First Stage Theater Hamburg: Best of 2017

Best of 2017 - First Stage HH

(c) First Stage

Im First Stage Theater wurde zur Premiere der diesjährigen „Best of“ geladen. Hierbei handelt es sich um eine Bühnenshow der 10 besten Absolventen der Stage School Hamburg, Deutschlands ältester Bühnenfachschule für Tanz, Gesang und Schauspiel, die ihre Prüfungsarbeiten einem breiten Publikum vorstellen möchten. Die Idee dahinter, so der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Gehle ist, dass die jungen Leute sich große Mühe mit Ihren Abschlussarbeiten für die Prüfung geben, lange dafür proben und es demnach eigentlich viel zu schade ist, diese nur ein einziges Mal, eben vor der Prüfungskommission, zu zeigen.

Zwischentanz 2

Nicht nur Solo-Stücke werden präsentiert. Zwischen den einzelnen Programmteilen zeigen die Absolventen, wie gut sie im Team funktionieren.

Die Schüler der Stage School haben durch das schuleigene Theater die Möglichkeit, auch schon während der Ausbildung häufig auf der Bühne zu stehen. So inszeniert in diesem Jahr der 2. Jahrgang das Grusical „Addams Family“, welches sich Interessierte ab dem 4. August 2017 ansehen können. Des Weiteren stehen noch „Einblicke“ ab dem 7. September 2017 (hier gewähren Schüler und Schule eben „Einblicke“ in Ausbildung und Ausbildungsstätte) sowie im Dezember wieder die in den Vorjahren viel umjubelte Weihnachtsshow auf dem Programm.

Das Besondere bei diesen „Best of“-Vorstellungen ist, dass es sich eben um die Abschlussarbeiten der einzelnen Schüler handelt. Diese müssen vor der Prüfungskommission natürlich alleine, mit wenigen Requisiten, auf einer nackten Bühne ohne großes Bühnenbild vorgetragen werden. Bei diesen Abschlussarbeiten handelt es sich um ein etwa 8 – 12 minütiges Programm, welches alle Inhalte der Ausbildung, Tanz, Gesang und Schauspiel, enthalten muss. Zudem soll das Programm eine Geschichte erzählen, eine komplette Inszenierung, gewachsen in den Köpfen der Prüflinge. Dieses allein auf der Bühne stehen, allein das Publikum zu begeistern, es mitzureißen, zum Weinen oder Lachen zu bringen, stellt eine große Herausforderung dar. Eine nochmal größere Herausforderung als „nur“ vor der 5-köpfigen Prüfungskommission. Vor fremdem Publikum wird sich zeigen, ob die jungen Leute das Zeug für große Gefühle, Dramatik oder Komik haben, und auch, ob Ihre Programme draußen bei den Verbrauchern ankommen. Entsprechend groß ist das Lampenfieber bei den einzelnen Darstellern, wie sie uns in einem nach der Show exklusiv für Bühnenlichter stattfindenden Interview, noch bestätigen werden (Exklusives Interview mit den Darstellern nach der Premiere).

Das Theater

Das First Stage Theater befindet sich in einem reinen Anwohnergebiet im Hamburger Ortsteil Altona. In den Räumen war zuvor ein Kino beheimatet. Die Location mit den etwa 300 ansteigenden Plätzen eignet sich hervorragend für die Zwecke der Stage School. Das Theater wird gerne auch für Veranstaltungen anderer Künstler vermietet und ist der Hamburger Austragungsort der von der Stage School angebotenen Workshops. Diese werden sowohl rein spaßeshalber wie auch als Empfehlung für eine Ausbildung von den Teilnehmern genutzt. Nähere Informationen zu diesen Workshops, zu allen anderen Fragen sowie zum Ticketkauf finden Sie auf http://www.firststagehamburg.de

Thomas Gehle

Thomas Gehle, der Geschäftsführer der Stage School (c) Astrid Mohren

Das Theaterfoyer ist in der Größe dem zu bewältigenden Publikum angepasst und freundlich hell gestaltet. Man findet eine Theke zum Erwerb von Getränken und Snacks sowie Tische und Sitzgelegenheiten. An der Tageskasse wird man auffallend freundlich begrüßt. Bei Vorstellungsbeginn lässt es sich der Chef nicht nehmen, die Tickets selber zu kontrollieren. Im Gesamten erhält man vom Unternehmen Stage School und First Stage Theater einen sehr familiären Eindruck. Die Bühne nimmt die ganze Raumbreite ein und verläuft ebenerdig. Von allen Sitzplätzen kann man ohne Sichtbehinderung sehen und der Ton ist sehr gut zu verstehen.

