Exklusiv Interview – Best of 2017

Best of 2017 - First Stage HH

Am 22. Juli 2017 wurde im First Stage Theater Hamburg zur Premiere der „Best of 2017“ geladen. Hierbei handelt es sich um eine Bühnenshow der zehn besten Absolventen der Stage School Hamburg, Deutschlands ältester Bühnenfachschule für Tanz, Gesang und Schauspiel, die ihre Prüfungsarbeiten einem breiten Publikum vorstellen konnten.

Bei dieser Gelegenheit durfte Bühnenlichter.de den zehn Hauptdarstellern des Abends – unmittelbar nach der Vorstellung – ganz exklusiv ein paar Fragen stellen:

Eure erste Premiere als einer der besten zehn Absolventen der Stage School Hamburg ist geschafft. Während eurer Ausbildung seid ihr schon mehrfach vor Publikum aufgetreten. Inwiefern unterscheidet sich der heutige Auftritt von den bisherigen? War der Adrenalinpegel heute höher oder hielt sich das Lampenfieber in Grenzen?

Franziska Grau: So aufgeregt wie heute war ich noch nie, weil es eben mein eigenes Programm ist und man natürlich möchte, dass es gut ankommt. Man hat dieses Programm eben noch nie vor Publikum vorgetragen und gerade deshalb keine Ahnung, wie es ankommt. Ob gelacht wird, auch an den vermuteten Stellen, oder eben im Zweifel gar nicht. Ich habe während der Ausbildung zwar häufig auf der Bühne gestanden, aber eben noch nie ganz alleine. Ich war nur auf mich allein gestellt. Daher war das heute eine ganz neue Erfahrung für mich. Aber als ich einmal dran war, machte es richtig Spaß.

Melanie Kastaun: Ich habe im Vergleich zu Franziska schon mindestens zwei Mal – im Rahmen der Schule – alleine auf der Bühne gestanden. Aber trotzdem war ich heute viel, viel nervöser als sonst. Uns eilt der Ruf von ‚die zehn Besten‘ voraus. Man hört das und dann möchte man dem auch gerecht werden. Der Druck ist dann noch einmal höher, ein riesiges Stück größer als wenn man halt z. B. eine Monday Night spielt. Da spielt man zwar auch vor einem großen Publikum, aber da ist man eben noch Schüler und nicht fertig ausgebildet.

Melanie, dann kam bei Dir auch noch hinzu, dass Du der letzte Akt im Programm warst und den ganzen Abend Deinem Auftritt entgegen fiebern musstest.

Ja! Ich habe die ganze Zeit mehr oder weniger gewartet. Natürlich habe ich auch bei Umbauten geholfen und eine Steppnummer getanzt, aber ich habe eben auch alle anderen Programme gesehen. Die anderen waren so großartig, da wird der Druck nochmal wesentlich größer, wenn man als Letzte raus muss.

Ihr wurdet gerade vom Publikum, absolut verdient, gefeiert. Seid ihr selber mit eurem heutigen Auftritt zufrieden, hättet Ihr euch etwas anders gewünscht oder ist gar etwas schiefgegangen?

Nathanael Anderfuhren: Es kommt immer sehr auf das Publikum an. Es ist total amüsant. Das eine Publikum lacht an der einen Stelle, das nächste an einer ganz anderen. Ich habe heute mit Lachern an komplett anderen Stellen gerechnet, als dort, wo das Publikum reagierte. Daher war es nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut.

Christine Leche: Ich glaube, man kann immer noch mehr machen und ist nie ganz zufrieden. Das ist auch so ein bisschen ein Teil von diesem Beruf, dass man nie ganz zu Ende ausgebildet und nie ganz zufrieden sein wird. Man versucht immer mehr zu machen und auch immer besser zu werden.

Ihr brennt für das Leben auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Gab es während eurer Ausbildung auch Zeiten, in denen ihr an eurem Entschluss, gerade diesen Beruf zu wählen, gezweifelt habt?

Sebastian Prange: Oh ja, oh ja! (Was hier bestätigend von allen zu hören war!) Bei mir waren es vor allem tatsächlich Zweifel am Genre. Ich hatte am Anfang mit dem Tanzen größere Schwierigkeiten, weil ich erst spät damit angefangen habe. Singen war eigentlich schon immer so ’na das machst Du mal einfach so‘. Am Tanzen hat es aber auch zwischendurch gehapert. Aber irgendwann hat es dann Klick gemacht und ab dann ging alles bergauf und immer schneller. Dann war ich auch zufriedener mit mir selber. Es gibt natürlich immer Tiefpunkte, dass erlebt jeder mal. Aber im Endeffekt habe ich dann doch gesagt: ‚Das ist es! Das machst Du jetzt einfach! Dieses Drei-Sparten-Ding, alles gleichzeitig, on top! Einfach ein toller Beruf.‘. Es ist echt heftig. Eben eine große Aufgabe, alles gleichzeitig machen zu müssen: Tanzen, singen und schauspielern.

