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Ein Bodyguard nimmt Abschied
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Quelle: Jadran Malkovich

Jadran Malkovich, der in Leverkusen geborene und in Serbien aufgewachsene Schauspieler, spielte bis zum 15.4.2018 in Stuttgart im Musical „Bodyguard“ die Hauptrolle des Frank Farmer, die er zuvor auch schon in Köln gespielt hatte. Wir trafen Jadran kurz vor seiner letzten Show in Stuttgart.

Was kommt nach „Bodyguard“?

Jadran: Das bin ich jetzt schon ganz oft gefragt worden und es ist total schwierig, darauf zu antworten. Ich habe 2 Projekte, die mir wichtig waren, die aber leider verschoben wurden und ich weiß nicht, ob es an den Terminen oder am Geld lag. Bei diesen Produktionen ist das anders als beim Musical. Beim Musical unterschreibst du den Vertrag, auch wenn Beginn erst in ein paar Monaten ist, aber du weißt genau, dann geht es los. Bei Filmen ist das eben so, dass es erst los geht, wenn du wirklich am Set stehst.

Und wäre das in Deutschland?

Jadran: Nein, in England.

Wo fühlst du dich denn zu Hause?

Jadran: Mein Zuhause ist da, wo ich gerade bin! Aber so langsam denkeich darüber nach, wo ich meine Basis aufbaue. Ich überlege, ob in England, Frankreich oder Italien. Italien würde mir sehr gefallen. Das ist eben auch etwas, was ich jetzt machen möchte, solange ich Zeit habe.

Aber momentan wohne ich in Deutschland. Ich wurde auch schon oft gefragt, ob ich mich mehr als Deutscher oder als Serbe fühle, aber da ich so oft in verschiedenen Ländern unterwegs bin, fühle ich mich eigentlich als Weltbürger. Damit kommt man auch viel besser klar. Ich versuche mich immer an Land und Leute anzupassen, wo ich gerade bin. Das ist viel einfacher als zu sagen, hej, ich komme von da und da und da macht man das anders und ich möchte, dass man das hier auch so macht.

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(c) Ingrid Kernbach

Wie hat es dir denn in Stuttgart gefallen?

Jadran: Ganz ehrlich gesagt, hatte ich nicht viel Zeit, Stuttgart kennenzulernen. Aber was ich gemerkt habe, Ex-Jugoslavien ist in Stuttgart sehr präsent. Anfangs dachte ich noch, das muss ein Zufall sein, dass ich ständig jemand aus Serbien, Kroatien oder Bosnien treffe, aber hier leben tatsächlich sehr viele Leute aus Ex-Jugoslavien. Das finde ich wirklich sehr interessant,denn eigentlich ist Stuttgart schon sehr deutsch, aber dann doch auch durch den Balkan beeinflusst. Ein unglaublicher Mix.

Hast du auch die schwäbische Küche mal probiert? Maultauschen oder Linsen mit Spätzle?

Jadran: Nein, das nicht. Ich esse gluten- und laktosefrei. So ein Essen wie Maultaschen und Soße würde ich vermutlich nicht überleben. Ich habe es wirklich schon mehrmals probiert, weil ich es einfach nicht wahrhaben wollte, aber danach ging es mir immer sehr, sehr schlecht. Und essen vor der Show geht schon gar nicht, sonst schlafe ich während der Show ein. Ich esse zwei Stunden vor der Show nichts mehr, dann die Show und bis ich dann abgeschminkt und zuhause bin, sind es 6 Stunden ohne Essen. Dann habe ich aber wirklich einen riesigen Hunger.

Bist du pünktlich?

Jadran (lacht): Nein, momentan bin ich gerade eher immer ein paar Minuten zu spät. Aber ich habe so Phasen. Manchmal bin ich pünktlich, sogar überpünktlich, aber momentan ist das eher seltener der Fall, wobei mich das selbst nervt, denn dann fängt ein Treffen erst mal mit meiner Entschuldigung an. (Anmerkung der Red. Zu unserem Termin war er sehr pünktlich)

Wie würdest du dich beschreiben?