Ruhe im Karton  – es wird ernst: Mutprobe!

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Nach Heben des Vorhanges erwartet uns – wie eingangs erwähnt – eine quasi leere Bühne. Ein Klavier steht im hinteren Bereich. Als Requisite sehen wir für die erste Vorstellung ein Sofa, ein kleines Schränkchen sowie einen Umzugskarton. Maike Jacobs erzählt uns ihre Geschichte „Ruhe im Karton“. Die 25-jährige Jennifer hat sich frisch von ihrem Freund getrennt und eine neue Wohnung bezogen, in der sie einen Neuanfang starten möchte. Entspannung wird schwer, da die Nachbarschaft diese gekonnt zu verhindern weiß. Maike besitzt ein hohes Maß an schauspielerischem Talent, dass sie hier gut unter Beweis stellen konnte.

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Till Jochheim spielt uns das Stück „Die Mutprobe“. Nachts im Wald soll er sich, auf Geheiß von Freunden und nur mit einer Forke bewaffnet, möglichen Gefahren stellen. Unter anderem sinniert er darüber, wie er einem großen Hund gegenübertritt. Schlussendlich bricht er diese Mutprobe zwar ab, gewinnt dabei aber eine wichtige Erkenntnis. Man sollte sich nicht mit Dingen aufhalten, die anderen wichtig sind, sondern das machen, was man selber möchte und was einen selbst auf seinem ureigenen Weg weiterbringt.  Till konnte mich mit seiner Stimme, vor allem bei seinen Versionen von „Go the Distance“ und „Goodbye“ abholen.

Als kleines Zwischenspiel zeigen uns Melanie Kastaun und Christine Lecke, dass auch der Stepptanz zu den in der Ausbildung erlernten Tänzen gehört.

Gewagte Reisen und Pläne

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In „Ach wär ich doch einfach zu Hause geblieben!“, erzählt uns Franziska Grau von einer jungen Frau, die eine gewagte Reise antritt, um sich selbst zu beweisen, dass sie dem trotz ihrer Ängste gewachsen ist. Als Requisiten hat sie lediglich einen übergroßen Wanderrucksack und einen Stuhl dabei. Ob im Zug, im Flugzeug oder im Bus zwischen Menschen, Hühnern und Schafen in Uganda oder in Indien, ihre Reise verläuft natürlich nicht ohne diverse Zwischenfälle und Hindernisse. Am Ende steht sie wieder zu Hause mit der durchaus nachvollziehbaren Erkenntnis, „Ach wär ich doch einfach zu Hause geblieben!“ Franziska spielte und tanzte mit einem entwaffnenden Charme und WOW-Effekt.

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Nathanael Anderfuhren entführt uns in die Welt eines Obdachlosen, der auf der Straße doch eigentlich recht gut über die Runden kommt – zumindest im Sommer. Aber was macht man im Winter? Mit einer gefundenen Spielzeugpistole kommt ihm das All-inclusive-Hotel „Gefängnis“ in den Sinn. Er wägt vor und Nachteile dieser Unterbringung witzig, aber auch mit gedanklichem Tiefgang, ab. Als Requisite dient lediglich ein Mülleimer nebst Inhalt. Nathanaels Versionen von „Bring him home“ und „The impossible dream“ verursachten bei mir Gänsehaut.

Als weiteren Zwischenstopp im Programm zeigen uns Hannah Leser, Franziska Grau, Christine Lecke und Sebastian Prange einen Gruppentanz.

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Letzter Darsteller vor der Pause ist Dominik Niedermaier, der uns in „Der geheime Plan des Lebens“, in die Arbeitswelt des russischen Toilettenmannes Juri schauen lässt. Er liebt seine Arbeit zwar, würde aber auch gerne mal etwas anderes machen. Leider steht ihm laut Arbeitsamt immer sein Akzent im Weg. Durch ein Wunder verschwindet dieser Akzent und nun stünden ihm alle Türen und Tore offen, seinen Beruf zu wechseln. Aber möchte er das auf einmal überhaupt noch? Er gelangt zu der Erkenntnis, dass man seine wahre Bestimmung finden und zu sich selber stehen sollte. Mit auf die Bühne bringt er einen Wischmopp und ein Radio. Dominik zeigte verschiedene Tanzstile und erzeugte Gänsehaut mit seiner Interpretation von „Tanz durch die Welt“, vor allem auch, weil der Text des Liedes absolut passend zur Aussage seiner Darstellung gewählt war.

