DIVA – eine emotionale Symbiose von Tanz und Musik

Ein Tanzabend

am Theater Magdeburg

 

(c) Theater Magdeburg
(c) Theater Magdeburg

„Diva“ – allein das Wort lässt bei den meisten Menschen Bilder im Kopf entstehen. Dabei sind die Assoziationen jedoch ganz unterschiedliche. Manch einer hat vielleicht sofort die großen Diven des Showbiz vor dem geistigen Auge, wie etwa Marlene Dietrich, Audrey Hepburn oder Greta Garbo. Andere denken möglicherweise einfach nur an Menschen aus ihrem Umfeld, die sich verhalten „wie eine Diva“.

Doch was genau ist eine Diva? Was macht sie aus? Und was genau meint man damit, wenn man jemandem ein „divenhaftes“ Verhalten unterstellt? Diese Fragen stellte sich auch der Magdeburger Chefchoreograf und Ballettdirektor Gonzalo Galguera und kreierte aus diesen Fragen einen rund anderthalbstündigen Tanzabend.

Dabei erzählt er jedoch nicht die Geschichte einer ganz bestimmten Diva, sein Tanzabend ist kein Handlungsballett mit einem stringenten roten Faden und einer vorgegebenen Geschichte. Vielmehr konzentriert sich Galguera auf den Typus der Diva, schlaglichtartig zeigt er Episoden eines Lebens, hinter welchem viele Namen stehen könnten. Jede einzelne der insgesamt acht Szenen ist so ein Schlaglicht. Und schon diese szenische Komposition ist eine Parallele zum Titel, denn der Zuschauer sieht nur die Episoden, die man ihn sehen lassen will. So wie auch die wirklichen Diven uns nur an einzelnen Episoden ihres Lebens teilhaben lassen. Was außerhalb des Scheinwerferlichts mit ihnen geschieht, bleibt uns Außenstehenden meist verborgen. Und eben jene Phasen im Leben einer Diva sind es, die Gonzalo Galguera uns zeigt, sie wortwörtlich aus dem Verborgenen ins Scheinwerferlicht holt.

(c) Theater Magdeburg
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Getanzt wird der Diven-Abend zu Musik von Luca D’Alberto, vom Balanescu Quartet und vor allem von Thomas Duda. Seine Musikstücke sind ausschließlich Neukompositionen, die während des Probenprozesses von „Diva“ eigens für dieses Stück entstanden sind. Und Gonzalo Galguera gelingt es, mit seinen Choreografien eine einzigartige und fesselnde Symbiose zwischen Musik und Tanz zu schaffen. Wie gewohnt, sind seine Choreografien ausgesprochen anspruchsvoll, für so manches Neumitglied der Compagnie vielleicht sogar noch etwas zu anspruchsvoll. Doch in jedem Fall sind die Bilder, welche die Tänzerinnen und Tänzer des Magdeburger Balletts auf der Bühne entstehen lassen, sehr eindrücklich und emotional.

Allen voran die „Diva“ Anastasia Gavrilenkova. Die Ballerina, die seit vielen Jahren fester Bestandteil der Magdeburger Compagnie ist, hat diese Rolle in nur drei Tagen einstudiert. Eigentlich war sie für die Titelrolle nämlich gar nicht vorgesehen, sprang aber kurzerhand für Leah Allen ein, die sich während der Endproben eine schwere Verletzung zuzog.

Sie ist der Fixstern des Abends, nimmt die Zuschauer mit auf die Reise, die mit „Das Fenster zur Seele“ beginnt und mit „Abschied und Verklärung“ endet. Dazwischen erzählt sie die Geschichten aus dem Verborgenen, vom Aufstieg und Fall, von Zeiten des Glücks und denen der Verzweiflung. Diese Reise beginnt mit der Suche nach sich selbst, nach dem was sie ist und was sie ausmacht, geht weiter mit dem Eintritt in eine neue Welt, in der sie die Höhen und Tiefen eines Divenlebens durchläuft. Dieses reicht von exzessivem Kleidershopping (bei welchem sie von einer Schar Rudolf-Mooshammer-Lookalikes umschwärmt wird) über die fast schon verzweifelte Suche nach dem passenden Lebenspartner bis hin zu Auftritten bei extravaganten Events.

Kurz vor dem Ende dieser Reise bekommt dann die Diva doch noch ein konkretes Gesicht, nämlich das von Marlene Dietrich. Sie gilt  – mit all den sie umgebenden Geschichten und Mythen – als eine der größten Diven des 20. Jahrhunderts und steht somit auch bei diesem Tanzabend völlig zu Recht stellvertretend für alle Diven dieser Welt.

(c) Theater Magdeburg
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Und so endet der Tanzabend folgerichtig auch so wie das Leben der meisten Diven. Die Perücke wird abgenommen, das Gesicht abgeschminkt, die große Robe wird ausgezogen und beim Blick in den Spiegel bleibt einfach nur ein Mensch. Pur, unglamouröus, aber ehrlich, mit all seinen sichtbaren und unsichtbaren Narben und Makeln an Körper und Seele.

In Szene gesetzt wird dieser eindrucksvolle und berührende Tanzabend im sparsamen und doch ungemein ausdrucksstarken Bühnensetting von Christiane Hercher. Diamanten, roter Kussmund und Parfümflakon, diese drei Sinnbilder für eine Diva tauchen im Laufe des Abends immer wieder in unterschiedlichen Formen auf der Bühne auf – und am Ende sind auch sie verschwunden.

Leider sind in der aktuellen Spielzeit nur sehr wenige Vorstellungen für das Stück im Spielplan angesetzt, diese finden am 27.10., 4.11. und 24.11. statt.


Text: Karina

Fotos: Theater Magdeburg (c) Andreas Lander