Lukas Janisch: Ich glaube, das Schwierige daran ist, dass man eigentlich immer nur Kritik bekommt. Dann zu lernen, dass man wirklich nur wächst an der Kritik. Dass es nie etwas Persönliches ist, sondern es darum geht, dazuzulernen und besser zu werden. Ich habe gemerkt, dass sich auch bei mir im zweiten Jahr ein Schalter umgelegt hat. Dann dachte ich eben, einfach so viel mitnehmen, so viel in der Ausbildung lernen, wie nur eben möglich.

Wer ist quasi „schuld“ daran, dass ihr gerade diesen Ausbildungsweg gewählt habt? Gibt es bestimmte Idole und – wenn ja – um wen handelte es sich da?

Maike Jacobs: Bei mir war es meine Theater-AG-Lehrerin. Sie hat mir immer gesagt, dass ich das machen soll, dass gerade Tanzen, Gesang und Schauspiel mein Ding sei. Eigentlich wollte ich zuerst nur eine Schauspielausbildung machen, hatte mich da auch schon beworben, aber das hat leider nicht so wirklich funktioniert. Obwohl ich dann an einer Schule sogar angenommen wurde, merkte ich, dass mir Gesang und Tanz fehlen würden. Ich machte bis dahin auch in dieser Richtung schon recht viel, mit Schauspiel halt leider noch gar nichts. Meine Lehrerin hat mir dann letzten Endes in den Hintern getreten und gesagt, ich solle mich bewerben, einfach mal so einen Workshop mitmachen. Den hab ich dann auch hier an der Schule mitgemacht und es hat funktioniert. Also kein Idol, sondern ’nur‘ eine Lehrerin.

Dominik Niedermaier: Eigentlich ist das ein Ding von meiner Oma. Meine Oma hat mir damals immer gezeigt, wie man Nachbarn ganz gut nachmachen kann. Ich glaub, von ihr hab ich das mit dem Leute nachmachen auch so ein bisschen gelernt. Meine Oma ist jetzt keine ausgebildete Schauspielerin, aber sie spielte mir häufig was vor. Ich mache das, glaube ich, auch ein bisschen für sie. Irgendwie kam dann halt das Eine zum Anderen und jetzt stehe ich hier.

Was macht ihr jetzt nach den Vorstellungen von „Best of“? Geht es erst mal in Urlaub oder habt Ihr schon neue Herausforderungen beruflicher Art zu bewältigen?

Hannah Leser: Wir müssen uns fit halten. So ein Auftritt wie heute, wo wir nur zehn Minuten auf der Bühne sind, hält nicht fit. Wir müssen regelmäßig üben und trainieren, sonst ist alles weg, was wir in der Ausbildung gelernt haben. Als ausgebildete Darsteller, die jetzt neu auf dem Markt sind, kommt tatsächlich erst einmal eine Phase, wo wir uns durchkämpfen müssen. Uns kennt halt niemand. Man muss sich überall bewerben, an Auditions teilnehmen, dafür sorgen, dass die richtigen Leute unsere Namen kennen. Am Anfang ist es halt schwierig, eingeladen zu werden, gerade weil man frisch von der Schule kommt. Deswegen kann es passieren, dass man erst mal ein paar Monate oder auch ein Jahr gar nichts hat und sich durchkämpfen muss. Wir fangen damit jetzt an. Akquise, Klinken putzen, Auditions. Wir müssen alles mitnehmen, was geht.

Till Jochheim: Wir haben jetzt seit März durchgepowert und uns auf diese Prüfung vorbereitet. Dann haben noch viele von uns das Abschlussprojekt ‚Chicago‘, mitgemacht und jetzt eben das ‚Best of‘. Ich glaube tatsächlich, dass ich mir erst einmal eine kurze Auszeit gönnen werde. Ich werde wohl, sagen wir mal so eine Woche, irgendwo an den Strand fahren und danach – wie Hannah schon sagte – überall, wo es geht, vorstellig werden, den entsprechenden Leuten schreiben und mich bewerben. Ich glaube, dass man gerade die kleinen Sachen nicht unterschätzen darf. Gerade diese vielen ganz kleinen Rollen bringen einem sicher viel. Dass wir jetzt alle gerne eine der großen Rollen bei ‚Tanz der Vampire‘ oder so hätten, ist klar, aber bis wir soweit sind, dauert es eher noch etwas. Bis dahin sollten wir Bühnenerfahrung sammeln, wo es nur geht. Es gibt da so viele verschiedene Branchen. Wenn man da z. B. ans Kindermusical denkt, das ist ein ganz anderes Publikum. Da muss man ganz anders spielen und genau diese Erfahrungen müssen wir sammeln. Nur dann kann man nachher von sich behaupten, man sei ein Allrounder und könne wirklich viele Sparten bedienen. Und eigentlich sind wir erst dann auch wirklich bereit für die richtig großen Rollen.

Finale alle (1)

Das Team von Bühnenlichter.de bedankt sich bei allen Beteiligten – vor allem bei den Protagonisten – die diese exklusiven Einblicke in einen bewegenden, emotionalen und wunderbaren Abend ermöglicht haben.

Wir wünschen den jungen Talenten einen perfekten Start in eine hoffentlich erfolgreiche Karriere.


Interview von Astrid