Musik, Liebe und ein „Happy ending“

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Nach der Pause erleben wir Sebastian Prange, der uns die Welt des jungen Kontrabassisten Paul zeigt. Mit allen zwischenmenschlichen Irrungen und Wirrungen um die Liebe zu Sarah oder Luisa. Ihm dienen als Bühnenausstattung eine Theke und eine Flasche Bier. Sebastians Version des Alfred bei „Sarah“ aus Tanz der Vampire und im Besonderen seine tiefen Töne ließen mich staunen.

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Hannah Leser spielt in „Ehe, wem Ehe gebührt“, eine junge Braut deren Bräutigam zu spät zur Hochzeit erscheint. All ihre Zweifel und Bedenken bezüglich der Ehe mit Kai brechen aus ihr heraus und man fragt sich mehr als einmal, ob ihr Bräutigam noch rechtzeitig kommt, oder ob sie die Hochzeit absagen wird. Hannah stellt sich dabei lediglich mit ihrem Brautkleid auf die Bühne. Besonders ihre glockenklare, klassisch ausgebildete Stimme stach nachhaltig hervor.

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Als nächstes sehen wir die junge Sally, dargestellt von Christine Lecke, die auf einer Audition unbedingt die Rolle des Flippers ergattern möchte. Sie erzählt uns in „Delfine sind keine Fische“, ob und wie sie es schafft. Eine Tasche mit ihren Bühnenoutfits sowie eine Ballettstange begleiten sie bei der Darbietung. Christines Eleganz beim Tanz war wunderbar.

Hier folgt nunmehr eine weitere Unterbrechung, nochmals mit einem Stepptanz. Dieser wird von Hannah Leser, Franziska Grau, Sebastian Prange und Maike Jakobs gezeigt.

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Lukas Jansich spielt anschließend den Klavierstudenten Sebastian, der hoffnungslos in die Hornistin Alice verliebt ist. Leider erfährt er bei seiner Beichte, dass diese die Stadt verlassen wird. Aber was wäre passiert, wenn sie geblieben wäre? „Die Hornistin“ fordert als Requisite ein Keyboard und ein Sofa. Lukas konnte mich vor allem mit seinem Klavierspiel u.a. „Ballade pour Adeline“, aber auch mit „Alice“ und seinen schauspielerischen Eigenschaften abholen. 

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Als letzte sehen wir Melanie Kastaun, die uns in „Verliebt. Verlobt. Verlassen.“ ihre Video-Kontakt-Anzeige vorspielt. Sie möchte auf diesem Wege gerne ihre große Liebe finden und benötigt lediglich einen Stuhl für ihre Darbietung. Ebenso wie zuvor bei zwei von  Nathanaels Songs bekam ich auch bei Melanies „I will always love you“ eine Gänsehaut. 

Zum Programmabschluss erleben wir mit „Happy ending“ noch einmal die gesamte Cast singend und tanzend auf der Bühne.

 Wie war es?

An dieser Stelle kann man nicht wirklich sagen, welche/r der Absolventen/Innen am besten gefallen hat. Alle konnten absolut begeistern. Jeder hat andere Schwerpunkte und sie zeigen alle eine große Talentbandbreite.

Alles in allem ein sehenswertes Programm mit 10 Solisten, die sich absolut gerechtfertigt zu den  besten Absolventen des Jahres 2017 zählen dürfen. Dieser außergewöhnliche Abend wird sicher in Erinnerung bleiben und man darf gespannt sein, wo wir diese jungen Talente wiedersehen werden.

Sollten Sie nun Interesse an diesem ungewöhnlichen Programm gefunden haben, können Sie sich noch bis zum 29. Juli 2017 im First Stage Theater von den jungen Ausnahmetalenten in komische, dramatische und emotionale Welten entführen lassen. http://www.firststagehamburg.de

 Finale alle (1)

Text und Bilder: Astrid