkel bleibt und so den Flow des Stückes unnötig unterbricht.

Über die Kostüme muss nicht viel berichtet werden. Jedes „Kind der 80er“ kennt die Stulpen und schulterfreien Shirts zu Genüge, die das typische Bild der lässigen Kleidung dieses Jahrzehntes – komplettiert durch die damalige „bessere“ Mode – auch hier gekonnt auf die Bühne bringt.

„Flashdance – Das Musical“ – produziert in deutscher Sprache – ist es durchaus Wert Beachtung beim Publikum zu finden. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Zeitzeugen und Freunde der damaligen Musik. Die eingängigen Klassiker „Flashdance – What a Feeling“, „Gloria“, „I love Rock’n’Roll“ und nicht zuletzt „Maniac“ sind in ihrer englischen Originalversion belassen, die ergänzend eingefügten Titel werden auf Deutsch gesungen.

Das Musicalerlebnis für Jung und Alt läuft noch bis zum 21. Oktober im Capitol Theater in Düsseldorf und wird anschließend bis Ende des Jahres noch in Salzburg, Bremen, Frankfurt, Wien, Bamberg, Berlin und Mannheim zu sehen sein. Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufsstellen.


Text: Astrid