Jadran: Das ist total schwierig, weil mir sofort alle negativen Seiten einfallen.

Und wie wäre es mit Stärken und Schwächen?

Jadran: Das wird noch schlimmer! Also ich würde mich als positiven Menschen bezeichnen. Außerdem bin ich sehr aktiv. Ich bin viel unterwegs und ich mache gerne Sport. Ich kann nicht sehr lange still sitzen, ich muss immer etwas unternehmen. Und ich lache sehr gerne! Meine Schwächen? Die Pünktlichkeit könnte besser sein. Und ich glaube, mir fehlt Härte. Ich denke manchmal viel zu lange über Entscheidungen nach und treffe die deswegen nicht. Ich sehe immer alles positiv. Und ich glaube, das ist auch manchmal eine Schwäche. Denn wenn einer Mist baut und sagt anschließend „ich hab das nicht so gemeint“, dann bin ich meist schon zufrieden, statt zu sagen „Nein, das war nicht gut, das war falsch“.

Bist du sentimental?

Jadran: Nein, nicht sehr. Aber jetzt denke ich langsam darüber nach, dass für mich das Ende der Show kommt und ich der Einzige bin, der jetzt geht und alle anderen bleiben. Das ist ein komisches Gefühl. Wenn ich aber an Leute denke, mit denen ich Zeit verbracht habe, dann muss ich sofort das Handy nehmen und schreiben „Hej, wie geht’s? Ich habe gerade an dich gedacht“. Ich würde nicht einfach dasitzen und nur darüber nachdenken, wie schön es war. Das wäre traurig.

Das ist sehr schön von dir! Oft hört eine Produktion auf und die Leute verteilen sich in alle Himmelsrichtungen.

Jadran: Ja, das war ein Schock für mich in Köln. Da hatten wir ja eine Verlängerung, aber 80% der Cast ging schon vor dem tatsächlichen Ende. Und da waren plötzlich ganz viele neue Leute für die letzten Shows da und ich habe mich gefühlt, als sei ich der Neue. Und dann kam das Ende der Verlängerung, also nochmal Ende vom Ende und plötzlich waren alle weg. Und ich saß da in Köln, weil ich noch etwas zu erledigen hatte und ich dachte mir: „Was mach ich jetzt? Ich kenn hier niemanden.“ Aber so ist das halt. Man muss einfach weitermachen.

Das ist halt in der Musicalbranche so, dass nach dem Ende einer Produktion die Leute auseinandergehen, aber irgendwann treffen sie sich auch wieder.

Das ist aber wirklich so! Als ich hier in Stuttgart angefangen habe, kannte ich fast niemanden. Aber da sind welche dabei, die kennen sich schon ewig, waren schon früher in anderen Musicals zusammen.

Du bist ja eigentlich Schauspieler, hast schon in vielen Filmen wie z.B. in Stephen Spielbergs „Gefährten“, der ZDF-Reihe von Rosemunde-Pilcher-Filmen u.v.m. mitgespielt. Hast du denn trotzdem Lust, noch einmal Musical zu spielen?

Jadran: Ja, es gibt ein Musical, das ich sehr gerne machen würde, nämlich CHICAGO. Da würde ich von meinem Typ her sicher gut passen. Sonst sehe ich aber wenige Musicals, die für mich in Frage kommen. Ich finde HAMILTON toll. Aber gesangsmäßig pass ich da gar nicht. Und so singen kann ich auch nicht. Aber ich denke, CHICAGO könnte ich spielen.

Wie gut singst du denn?

Jadran (lacht): Genau so wie bei „Bodyguard“! Privat etwas schlimmer, weil ich mich hier auf der Bühne zurückhalten muss. Nein, aber jetzt ernsthaft, es ist schon ganz okay.

