Ein Interview mit Milica Jovanovic

„Kinder sind ehrlich und pur“

img_9459Mittlerweile ist sie ein Glanzstern am Musicalhimmel zwischen Deutschland und Österreich: Milica Jovanovic.

Ausgebildet an der Münchner Theaterakademie August Everding bekam sie auf Anhieb einen Ensemblevertrag am renommierten Gärtnerplatztheater in München und war dort fünf Jahre fest engagiert. 2013 konnte man sie als „Christine“ in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Love never dies“ in Wien erleben. Hier konnte sie dem breiteren Publikum zeigen, dass sie nicht nur im Musicalfach zuhause ist, sondern auch in der Oper. Davor und auch danach war sie in den unterschiedlichsten Rollen zu sehen, unter anderem als „Winifred Banks“ in „Mary Poppins“ in Wien, „Betty Schaefer“ in „Sunset Boulevard“ in Magdeburg oder auch als „Evita“ in Wiesbaden. Selbst die „Papagena“ in Mozarts „Die Zauberflöte“ gehörte zu ihren Rollen. Die Liste ist lang.

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Als „Guinevere“ in „Artus – Excalibur“ bei den Freilichtspielen in Tecklenburg 2016 (in Hintergrund Andrea-Luca Cotti als „Lucan“)

Im Sommer 2016 stand sie in „Artus – Excalibur“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg mit auf der Bühne. 2017 wird sie dort als „Ich“ in „Rebecca“ zu sehen sein.
Doch bis dahin wartet ein neues Abenteuer auf sie: ab dem 30.September 2016 wird sie die Rolle der „Eleonore Schikaneder“ in der Welturaufführung des neuen Musicals der Vereinigten Bühnen Wien darstellen. Eine Rolle, die es bisher noch nicht gab und die sie nun kreieren durfte.

In unserem Interview bekommen wir nur einen kleinen Einblick in das turbulente Bühnenleben der sympathischen Schauspielerin. Wir bedanken uns für das Interview, wünschen Milica für ihre Zukunft weiterhin alles Gute und den Lesern viel Spaß beim lesen.


Das Interview

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Milica als „Christine“, zusammen mit Drew Sarich als „Phantom“, in der konzertanten Aufführung von „Love never dies“ in Wien, 2013 (Bild: Copyright Rolf Bock VBW)

Liebe stirbt nie: Wie war es für dich, Christine konzertant in Wien und dann ein paar Jahre später in der Inszenierung als Walk in Cover in Hamburg darzustellen?

Milica: Christine in Wien zu singen war für mich ein wahr gewordener Traum. Ich werde nie den Moment vergessen, als ich zum ersten Mal „Liebe stirbt nie“ mit dem wunderbaren VBW- Orchester unter Koen Schoots  gesungen habe und dann zum ersten Mal vor Publikum. Ich denke, die Premiere war für mich der erfüllendste Augenblick meiner bisherigen Laufbahn. Im Konzert hatten wir kein Bühnenbild und jeder nur ein Kostüm und so waren wir sehr auf die Musik und das Schauspiel konzentriert. In Hamburg fand ich es dann sehr spannend, eine etwas andere Interpretation der Rolle zu entdecken. Und natürlich die wunderschönen Kostüme und Perücken von Christine zu tragen. Ich habe durch beide Städte mit 5 verschiedenen Phantomen gespielt und jeder von ihnen hat mich neue Seiten gelehrt.

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Milica als „Guinevere“ und Roberta Valentini als „Morgana“ beim Schlussapplaus in Tecklenburg 2016.

Was gefällt dir an Tecklenburg so sehr, dass du nächstes Jahr als „Ich“ in Rebecca wieder zurückkommts? Was macht die Arbeit an der Freilichtbühne aus?

Milica: Tecklenburg ist Arbeit in einem Urlaubsort. Die Energie in diesem Ort ist magisch. Es ist besonders, wie wir als Cast zusammen Zeit verbracht haben und ich habe mich trotz der vielen Proben wie im Ferienlager gefühlt. Ich finde es wunderbar, wie das Genre Musical im Ort und an der Bühne geschätzt wird. Dem Intendanten Radulf Beuleke ist Qualität sehr wichtig, wie zum Beispiel ein großes Orchester zu haben.

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„Edelweiß“ – Pfingstgala Tecklenburg 2016 – Milica im Duett mit Uwe Kröger, der in Salzburg mit ihr zusammen in „Sound of Music“ auf der Bühne stand.

Wie war die Arbeit bei „Mary Poppins“ und „Sound of Music“ mit den Kindern? 

Milica: Wunderbar. Kinder sind ehrlich und pur. Von ihrem Schauspiel konnte ich viel lernen. Ich freue mich jetzt immer wieder, wenn ich von „meinen Kindern“ Besuch in meinen neuen Stücken oder Nachrichten bekomme.

Wärest Du auch gerne einmal über die „Dächer der Stadt“ geflogen – also selbst „Mary Poppins“ gewesen?

Milica: Ja, das wäre ich auch gern gewesen, aber ich hätte auch Annemieke für die Rolle besetzt, sie war wunderbar und ist perfekt als „Mary Poppins“. Ich war aber sehr glücklich in dieser Konstellation und habe „Winifred“ sehr, sehr gern gehabt.

Du hast in Salzburg in „Sound of Music“ gespielt. Was lehrt uns das Stück? 

Milica: Das Stück lehrt mich, für seine eigenen Prinzipien einzustehen. Und dass man mutiger sein sollte, um seinen eigenen Lebensweg zu finden, auch, wenn es der schwerere Weg ist.

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Presscall zu „Schikaneder“ am 16.09.2016 im Raimund Theater Wien. Milica hier mit Mark Seibert, der den „Emanuel Schikaneder“ darstellt.

Spielst Du lieber ernste oder unterhaltsame Rollen?

Milica: Ich liebe beides. Für mich ist es wichtig, herausgefordert zu werden. Danach suche ich mir meine Arbeit aus.

Welche Rolle hat dir bisher am meisten Spaß gemacht? 

Milica: Christine in Love Never dies

In welchem Musical würdest du gerne einmal spielen?

Milica: Ich muss noch Clara in „The Light in the Piazza“ spielen, solange ich noch einigermaßen in dem Alter bin. 😉 Jetzt freue ich mich erst mal auf „Eleonore Schikaneder“.

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Milica als „Eleonore“ in „Schikaneder“

Wie ist Eleonore? Wird sie viel von Milica in sich haben oder total das Gegenteil sein? Du kannst sie ja ganz und gar formen, diese Rolle gab es nie zuvor….

Milica: Eleonore ist eine starke, hochintelligente, sehr emotionale Frau. Unser Stück begleitet sie auf dem Weg ihrer Emanzipierung.

Sie hat vieles von mir, weil ich das große Glück habe, die erste Eleonore zu sein. Aber natürlich ist es eine Rolle, keine zweite Mili. Sie reagiert zum Beispiel manchmal sehr cholerisch und kann sehr wütend sein, das bin ich privat eher nicht.

Ich bin fasziniert von ihrer Stärke und wie sie auf Probleme reagiert. Wir haben am 30. September Premiere und ich freue mich sehr darauf.

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