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(c) Ingrid Kernbach

Hast du mal überlegt, zu „Bodyguard“ nach Wien zu gehen?

Jadran: Die Stadt ist natürlich sehr schön und ich war schon einige Male dort. Ich habe sogar Familie in Wien. Es ist ja auch sehr nah an Serbien und Slowenien, wo ich sehr gerne meine Zeit verbringe. Ich bin sehr oft dort. Aber ganz ehrlich, ich bin ja direkt von Köln nach Stuttgart gegangen und dann direkt wieder weiter nach Wien, das wären dann vier Jahre insgesamt, das wäre wirklich zu viel. Ich möchte auch 100% liefern, wenn ich auf der Bühne bin und ich merke langsam, dass ich jetzt an einem Punkt bin, wo ich das nicht mehr kann. Und ich finde, das wäre dann unfair gegenüber meinen Kollegen und vor allem auch gegenüber dem Publikum, das ja 100% sehen will und dafür auch teures Geld bezahlt.

Wenn du eine Rolle aussuchen kannst, spielst du lieber den Lover, den Actionhelden oder den Bösen?

Jadran: Es ist der Mix, der reizvoll ist, jede Seite hat seine Vor- und Nachteile. Ich würde sagen, als Bösewicht kann man sich so richtig austoben und so richtig Spaß haben. Aber es hat natürlich alles mit dem Drehbuch zu tun. Wenn das gut geschrieben ist, dann machen alle rollen Spaß. Wenn man einen Bösewicht spielt oder einen Helden, dann ist ja das, was er tut, für ihn das Richtige. Von daher machen beide Seiten Spaß. Wenn ich einen Bösewicht spiele, denke ich nicht, dass ist jetzt falsch, was er da macht. Aus seiner Sicht ist es das Richtige. Er hat ja einen Grund dafür.

Ich hab vor kurzem den Film „Black Panther“ gesehen. Da war der Bösewicht eigentlich der, von dem ich dachte, eigentlich sollte er gewinnen. Er hatte so viel Persönlichkeit und war so charmant, dass ich dachte, ich möchte nicht, dass der stirbt, sondern ich möchte, dass er das Ganze überlebt.

Aber mir machen beide Seiten Spaß, mir macht die Arbeit generell Spaß. Und einen Lover habe ich bisher noch nicht gespielt.

Gibt es etwas, was dir besonders viel Freude macht?

Jadran: Also für mich ist das Schönste, wenn ihr (das Publikum) aus der Show rausgeht und eine tolle Zeit hattet. Dafür mache ich das hier. Das ist für mich perfekt.

Was ist denn dein Lieblings-Urlaubsort?

Jadran: Hawaii! Da war ich im Januar zum ersten Mal. Ich war in Waikiki auf Oahu. Das wars. Schon am zweiten Tag dachte ich, ich bin da, wo ich ankommen sollte. Im Hotel haben sie gefragt, was ich mache, und als ich gesagt habe, ich spiele im Musical „Bodyguard“ meinten alle gleich, ich solle doch das da machen! Das wäre ein Traum. Wien oder Hawaii – da ist die Antwort ganz einfach!

Und was hast du dir angeschaut bzw. was hast du gemacht?

Jadran: Ich hatte für die ganze Zeit ein Auto und bin rund um die Insel gefahren, habe geschnorchelt und getaucht und bin auf den Coco-Hat gewandert. Ich hatte eine lange Liste, was ich alles sehen und machen wollte. Eigentlich wollte ich noch nach Big Island fliegen, weil es da noch tolle Strände und den großen Vulkan gibt, aber das habe ich gar nicht alles geschafft.

Vielen Dank für das lustige und ausführliche Gespräch und wir hoffen alle sehr, dich bald wieder zu sehen!

Interview: Ingrid Kernbach

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Quelle: Jadran Malkovich

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